1997 Insignia, Joseph Phelps – St. Helena (Napa Valley) / „Ma(n)ifest Nr.11“

 

96 Punkte – Innerhalb von 4 Wochen der zweite Jahrgang dieses großen, bekannten Kaliforniers. Hatte ich den 95er schon mit sehr guten 94 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=414), so waren diesmal noch 2 Punkte mehr im Glas. Ein Schmackofatz – Wein allererster Güte. Tiefe Farbe; dunkel und ganz dicht stand er im Glas vor uns und strahlte uns an. Von der Aromatik ein Charmeur, ein Schmeichler, ein Don Juan – und dann das ganze auch noch im Smoking für den großen Auftritt am Abend. Und nicht völlig neidfrei muss ich kontestieren, dass er auch den nötigen Tiefgang besaß.  Jede Frau hätte an diesem „Beau“ mit Scharm und Charakter ihre wahre Freude.

 

Nicht ganz uneigennützig habe ich entschieden, dass mir dieser Typ nicht in mein Haus kommt. Oder anders ausgedrückt, dieser Ausbund aus Kraft, Saft, Frucht und Schmelz, umhüllt von einem edlen Zwirn, der hier und da den kräftigen Körper nicht verdeckt, werde ihn meiner Herzdame vorenthalten; sonst bin ich den ganzen Abend abgemeldet.

 

Nicht so schwärmerisch formuliert liest sich das dann so: Dichter, saftiger, geschmeidiger und fruchtbetonter (u.a. Cassis & Heidelbeeren) Wein, der mit seinen Lakritz- und  Kräuteraromen aromatisch komplex wirkt. Der  an Vollmilchschokolade erinnernde Schmelz ergänzt sich gut mit der schönen Süße, die den Speck zwischen Rippen (bestehend aus reifen, feinsandigen Tanninen) bildet.  Harmonisch und balanciert; mit guter Länge.

1995 Insignia, Joseph Phelps – St. Helena (Napa Valley)

94 Punkte – Das Weingut „Joseph Phelps Winery” liegt östlich von St. Helena im kalifornischen Napa Valley. Der Bautunternehmer Joseph Phelps nutze wohl – wie viele Industrielle in dieser Zeit – die neuen Steuergesetze, wonach Investitionen in die Landwirtschaft besonders abgeschrieben werden konnten und gründete 1972 sein eigenes Weingut. Etwas romantischer klingt die Version, dass er ins  Napa Valley kam, um für einen Kunden eine Kellerei zu bauen und er dabei auf den Geschmack und zu der Erkenntnis kam, dass Weinmachen die attraktivere Beschäftigung sei.

Der INSIGNIA ist auch das Bindeglied zu einem Rheingauer, der 1961 nach Amerika ausgewandert ist:  Walter Schug war seit der Gründung des Weingutes bei Phelps als Weinmacher beschäftigt und verantwortete dort nicht nur den ersten  Jahrgang (und weitere) des INSIGNIA, sondern auch die „Napa Grand Crus“ Backus und Eisele Vineyards. Erst als er 1980 – noch als Angestellter von Phelps – beschloss seiner eigentlichen Passion/Mission nachzugehen, nämlich große Pinots im Napa Valley zu erzeugen, verließ er das Haus Phelps und machte sich in den folgenden Jahren endgültig selbständig. Für den von uns verkosteten 95er Jahrgang war bereits Damian Parker verantwortlich,  der schon 1981 zum Team gestoßen war.  

 

Wie nach seinem Vorbild, einem Grand Cu Classe Bordeaux vom linken Ufer, bestand der Blend für den INSIGNIA in den Jahrgängen 1974 bis 1994 stets aus einem großen Anteil Cabernet Sauvignon, verschnitten mit unterschiedlichen Anteilen Merlot und Cabernet Franc. In 1995 ist der CS-Anteil (nach dem 76er) mit 90% am zweithöchsten von allen bisherigen Jahrgängen und weist erstmals einen kleinen Anteil (3%) Petit Verdot auf; die restlichen 7% sind Merlot. Seit 1992 ist der Cabernet Franc (0% bis max. 2%) so gut wie nicht mehr enthalten. Dafür wird neuerdings (erstmals in 1999) ein kleiner Anteil Malbec in die Cuvee (bis 3%) verschnitten.

 

Dieser „fast“ reine Cabernet Sauvignon aus dem Jahr 1995 protzt mit einer kraftvollen, fast schwarzen Farbe. Am Gaumen ist der Wein dicht und zeigt viel Extrakt. Neben der schönen Frucht (Wald- und Brombeeren), verleihen ihm die Noten von Tabak, Kohle und Leder Komplexität und die Anklänge an Eukalyptus und Minze sorgen dafür, dass der Wein jung und frisch wirkt und meine Hand klar zum Glas geht. Die ausgereiften Tannine verleihen ihm Struktur und seine feine Saftigkeit erhöht die Trinkfreude. – In jeder hochkarätigen Bordeauxprobe dürfte ihm ein Platz im Vorderfeld oder gar auf dem "Treppchen" sicher sein. In dieser Form übersteht er weitere 7-10 Jahre Kellerlager sicherlich locker, eventuelle ist auch deutlich mehr drin. Aktuell sollte er dekantiert werden.

2005 Montes Alpha Syrah Colchagua Valley, Montes – Chile

88 Punkte – Ich glaube, dieser Wein ist ein perfekter Generalist – er dürfte sowohl dem unerfahrenen Weinnovizen als auch dem Connoisseur von Welt Trinkspass bereiten. In der Nase üppig nach Cassis, Blaubeeren und reifen Holunderbeeren riechend. Daneben nehme ich eine gewisse Würze war, die an frisch gestoßene Wacholderbeeren, Tabak und an einen regennaßen Lorbeerwald (habe ich mal auf Teneriffa erlebt) erinnert. Am Gaumen gehaltvoll; dicht; mit ausgereiften, runden Tanninen; weich auf der Zunge, saftig und kraftvoll. Die Aromen korrespondieren mit den nasalen Eindrücken, etwas Erdbeersahne kommt hinzu;  schöne Extraktsüße. Den recht hohen Alkohol bemerkt man, wenn man den Wein schon geschluckt ha – es wird "warm" im Magen.

Der Wein stammt aus dem Apalta Weinberg im Colchagua Tal; die Erträge wurden niedrig gehalten und Aurelio Montes hat neben Syrah auch  7% Cabernet Sauvignon und 3% weißen Viognier dem Wein mit auf den Weg gegeben.

Die Kellerei Montes ist sicherlich eine der führenden in Chile, das Angebot reicht von einfachen, preiswerten Weinen bis hin zum großen Montes Alpha M, der mit dem Jahrgang 1996 zum ersten Mal auf den Markt kam. Der Syrah 2005 vor mir im Glas entstammt einer der mittleren Produktlinien. Eines vereint die Weine der Kellerei Montes: sie bieten in allen Klassen sehr gute Qualität für ihren Preis.

Die webpage (http://www.monteswines.com) ist übersichtlich gestaltet und informativ. Den Syrah 2005 gibt es für ca. Euro bei Jacques Weindepot.

1993 Cabernet Sauvignon 12th Anniversary, La Jota Vineyards – Napa Valley

94 Punkte – Ein wunderbarer Cabernet Sauvignon aus Californien. Eine nahezu perfekte Symbiose zwischen lebendiger Frucht, schönen, ausgereiften Tanninen (kraftvoll, aber weich) und einer guten Säurestruktur. Das Ganze ist eingebaut in einen wohl definiertenn und kräftigen Körper. Keine Trinkmarmelade, sondern  ein Wein mit einer ausdrucksvollen, dunklen und Genuss spendenden  Frucht. Schöner Saft; aber auch ein differenzierter, vielschichtiger Charakter, mit dem man sich lange beschäftigen kann. Ein hedonistischer Wein. Frauen würden diesen "californischen Beau" wohl so beschreiben:  "lebensfroher, sonnenverwöhnter Intellektueller, der  zum Anbeissen aussieht und umwerfend riecht.

Schöne webpage: http://www.lajotavineyardco.com/