2008 Wiltinger Braunfels, Van Volxem – Saar

90 Punkte – Habe gerade dieses wirklich leckere Teil im Glas. Das ist Rieslingfreude pur. Ungemein trinkig und Schiefer-lutsch-Spaß pur. Besonders willkommen sind mir die 11,5% Alkohol; der Wein animiert. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen zu so später Stunde nur ein Glas zu trinken, aber der ist so gut, dass ich die halbe Flasche schon leer habe. Die wirklich tiefe Mineralik spielt mit einer feinen, fruchtigen (viel Weinbergspfirsich) Süße, die einerseits durch eine richtig schön eingebundene Säure gut abgepuffert ist und andererseits auch aromatisch durch Jod- und herbe Kräuteraromen (z.B. Salbei) geschmacklich nicht im Vordergrund steht. Ich glaube, dass dieser Stoff sehr viel länger tollen Genuss bietet als die allenthalben angegeben Trinkfenster 2009-2012/13. Dieser Stoff hat genug Substanz, dass er auch in vielen Jahren noch Spaß macht. Für die ca. 14 Euronen, die er kostet, ist das richtig tolles Kino und ich wette darauf, dass er in Blindverkostungen so manches Großes/Erste Gewächs in den Schatten stellt. In der Art und in der Aromatik erinnert er mich an einen Basiswein von Knebel (Mosel), der mich  vor ein paar Jahren ebenfalls so begeistert hat. Für mich sind das glatte 90 Punkte.

Mövenpick Jubiläumsverkostung – Teil 1 – Deutschland 2007

Anlässlich des 60. Geburtstages von Mövenpick war die monatliche Verkostung in der Düsseldorfer Filiale gleich doppelt besetzt. Einerseits konnte die Neuzugänge aus Deutschland verkostet werden, andererseits kam im Rahmen der eigentlichen Jubiläumsverkostung   der High-End-Bereich des Sortiments ins Glas. Die schöne Sache bei Mövenpick finde ich nach wie vor, dass man für jedes Glas einzeln bezahlt und so am Ende nicht in der misslichen Lage ist, kaufen zu müssen, um auch beim nächsten Besuch noch den Verkäufern in die Augen schauen zu können.

Da ich Teile der Jubiläumsverkostung schon bei den Themenproben kennen gelernt hatte, habe ich mich auf Deutschland 2007 konzentriert. Leider habe ich nicht das volle Programm geschafft, da ich nur einen Abend dabei sein konnte. Die angegebenen Preise sind Mövenpick-Preise.

Richtig gut ging es los mit dem 2007 Blauschiefer QbA trocken von Dr. Loosen (85 Punkte) – Mosel – das ist ein Zechwein der allerbesten Sorte, frisch, geradlinig, mit mineralischen Anklängen, dabei in sich stimmig und unglaublich lecker. Für Euro 8,90 der ideale Begleiter durch diesen Sommer.

Einen Euro teurer, aber nicht besser der 2007 Saar Riesling, Fuder 13 von Van Volxem (83 Punkte) – Saar – zwar etwas dichter als der Blauschiefer von Dr. Loosen, aber zur Zeit sehr unruhig, alles steht irgendwie nebeneinander, Süße und Säure scheinen sich überhaupt nicht miteinander zu vertragen und die Saar-typische Mineralik kommt gar nicht erst zum Vorschein; ich glaube, das geht besser.

Ein anderes Kaliber ist die 2007 Niederberg Helden Riesling Spätlese trocken von Wilhelm Haag (88 Punkte)- Mosel. Das ist Moselriesling pur, verspielt, ein wenig tänzelnd, aber doch ernst zu nehmen, schönes Säure-Süße-Spiel; zur Zeit mit Aromen von Äpfeln und Weinbergspfirsich am Gaumen; dazu eine schöne Mineralik, die etwas kräutrige Aromen versprüht – und fertig ist ein schöner Riesling. Von dieser Sorte Wein trinkt man gerne ein zweites oder drittes Glas, da er eine Leichtigkeit besitzt, die beschwingt und trotzdem bietet er Stoff für den regen Meinungsaustausch. Auch der Preis verleitet den Spaß nicht, denn mit Euro 12,80 ist er angemessen bezahlt.

Die 2007 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken vom Weingut Fritz Haag (89 Punkte)- Mosel – legte dann noch eine kleine Schippe oben drauf und fand großen Anklang in der Runde. Zur Zeit steckt der Wein noch komplett in den Kinderschuhen, die Frucht ist ein wenig pausbäckig und erinnert eher an Limonade/Fanta, aber das Potential dieses Weines kann man schon riechen und schmecken. Ein paar Monate noch und der Wein wird aufblühen, sich ausdifferenzieren und so die nötige Eleganz entwickeln. Die Anlagen sind hervorragend, einerseits stoffig, dicht, andererseits nicht zu schwer und die schön eingebundene Säure puffert schon heute das kleine Zuckerschwänzchen hervorragend ab. Euro 17,90

Eigentlich mit drei Weinen vertreten, von denen ich aber nur zwei verkostet habe, war Emrich-Schönleber. Der erste hat mich ein wenig erschreckt, denn der 2007 Riesling "Mineral" QbA trocken vom Weingut  Emrich-Schönleber (85 Punkte) – Nahe –  kommt zwar mit seiner kräutrigen Mineralik gut vom Startblock weg, die Citrusaromen verleihen ihm eine schöne Frische, er ist sehr klar und zupackend, aber Abzüge in der B-Note versagen ihm bei mir eine höhere Bewertung: die Säure packt nicht nur zu, sie greift an! Euro 13,50

Das 2007 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese trocken vom Weingut Emrich-Schönleber (87-91?? Punkte) – Nahe – ist aktuell eigentlich nicht zu bewerten, denn ich habe selten einen so jungen Wein erlebt, der so wenig von sich preisgeben wollte. Auffällig ist auch hier, die etwas spitze Säure. Ansonsten habe ich den Wein beatmet, gelutscht und ihm so den einen oder anderen Laut abgerungen, aber außer von einer kräuterwürzigen Mineralik kann ich nicht ernsthaft berichten. Ich glaube, der Wein hat viel Potential, aber man wird sehen…….

Nun gab es ein kleines Intermezzo, der 2006 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling trocken von Josef Leitz (92 Punkte) – Rheingau –  kam ins Glas und der erforderte die volle Aufmerksamkeit und das nicht nur, weil er mit Euro 65 pro Flasche der teuerste deutsche Wein des Abends war.  Dieser Riesling  hat  mich  mit seiner Kraft und Wucht "gekriegt" – das ist ein Riesling Wachauer Prägung: Kraft und Saft, viel Schmelz, schöne gelbe Steinobstfrucht, Kräuter, aber auch etwas tabakige Noten, die den Abgang fordernd gestalten. Auffällig an diesem Wein ist das "Fett", dass er mit sich rumschleppt, dass aber aufgrund der Säure nicht anstrengend, gar plump oder überladen wirkt; letztlich trägt es diesen Wein bis in sein langes Finale. Schwierig ist, hier das Alterungspotential richtig einzuschätzen; wer genug Flaschen hat, bitte ausprobieren und berichten ;-)) Ansonsten eher in den nächsten 4-5 Jahren trinken. 

Es ging zurück zum aktuellen Jahrgang 2007. Der 2007 Riesling QbA vom Weingut Wittmann (82 Punkte) – Rheinhessen –bietet für seine Euro 9,80 mir deutlich zu wenig: er wirkt recht dünn, dadurch macht ihm die straffe Säure arg zu schaffen und die paar Citrusnoten hauen es dann auch nicht mehr raus. Eigentlich für einen Basiswein eines solchen Hauses zu wenig.

Hallo !! Ein ganz anderes Kaliber ist die 2007 Scheurebe QbA trocken vom Weingut Wittmann (87+ Punkte) – Rheinhessen. Schön trocken ausgebaut, mit viel Frische, nicht zu laut von den Aromen, sondern zartduftig, mit frischen, feinen Fruchtaromen (Johannisbeeren, Kiwi, etwas Minze). Recht fest im Biss und mit der Frische ihrer Jugend ist das ein geiler Wein für den lauen Sommerabend auf der Terrasse mit Freunden bei viel Spiel, Spaß und Spannung (für alles sorgt dieser Wein). Da die Scheurebe zum gleichen Preis (Euro 9,80) wie der Riesling QbA zu haben ist, gibt es keinen Zweifel, was man kaufen sollte. Jung trinken !!!

Nun ging es in die Pfalz. Der 2007 Forster Musenhang Spätlese trocken aus dem Hause Mosbacher (87 Punkte)- Pfalz. Dieser Riesling macht seinem Namen durchaus Ehre, denn er ist zartduftig, weiblich und ein wenig verspielt, aber auch eine Muse benötigt Durchsetzungskraft und so ist dieser Wein recht dicht und besitzt einen mineralischen Nachhall. Euro 14,90

Ab ging die Luzi !! Der 2007 Sauvignon Blanc vom Weingut Mosbacher (88+ Punkte) – Pfalz –  ist ein geradliniger, spritziger (im Stahl ausgebauter), unglaublich klarer und sauberer Sauvignon Blanc. Ich mag diesen frischen, knackigen, etwas grasigen  Stil mit Aromen von Pampelmusen, Johannisbeeren und Tannennadeln. Klar, straff, harmonisch und animierend – jung trinken!! Euro 11,90

Der dritte Wein aus gleichem Weingut war der 2006 Forster Ungeheuer Riesling GG vom Weingut Mosbacher (89 Punkte) – Pfalz. Etwas erschrocken war ich auf Grund der fortgeschrittenen Entwicklung dieses 2006er Großen Gewächses. Zu Beginn ganz leichter (Petrol-)Stinker, dann kandierte Früchte. Am Gaumen mit großer, saftiger Dichte; die von mir so geliebte Ungeheuer-Mineralik kommt beim 06er Jahrgang momentan leider nicht richtig zur Geltung. Stoffig, mit guter Säure, schönem Schmelz und einer eher gelbfruchtigen Steinobstfrucht ist das Ungeheuer vom Weingut Mosbacher sicherlich ein sehr guter Wein, aber die herausragende Größe anderer  Jahrgänge, die ich bei diesem Wein aus dem Hause Mosbacher schon erleben durfte (z.B. 2001), hat er nicht. Endet recht lang auf etwas tabakigen, leicht bitteren (aber nicht störenden) Noten. Kein Lagerjahrgang, in den nächsten 1-2  Jahren austrinken.

 

Nun folgten zwei Chardonnay, zunächst der 2007 Chardonnay Spätlese trocken vom Weingut Pfeffingen (87 Punkte) – Pfalz. Dieser sehr klare und frisch daher kommende Chardonnay ist für den baldigen Genuss hervorragend geeignet. Sehr sortentypisch, etwas blumig, ein Hauch von Nussigkeit, aber auch etwas würzige Anklänge, gelbe Frucht, klar und frisch. Ein schönes Ergebnis, oder sollte ich besser sagen Erlebnis, dass mit Euro 10,40 sehr fair bepreist ist.

Vom Stil ganz anders, da im Barrique ausgebaut, der 2006 Chardonnay „R“ Spätlese trocken von Hansjörg Rebholz (89 Punkte) – Pfalz. Sehr gut definierter Holz-Chardonnay, bei dem die Aromen aus dem Holz und Fruchtnoten sehr, sehr gut harmonieren und der Wein an Komplexität gewinnt. Insgesamt recht kühl, klar und sehr gut definiert. Ein breites Aromenspektrum  zeichnet dieses Chardonnay aus: Sahne; Vanille; gelbe Früchte; feine, nussige Würze. Ein sehr stimmiger, harmonischer Barrique- Chardonnay, der zum kräftigen Schweinebraten oder würzigen Hühnchen sicherlich hervorragend passt.

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