Top of the Pops Weinprobe

Der Wineterminator hatte zur Top of the Pops Probe eingeladen und von nah und fern kamen sie, die genussverliebten Weinfreaks. Nicht nur die Weine waren an diesem Abend besonders spannend, sondern auch die Gespräche darüber. Die Küche des mir besonders lieb gewordenen Düsseldorfer Restaurants „Schorn“ leistete ebenfalls einen tollen Beitrag zum Gelingen dieses Abends.

In den nächsten Tagen folgen die einzelnen 2er- flights – es wird spannend ….

Spannendes Spanien

Am letzten Wochenende im November trafen sich die üblichen Verdächtigen zur Frankfurter Weinrunde. Austragungsort war das inzwischen eröffnete Weinfachgeschäft Wein Karrer. Die dazu gehörige Weinbar („Wein Kost Bar“) ist ein idealer Ort für solche Runden – man sitzt inmitten der herrlichen Flaschen und Preziosen und wird so auf das Beste eingestimmt. Eigentlich mehr als nur eine Erwähnung wert ist das, was aus der Küche kam. Das macht richtig Spaß und bietet Genuss auf hohem Niveau und wenn man die Philosophie von Qualität und Herkunft weiter so lebt, läuft man „Gefahr“ die Entwicklung vom Saittavini in Düsseldorf zu nehmen, das heute ein Restaurant mit angeschlossenem Weinhandel ist und nicht umgekehrt.

 

Dank der überaus großzügigen Gaben traten wir nun eine herrliche Weinreise durch Spanien an, die mir lange in Erinnerung bleiben wird und für die ich mich gerne nochmals herzlich bedanke. Keine Werbung, sondern ein kleiner Verweis auf den noch recht jungen Weinshop von Michael Schmidt sei mir an dieser Stelle erlaubt (www.weinhandel-schmidt.de) – insbesondere für diejenigen die wirklich Interesse an gereiften Gewächsen und Preziosen  aus Bordeaux, Burgund oder Deutschland haben.

 

Zum Start in den Abend gab es 2 Weissweine:

 

1996 El Dorado de Murrieta Ygay Reserva, Marques de Murrieta – Rioja

 

89 Punkte – Dieser weiße Rioja entstammt – wie alle Wein, die unter der Linie Castillo Ygay vermarktet werden – aus besonderen Lagen. Davon hat man reichlich, denn Marques de Murrieta gehört zu den wenigen großen spanischen Weingütern, die ausschließlich eigene Trauben von ihren 300ha Weinbergen verarbeiten. Das traditionsreiche Weingut wurde im Jahre 1852 von Luciano Marqués de Murrieta gegründet und bereits 1878 hat er Castillo Ygay erworben. Bis 1983 war das Weingut in Familienbesitz. Weitere, interessante Details sind auf der homepage www.marquesdemurrieta.com zu erfahren.

 

Ebenso wie sein roter Bruder wird auch dieser Wein nur in besonderen Jahren gefüllt, jedoch kommt er bedeutend früher auf den Markt, da er „nur“ 40 Monate im Holz reift. Entsprechend ist auch der Eindruck am Gaumen und in der Nase: intensive Aromatik von Honig, Vanille, und Butter, mit Anklängen an geröstete Macadamianüsse und Soja; am Gaumen erstaunlich frisch für das lange Holzlager, mittelgewichtig, mit Aromen von frischen Haselnüssen, feiner Butter und Kirschen, die insbesondere  den Abgang prägen. Sehr schönes Mundgefühl, mit weichem Schmelz und gutem Trinkfluss. Ich empfand den Wein durchaus als trinkig, da der Wein nicht zu fett wirkt und eine schlüssige Aromatik bietet.

 

 

1985 „R“, Chateau Rieussec – Sauternes/Bordeaux

 

83 Punkte – Chateau Rieussec gehört zu den Domaines Barons de Rothschild (Lafite) und ist eigentlich für herrlichen Süßwein bekannt. Doch jedes Jahr verlassen auch wenige Tausend Flaschen trockenen Weines das Weingut, bereitet aus Semillon- and Sauvignon Blanc-Trauben.  Doch diese Flasche ist wohl das beste Beispiel dafür, dass man die trockene Variante nicht zu lagern sollte. In der Nase muffig, erinnerte er an nasse Wolle und grünen Tee. Am Gaumen schon deutlich gealtert, ein wenig oxidativ, mit Noten von Alceto balsamico. Erstaunlicherweise baute der Wein nochmals etwas aus, aber die 83 Punkte sind schon wohlwollend – wenngleich es am Tisch auch systemische „Altwein-Schönredner“ gab, die dem Wein sicherlich noch ein paar Pünktchen mehr gegeben haben. ;-))

Die Notizen zu den Roten folgen !!! 

Vorösterliche best bottle Weinprobe im Schorn in Düsseldorf

 

Eigentlich halte ich mich stets an meine Grundsätze 1-3 bei Weinproben, die da wären:

 

1)      Ausgeschlafen hingehen;

2)      Viel, viel Wasser trinken, mindestens doppelt so viel wie Wein;

3)      Die Weine, die einen nicht komplett überzeugen, in die dafür bereit stehenden Behälter entsorgen.

4)      Diejenigen, die Regel 1-3 nicht befolgen wollen/können, sollten Regel 4 nicht vergessen: vor dem zu Bett gehen, sich eine Kopfschmerztablette gönnen (!!Wichtig!! Wer Alkohol zu sich genommen hat, sollte auf Paracetamol verzichten, da die mit dem Alkoholabbau beschäftigte Leber diesen Wirkstoff nicht mehr korrekt verstoffwechseln kann und es so zu Leberschäden kommen kann.)

 

In gemischter Runde, mit einigen neuen Gesichtern am Tisch saßen wir im Schorn in Düsseldorf und Franz Josef kochte mal wieder wunderbar auf. Die Küche von Franz Josef ist deutlich französisch geprägt, aber sein Mut zum Würzen kann wohl klar seiner rheinländischen Frohnatur zugeschrieben werden. Das Highlight des Abends war für mich das scharf angebratene und anschließend 5 Stunden bei Niedrigtemperatur gegarte Stück Rindfleisch. Außen Röstaromen vom Feinsten und innen zart wie Butter – einfach perfekt! Aber auch der delikate Fischgang und die Jakobsmuscheln verdienen eigentlich mehr als nur die Erwähnung hier.

 

Franz Josef spendierte zum „Aufwärmen“ auch den ersten Wein des Abends, welchen er von seiner Rheingau-Tour am Vortag mitgebracht hatte. 

Meine Weinprobengrundsätze propagiere ich nach dieser Probe nachhaltiger als jemals zuvor ;-)))

 

Die Notizen der einzelnen Weine folgen in den nächsten Tagen jeweils einzeln!

BAROLO / BARBARSCO – Ein Weinabend und dem Himmel ganz nah

So wie das bei Weinfreunden so ist….. vor ein paar Monaten habe ich bei einer Weinprobe in Engelskirchen Oliver kennen gelernt. Man unterhielt sich, man nippte, trank und philosophierte über die Vorzüge dieses und jenes Weines. Da gemeinsames Weinerleben einfach mehr Spaß macht, fliegt die Zeit schnell vorbei und am Ende findet man es häufig schade, dass man nicht mehr Zeit hat, die begonnen Gespräche zu vertiefen. So freute ich mich auch sehr, als  Oliver fragte, ob ich Lust habe, bei einer von ihm organisierten großen Baroloprobe dabei zu sein. Da ich nicht nur die Weine des Piemont, sondern auch Land und Leute besonders liebe, und ich dieses Jahr leider nicht im November dort, im heiligen Trüffelland sein kann, stieg die Vorfreude auf diese Probe Woche um Woche, je näher sie kam.

 

Gestern am 01.11.2008 war es dann soweit, ich sattelte die Hühner und flog von Düsseldorf nach Hünstetten zu Rosis Restaurant (als ich den Namen hörte, befürchtete ich schon nach Bayern fahren zu müssen, aber dieses Dorf liegt bei Wiesbaden und nicht in der Heimat der Spider Murphy Gang). Quartier bezog ich in Bad Camberg in einem Hotel namens „Taunus Residence“, denn in Hünstetten gab es laut Internet keine Bleibe für eine Nacht. Letztlich blieb es mir verschlossen, was dieses Hotel (wohl gebaut um das Gründungsdatum der Spider Murphy Gang) mit einer Residence zu tun hat; höchstens die hellblauen, total ausgefransten Handtücher könnten noch aus der Zeit der Grafen und Adelsmänner stammen ;-)) Beim Einchecken dann das:

 

Junges Mädchen (JM) an der Rezeption: Hallo und herzlich willkommen !!

 

Ich: Hallo, ich habe reserviert für eine Nacht, mein Name ist Quentel.

 

JM: Hier, bitte ihr Schlüssel! Zimmer Nr. 135.

 

Ich: Ist das ein Nichtraucherzimmer ??

 

JM: Hähhh (erinnerte mich irgendwie an den am Abend vorher im Kino gesehen Film: „Sch’tis“ (hervorragende Komödie ;-))

 

Ich: Ich hätte gerne ein Nichtraucherzimmer.

 

JM: Das ist ein Problem.

 

Ich: Och nö, gibt es kein einziges Nichtraucherzimmer mehr ??

 

JM: Wir sind ein Nichtraucherhotel. Wenn Sie rauchen möchten, müssen bitte vor die Tür gehen.

 

Ich: Ach so, ja dann ist alles gut, können Sie mir bitte noch ein Taxi bestellen ??

 

JM: Ja, gerne.

 

Im Nichtraucherzimmer (ob auch Fußpilz-frei wage ich zu bezweifeln) angekommen, trennten mich lt. meiner Auto-Navigation noch 6,8km vom Verkostungsglück, aber meine Geduld sollte noch einmal auf die Probe gestellt werden. Eigentlich lag ich gut in der Zeit, die Uhr zeigte 17.15 Uhr und der Probenbeginn war für 18.00 Uhr angesetzt. Doch das Taxi benötigte dann ca. 30 Minuten, um vom Ortskern dieser Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern zum Bahnhof zu kommen. Im Taxi eingestiegen hatte ich dann folgendes Gespräch mit dem „dynamischen“ Taxifahrer (dTF):

 

Ich: Bitte nach Hünstetten, kennen Sie Rosis Restaurant ??

 

dTF: Ne, aber ich kenne Hünstetten.

 

Ich: Na, das ist ja schon mal was (ich suche in der Hosentasche nach meinem Zettel mit der Adresse)

 

dTF: Ich fahre dann mal los!

 

Ich: Ja, bitte – Richtung Hünstetten ??

 

dTF: ja!!

 

Ich – Am Birnbusch 17 verkünde ich (nicht ohne Stolz, da ich zum ersten Mal in der Region bin und mehr weiß als der Taxifahrer).

 

dTF: Hmm, weiß nicht wo das ist.

 

Pause, Pause, längere Pause

 

Ich: Navi haben Sie keins – oder ??

 

dTF: Nee

 

Pause, Pause, längere Pause

 

Ich: Haben Sie vielleicht Funk und können die Zentrale anrufen ???

 

dTF: Kann ich machen (und wählt an seinem Handy mit Freisprechanlage)

 

Frau vom Funk: Hähhh (ich glaube, ich bin doch in Nordfrankreich bei den Sch’tis)

 

dTF: Kennscht Du Rosis Restaurant, kannst Du mir sache, wo das isch ??

 

Frau vom Funk: erzählt etwas und ich verstehe kein Wort, aber letztlich komme ich  pünktlich zu meiner Baroloprobe. Und was habe ich daraus gelernt ??

 

„Mir Städter sind einfach zu hektisch“!!!

 

 

Doch nun zum Wesentlichen:

 

Die Runde bestand aus 14 Weinliebhabern (13 Männern und einer Dame) und – wie es unter Weinfreunden üblich ist – alle gleich per „Du“. Ich genieße diese Unkompliziertheit und das Unprätentiöse immer sehr. Zwölf der Anwesenden hatte ich vorher noch nie gesehen, obgleich mir die meisten Namen aus diversen Weinforen bereits mehr oder weniger geläufig waren. 

Oliver hatte die Probenreihenfolge im Team bereits vorher festgelegt und nachdem auch das Essen (bodenständige Küche, die ihre 15 Punkte im Gault Milleau an diesem Abend voll ausspielte) mit dem Küchenteam zeitlich bestens koordiniert war, stand ca. 18.30 Uhr der 1.Flight auf dem Tisch. Nachfolgend sind alle Weine des Abends aufgelistet, die detaillierten Notizen folgen –jeweils einzeln – in den nächsten Tagen…

 

 

  1. Flight:

 

·         1983 Barolo Ciabot Mentin Ginestra, Domenico Clerico

·         1985 Barolo Ciabot Mentin Ginestra, Domenico Clerico

·         1985 Barolo Bricotto Bussia, Domenico Clerico

 

  1. Flight:

 

·         1978 Barbaresco, Angelo Gaja

·         1978 Barbaresco Santo Stefano Riserva, Bruno Giacosa

·         1967 Barolo, Marchesi di Barolo (leider Kork)

 

  1. Flight:

 

·         1985 Barolo Bussia Soprana, Aldo Conterno

·         1982 Barolo Monprivato, Giuseppe Mascarello

·         1982 Barolo Collina Rionda Riserva, Bruno Giacosa

 

  1. Flight:

 

·         1988 Barolo Bussia Soprana, Aldo Conterno    

·         1988 Barolo, Bartolo Mascarello

·         1989 Barolo, Bartolo Mascarello

 

  1. Flight:

 

·         1989 Barolo Cicala, Aldo Conterno

·         1988 Barolo Falletto di Serralunga, Bruno Giacosa

·         1990 Barolo Collina Rionda Riserva, Bruno Giacosa

 

  1. Flight:

 

·         1989 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo Gaja

·         1990 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo Gaja

 

  1. Flight:

 

·         1993 Barolo Collina Rionda, Bruno Giacosa

·         1993 Barolo, Bartolo Mascarello

·         1993 Barbaresco Sori Tildin, Angelo Gaja

 

 

– ENDE und im 7. Weinhimmel angekommen –

 

 

Ole Spezial – Besondere Weinprobe rund um den Jahrgang 1985

Ole hatte mal wieder geladen, und ein kleiner Kreis von Weinfreunden freute sich über die Einladung zu dieser besonderen Weinprobe und  labte sich reichlich an Speis und Trank. Um "Besondere Weine" sollte es diesmal gehen und nach einem kurzer Abstecher zu den Weissweinen wurde klar, die Roten aus dem hervorragenden Jahrgang 1985 stehen im Mittelpunkt dieses genussreichen Abends. Broadbent schreibt in seinen Weinnotizen zum Jahrgang (Hallwag 1994; S.223) : "Es scheint weltweit in sehr guter Verfassung zu sein, sicherlich aber in Europa: hervorragende toskanische Weine, die besten roten Burgunder, gewiß auch gelungenste Vintage Ports der 80er Jahre – und natürlich ein herrlich roter gleichgewichtiger Bordeaux. " Besser kann man das Ergebnis unserer Probe nicht zusammenfassen; alle Weine waren in einer hervorragenden Verfassung – am meisten hat mich jedoch die innere Harmonie und die Frische dieser Weine begeistert. Alle Vertreter des Jahrgangs hatten daneben eine herrliche Frucht, schöne Tannine und eine gute Säure. Doch mehr dazu in den einzelnen Weinnotizen.

Ebenfalls an dieser Stelle herausstellen möchte ich die Kochleistung von Ole an diesem Abend, als Meister der Vorbereitung hat er es geschafft, ein vorzügliches (!!)  Essen aufzutischen und gleichzeitig am Tisch omnipresent zu sein. Die Speisefolge reichte über eine vorzügliche, in ihrer Konsistenz nicht mehr verbesserbare Wildschweinpastete, über die aromatischten Steinpilztaglitelle, die ich seit Jahren gegessen habe, bis hin zu einer wunderbaren Entenbrust mit Bitterorangenkonfit an feinen Rübchen und Kartoffelgratin.