Ten Years After – Große Gewächse (und Vergleichbares) des Jahrgangs 2004 – Teil 1/2

GG 2004Wie schon im letzten Jahr, hat unsere Hamburger Weinrunde auch dieses Jahr wieder eine Bestandsaufnahme der Großen Gewächse zehn Jahre nach Ihrem Erscheinen unternommen. Dem lieben Ole sei Dank, der für die Probe seinen Keller geöffnet hat und bei der Auswahl ein goldenes Händchen bewies. An dieser Stelle ist auch der kleine Pferdefuß einer solchen Probe zu sehen, sie kann eben nur eine Stichprobe sein. Da jedoch die Keller unserer Runde voll sind, wird es in Kürze noch Teil 2 der Ten Years After Probe geben.

Das Weinjahr 2004 war nach dem Hitzejahrgang 2003 wettertechnisch eher das Gegenteil – ein kühler Jahrgang mit einer sehr langen Reifeperiode. Um die volle physiologische Reife der Trauben zu erreichen, mussten die Winzer pokern, Klaus Peter Keller hat z.B. die Lese erst am 23. November beendet. Wer die Nerven behielt, konnte phantastische Trauben einbringen – vollends ausgereift und mit guten Säurewerten. Durch die Bank zeichnete alle Weine unserer Probe eine hohe Frische und aromatische Tiefe aus. Einige waren auch 10 Jahre nach Ihrem Erscheinen noch so unglaublich jugendlich, dass man sprachlos ins Glas schaute und sich beklommen fragte, warum man selbst in der gleichen Zeit deutlich stärker gealtert ist. Basis glockenklarer Rieslinge ist ein absolut sauberes Lesegut, dass der Jahrgang 2004 vielen Winzern auch reichlich beschert hat. Einige Weine der Probe versprechen auch für weitere Jahre herrliches Trinkvergnügen.

2004 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer

93 Punkte – Der Wein sieht im Glas immer noch unglaublich jung aus, transparentes Zitronengelb mit ganz leicht grünen Reflexen. Schon unglaublich, was hier Christoph Tyrell und sein Team auf die Flasche gebracht haben. Schlank, tief und komplex sind die Attribute, die es am besten beschreiben. Ein frischer Duft von Sauerampfer, weißen Johannisbeeren und nassen Steinen, dazu ein Hauch Waldmeister. Dezente Zitrusnoten, sehr klar, rein und frisch; herrlich schlanke Figur, immer noch mit gutem Biss, Grip und enormer Tiefe, schöne Säure. Mineralische Länge! Sehr harmonisch! Auch wenn das damals noch kein GG war, hat Ole die richtige Entscheidung getroffen, diesen Wein in die Probe zu stellen, ein Musterschüler an Frische, Langlebigkeit und Mineralität.

2004 Riesling Winninger Uhlen R, Heymann-Löwnestein – Mosel

90 Punkte – Ein völlig anderer Stil im Vergleich zum Karthäuserhofberg. Typischer Heymann-Löwenstein-Stil: enorm reifes Lesegut, knapp an der Grenze zur Überreife, in seiner Art sicherlich ein Unikat und letztlich ein Stil an dem man sich reiben kann. In der Nase ein Duft von Muskatnuss, Apfelmus, exotischen Früchte und Kräutern. Am Gaumen fällt sofort die deutliche Restsüsse auf, die im Jahrgang 2004 jedoch einen fast ebenbürtigen Gegenspieler namens Säure bekommen hat. Saftiger Stoff mit kräftiger Würzigkeit und hoher Schiefermineralität, Orangenzesten, hoher Extrakt. Barocke Statur, aber auch viel Spiel, dezente Bitternoten und schmutzige Mineraität, da passiert ordentlich was im Glas. Erinnert mich an fruchtiges Marzipan und orientalische Gewürze. Bleibt am Gaumen lange haften, zeigt aber auch eine gewisse Schwerfälligkeit, die in 2004 auf Grund der Säure jedoch nicht gar so behäbig ausfällt wie bei anderen Jahrgängen dieses Weins.

2004 Oestricher Doosberg Riesling ***, Peter Jakob Kühn, Rheingau

92 Punkte – 3.Wein im 1.Flight und nochmals eine völlig andere Interpretation des Jahrgangs. Bei diesem Wein haben Maischestandzeiten bzw. eine Vergärung auf den Schalen genauso eine Rolle gespielt, wie der eher oxidative Ausbau im Fass. In der Nase dominiert eine deutliche Phenolik, der Doosberg zeigt viel kräutrige und vegetative Aromen (Verbene, Anis, Kamille und Heu), auch ein schöner Hefezopf kommt mir in den Sinn. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild, weißer Tee, Lakritze, Kamille und vieles mehr, ist aber nahezu fruchtfrei. Der Wein überzeugt mit seiner lebendigen Art und Frische, und ist keineswegs – wie kürzlich in einem Blog gelesen – bereits hinüber. Der Wein ist furztrocken, zeigt viel mineralisches Spiel und Druck sowie ein wunderbares Säurespiel; der Abgang ist lang anhaltend und ausgewogen.

2004 Rüdesheimer Schlossberg Riesling Erstes Gewächs, August Kesseler – Rheingau

91 Punkte – Ein klassischer Rheingauriesling wie er im Buche steht. Die Nase ein frisches, duftiges Potpourri weißer und gelber Steinobstfrüchte, dezente Kräuterwürze. Am Gaumen herrlich frisch, klar und saftig. Quicklebendig und doch konzentriert, schöner fruchtiger Extrakt. Insgesamt stimmiger Wein, am Gaumen wird die gelbe Frucht komplettiert durch feine Würzaromen, ein paar Gramm Restzucker und eine passende Säure sorgen für das nötige Gleichgewicht. Der Schlossberg hat einen schönen Körper und einen weichen Schmelz. Sehr trinkig!

2004 Monzinger Halenberg Riesling GG, Emrich-Schönleber – Nahe

95 Punkte – für mich eines der GG, das man – auf Grund seiner alljährlichen aromatischen Konsistenz und Klasse  – blind getrunken recht leicht zuordnen kann. Die 04er Jahrgang sticht als primus inter pares selbst hier heraus, ein unglaublich gelungener Halenberg. Ein voller Gongschlag mit höchst reinem Klang. Die Nase ist dicht und reintönig, eine Mischung aus kühlem Gletscherwasser, das mit getrockneten Kräutern, Zesten von Zitrusfrüchten und Steinmehl angereichert wurde; Ingwer und rohen Tobinambur habe ich mir ebenfalls notiert. Am Gaumen auch nach 10 Jahren noch mit viel Zug und innerer Spannung, kraftvoll, vital. Die ausgeprägte Mineralität und ein reine, vielschichtige kühle Frucht sowie Kräutrigkeit beschäftigen die Sinne und den Geist beim Genuss dieses wirklich „Großen“ Gewächses. Hier passt alles: Kraft, aromatisches Spiel, Mineralität, Kühle, animierende, perfekt eingebundene Säure und Länge. Champions League!

2004 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff – Nahe

96 Punkte – Ebenfalls Champions League, aber anders in der Stilistik als der Halenberg von Emrich-Schönleber. Die Harmonie, Finesse und Eleganz dieses Weins ist so besonders, dass man ihm schon seine Aufmerksamkeit schenken muss, um das gesamte Aromenspiel mit seinen zahlreichen Verästelungen vollständig wahrzunehmen. Stand der Halenberg mitten im Raum und hatte gleich die voller Aufmerksamkeit, so möchte die Hermannshöhle mit ihrer Noblesse, Eleganz und Vielschichtigkeit entdeckt werden. Harmonie, höchste Harmonie, filigran, aber nachhaltig. Mineralisch; komplexe und zarte Fruchtanklänge, viel innere Spannung, wunderschön balanciert, feines Spiel. Lupenreiner Diamant, elegant und perfekt – einmal mehr bestätigt: echte Klasse und Perfektion sehen stets leicht und spielerisch aus. Königswein!

GG 2004 Nahe Rheingau
GG 2004 Nahe Rheingau

2004 Westhofener Kirschspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

90 Punkte – Goldgelbe Farbe, kraftvolle, dichte gelbe, aber auch etwas verwaschene Frucht, erdige Noten, Quitte. Am Gaumen vergleichbare Aromatik: viel gelbe Frucht, sehr dicht und kompakt, aber auch ein wenig grobmotorisch, erkennbares Bitterle, sehr viel Extrakt, mittlere Länge. Die Säure ist stimmig und gibt dem Wein ein gutes Rückgrad, sodass der Wein insgesamt als reicher, kraftvoller, aber etwas ungelenker Typ rüberkommt – als Gesamtpaket weiß er trotzdem zu gefallen.

2004 Westhofener Kirschspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – Die Nase wirkt immer noch jung und zeigt viel Spiel. Deutlich von einer kräutrigen Mineralität geprägt, dezente Citrusnoten. Im Mund immer noch erstaunlich straff, jung und zupackend. Die Verbindung von viel innerer Kraft und Spannung mit Ausdruck, Vielschichtigkeit sind eine Kombination, die diesen Wein zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Dieser Wein lebt und entwickelt sich im Glas, Schluck für Schluck lutscht und kaut man und gewinnt immer neue Eindrücke. Bei aller Vielschichtigkeit hat der Wein eine klare Linie, der man nur allzu gerne folgt. Feines Säurespiel und mineralische Tiefe, getrocknete Kräuter, salzige Mineralität. Langes und mineralisches Finale. Großes Kino!

2004 Forster Pechstein Riesling GC, Dr. Bürklin-Wolf – Pfalz

92 Punkte – Helles Goldgelb. Bereits in der Nase präsentiert sich der Grand Cru 2004 aus dem Forster Pechstein als überaus harmonischer und ausgewogener Riesling. Gelbe Frucht, enorm cremig, hocharomatisch mit schönem Extrakt, guter Frucht und feiner Würze; zeigt Widerstand am Gaumen und endet lang auf der Frucht. Auch dieser Wein ist noch jung und kann wie fast alle anderen 2004er dieser Probe noch viele Jahre auf hohem Niveau genossen werden.

2004 Forster Kirchenstück Riesling GG, Reichsrat von Buhl – Pfalz

93 Punkte – Im Auftakt dezente Birnenaromatik, dann weiße Johannisbeeren, weiße Haribo-Gummibärchen (musste ich aufschreiben, da ich die so mag – hier aber nicht so süss), wirkt insgesamt sehr jung und frisch. Am Gaumen mit recht straffer Minrealität, wieder Birnenfrucht, Zitronentarte, feinsaftig, immer noch druckvoll, animierende Säure, sehr jung, mit etwas Luft wird er tiefgründiger. Frucht und Kräuter – wirkt gut definiert und geradeaus in seiner Art, schöne Länge. Immer noch jungendlich.

2004 Königsbacher IDIG Riesling GG, Christmann – Pfalz

89 Punkte – Satte Frucht, durchaus tiefer Ansatz, hocharomatisch, ein wenig Honig, Apfel, eines der gereiftesten GG unserer 2004er Probe, ein Hauch Boytristis? Viel gelbe Früchte, schöne Würze – insgesamt sehr kraftvoll und substanzreich, hat Power, die Säure bietet Paroli. Eine Riesling im Sinne eines Wachauer Smaragds. Substanzreicher Wein, aber auch etwas schwerfällig.

2004 Riesling Saumagen Auslese R, Koehler-Ruprecht – Pfalz

96 Punkte – Als Einziger 9 Stunden dekantiert. Helles Weiß- und Gelbgold. Vital und glockenklar, viel innere Spannung und Tiefe, der Wein fährt mit Vollgas geradeaus, die Quintessenz eines reintönigen Rieslings – belebend, selbst am Ende einer Weinprobe wie ein Weckruf. Konzentriert und vital – mir gefällt diese pure, klare Art, die Tiefe ohne Schwere zulässt, die Komplexität ohne Schminke kann und Länge ohne Tricks beschert. Das ist Weltklasse!

GG 2004 Pfalz

2002 Riesling Deutschland Große Gewächse

2002 ist ein Jahrgang in dem zahlreiche große Gewächse Ihr Adjektiv „groß“ auch verdienen. Aber ich denke, es sind nicht nur die Bedingungen des Jahrgangs, die dafür gesorgt haben, dass unsere Verkostungsrunde so viel Spaß an diesem Abend hatte – vielmehr war auffallend, dass die Alkohol-Gradiationen sich noch in einem erfreulichen Mittelmaß bewegten und die Winzer Ihre Boliden nicht „überzüchtet“ haben.

Riesling Große Gewächse Deutschland 2002 – mein Fazit: Toller Jahrgang, der große Rieslinge hervorgebracht hat, die jetzt  – nach 10 Jahren Reife – als Persönlichkeiten mit ausgebildetem Charakter, Stil und Eleganz (zumindest gilt dies für einige) aufwarten. Meine Einschätzung zum Jahrgang 2002 nach einer Probe im Jahr 2005 hat sich bestätigt:  „Imho sind alle Weine unter ihren Möglichkeiten geblieben. Gerade die mineralischen Weine sind so etwas von zu, dass man wenig Freude hat;  die eher fruchtbetonten besitzen noch Charme und konnten entsprechend etwas höher punkten, trotzdem auch sie unter ihren Möglichkeiten – Gleiche Probe in 3 Jahren und wir werden deutlich höher punkten“ (http://weinwelt.blogg.de/2005/05/28/riesling-2002-at-its-best-jahrgangsprobe-bei-ole/). – Anmerkung der Redaktion: Hier zeigt sich der Nutzen eines Weinblogs deutlich 🙂

Lieber Ole, herzlichen Dank fürs Sammeln, die tolle Gastlichkeit und Deine Großzügigkeit nach so vielen Jahren wieder eine 2002er Probe auszurichten.

Exkurs: Ein anderes Phänomen war an diesem Abend noch zu beachten: wenn sich mehr oder weniger alle Verkoster von Anbeginn über die sehr gute Qualität der Weine einig sind, kommt ein gruppendynamischer Prozess in Gang, der letztlich zu einer gewissen Überhöhung bei der Bepunktung führen kann, denn keiner will bei solchen Qualitäten gerne das Haar in der Suppe finden bzw. sein.

2002 Riesling Forster Ungeheuer GG, Weingut Mosbacher – Pfalz

93 Punkte – Über die Jahre mehrfach getrunken, immer wieder mit konsistent hohen Punkten (http://weinwelt.blogg.de/2005/05/06/2002-geoerg-mosbacher-riesling-spatlese-ungeheuer-forst-groses-gewachs/). Auffallend seine goldgelbe Farbe und sein klarer, opulenter Duft nach gelben Früchten.    Auch exotische Fruchtanklänge, dann viel Aprikose und Pfirsich; die Reife steht ihm gut. Die kräftige Säure ist perfekt integriert und ein wichtiger Baustein im gelungenen Spiel dieses Weins. Der 2002 Ungeheuer erzeugt heute ein weiches Mundgefühl, besitzt aber viel innere Spannung, ist feinwürzig und die Mineralik spielt im Hintergrund ein perfektes Spiel. Vor Jahren war diese noch deutlich vordergründiger und tonangebend. Eines war dieser Wein immer – ein richtig großes Gewächs und für mich der Quell meiner Entscheidung, mir jedes Jahr ein paar Mosbacher Weine hinzulegen, auch wenn in nachfolgenden Jahrgängen meine Entscheidung ein paar Mal erschüttert wurde.

2002 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken, Koehler-Ruprecht – Pfalz

90 Punkte – Goldgelbe Farbe; zu Beginn ein Hauch Petrol und Tapetenkleister, dann eher blumig und kräutrig, getrocknete Früchte. Am Gaumen ein etwas ungewohntes Aromenbild: grüner und schwarzer Tee, herbe Kräuter, Kirschkerne, getrocknete helle Früchte, keine Süße, Tanninunterstützung (von längerer Maischestandzeit?) ist erkennbar. Typisch gerader Philippi-Ansatz (der bitte!! nicht mit dünn zu verwechseln ist), braucht Luft zum Atmen und Entfalten, ggf. dekantieren (2005 hatte ich ihn bei 88 Punkten, was auch die Konsenspunkte an diesem Abend war).

2002 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätlese trocken, Leitz – Rheingau

92 Punkte – Helles Goldgelb mit noch dezent grünlichen Reflexen. Nase: Feine Pfirsich- und Aprikosenaromen, dazu ein Hauch von Anis und anderen Kräutern.  Am Gaumen erste elegante Reifetöne, für sein Alter aber noch sehr frisch. Vom Mundgefühl her weich, tief und kühl; insgesamt geschmeidig und elegant. Dieser 2002er Riesling ist  ausgewogen und die schöne, frische Säure ist hervorragend eingebunden und animiert zu nächsten Schluck. Die roten Schiefer- und Quarzitböden im Rüdesheimer Berg Schlossberg sind der Quell für die mineralische Ader in diesem Riesling und verleihen ihm eine schöne Komplexität.

2002 Forster Pechstein, Bürklin Wolf – Pfalz

92 Punkte – Tiefes goldgelb, wirkt bereits in der Nase extraktreich, kraftvoll und dicht. Satte gelbe Frucht, Kräuter, ein Touch Botrytis vielleicht, edel gereift. Am Gaumen ebenfalls dicht und satt; aromatische Tiefe; sehr schöner Schmelz. Ein ungemein dicht gewobener Stoff, der auch nach 10 Jahren Zeit und Luft braucht, um sich zu entfalten. Das Aromenrad geht auf wie ein Pfauenrad und beeindruckt mit seinen schillernden Farben (ein Potpourrie an allen erdenklichen gelben Früchten; Waldhonig). Auch insgesamt wirkt der 2002 Pechstein pfauenhaft: stolz, bunt und auch ein wenig angeberisch. Der Wein nimmt den Raum voll für sich ein – und trotz aller Dichte und Üppigkeit ist er klar und mit ausreichend Säure ausgestattet, sodass er nicht überladen oder gar mastig wirkt. Dieser Riesling weiß wirklich zu beeindrucken – nicht zuletzt mit seiner Länge. Trotz allen Lobes hat er mich irgendwie nicht berührt und die 92 Punkte sind vielleicht ein wenig ungerecht.

2002 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer

94+ Punkte – Farbe mitteldichtes Zitronengelb mit grünlichen Reflexen.  Eines deutet sich schon in der Nase an – dieser Wein ist glockenklar, pur und rein! In der Nase wirkt der Wein erstaunlich jung und frisch, schöne ätherische Noten, dazu Orangenschalen; frische, (vielleicht noch etwas unreife) gelbe Früchte. Auch am Gaumen erfrischend jung – wo sind die 10 Jahre? Innere Kraft, feinstes Ballett – hohe Kunst sieht immer perfekt und leicht aus, die ungemeine Anstrengung bleibt verborgen – so auch bei dieser fantastischen, trockenen Riesling Auslese. Diese Ballerina tanzt klar und höchst präzise, trotzdem oder gerade deswegen mit höchstem künstlerischem Ausdruck; hohe Mineralik; perfekte Säure; tief, sehr tief und klar in der Aromatik. Ein Weinfreund drückte es so aus: „der Gegenentwurf zu Bürklin-Wulf“. Großer Stoff, mit viel Eleganz und hervorragender Länge.

2002 Königsbacher IDIG Riesling GG, Weingut A.Chrsitann – Pfalz

93 Punkte – Tiefes Goldgelb, reife Noten von gelben Früchten aus aller Welt, Ananas, Mango, Pfirsich; erinnert mich etwas an beste Wachauer Smaragde. Am Gaumen bestätigt sich dieser Eindruck, viel Stoff, kraftvoll und dicht – dabei straff und mit deutlich mineralischer Note. Dieser tolle IDIG ist jetzt in einem perfekten Trinkfenster – er zeigt seine Muskeln (viel Extrakt); die satte gelbe Frucht passt gut zur zupackenden Säure und salzigen Mineralität. Im Abgang Anklänge an Karamell und Minze sowie ein zartes „Bitterle“, gute Länge.

2002 Monzinger Halenberg Riesling Auslese trocken, Emrich-Schönleber – Nahe

94 Punkte – sehr viel frische Kräuter, helle Früchte, etwas Limette, wirkt animierend. Am Gaumen packt er zu und lässt nicht mehr los, der Wein ist straff und fordernd. Kraftvolle, fast beißende Mineralik, viel Kräuter, Limette, sehr komplex. An der Säure schieden sich unter den Verkostern an diesem Abend die Geister. Ich empfand sie als pikant, aber perfekt eingebunden zu diesem Wein. Das GG aus dem Halenberg von Emrich-Schönleber ist für mich ein Paradebeispiel, wenn es um Lagentypizität  und einer Jahr für Jahr wiederkehrenden Aromatik geht. Tolle Länge – einfach großer, trockener Riesling.

2002 Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken – Weingut Künstler- Rheingau

50 bzw. 93 Punkte (für die Goldkapsel) – Was für ein Desaster!! Dieser Wein diente einst als „Versuchskaninchen“ für alternative Verschlüsse. Fazit: Total unbrauchbar. Der Wein war superreif in der Farbe, am Gaumen und in der Nase mehr Möbelpolitur als Riesling. Ein paar Tage später habe ich zu einer Weinprobe bei meinem lieben Freund Helmut eine Flasche 2002 Hochheimer Hölle Riesling Goldkapsel trocken mit Naturkork geöffnet, was war das für ein Paradewein: fester, dichter zupackender Riesling mit viel Format und Körper, einer superschönen und bestens integrierten Säure sowie einer massiven Mineralik. Ein Wein zum „Ablutschen“, richtig schöne Länge, viel Genuss.

2002 Dalsheimer Hubacker Riesling GG, Weingut Keller Rheinhessen

95 Punkte – Frische mittelgelbe Farbe. In der Nase überraschend jung, straff und sehr klar. Vor etwas über einem halben Jahr „nur“ mit 92 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/2011/12/04/2001-2010-hubacker-groses-gewachs-vertikalverkostung-weingut-keller-rheinhessen/ ). Bei dieser Verkostung stand er in einem anderen Kontext und seine Stärken konnte er voll ausspielen. Tiefe Aromatik bereits in der Nase animierend und noch jung wirkend. Am Gaumen wunderbar tief, straff und mit tollem Spannungsbogen, stets druck- und kraftvoll, mit Zug und herrlicher Mineralik. Entscheidend für die Größe dieses Weines dabei ist, dass er zu jeder Zeit nicht nur mit seinem vielschichtigen Ausdruck überzeugt, sondern stets Noblesse und Eleganz zeigt. Bleibt lange, ganz lange am Gaumen. Der Wein wird sich auf diesem Niveau noch für lange Zeit etablieren.

2002 Kiedricher Gräfenberg Riesling Spätlese trocken, Robert Weil – Rheingau

 88 Punkte – Für mich ist Weil bei den Ersten Gewächsen erst Mitte der 2000er aus dem Knick gekommen. Auch dieses Mal blind verkostet und für nett empfunden, aber eben nicht zwingend. Die Nase wirkt immer noch spontan vergoren (?? Wie soll das gehen?? ), Anklänge an Apfelmus, Steinmehl und Schießpulver, aber auch wenig stichig (Erbrochenes). Insgesamt sehr jung, frisch und würzig; weiches Mundgefühl, noch recht deutliches Zuckerschwänzchen, hinten heraus  bricht die kräftige Säure durch, insgesamt etwas zu brausig (Limonade) und mir nicht harmonisch genug für ein Erstes Gewächs einer solch großen Lage.

2002 Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling Spätlese trocken, Dönnhoff – Nahe

86 Punkte – in 2002 noch als Spätlese trocken abgefüllt, in nachfolgenden Jahrgängen als Grosses Gewächs auf die Flasche gekommen. In der Nase eher verhalten, aber sehr klar, mit Reifenoten.  Am Gaumen ein Spiel von Citrusaromen; englische Zitronenmarmelade; wirkt sehr kühl und klar, aber mit der Harmonie ist es nicht (mehr?) weit her, denn der Wein hat eine „pikante“ Säure (am Tisch wurden deutlichere Worte dafür gefunden). Insgesamt schlank, klar und von der Mineralik getrieben. Sollte ausgetrunken dringend ausgetrunken werden.

2002 Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling QbA (!?) trocken, Dr. Crusius Nahe

79 Punkte – Eigentlich sind die Crusiusweine für mich jedes Jahr eine Bank. Aber genauso wie Dönnhoff in 2002 hat auch bei Crusius dieser Riesling ein Säurethema.- auch hier steht sie spitz außen vor. Dazu kommt die Aromatik, die zu Beginn etwas an jodhaltigen Tang erinnert und recht medizinal wirkt. Dazu kommen Anklänge an Weihrauch und Puder. Am Gaumen einfach kein Vergnügen, auf Grund der Säure fast ein Angriff auf die Gesundheit. Wie sich dann allerdings beim „Öffnen“ der Blindprobe herausstellte, war’s nur der „einfache“ QBA – der sollte in jungen Jahren getrunken werden und war hier einfach alt und verloren.

2002 Großkarlbacher Burgweg Riesling Spätlese trocken, Knipser – Pfalz

87 Punkte – zu Beginn recht verhaltene Nase, leichte Wachsnoten, später auch Kräuter. Am Gaumen zeigt er eine ordentliche gelbe Frucht, Apfel, Heu und Citrusfrüchte. Überraschend weich am Gaumen, hinten heraus leider etwas zu kurz. Sollte dringend ausgetrunken werden.

2002 Bremmer Calmont Riesling Calidus Mons, Weingut Franzen Mosel

93 Punkte – Eine wahre Freude dann noch mal zum Abschluss der Verkostung; der Calidus war in Form und schmeckte mir überaus gut. In der Farbe eher hellgelb – ohne Spuren von Alter. Komplexe, anspruchsvolle, aber auch verspielte Nase mit Noten von Weihrauch, einer feinen kräutrigen Würze und dezenten Wachsnoten.  Ein Steinwein kündigt sich an. Im Mund wunderbar frisch, klar und reintönig, druckvoll und mit ausgezeichneter Mineralität sowie einer feinen Würze (Muskatnuss), dabei sehr ausgewogen. Die tolle Länge rundet diesen ausgewogenen Riesling herrlich ab. Ein würdiges Denkmal für den tödlich im Weinberg verunglückten Reinhold Franzen.

Ein Kirchspiel; zwei Topwinzer (Keller / Wittmann); acht Verkoster und fünfzehn Flaschen

sollten Aufschluss auf eine Frage geben, die mir schon lange unter den Nägeln brennt: Was dominiert einen Top-Riesling mehr – die Handschrift des Winzers oder das Terroir??

Sieben aufeinander folgende Jahrgänge aus dem Westhofener Kirchspiel der beiden deutschen Spitzenwinzer Philipp Wittmann und Klaus-Peter Keller standen deshalb im Mittelpunkt dieses Verkostungsabends. Ergänzt wurden die in Jahresflights (d.h. paarweise, jeweils mit dem gleichen Jahrgang) servierten Westhofener Rieslinge um einen „Piratenflight“, also zwei Weine, die nicht aus der Lage bzw. nicht aus Rheinhessen stammten.

2004 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – In der ex post Betrachtung startete die Probe für mich mit dem Knaller! Grüngelber Eindruck; in der Nase vielschichtige Citrusnoten, Kräuter und frische Äpfel. Am Gaumen ein sehr mineralischer Stoff, der einerseits herrlich viel Zug aufweist, auf der anderen Seite, aber eine tänzelnde Art besitzt, die mich total begeistert. Der Wein hat viel Kraft und innere Spannung, ist strukturiert, saftig und gleichzeitig fein und komplex. Ich glaube, die britische Weinjournalistin Jancis Robinson hat mal gesagt oder geschrieben, dass die Kellerweine die deutschen Montrachets sind – ich weiß jetzt, was sie meinte, denn so etwas kann nur auf einem kalkbetonten Boden wachsen. Dieser Riesling hat immer noch so viel Kraft und innere Spannung, dass ich mir absolut sicher bin, dass „Kellerschätze“ über weitere 10 Jahre mit viel Genuss getrunken werden können.

2004 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

90 Punkte – goldgelb fließt der Wein ins Glas und wirkt vom ersten Eindruck an sehr extrahiert. Er duftet dann auch nach goldgelben, exotischen Früchten und besitzt ein sehr intensives, breites Fruchtaroma. Sehr voller Ansatz, köperreich, sehr rund und mir insgesamt einen Tick zu voluminös – ich fühle mich ein wenig geplättet. Schöne Länge – die Aromen bleiben lange am Gaumen stehen. Ein paar mit Botrytis behaftete Trauben haben wohl Eingang in die Kelter gefunden. Die Säure ist gut eingepasst und eine mineralische Ader durchzieht diesen Riesling, jedoch dominieren die reiche Frucht und der voluminöse Körper den Eindruck bis zum Schluss.

2002 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

91 Punkte – Ein immer noch junger Riesling, der zwar für den geübten Weintrinker ein paar kleine Hinweise auf sein Alter bereit hält, aber eigentlich eher wie ein Filmdiva wirkt, die mit viel Sport und Disziplin ihr Alter seit vielen Jahren erfolgreich verbirgt – trotzdem kein bisschen verschroben oder unentspannt wirkt. Der Wein kommt recht schlank daher, begeistert mit seiner feinen Mineralik und einer leichten Rauchigkeit, die mich an Feuersteine erinnert. Am Gaumen ein vergleichbares Bild: immer noch recht jugendlich, fein und mineralisch, dazu ein paar verwirrende Noten von Sahne-Toffees, nahezu ohne Fruchtaromatik – ganz von der mineralischen Noten geprägt. Mir macht so etwas sehr viel Freude und diese 2002er Ausgabe des Kirchspiels erinnert mich an einen gereiften Chablis Grand Cru. Trotz seiner fast 10 Jahre, die er als trockener Wein auf dem Buckel hat, würde ich mich sehr freuen, wenn mein Bestand größer wäre, als die eine Flasche, die ich noch im Keller habe – bleibt noch für viele Jahre ein großer Genuss.

2002 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

93 Punkte – auffallend schöne Mineralik, dazu samtfruchtige Noten von Quitten und kandierten Citrusfrüchten; das Ganze verbunden mit einem herrlichen Frucht-Säure-Spiel. Momentan in einem perfekten Reifezustand, sehr tief und hervorragend balanciert. Zeigt am Gaumen eine dichte und konzentrierte Art sowie auffallend schön definierte Konturen. Mich begeistert dieser Riesling mit seiner Komplexität und Harmonie – die so selbstverständlich wirken, dass man fast vergisst, was so ein Wein aufweisen muss, damit man so empfindet.

2006 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

89 Punkte (??) – Noch ein recht unausgewogener Jahrgangsvertreter mit einer merkbaren Restsüße; in der Nase kräutrig-mineralische Noten und verhältnismäßige duftige Fruchtaromen. Am Gaumen ebenfalls von der Mineralik getrieben, Aromen von Anis und anderen Kräutern, substanzreich, aber im Vergleich zu den bisher verkosteten Jahrgängen nicht auf dem gleichen Niveau – hier steht mir alles zu sehr nebeneinander und irgendwie fehlt mir der Glaube, dass dies noch wesentlich besser wird. Aber ich lasse mich gerne überraschen…

2006 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

92 Punkte – Erstaunlich monolithischer Riesling für diesen Jahrgang; noch sehr verschlossen – wirkt wie ein Stein, auf dem man lutscht. Aber außer ein paar tabakig-mineralischen Noten ringt man diesem Riesling nicht viel ab. Trotzdem gefällt mir diese Wittmann-Interpretation des Kirchspiels besonders gut, da sie nicht so sehr von der opulenten Frucht lebt, sondern die fokussierte Mineralik aromatisch in den Vordergrund bringt und die lebende Säure aufreizend über die Zunge tanzt. Ich glaube, dass dieser Wein ein Musterexemplar in diesem Jahrgang ist, denn in ganz Deutschland haben viele Winzer aus Angst vor dem Regen entweder zu früh geerntet und die Befürchtungen sind wahr geworden und großen Teile der Ernte sind ihnen unter den Händen weggefault – mancherorts hat dies zu Totalausfällen geführt.

2006 Niederhäuser Herrmannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff – Nahe

90 Punkte – Bereits in der Nase eine für mich eher ungewöhnliche Aromatik, die nicht in die Reihe der bisherigen Kirchspiel-Rieslinge passt – eine so ausgeprägte Etherik habe ich bei keinem Kirchspiel erlebt. Am Gaumen fallen die besondere Weichheit und der Schmelz auf, auch hier wieder etherische Noten und Anklänge an Rosen und Kuchen (Mürbeteig); recht komplexes Spiel, auch Rosinen und Honig. Ich vermute, dass auch bei diesem Wein das Lesegut nicht frei von Botrytis war und so auf den 2006er Jahrgang stilprägend Einfluss genommen hat.

2006 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling GG, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

92 Punkte?? – Im Vergleich zum Flight zuvor, ein ähnlicher Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Wein innerhalb des flights. Auch hier wirkt der Wein noch sehr unentwickelt, allerdings spielt hier nicht die (sicher vorhandene) Mineralik die erste Geige, sondern der Wein besitzt eine – für mich noch unfassbare – Gärnote, die eigentlich nur spontan vergorene Weine in ihrer Jugend aufweisen. Sollte der Wein diese Noten nicht ablegen und die leicht laktische Note sich weiter entfalten, dann ist ein Punktabzug nicht zu vermeiden. Aktuell interpretiere ich es einfach so, dass dieser Riesling seine Kinderstube noch nicht verlassen möchte und sich deshalb seine reichlich guten Anlagen noch nicht voll entfalten konnten. Besonders schön ist die ausgeprägte, kräutrige Mineralik, die diesem muskulösen Riesling mit viel innerer Spannung einen rauchigen Ausdruck verleiht.

2007 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

94 Punkte – wunderbarer Stoff !! Wirkt noch sehr jugendlich, strahlt dabei aber schon eine Eleganz und Finesse aus, die mich in ihren Bann zieht. Sehr klar und rein, dieses junge Kirchspiel zeigt eine schöne innere Dichte und feine Saftigkeit, die kombiniert mit der perfekt integrierten Säure und der präzisen mineralischen Art bei mir eine Assoziation aus Herr der Ringe hervorruft – die Elbenprinzessin Arwen war von ähnlicher sinnlicher Schönheit, Feinheit und Eleganz. Wenn man es etwas profaner ausdrücken möchte, dann spricht man von Eindrücken, die an Melonen, weißen Pfeffer; Gletscherwasser, Citrusfrüchte oder geröstete Haselnüsse erinnern, vielleicht auch von der auffallend klaren Mineralik; aber diese sinnliche Eleganz lässt sich einfacher mit dem Bild der von Liv Tyler verkörperten Elbenprinzessin transportieren.

2007 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

93 Punkte – In 2007 haben die Reben in der Lage Kirchspiel wohl ideale Bedingungen gefunden, denn auch das Ergebnis von Philipp Wittmann ist bestens gelungen. In der Nase präsentiert sich ein wunderbarer, satter Duft von reichlich gelben Früchten, unterlegt von einer kräutrig-mineralischen Note. Der gesamte Mund wird ausgekleidet von einer Kombination von gelben und exotischen Früchten, Keksen, Karamell und Orangen. Die recht kräftige Säure passt gut zu der kompakten, dichten Art dieses Rieslings; sehr saftiger Eindruck. Auch wenn die Fruchtaromen klar im Vordergrund stehen, so verleiht die hintergründige Mineralik diesem Wein die notwendige Komplexität, um klar über 90 Punkte zu kommen. Bleibt lange am Gaumen stehen. Um den Trinkgenuss in den nächsten fünf bis zehn Jahren mache ich mir keine Sorgen.

2008 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

93 Punkte – Noch sehr junger und unentwickelter Riesling, in der Nase sehr klar und fokussiert, dezent kräutrig (Eindruck des Tages 😉 – Gurke); erinnert mich wieder an einen TOP-Grand-Cru Chablis. Am Gaumen klar und deutlich von der sehr festen Mineralik geprägt, sehr viel Zug und Kraft – ein wenig adstringierend. Was für ein schöner und stattlicher Bub!! Wenn der mal erwachsen wird, verdreht er sämtlichen „Töchtern“ den Kopf. Aber auch als Jungspund eine wahre Freude. Erinnert mich irgendwie an unseren mittwöchlichen Kick, wenn die Männer um die 40 mal wieder meinen Fussball spielen müssen und das Niveau sich auf Not gegen Elend einpendelt – dann aber die 15-jährigen Jungs fragen, ob sie mitspielen dürfen und uns links und rechts machen, so dass man manchmal nur noch mit offenem Mund dasteht und von dieser Spielanlage und dem Ballgefühl fasziniert ist. Leider sind ein paar Jungs so spielverliebt, dass sie vergessen, die wichtigen Tore zu machen. Doch dass wird bei diesem Kirchspiel nicht passieren, der begeistert in zwei, drei Jahren jeden, der ihn ins Glas bekommt und Konkurrenz braucht er auch nicht zu fürchten – das wird ein „Knipser“ (einer, der jedes Tor macht und nicht aus der Pfalz kommt )

2005 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

93 Punkte – Auffallend an den beiden 2005er Ausgaben von Kellers und Wittmanns Kirchspiel ist die stilistische und aromatische Annäherung der beiden Rieslinge; wobei das Kirchspiel von Wittmann sich der sehr reinen, filigranen und die Mineralik betonenden Art der Kellerweine annähert.

Das Kirchspiel von Keller ist kühl, sehr klar und reintönig. Aromatisch wunderbar tief und fest. Die feingliedrige Säure und die mineralische Prägung animieren zum Trinken, ich kann kaum die Hand vom Glas lassen. Bei aller Eleganz, der Wein hat Zug und Kraft und wirkt engmaschig gewoben. Gute Länge. Ein sicherer Trinkgenuss in den nächsten fünf bis acht Jahren.

2005 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

92 Punkte – Bereits in der Nase vermittelt dieser Wein einen sehr klaren Eindruck mit seiner schönen, leicht tabakigen Würze; Aromen von gelben Steinobstfrüchten und Citrusfrüchten runden das Bild ab. Auch am Gaumen dominiert die kräuterwürzige, tabakige Mineralität. Die sehr gut integrierte Säure, verbunden mit dem kräftigen Körper, lassen bei mir die Zunge schnalzen. Ich liebe diese Form von feiner, salziger Mineralität, die diesen Riesling vom ersten Eindruck in der Nase bis in den schönen Abgang durchzieht. Insgesamt eine „griffige und zupackende“ und gleichzeitig komplexe und feine Interpretation des Kirchspiels von Wittmann, die ansonsten deutlich fruchtbetonter und runder wirkt.

2003 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

92 Punkte – Unglaublicher substanzreicher Riesling; diese aromatische Opulenz macht wach! Die zupackende Mineralik und die feste, bestens integrierte Säure bilden ein Team, das ein komplexes und raffiniertes Zusammenspiel ermöglicht. Klar und reif in der Aromatik; sehr ausdrucksstark. Mich erinnert dieser Wein an eine Brausewürfel aus der Kindheit – und das ist nicht als Beleidigung, sondern als großes Kompliment gemeint, denn ich habe es geliebt, dieses Kribbeln auf der Zunge und die intensive Aromatik, bevorzugt Waldmeister. Auch dieser Wein erzeugt bei mir dieses gewisse Kribbeln, nicht weil er etwa nachvergoren ist, sondern weil er einerseits den ganzen Rachenraum mit vielfältigen, klaren und reintönigen Fruchtaromen ausgekleidet und andererseits die Mineralik fast schon kribbelt. Insgesamt sehr animierend und auf sehr hohem Niveau trinkig; hinten heraus leider nicht ganz so lang wie erhofft. Sicherlich noch viele, viele Jahre mit Freude zu trinken.

2003 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

91 Punkte – in der Nase immer noch Noten, die eher junge spontan vergorene Weine aufweisen. Dazu kommen Aromen von Citrusfrüchten und gelben Früchten. Hat einen schönen Druck und Zug am Gaumen; insgesamt mit guten Struktur unterlegt. Am Gaumen durchzieht eine feine Mineralik den Wein, aber die gelben Früchte behalten aromatisch klar die Oberhand. Gute Länge – well done!

Als Fazit der Probe möchte ich meinen Weinfreund Reiner zitieren, der auch meine Eindrücke perfekt zusammengefasst hat:

„Ein wichtiges Ergebnis war sicher (außer dass Keller und Wittmann hervorragende Winzer sind und Kirchspiel eine herausragende Lage ist), dass offensichtlich der Einfluss des Winzers auf den Charakter eines Weins stärker ist als der Einfluss der Lage. Es ließ sich durchgehend ein eher auf Frucht und Opulenz gerichteter Stil (Wittmann) und ein eher puristischer, die Mineralität hervorhebender Stil (Keller) unterscheiden. Die Ausprägung dieser Unterschiedlichkeit variierte zwar je nach Jahrgang, war aber in der Tendenz immer spürbar. Dass das Terroir bei aller Unterschiedlichkeit der Weine doch eine Gemeinsamkeit herstellt, merkte man aber an den beiden Nahe-Weinen, die relativ schnell als Piraten identifiziert werden konnten.“

Mövenpick Jubiläumsverkostung – Teil 1 – Deutschland 2007

Anlässlich des 60. Geburtstages von Mövenpick war die monatliche Verkostung in der Düsseldorfer Filiale gleich doppelt besetzt. Einerseits konnte die Neuzugänge aus Deutschland verkostet werden, andererseits kam im Rahmen der eigentlichen Jubiläumsverkostung   der High-End-Bereich des Sortiments ins Glas. Die schöne Sache bei Mövenpick finde ich nach wie vor, dass man für jedes Glas einzeln bezahlt und so am Ende nicht in der misslichen Lage ist, kaufen zu müssen, um auch beim nächsten Besuch noch den Verkäufern in die Augen schauen zu können.

Da ich Teile der Jubiläumsverkostung schon bei den Themenproben kennen gelernt hatte, habe ich mich auf Deutschland 2007 konzentriert. Leider habe ich nicht das volle Programm geschafft, da ich nur einen Abend dabei sein konnte. Die angegebenen Preise sind Mövenpick-Preise.

Richtig gut ging es los mit dem 2007 Blauschiefer QbA trocken von Dr. Loosen (85 Punkte) – Mosel – das ist ein Zechwein der allerbesten Sorte, frisch, geradlinig, mit mineralischen Anklängen, dabei in sich stimmig und unglaublich lecker. Für Euro 8,90 der ideale Begleiter durch diesen Sommer.

Einen Euro teurer, aber nicht besser der 2007 Saar Riesling, Fuder 13 von Van Volxem (83 Punkte) – Saar – zwar etwas dichter als der Blauschiefer von Dr. Loosen, aber zur Zeit sehr unruhig, alles steht irgendwie nebeneinander, Süße und Säure scheinen sich überhaupt nicht miteinander zu vertragen und die Saar-typische Mineralik kommt gar nicht erst zum Vorschein; ich glaube, das geht besser.

Ein anderes Kaliber ist die 2007 Niederberg Helden Riesling Spätlese trocken von Wilhelm Haag (88 Punkte)- Mosel. Das ist Moselriesling pur, verspielt, ein wenig tänzelnd, aber doch ernst zu nehmen, schönes Säure-Süße-Spiel; zur Zeit mit Aromen von Äpfeln und Weinbergspfirsich am Gaumen; dazu eine schöne Mineralik, die etwas kräutrige Aromen versprüht – und fertig ist ein schöner Riesling. Von dieser Sorte Wein trinkt man gerne ein zweites oder drittes Glas, da er eine Leichtigkeit besitzt, die beschwingt und trotzdem bietet er Stoff für den regen Meinungsaustausch. Auch der Preis verleitet den Spaß nicht, denn mit Euro 12,80 ist er angemessen bezahlt.

Die 2007 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken vom Weingut Fritz Haag (89 Punkte)- Mosel – legte dann noch eine kleine Schippe oben drauf und fand großen Anklang in der Runde. Zur Zeit steckt der Wein noch komplett in den Kinderschuhen, die Frucht ist ein wenig pausbäckig und erinnert eher an Limonade/Fanta, aber das Potential dieses Weines kann man schon riechen und schmecken. Ein paar Monate noch und der Wein wird aufblühen, sich ausdifferenzieren und so die nötige Eleganz entwickeln. Die Anlagen sind hervorragend, einerseits stoffig, dicht, andererseits nicht zu schwer und die schön eingebundene Säure puffert schon heute das kleine Zuckerschwänzchen hervorragend ab. Euro 17,90

Eigentlich mit drei Weinen vertreten, von denen ich aber nur zwei verkostet habe, war Emrich-Schönleber. Der erste hat mich ein wenig erschreckt, denn der 2007 Riesling "Mineral" QbA trocken vom Weingut  Emrich-Schönleber (85 Punkte) – Nahe –  kommt zwar mit seiner kräutrigen Mineralik gut vom Startblock weg, die Citrusaromen verleihen ihm eine schöne Frische, er ist sehr klar und zupackend, aber Abzüge in der B-Note versagen ihm bei mir eine höhere Bewertung: die Säure packt nicht nur zu, sie greift an! Euro 13,50

Das 2007 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese trocken vom Weingut Emrich-Schönleber (87-91?? Punkte) – Nahe – ist aktuell eigentlich nicht zu bewerten, denn ich habe selten einen so jungen Wein erlebt, der so wenig von sich preisgeben wollte. Auffällig ist auch hier, die etwas spitze Säure. Ansonsten habe ich den Wein beatmet, gelutscht und ihm so den einen oder anderen Laut abgerungen, aber außer von einer kräuterwürzigen Mineralik kann ich nicht ernsthaft berichten. Ich glaube, der Wein hat viel Potential, aber man wird sehen…….

Nun gab es ein kleines Intermezzo, der 2006 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling trocken von Josef Leitz (92 Punkte) – Rheingau –  kam ins Glas und der erforderte die volle Aufmerksamkeit und das nicht nur, weil er mit Euro 65 pro Flasche der teuerste deutsche Wein des Abends war.  Dieser Riesling  hat  mich  mit seiner Kraft und Wucht "gekriegt" – das ist ein Riesling Wachauer Prägung: Kraft und Saft, viel Schmelz, schöne gelbe Steinobstfrucht, Kräuter, aber auch etwas tabakige Noten, die den Abgang fordernd gestalten. Auffällig an diesem Wein ist das "Fett", dass er mit sich rumschleppt, dass aber aufgrund der Säure nicht anstrengend, gar plump oder überladen wirkt; letztlich trägt es diesen Wein bis in sein langes Finale. Schwierig ist, hier das Alterungspotential richtig einzuschätzen; wer genug Flaschen hat, bitte ausprobieren und berichten ;-)) Ansonsten eher in den nächsten 4-5 Jahren trinken. 

Es ging zurück zum aktuellen Jahrgang 2007. Der 2007 Riesling QbA vom Weingut Wittmann (82 Punkte) – Rheinhessen –bietet für seine Euro 9,80 mir deutlich zu wenig: er wirkt recht dünn, dadurch macht ihm die straffe Säure arg zu schaffen und die paar Citrusnoten hauen es dann auch nicht mehr raus. Eigentlich für einen Basiswein eines solchen Hauses zu wenig.

Hallo !! Ein ganz anderes Kaliber ist die 2007 Scheurebe QbA trocken vom Weingut Wittmann (87+ Punkte) – Rheinhessen. Schön trocken ausgebaut, mit viel Frische, nicht zu laut von den Aromen, sondern zartduftig, mit frischen, feinen Fruchtaromen (Johannisbeeren, Kiwi, etwas Minze). Recht fest im Biss und mit der Frische ihrer Jugend ist das ein geiler Wein für den lauen Sommerabend auf der Terrasse mit Freunden bei viel Spiel, Spaß und Spannung (für alles sorgt dieser Wein). Da die Scheurebe zum gleichen Preis (Euro 9,80) wie der Riesling QbA zu haben ist, gibt es keinen Zweifel, was man kaufen sollte. Jung trinken !!!

Nun ging es in die Pfalz. Der 2007 Forster Musenhang Spätlese trocken aus dem Hause Mosbacher (87 Punkte)- Pfalz. Dieser Riesling macht seinem Namen durchaus Ehre, denn er ist zartduftig, weiblich und ein wenig verspielt, aber auch eine Muse benötigt Durchsetzungskraft und so ist dieser Wein recht dicht und besitzt einen mineralischen Nachhall. Euro 14,90

Ab ging die Luzi !! Der 2007 Sauvignon Blanc vom Weingut Mosbacher (88+ Punkte) – Pfalz –  ist ein geradliniger, spritziger (im Stahl ausgebauter), unglaublich klarer und sauberer Sauvignon Blanc. Ich mag diesen frischen, knackigen, etwas grasigen  Stil mit Aromen von Pampelmusen, Johannisbeeren und Tannennadeln. Klar, straff, harmonisch und animierend – jung trinken!! Euro 11,90

Der dritte Wein aus gleichem Weingut war der 2006 Forster Ungeheuer Riesling GG vom Weingut Mosbacher (89 Punkte) – Pfalz. Etwas erschrocken war ich auf Grund der fortgeschrittenen Entwicklung dieses 2006er Großen Gewächses. Zu Beginn ganz leichter (Petrol-)Stinker, dann kandierte Früchte. Am Gaumen mit großer, saftiger Dichte; die von mir so geliebte Ungeheuer-Mineralik kommt beim 06er Jahrgang momentan leider nicht richtig zur Geltung. Stoffig, mit guter Säure, schönem Schmelz und einer eher gelbfruchtigen Steinobstfrucht ist das Ungeheuer vom Weingut Mosbacher sicherlich ein sehr guter Wein, aber die herausragende Größe anderer  Jahrgänge, die ich bei diesem Wein aus dem Hause Mosbacher schon erleben durfte (z.B. 2001), hat er nicht. Endet recht lang auf etwas tabakigen, leicht bitteren (aber nicht störenden) Noten. Kein Lagerjahrgang, in den nächsten 1-2  Jahren austrinken.

 

Nun folgten zwei Chardonnay, zunächst der 2007 Chardonnay Spätlese trocken vom Weingut Pfeffingen (87 Punkte) – Pfalz. Dieser sehr klare und frisch daher kommende Chardonnay ist für den baldigen Genuss hervorragend geeignet. Sehr sortentypisch, etwas blumig, ein Hauch von Nussigkeit, aber auch etwas würzige Anklänge, gelbe Frucht, klar und frisch. Ein schönes Ergebnis, oder sollte ich besser sagen Erlebnis, dass mit Euro 10,40 sehr fair bepreist ist.

Vom Stil ganz anders, da im Barrique ausgebaut, der 2006 Chardonnay „R“ Spätlese trocken von Hansjörg Rebholz (89 Punkte) – Pfalz. Sehr gut definierter Holz-Chardonnay, bei dem die Aromen aus dem Holz und Fruchtnoten sehr, sehr gut harmonieren und der Wein an Komplexität gewinnt. Insgesamt recht kühl, klar und sehr gut definiert. Ein breites Aromenspektrum  zeichnet dieses Chardonnay aus: Sahne; Vanille; gelbe Früchte; feine, nussige Würze. Ein sehr stimmiger, harmonischer Barrique- Chardonnay, der zum kräftigen Schweinebraten oder würzigen Hühnchen sicherlich hervorragend passt.

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Weinprobe Riesling Deutschland vs. Österreich – Trinkgenuss, Wucht und Finesse……Kork und andere Fehler

Ein feucht-fröhlicher Weinabend mit altbekannten Weinfreunden aus Hamburg, einem Berliner Wein-Plusler der ersten Stunde und einem überaus netten und kompetenten Neuzugang aus der „Berliner Küche“ nahm in Hamburg seinen Lauf….

 

Wegen entstellender (Kork)-Fehler leider unverkostet das zeitliche gesegnet:

 

1999 Knoll, Ried Schütt – Riesling Smaragd, Wachau

1988 Karthäuserhof, Kathäuserhofberg Riesling Spätlese Versteigerungswein

1986 Ducru-Beaucaillou

Die Weine nachfolgend als Einzeleintrag:

2002 Wittmann, Kirchspiel Großes Gewächs / Rheinhessen

94 Punkte Hofschuster hat diesem Riesling im Wein-Plus-Weinführer am 14.11.2003 grandiose 98 Punkte  und einen Trinkgenuss bis 2015 zugestanden (Hmmm, diskussionsfähig). Eichelmann und Gault Millau haben ihn jeweils mit 90 bepunktet  und ihm eine Trinkreife bis 2007 attestiert (bull shit). Dieser wunderbare Riesling steht für mich am Beginn seiner optimalen Trinkriefe, die über mindestens 4 weitere Jahre anhalten wird und danach hat er sicherlich über weitere 6 Jahre die Substanz, dass er für Riesling-Kenner immer ein willkommener Stoff bleiben wird, über den man trefflich philosophieren kann.

 

Dieser Wein ist in seiner Harmonie nicht so laut, wie einige andere, die alles platt machen wollen, was ihnen in den Weg kommt. Dieser Wein zeigt jetzt eine schöne Finesse, ist dabei kraftvoll im Sinne von drahtig und druckvoll. Wenn ich ein Bild von diesem Wein zeichnen müsste, würde ich wohl das Bild einer Leistungssportlerin im Abendkleid bemühen – Kraft, Anmut und Eleganz harmonisch vereint. Genug geträumt – zum Wein: feine Frucht, überwiegend Noten von Zitrusfrüchten; immer noch herrlich frisch; tolle mineralische Tiefe, feine Würzigkeit, recht druckvoll, dabei verspielt und tänzelnd auf der Zunge. Sehr vielschichtig und harmonisch. Klasse Länge.

Reise nach Südtirol und Piemont – Tag 2

Samstag 10.11.2006

Tagsüber ist Weinarbeit angesagt, das Weinfestival wird immer größer und unübersichtlicher, aber der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben, auch wenn es mit vor Jahren im kleineren Rahmen deutlich besser gefallen hat. In meinen Augen verzettelt man sich, früher gab es die 100 besten Italiener, vorverkostet und ausgesucht, heute laufen viele Themen nebeneinander und das ganze ist unübersichtlich geworden. Schlimm war es schon immer, aber dieses Jahr war der Kartenverkauf am Samstag eine einzige Katastrophe.

 

Am Abend – nach einem ausführlichen und etwas verspäteten Mittagsschlaf  – fahren wir zur Rose nach Eppan, um uns mit einem Freund von der Kellereigenossenschaft Terlan zu treffen. Herbert Hintner kochte wunderbar auf und wir trinken zum Start 1999 Honivogl von Hirtzberger (93 Punkte) ? herrlich mineralisch, sehr gut definiert, stoffig, fest und mit schönem Druck, gleichzeitig sehr vielschichtig und mit sehr guter Länge. Für mich noch eine Spur besser der 2004 Riesling Morstein von Wittmann, Großes Gewächs (94 Punkte): Packender, tiefgründig mineralischer, unglaublich klarer und tiefaromatischer Riesling, mit sehr fester Struktur, hohem Druck und herrlichem Biss, kräuterwürzig, klare Frucht, Kernobst und schön definierter Säure, herrliche Länge, groß !!

 

Es folgte 2001 Echezeaux von Romanee-Conti (90 Punkte) Die erste Flasche völlig bedeutungslos, ich hatte eine leisen Korkverdacht, der sich mit etwas Luft verstärkte, aber meine Mitstreiter waren hin und her gerissen. Trotzdem lassen wir den Wein zurückgehen und stellen uns der zweiten Flasche mit dem Risiko beide zu bezahlen. Doch es wäre für mich eine arge Enttäuschung gewesen, wenn so Romanee-Conti ? zugegebenermaßen aus einem kleinen Jahr ? schmecken würde. Die zweite Flasche mit klarer, gut definierter Pinotfrucht, am Gaumen mittelgewichtig und guter Struktur; schöne, dunkle Frucht, gut eingebundenem Holz und bereits erstaunlich zugänglich, für mich bereits jetzt trinkfertig, balanciert und jetzt zu genießen, recht gute Länge.

Riesling 2002 at it’s best !? – Jahrgangsprobe bei Ole –

Mega-interessante Probe gestern bei Ole – Danke Ole !!
15 deutsche Top-Rieslinge des Jahrgangs 2002 standen an zum Verkosten. Imho sind alle Weine unter ihren Möglichkeiten geblieben. Gerade die mineralischen Weine sind so etwas von zu, dass man wenig Freude hat;  die eher fruchtbetonten besitzen noch Charme und konnten entsprechend etwas höher punkten, trotzdem auch sie unter ihren Möglichkeiten. Für mich aktuell ohne Wertung blieb der Schlossberg von Breuer, der Wein ist so etwas von zu, dass man glaubt, er existiert gar nicht, ich würde ihn vor 3-4 Jahren nicht wieder anfassen. Letztlich ging es uns allen ähnlich, man sucht, ahnt, schmeckt die mineralischen Ansätze – auch die große Klasse dieser Weine, aber sprechen – wirklich sprechen, sich offenbaren, das wollen sie  nicht. Besonders schwer hatte es auch der barrique-Riesling von Molitor, hier ist echte Klasse im Glas, aber das Holz ist aktuell so unbarmherzig, dass in diesem Wein alles nebeneinander zu stehen scheint. Große Anlagen! Bin gespannt, wie sich dieser barrique-Riesling in 5-6 Jahren präsentiert. Mein Fazit: Gleiche Probe in 3 Jahren und wir werden deutlich höher punkten. 2002 bringt wirklich große, sehr langlebige Weine hervor, die aber noch Zeit zur Reife benötigen.

1) 2002 Schloß Neuweier: Neuw. Mauerberg Goldenes Loch Spätl. tr. 12,5%
2) 2002 Horst Sauer: Escherndorfer Lump Auslese tr.  13,5%
3) 2002 Christmann: Mandelgarten Gimmeldingen Spätlese tr. GG 13%
4) 2002 Josef Leitz: Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätlese tr. 12%
5) 2002 Georg Breuer: Rüdesheimer Berg Schlossberg tr. 12,5%
6) 2002 Peter Jakob Kühn: Oestrich Doosberg  Erstes Gewächs 12,5%
7) 2002 Koehler-Ruprecht: Kallstadter Saumagen Auslese tr. 13%
8) 2002 Heymann-Löwenstein: Winniger Uhlen Blauflüsser Lay (1.Lage) 13%
9) 2002 Van Volxem: Wiltinger Braunfels Vols 12,5%
10) 2002 Wittmann: Westhofen Morstein Großes Gewächs 13%
11) 2002 von Othegraven: Kanzemer Altenberg Erste Lage 11%
12) 2002 Markus Molitor: Zeltinger Sonnenuhr ** Auslese tr. 12,5%
13) 2002 Andreas Laible: Durbacher Plauelrain "Achat" Stätlese tr. 13%
14) 2002 Rebholz: Birkweiler Kastanienbusch Spätlese tr. 12,5%
15) 2002 Emrich-Schönleber: Monzinger Halenberg Auslese tr. 12,5%

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