2006 Weingut Melsheimer – Reiler Mullay-Hofberg Riesling Auslese trocken ‚Kellerchen‘

92 Punkte – Am Samstag bin ich in Düsseldorf über den Markt am Karlsplatz gelaufen und habe mich ein wenig treiben lassen. Dabei ist mir ein kleiner Weinstand ins Auge gefallen, der nur biologisch erzeugte Weine von Weingütern verkauft, die zur Spitze in Deutschland gehören. Da finden sich Namen wie Wittmann, Kühn oder Linxweiler im Sortiment und mein Interesse ist geweckt. Auf den zweiten Blick entdecke ich ein Etikett, dass mir bislang total unbekannt war, aber trotzdem ein deja vu bereitet, denn die letzte Ausgabe der VINUM titelte mit dem deutschen Rieslingpreis und bildete genau das Etikett dieses Weingutes ab. Kurzer Schnack mit dem Verkäufer, Flasche gekauft.

Kaum ist die Flasche geöffnet, strömt mir schon ein unglaublich dichter und voller Duft entgegen. Reife, gelbe Pfirsicharomen, satte kräuterwürzige Aromen von einer Mineralität, die einen schon in der Nase anspringt. Am Gaumen dann ein ähnliches Bild: satte Frucht, satte Mineralität, satte Tiefe !! Ein extraktreicher Stoff, der sein Terroir voll zum Ausdruck bringt; der Schiefer ist bei jedem Schluck gegenwärtig – man hat fast das Gefühl direkt auf ihm zu lutschen. Die Fruchtaromen erinnern mich irendwie an Rheingauer Weine, aber die Mineralität ist "voll Mosel". 14,5% Alkohol sind hervorragend eingebunden; trotz aller Üppigkeit ist dieser Wein komplex, tief und unglaublich trinkanimierend. Die Säure und die Frische sind ein gutes Gegengewicht zu der Üppigkeit, die man erkauen kann. Die Mineralität ist wirklich beeindruckend und zieht sich in Form einer positiven Bitterkeit bis in den schönen, langen Abgang. Das leere Glas duftet nach Kräutern und Mineralien und man schwelgt noch in den Aromen, wenn schon längst der letzte Schluck die Kehle hinuntergelaufen ist. Ein wirklich toller Riesling, der auf dem gleichen Niveau spielt wie z.B. die GG von Wittmann.