Georgien – Die unentdeckte Weingeschichte

Am 8. Februar gab es in Hamburg die rare Möglichkeit mit fachkundiger Begleitung ein Dutzend georgischer Qualitätsweine zu probieren. Neben Weinen von Teliani Valley, einem großen, in den 90er Jahren privatisiertem Staatsbetrieb, gab es Weine von Schuchmann Wines, einem kleinen privaten Erzeuger, der z.Zt. rund 150.000 Flaschen Qualitätswein jährlich produziert, davon die Hälfte in Quevris (Amphoren). Der Önologe für alle Weine ist der Georgier Giorgi Dakishvili, der zunächst für Teliani Valley arbeitete und seit 2008 die Schuchmann-Weine verantwortet. Firmengründer Burkhard Schuchmann, langjähriger Vorstandschef vom Bahntechnik-Anbieter Vossloh, gründete diese Kellerei als Seiteneinsteiger im Jahr 2008.

Teilnehmer der Probe waren u.a. Angeles Tegtmeyer (Teilhaberin und Sales-Managerin von Schuchmann Wines), Andre Hain (Geovino, Fachhandel für Georgische Weine in Hamburg) und Kulturwissenschaftler Florian Mühlfried, der über die Besonderheiten des Georgischen Banketts promoviert hat und sich viel mit Quevri-Weinen beschäftigt.

Georgien hat mit 8.000 Jahren die längste Weinbaugeschichte der Erde. Das Land von der Größe Bayerns liegt zwischen schwarzem und kaspischen Meer sowie dem hohen Kaukasus im Norden und dem kleinen Kaukasus im Süden. Es hat – ähnlich wie Deutschland – eine Rebfläche von knapp 100.000 ha. Zahlreiche Nebenerwerbswinzer stellen vorwiegend einfachen Wein für den häuslichen Gebrauch her. Die rund 50 größeren Betriebe sind sehr stark exportorientiert und vor allem auf Russland (70%) ausgerichtet. Wein ist neben dem Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Boykott Russlands Mitte der 00er Jahre traf Georgien deshalb sehr hart. Inzwischen sind die Wirtschaftsbeziehungen wieder vielfältiger geworden.

Das wichtigste Anbaugebiet ist Kachetien, das nordöstlich von der Hauptstadt Tiflis liegt.

Hier werden 70% der georgischen Trauben produziert, von denen viele seit Jahrtausenden in den traditionellen Tonamphoren (Quevris) ausgebaut werden. Zwei Drittel sind mit roten Sorten bestockt, wobei die wichtigste Qualitätstraube die autochthone Saperavi ist.

Text: Mathias Fahrig

 

Weißweine

2007 Tsolikauri, Teliani Valley – Georgien

88 Punkte – Zartes Strohgelb, feine Nase mit vielen Blüten und weißen und gelben Früchten; erstaunlich frisch, tolle geschmeidige Fülle am Gaumen, gute Reife, hat aber sicher noch einige Jahr vor sich, erinnert an Arneis; Rebsorte: Tsolikauri; 10 Euro

2008 Tsinandali, Teliani Valley – Georgien

84 Punkte – Strohgelb, deutlicher Holzton in der Nase, am Gaumen wenig Frucht aber viel Vanille, gelbe Früchte, etwas spannungslos; Rebsorte: Rkatsiteli, 10 Euro

2012 Mtsvane, Schuchmann  – Georigen

88 Punkte – Zartes Strohgelb, Blüten, Citrus und etwas Nüsse in der Nase, tolle Frische am Gaumen mit gutem Zug, erinnert an Silvaner; Rebsorte: Mtsvane, 7 Euro

2011 Vinoterra, Schuchmann  – Georgien

87-91 Punkte – Der 6 Monate mit Maische und Hefe im Quevri ausgebaute Wein hat eine goldgelbe Farbe. Nase von Heu, Brennessel, Kandis. Am Gaumen dezente Tannine, Backpflaumen, Dörrobst, Quittenkaramell, Mandarine, ein dezenter und harmonischer Vertreter eines Orange-Weins. Am zweiten Tag deutlich runder und saftiger mit guter Länge; Rebsorte: Mtsvane, 13 Euro

 

Rotweine

2007 Napareuli, Teliani Valley – Georgien 

84 Punkte – Klares mittleres Rubin; Blaubeeren, etwas trocknend am Gaumen, etwas grob in der Aromatik, Rebsorte: Saperavi, 10 Euro

2007 Unfiltered, Teliani Valley – Georgien

88 Punkte – Dichtes mittleres Rubin; Leder, Blaubeere, rote Johannesbeeren, am ersten Tag etwas trocknend, mit mehr Luft frischer, saftiger, etwas metallische Säure und gute Länge; Rebsorte: Saperavi, 20 Euro

2009 Estate Line, Schuchmann – Georgien

86 Punkte – Mittleres Rubin; Nelke, Rote Beete; stoffige Frucht am Gaumen, Schoko und Kirsche, wirkt etwas Grün und bäuerlich schlichter als die anderen Schuchmann-Weine; Rebsorte: Saperavi, 8 Euro

2009 Golden Line, Schuchmann – Georgien

92 Punkte – Der Wein wird von Hand gelesen, vergärt 21 Tage in Quevris und wird danach im Stahl ausgebaut. Dunkles Rubin; dichte komplexe Nase, sehr stoffig und fest am Gaumen, aber nicht trocknend, Blaubeere und Kirsche, schöner frischer Säurestrang, Pflaumen, wild und druckvoll, dabei kühl, klar und lang; erinnert an Cahors; Rebsorte: Saperavi, 27 Euro

2008 Golden Line, Schuchmann – Georgien

89 Punkte – 20 Tage in Quevris vergoren, dann 24 Monate französische Barrique, ungefiltert abgefüllt. Dunkles Rubin; deutliche Vanille und Röstaromen, sehr international, trinkig, aber auch etwas beliebig wirkend, Rebsorte: Saperavi, 20 Euro

 

Liebliche Weine

2007 Ojaleshi, Teliani Valley – Georgien

84 Punkte – Sehr helles Rubin, erinnert an lieblichen Pinot, Sangria, schlicht; Rebsorte: Ojaleshi, 15 Euro

2008 Kindzmarauli Silver Line, Schuchmann – Georgien

89 Punkte – Der Wein hat 38g Zucker und 7,5g Säure. Komplexe dichte Nase, Milchschokolade, Nelken Cassis, rote Beeren, guter eingebundener Gerbstoff, der zusammen mit der angenehmen Säure die Süße gut einfängt; Rebsorte: Saperavi, 10 Euro

2011 Vinoterra, Schuchmann – Gerogien

90 Punkte – Die Trauben werden nach der Ernte mehrere Wochen getrocknet und dann im Quevri ausgebaut. 68g Zucker. Helles Goldgelb; Kandis, Zigarre, kalter Rauch, grüne Banane, etwas Gerbstoff spürbar, leichtes Bitterle, und deutlich weniger süß wirkend, ungewöhnlich und fordernd; Rebsorte: Rkatsiteli, 25 Euro

2007 AN, Anima Negra – Mallorca

91 Punkte – Wieder so ein Urlaubsmitbringsel, das zwar Erinnerungen an die schönsten Tage des Jahres weckt, aber daheim – in den eigenen 4 Wänden – die Frage aufwirft: wieso, weshalb, warum habe ich das gekauft? Wer kennt diese Erfahrung nicht, aber bei diesem Wein ist es genau umgedreht! Meine erste Flasche davon habe ich in Köln gekauft und sobald ich den Wein schnupper und trinke, bekomme ich ein seltsames Fernweh nach der Insel, nach der Heimat dieses Weins. Am liebsten würde ich umgehend meine Koffer zu packen, den nächsten Flieger in die Sonne  nehmen und die Menschen treffen, die dafür sorgen, dass aus den alten, autochthonen Reben ein so wunderbarer Tropfen gekeltert wird.

Der Weinkeller Àn Negra befindet sich in der Nähe von Felanitx, im Südosten der Insel. Das Kellereigebäude stammt aus dem 13. Jahrhundert und seit dieser Zeit dient es der Herstellung von Wein. Der lokale Weinbau prägt bis heute die Landschaft (Reben im „gemischten Satz“ mit Obstbäumen). Aber erst die Reblausplage auf dem europäischen Festland im 19. Jahrhundert  brachte den Weinbau auf Mallorca richtig in Schwung. Das in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts entstandene Kellereigebäude ist ein Zeitzeichen der Blüte. Aber einer Blüte folgt in aller Regel auch eine welke Phase und umso schöner ist es, dass man heute wieder an alte Zeiten anknüpft und sich der Tugenden der Väter und vor allem der ureigensten Reben (Manto negre, Fogoneu, Prensal und Callet) der Insel besinnt.

Das 1994 von zwei „alten“ Freunden gegründete Weingut Àn Negra  nutzte zunächst die alte Kellerei „Possessio“ Son Burguera, heute verfügt man jedoch über modernste Kellertechnik. Die beiden Jungs kannten sich bereits aus der Schule, doch während Pere Ignasi sich um die Kühe und die Molkerei seiner Familie kümmerte, zog es den 4 Jahre älteren Miquel Angel nach Madrid zum Studium. Nach seiner Rückkehr verwirklichten beide einen lange gehegten, gemeinsamen Traum und kelterten in einem Milchtank ihren ersten Wein aus Trauben alter Callet-Reben.

Der AN besteht überwiegend aus über 90% Callet, mit einer kleinen Beimischung von Manto negre und Fogoneu. Die alten Callet-Reben (40-60 Jahre) stehen auf kalkhaltien Felsen, deren obere, mineralhaltige Schicht einen hohen Anteil an Eisenoxiden aufweist. Durch und durch zieht sich diese Mineralik auch im Wein, der so gar nichts mit den üblichen spanischen Festland-Tempranillos gemein hat. Der AN ist geprägt durch die kalkige Mineralik, ein tolles Spiel der würzigen Frucht (Kirschen, Wacholderbeeren, Feigen, etwas Cassis und Lorbeer) mit einer schönen Säure und gut strukturierten Tanninen. Der Wein hat eine innere Spannung, einer recht vollen Körper, ist klar und frisch und erzeugt Druck; dabei durchaus leichtfüssig und elegant. Besonders gut gefällt mir die schöne, säurefruchtige Länge, die mit einem Touch Bitterschokolade abschließt. ANimierender Trunk. Hand geht permanent zum Glas.

Spannendes Spanien

Am letzten Wochenende im November trafen sich die üblichen Verdächtigen zur Frankfurter Weinrunde. Austragungsort war das inzwischen eröffnete Weinfachgeschäft Wein Karrer. Die dazu gehörige Weinbar („Wein Kost Bar“) ist ein idealer Ort für solche Runden – man sitzt inmitten der herrlichen Flaschen und Preziosen und wird so auf das Beste eingestimmt. Eigentlich mehr als nur eine Erwähnung wert ist das, was aus der Küche kam. Das macht richtig Spaß und bietet Genuss auf hohem Niveau und wenn man die Philosophie von Qualität und Herkunft weiter so lebt, läuft man „Gefahr“ die Entwicklung vom Saittavini in Düsseldorf zu nehmen, das heute ein Restaurant mit angeschlossenem Weinhandel ist und nicht umgekehrt.

 

Dank der überaus großzügigen Gaben traten wir nun eine herrliche Weinreise durch Spanien an, die mir lange in Erinnerung bleiben wird und für die ich mich gerne nochmals herzlich bedanke. Keine Werbung, sondern ein kleiner Verweis auf den noch recht jungen Weinshop von Michael Schmidt sei mir an dieser Stelle erlaubt (www.weinhandel-schmidt.de) – insbesondere für diejenigen die wirklich Interesse an gereiften Gewächsen und Preziosen  aus Bordeaux, Burgund oder Deutschland haben.

 

Zum Start in den Abend gab es 2 Weissweine:

 

1996 El Dorado de Murrieta Ygay Reserva, Marques de Murrieta – Rioja

 

89 Punkte – Dieser weiße Rioja entstammt – wie alle Wein, die unter der Linie Castillo Ygay vermarktet werden – aus besonderen Lagen. Davon hat man reichlich, denn Marques de Murrieta gehört zu den wenigen großen spanischen Weingütern, die ausschließlich eigene Trauben von ihren 300ha Weinbergen verarbeiten. Das traditionsreiche Weingut wurde im Jahre 1852 von Luciano Marqués de Murrieta gegründet und bereits 1878 hat er Castillo Ygay erworben. Bis 1983 war das Weingut in Familienbesitz. Weitere, interessante Details sind auf der homepage www.marquesdemurrieta.com zu erfahren.

 

Ebenso wie sein roter Bruder wird auch dieser Wein nur in besonderen Jahren gefüllt, jedoch kommt er bedeutend früher auf den Markt, da er „nur“ 40 Monate im Holz reift. Entsprechend ist auch der Eindruck am Gaumen und in der Nase: intensive Aromatik von Honig, Vanille, und Butter, mit Anklängen an geröstete Macadamianüsse und Soja; am Gaumen erstaunlich frisch für das lange Holzlager, mittelgewichtig, mit Aromen von frischen Haselnüssen, feiner Butter und Kirschen, die insbesondere  den Abgang prägen. Sehr schönes Mundgefühl, mit weichem Schmelz und gutem Trinkfluss. Ich empfand den Wein durchaus als trinkig, da der Wein nicht zu fett wirkt und eine schlüssige Aromatik bietet.

 

 

1985 „R“, Chateau Rieussec – Sauternes/Bordeaux

 

83 Punkte – Chateau Rieussec gehört zu den Domaines Barons de Rothschild (Lafite) und ist eigentlich für herrlichen Süßwein bekannt. Doch jedes Jahr verlassen auch wenige Tausend Flaschen trockenen Weines das Weingut, bereitet aus Semillon- and Sauvignon Blanc-Trauben.  Doch diese Flasche ist wohl das beste Beispiel dafür, dass man die trockene Variante nicht zu lagern sollte. In der Nase muffig, erinnerte er an nasse Wolle und grünen Tee. Am Gaumen schon deutlich gealtert, ein wenig oxidativ, mit Noten von Alceto balsamico. Erstaunlicherweise baute der Wein nochmals etwas aus, aber die 83 Punkte sind schon wohlwollend – wenngleich es am Tisch auch systemische „Altwein-Schönredner“ gab, die dem Wein sicherlich noch ein paar Pünktchen mehr gegeben haben. ;-))

Die Notizen zu den Roten folgen !!! 

Ski und Wein

Was passiert, wenn drei ski-, koch- und weinbegeisterte Buben eine gemeinsame, Reise in den Schnee veranstalten?? Auf der Hinfahrt in den Urlaubsort (Bad Hofgastein) ist das Auto fast doppelt so voll gepackt, wie auf dem Weg zurück. Zwar wurde die Menge dieses Jahr genau definiert, trotzdem ist es kein Pappenstiel, wenn man neben den Skisachen, dem normalen Gepäck noch 18 Flaschen Wein im Kofferraum unterbringen muss. So im Nachhinein betrachtet ist es dieses mal besonders auffällig gewesen, dass für die allabendliche Blindverkostung eher die Weinexoten bemüht wurden. Fragt sich nur, was war die Motivation dafür? Die Überzeugung, auf die enorme Qualitätssteigerung einiger Anbauregionen hinzuweisen oder ehemals berühmte Weine und Anbauregionen wieder in das Licht zu stellen, dass sie verdient haben oder war es einfach der Wunsch, die Freunde zu fordern und sich ein bisschen daran zu freuen, wenn die Kollegen beim blinden Probieren und anschließenden Zuordnen mal wieder so richtig daneben liegen 😉 ?  Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem – folgende 18 Weine haben unsere abendlichen Kochkünste (! lecker und weit weg von Spaghetti, Pizza & Co.) bereichert und werden im Folgenden vorgestellt:

Wein und Spiele

Anläßlich eines schönen, spannenden und mit der Zeit immer lustigeren Spieleabends tranken wir in geselliger Runde folgende Flaschen:

 

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan – Südtirol

2003 Gewürztraminer Nussbaumer, Kellerei Tramin – Südtirol

2006 Riesling Oestricher Doosberg, P.J. Kühn – Rheingau

2006 Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd, Weingut Knoll – Wachau

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne

1996 Chateau Durfort-Vivens  – Margaux

Die Notizen zu den Weinen habe ich nachfolgend (siehe oben)einzeln eingestellt.

Wein und Ski in Celerina / St. Moritz

Mit zwei Freunden, einem Auto voll Gepäck und jeder Menge Wein sind wir vor einer Woche nach Celerina bei St. Moritz aufgebrochen. Inzwischen sind etliche Flaschen geleert, Sonne und Schnee haben uns verwöhnt und morgen droht die Rückfahrt. Daher noch ein paar Notizen schnell ins Netz, bevor der Arbeitsalltag einem dafür zu wenig Zeit lässt.

Gestartet sind wir mit einem kleinen Nachschlag zu Oles Languedoc Probe 2000, es gab einen ordentlichen La Clape, danach ein wenig quer Beet, dann kam Ole mit drei Beaujolais und fortan gab es keine Regeln, sondern nur Flaschen ;-)))

„Wein und Ski in Celerina / St. Moritz“ weiterlesen

2000 Magnoux, Domaine St. Antonin Faugères (Wein 11)


91 Punkte – Frédéric Albvaret produziert seine Weine auf kargen Schieferböden in naturnahem Anbau. Beim letzten Wein des Abends bin ich etwas schreibfaul geworden – kurze Notiz: Blaubeeren, Kaffee, Röstaromen. Am Gaumen schöne Frische, dicht, schöner Extrakt, angenehme, saftige Fruchtsüße, gewisse Aromentiefe, gute Länge.

2000 Chateau Lavabre, Chateau Lavabre – Pic St. Loup (Wein 10)

92+ Punkte Der Sieger des Abends!!! Von 9 Verkostern gab es für Château Lavabre (2/3 Syrah und 1/3 Grenache) 8 mal den ersten Rang und 1 mal Platz 2 – und dies bei ansonsten eher heterogenen Bewertungen an diesem Abend. Olivier Bridel produziert inzwischen drei Weine, wovon der hier verkostete, die Spitze des Weingutes darstellt; daneben gibt es Domaine de Lavabre , Les Demoiselles de Lavabre.

Tino Seiwert von Pinard-de-Picard (www.pinard.de) beschreibt in seiner ihm so eignen, blumigen und mit Superlativen gespickten Art über das Weingut folgendes: „Die Weine von Château Lavabre, im nördlichsten, sehr waldreichen Teil des mythischen Bergmassivs des Pic St. Loup im wildromantischen Hinterland von Montpellier gelegen, gehören mit zum besten, was Sie im gesamten französischen Süden finden können. Olivier Bridel, ein etwas eigenbrötlerischer, aber sehr sympathischer Winzer, der früher in der Normandie mit großem Erfolg eine Firma für Elektrotechnik betrieben hatte, kaufte Anfang der 90er Jahre ein verwahrlostes Gut, das unmittelbar unterhalb der riesigen Felsenwand, die diese Region wie ein unüberwindlicher Wächter nach Norden begrenzt, abgeschieden in die paradiesisch schöne Landschaft gebaut worden war. Das großartige Terroir, eines der besten der gesamten Appellation, und die alten Rebstöcke (Syrahreben von 1961!, hier eine Rarität) boten ideale Voraussetzungen, Oliviers Lebenstraum zu erfüllen, große, autochthone Rotweine des französischen Südens zu vinifizieren. Doch zunächst mussten die erstmals im 18. Jahrhundert angelegten, aber mittlerweile heruntergekommenen Weinberge und alten Rebstöcke liebevoll restauriert, teilweise auch neu bepflanzt und die Gebäudeteile des Hofes mitsamt den Kellern von Grund auf renoviert werden. Ende der 90er Jahre gelangen dann nach aufwendigen Laubarbeiten an den Reben und infolge sehr geringer Erträge die ersten viel versprechenden Weine (…)“‘

Was hatten wir diesen Abend im Glas? Einen Wein mit einer tiefen und reichhaltig wirkenden Nase, eingepackt in schöne Röstaromen aus dem Holz. Am Gaumen nicht weniger komplex, herrliche Würzigkeit, reich an Kaffee- und Schokoladearomen, fleischig und herrlich saftig. Einerseits urwüchsige Würzaromen, andererseits eine eher elegante Kühle, kräftige Tannine, etwas ungewöhnlich: Anklänge von Lavendel. Richtig schönes Kino!!

2000 Clos de l’Escandil, Domaine Aires Hautes (Gilles Chabbert) – Minervois (Wein 2)

86 Punkte – Dieser Wein stammt vom terroir „La Livinière“ am Fuße der Montagne Noir. Dieses Fleckchen Erde hat – gemeinsam mit den vier Nachbargemeinden – als erstens Cru-Status im Minervoisgebiet erhalten. Gilles Chabbert gehört mit seiner Domaine Aires Hautes zu den Schrittmachern im Minervois und seine Weine gelten als Referenz für dieses Gebiet, ja für das gesamte Languedoc. Blättert man durch die Weinführer und Weinzeitschriften der letzten Jahre, so sind seine Weine allgegenwärtig und stets gut bewertet. Der aktuelle Jahrgang des Clos de l’Escandil kostet ca. Euro 20.

Im Glas wirkt der Wein unglaublich jung, schwarz mit violettem Rand. In der Nase ein Eindruck von Fleisch und schon wieder der Eindruck von Schmorbratensoße (wenngleich schwächer als beim Côte Dorée), aber auch dunkle Beerenfrucht. Am Gaumen weich, mit schönem Schmelz und angenehm kühl, runder Ansatz, reife Waldfrucht, etwas Cassis, runde, reife Tannine, Mon Cherry im Abgang; leider etwas alkoholisch und im Abgang etwas kurz. 

2000 Côte Dorée, Domaine l’ Aiguelière – Côteaux du Languedoc, Mointepeyroux (Wein 1)

79 Punkte – Das Positive am Einstieg in die Languedoc-Probe des Jahrgangs 2000 war, dass es nur besser werden konnte. Eigentlich ist dieser aus 100% Syrah bestehende Wein das Aushängeschild der Domaine, er stammt von einer Einzellage und wird regelmäßig hoch bewertet, dem 99er hat Bettane Sterne gegeben, aber was soll ich sagen: probieren geht über studieren. Im ersten Monet dachte ich der Duft kam aus der Küche, aber es sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend der Fall sein, dass der Wein einen Geruch von Rinderschmor- oder Wildschmorbratensoße (enorm reduziert und eigentlich richtig lecker) offerierte. Dazu passten die Anklänge von Zimt, Nelken, Lorbeer und die feine Süße, die man schon in der Nase verspürte. Leider kam die ganz große Ernüchterung am Gaumen: grüne Tannine, hart, wenig Frucht, um nicht zu sagen fast leer und hohl, sehr austrocknend. Irgendwie wollte ich an diesen Wein glauben und stellte ihn weg, um über den gesamten Abend immer mal wieder einen Schluck nach zu verkosten, aber dieses Mal gab es kein happy end.

Für ca. Euro 20,- bis 25,- hoffe ich für diesen Wein auf einen Flaschenfehler, denn 8 Jahre sind eigentlich kein Alter für einen reinen Syrah