2008 Marlborough Sauvignon Blanc, Lake Chalice Wines – Neuseeland

85 Punkte – Ja, richtig gelesen, Jahrgang 2008. In den Kellern der deutschen Winzer blubbern und brodeln die Weine aus der 08er Ernte teilweise noch, da stehen die Weine aus der Neuen Welt schon eine ganze Zeit bei uns im Regal, denn Dank der umgedrehten Jahreszeiten (bei uns Frühjahr, auf der Südhalbkugel Herbst) haben diese Weine einen zeitlichen Vorsprung von einem halben Jahr.

 

Dieser eher einfache Sauvignon ist auf besondere Weise interessant; einerseits lebt er von seiner unglaublich frischen, direkten Art, andererseits habe ich die Flasche 4 Tage bei Zimmertemperatur in der Küche stehen gehabt und nach einer kurzen Abkühlung im Eisfach schmeckt der Wein immer noch genauso wie 4 Tage zuvor: viel frische Stachel- und schwarze Johannisbeeren, Maracuja und Grapefruit. Auch grasige Noten sind deutlich zu erkennen. Trotz aller Frische ist mir dieser Wein zu "gerade aus", da ist kein Spiel, keine versteckte Nuance, da ist nur "Ich-spring-Dich-an—ich Frucht"!!

Mit welchen Mitteln dieser Wein produziert ist, sodass er nach vier Tagen immer noch so frisch ist, möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Das Ausgangsmaterial stammt aus 7 verschieden Weinbergen und wurde (gekühlt) zur Kelterhalle transportiert. Dort – so nehme ich es zumindest an – wird man Aromen- und Reinzuchthefen zugesetzt haben und auch vor Enzymen zur Geschmacksintensivierung nicht Halt gemacht haben. Aber ich möchte hier niemanden verurteilen, denn meine Vermutungen kann ich (leider) nicht nachweisen. Dieser Wein ist unglaublich frisch, hat ein kräftige Säure und man kann ihn durchaus als "Muntermacher" bezeichnen. Allerdings hat dies – für mich – mit klassischem Sauvignon Blanc nichts zu tun.

 

2008 war in Neuseeland für die Winzer ein perfektes Jahr: der Witterungsverlauf war nahezu optimal und die Ernte war groß wie nie – ohne dass die Qualität zu sehr gelitten hat.

Der Spass kostet ca. Euro 12,- und wird von der Weinhandlung Apell aus Kassel importiert. (www.apell.de). Andere Händler findet man über www.google.de

2001 Diana Madeline, Cullen Wines – Australien

85 Punkte – Wein benötigt etwas Luft um sich zu entfalten, kühler Stil, kräftige Säure, dunkle Frucht, recht fester, aber eher schlanker Körper, keineswegs australisch fett, reife, aber kräftige Tannine, die Frucht wirkt am Gaumen ebenfalls dunkelbeerig, angenehmer Saft, ein Hauch würzig, ein Hauch Kaffee, insgesamt eine sehr stimmige und ausgewogene Cabernet/Merlot-Cuvee, aber irgendwie uninspiriert und in der Mitte mit aromatischem Löchlein. Für eine höhere Punktzahl fehlt es an Komplexität und aromatischer Länge. Für deutlich über Euro 30,- aber zu wenig Genuss. Austrinken.