BIG FIVE – Nashorn und Mouton Rothschild (Teil 1)

Als vor zwei, drei  Wochen mein Freund Bernd aus Frankfurt anrief und mich fragte, ob ich nicht mal wieder Lust hätte nach Frankfurt zu kommen, man wolle sich jetzt, in der Weihnachtszeit um die BIG FIVE kümmern,  stand ich doch ziemlich auf dem Schlauch – was will er von mir?  Zwar möchte ich in Kürze nach Südafrika und so hatte ich auch schon von den BIG FIVE gehört – aber Löwe, Nashorn, Büffel, Leopard und Elefant in Frankfurt? Ein geplanter, gemeinsamer Zoobesuch – wohl eher nicht.

Völlig ahnungslos fragte ich nach, er solle etwas konkreter werden. Na, Mouton, Lafite, Latour, Haut Brion und Margaux eben.  Ach so, na klar, Mouton, Lafite, Haut Brion, Latour und Margaux – eben! Jeder bringt eine Flasche mit  und schon geht’s los. Angefixt war ich nun schon, man bekommt selten die Gelegenheit solche Pretiosen nebeneinander verkosten zu können und gerade in solchen Vertikalvergleichen liegt die Chance, wirklich etwas lernen zu können.  Aber nicht von jedem Weingut habe ich etwas im Keller, aber erst einmal zusagen und Lösungen wird es immer geben. Also Teil 1 der BIG FIVE war nun Mouton…

Mein persönliches Fazit: Alle haben Recht und probieren geht über studieren!!

Die Probe fand blind statt und keiner wusste (außer der selbst mitgebrachten Flasche) welche Jahrgänge angestellt worden sind. Auffallend bei vielen Mouton Jahrgängen sind die extrem (!) unterschiedlichen Bewertungen in der Weinliteratur, insbesondere Winespectator und Robert Parker haben sehr widersprechende Notizen veröffentlicht.

 

1990 Mouton Rothschild

89-93 Punkte – Jaaaa, grrrr, was für eine betörende Nase; so wunderbar tief, vielschichtig, fein und elegant(!!).  Feinste Röstaromen, edles Holz, ein Hauch animalisch. Ein sinnliches Erlebnis, man möchte gar nicht mehr aufhören zu riechen – und dann? Fast als wenn man es geahnt hätte, am Gaumen dann das abrupte Erwachen; Coitus interruptus sozusagen. Auf der Habenseite stehen zwar eine schöne Frische, angenehme, abgeschmolzene Tannine sowie eine noch recht jung wirkende Kirschfrucht und ein paar eher ungewöhnliche Aromen (wie z.B. nach Reisnudeln), aber insgesamt kommt der 90er Mouton nicht rüber, der Wein läuft irgendwie „durch“, es fehlt an Substanz. Die Säure steht außen vor und leider endet der Wein auch auf dieser. Meine Erstbewertung an diesem Abend waren 89 Punkte und die waren ausschließlich diesem unglaublich sinnlichen Duft gewidmet.  Doch es war nicht aller Tage Abend und wir rückverkosteten den Wein später noch zweimal – und jedes Mal wurden die Punkte mehr.  Nach dem ersten Durchstreichen standen dann 91 Punkte zu Buche, zum Ende wurden es dann noch 93 Punkte. Obwohl die Flasche schon ein paar Stunden vorher geöffnet worden war, legte der Wein mit mehr Luft (und Wärme) nochmals deutlich zu. Er entwickelte am Gaumen balsamische Noten, eine feine Süße (wo er die herholte, ist mir völlig rätselhaft) und irgendwie eine schöne, etwas laktisch wirkende Frucht, die mich an Heidelbeersahne erinnerte. Schade, dass schon so vieles getrunken war…

Zuletzt von Parker in 2009 mit 84 Punkten bewertet – da hat er dem Wein wohl nicht genug Luft gegeben. Der Wine Spectator hat in 2001 noch 97 Punkte vergeben, in 2005 waren es nur noch 87 Punkte – meine Meinung dazu: der Wein lebt!!

 

 

1992 Mouton Rothschild

89 Punkte – Diese Flasche war schon um 09.00 Uhr morgens geöffnet worden und vielleicht lag es an der ausreichenden Luftzufuhr, dass sich dieser 92er Mouton von Anbeginn in guter Verfassung präsentierte. Ich habe mir notiert: dunkle, angenehme Nase, mit schmeichelnden Mokkatönen. Am Gaumen ein klassischer Pauillac. Die schöne, recht ausgewogene Aromatik mit Noten von Cassis, Heidelbeeren sowie Kaffee und Graphit überzeugt mich. Die feine Süße und das reife Tannin runden das harmonische Geschmackserlebnis ab.  Kein wirklich großer Wein, dazu fehlt es ihm an Tiefe und Struktur, aber jetzt schön zu trinken (fast 12 Std. geöffnete Flasche). Kellerbestände sollten ausgetrunken werden.

Parker hat den 1992er mit 88 Punkten bewertet und ihm eine Genussphase bis 2004/2006 bescheinigt. René Gabriel prophezeite 1996: „Wenn Sie noch keinen 90er oder 89er Mouton im Keller haben, dann kaufen Sie jetzt sofort den 92er. Einen so billigen und doch relativ großen Mouton gab es schon lange nicht mehr und wird es vermutlich nie mehr geben.“ Irgendwie Recht hat er, der Herr Gabriel, vor allem, was die Preise angeht!!

 

1988 Mouton Rothschild

93 Punkte – Auch diese Flasche war bereits 12 Stunden vorher geöffnet worden und für mich war bei diesem 88er das im Glas, was ich mir unter einem Mouton vorstelle: Leichter Stinker zu Beginn, etwas animalische Noten, dann aber Frucht, edle Hölzer und etwas Kaffee.  Am Gaumen eine feine Würzigkeit, etwas Malz, wiederum edles Holz. Druckvoller Bursche, hat Substanz, Kraft und Struktur; wirkt maskulin. Feine, körnige Tannine, Graphitnote, schöne aromatische Tiefe, deutliche Cassis-Aromatik. Insgesamt beeindruckender Stoff, meine Hand geht massiv zum Glas. Entwickelt an diesem Abend eine schöne Süße, die mit zunehmender Luftzufuhr immer schöner wird. Vielleicht fehlt ihm das letzte Quentchen Eleganz, aber mir macht dieser 88er Mouton richtig Spaß und ich schwelge.

Vom Wine Spectator zwischen 92 und 100 Punkten (100 Pkt. in 1991 und 92 Pkt. in 2009) und von Parker nur zweimal in 1993 mit konsistenten 89 Punkten bewertet.

 

1970 Mouton Rothschild

93 Punkte – Wirklich schöne Nase, etwas animalisch, Leder, dezente Rauchnote, kräutrig-balsamische Eindrücke. Wirkt distinguiert, ein Wein zum Philosophieren. Am Gaumen tief und nachhaltig; feine Tanninstruktur (die Tannine wirken dabei immer noch erstaunlich jung). Kräutrige Aromen verbinden sich mit Noten von Cassis, Graphit und hochwertigem Holz. Anklänge von Pfefferminze und Eukalyptus. Schöne Nachhaltigkeit; richtig gute Länge – toller Stoff! Diesen Wein möchte man genießen und entsprechend braucht an Zeit, um sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Bei Nachkauf ist jedoch Vorsicht geboten. Angeblich sind sehr unterschiedliche Flaschen im Umlauf, so soll seinerzeit eine große Charge spekulativ aus den U.S.A. gekauft worden sein, die zwar ab Chateau versandt wurde, aber letztlich nicht abgerufen wurde. So hat der Container viel Zeit im Hafen in den U.S.A. verbracht und einen entsprechenden Hitzeschaden erlitten, bevor die Reise zurück angetreten hat.  

Der Wine Spectator hat beim 70er Mouton eine schöne Varianz in seinen Bewertungen, 1986 und 1991 mit 86 bzw. 84 Punkten bewertet, dann in 1993 bislang die letzte Bewertung: 96 Punkte !! Auch bei Parker ist die letzte Notiz schon veraltet, in 1996 gab es 93 Punkte.

Die Notizen zu den Jahrgängen 2004, 1983, 1998 und 1979 folgen bald.

Beaujolais Villages Le Rang du Merle und Brouilly Cuvee des Fous, Jean-Claude Lapalu – Beaujolais

eigentlich wollte ich die letzten Tage vermeintliche Jahrgangsproblemflaschen aus dem Beaujolais vernichten, doch ich wurde mehr als positiv überrascht.

 2004 gilt nicht gerade als Topjahrgang und in der Vergangeheit war ich von meinen Vor-Ort-Einkäufen auch nicht mehr sonderlich überzeugt, denn irgendwie waren die 04er von diesem Weingut immer ein wenig garstig, unausgewogen und deutlich hinter meinen Erwartugnen zurückgeblieben.

Doch das ist nun völlig anders. Ich hatte zwei wunderbare Weine im Glas, die beide eine tolle Frucht zeigen und herrlich "im Trunk" sind – wie das Herr Kössler stets so schön formuliert. Das Holz ist zu erkennen, jedoch bestens integriert. Beide Tropfen sind unglaublich trinkig und es fällt mir sehr schwer die Hand vom Glas zu nehmen. Im Stil sind und bleiben sie ungewöhnlich für Beaujolais, aber eine eigene Handschrift ist auch die Maxime des Hauses, denn im barrique wird im Beaujolais immer noch wenig ausgebaut, die Maischestandzeiten sind wohl mit die Längsten in der ganzen Region und die Reben gehören zu den ältesten, die es heute vor Ort noch gibt.  Was hatte ich im Glas??

Gestern einen 2004er  Brouilly Cuvée des Fous von Jean-Claude-Lapalu, eine Schatz an feinfruchtiger Süße und Eleganz, saftig und ausgewogen. Jetzt in der Blüte seines Weinlebens, mit allem ausgestattet, was zu einem hedonistischen Wein gehört. Besonders gut gefällt mir die Kombination aus rotbeerigen Früchten, mittelgewichtigem Körper, bestens integrierten Holzaromen, weichen Tanninen und einer gewissen Leichtigkeit des Seins. Einerseits ein "Strahlemann", andererseits auch mit Charm und einer gewissen Eleganz ausgestsattet – Bourgeoisie wie sie schöner nicht sein kann. (Grundlage für diesen schönen Tropfen sind 100 Jahre alte Reben mit einer Pflanzdichte von ca. 14.000 Stück pro Hektar) – 92 Punkte

Heute dann die eine andere Flasche aus gleichem Hause, einen 2004er Beaujolais-Villages Le Reng du Merle. Entsprechend der Aussage meines Weinhändlers von damals die reifesten Trauben des Brouilly Cuvée des Fous; dieser Wein ist jetzt Sinnlichkeit pur; weich im Trunk und mit einer  sooo schönen Fruchtigkeit von roten Beeren ausgestattet, dass ich mir jeden Joghurt damit verfeinern möchte. So soll Frucht schmecken und nicht wie die ganzen verzuckerten und mit Aromen voll gekleisterten Joghurt-Dinger, die man Land aus Land ab im Kühlregal findet. Die Frucht ist vielleicht noch ein wenig ausdrucksvoller als beim Brouilly. Beide Weine haben gemeinsam eine nahezu perfekte Harmonie und sind wohl jetzt in der Blüte ihres Lebens. – 93 Punkte

Ski und Wein

Was passiert, wenn drei ski-, koch- und weinbegeisterte Buben eine gemeinsame, Reise in den Schnee veranstalten?? Auf der Hinfahrt in den Urlaubsort (Bad Hofgastein) ist das Auto fast doppelt so voll gepackt, wie auf dem Weg zurück. Zwar wurde die Menge dieses Jahr genau definiert, trotzdem ist es kein Pappenstiel, wenn man neben den Skisachen, dem normalen Gepäck noch 18 Flaschen Wein im Kofferraum unterbringen muss. So im Nachhinein betrachtet ist es dieses mal besonders auffällig gewesen, dass für die allabendliche Blindverkostung eher die Weinexoten bemüht wurden. Fragt sich nur, was war die Motivation dafür? Die Überzeugung, auf die enorme Qualitätssteigerung einiger Anbauregionen hinzuweisen oder ehemals berühmte Weine und Anbauregionen wieder in das Licht zu stellen, dass sie verdient haben oder war es einfach der Wunsch, die Freunde zu fordern und sich ein bisschen daran zu freuen, wenn die Kollegen beim blinden Probieren und anschließenden Zuordnen mal wieder so richtig daneben liegen 😉 ?  Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem – folgende 18 Weine haben unsere abendlichen Kochkünste (! lecker und weit weg von Spaghetti, Pizza & Co.) bereichert und werden im Folgenden vorgestellt:

Wein und Spiele

Anläßlich eines schönen, spannenden und mit der Zeit immer lustigeren Spieleabends tranken wir in geselliger Runde folgende Flaschen:

 

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan – Südtirol

2003 Gewürztraminer Nussbaumer, Kellerei Tramin – Südtirol

2006 Riesling Oestricher Doosberg, P.J. Kühn – Rheingau

2006 Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd, Weingut Knoll – Wachau

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne

1996 Chateau Durfort-Vivens  – Margaux

Die Notizen zu den Weinen habe ich nachfolgend (siehe oben)einzeln eingestellt.

Große Spanier und andere Eroberer

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende endlich mal wieder in die Heimat nach Hamburg fahren, aber da kam am späten Donnerstag ein Anruf von einem lieben Freund aus Frankfurt: „Wie flexibel bist Du? Morgen gibt’s ein paar rote 100 Punkte Weine – bist Du dabei?“ Bei so einer Provokation kann man wohl nicht „Nein“ sagen, schließlich bin ich jung, dynamisch, flexibel und erfolgreich …., wenn es darum geht aus vollen Trouvaillen leere zu machen ;-))

 

Da Mitbringsel an so einem Abend schwer sind, habe ich mich meines Urlaubseinkaufs erinnert: Cabernet Sauvignon aus Jordanien. Wenn es ganz peinlich werden sollte, könnte ich zumindest behaupten, das Pendant des Abends, einen Wein mit 0 Punkten, mitgebracht zu haben…

Folgende Weine sind nachfolgend beschrieben:

#  1998 Riesling Rosacker Grand Cru, Mallo et Fils – Elsass

# 2004 Cabernet Sauvignon St. George Reserve, Petra Winery (Zumot Group) – Jordanien

2005 Norte, Bodegas Pujanza – Rioja

2005 Aalto PS, Bodegas Aalto – Ribera del Duero

2005 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

#  1988 Giacomo Bologna – Toscana (Notiz folgt)

#  1983 Hochheimer Kirchenstück Spätlese trocken (Notiz folgt)

#  1999 Gewürztraminer Passito Terminum – Südtirol (Notiz folgt)

Käse und Wein – eine organoleptische Dissonanz !?

Glaubt man den neuesten Erkenntnissen zweier amerikanischer Önologinnen, können Weintrinker, insbesondere die Wein-enthusiasten, die viel Geld für eine Flasche ausgeben, zukünftig von selbigem einiges sparen – vorausgesetzt, sie haben bislang immer Käse und Wein kombiniert. Bernice Madrigal-Galan und Hildegarde Heymann von der University of California 

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