2003 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Alte Reben Spätlese trocken, Weingut Leitz – Rheingau (Ski 1)


88 Punkte – Läuft bereits mit hoher Viskosität ins Glas; die Nase ist dominiert von gelben und exotischen Früchten; aber auch Anklänge an Nüsse und Pfeffer sind zu finden. Am Gaumen spiegelt sich die hohe Viskosität wider, der Wein wirkt weich und seidig, fast ölig. In der Aromatik erinnert er mich an eine schöne Obsttorte, die einen (vielleicht zu) kräftigen Gelatineüberzug mit auf den Weg bekommen hat. Am Tisch fiel die Aussage: „ Ein Riesling im Gewand eines Weißburgunders“ – ein gutes Fazit für diesen Riesling, der jahrgangsbedingt „anders“ als in sonstigen Jahrgängen ausgefallen ist. Für mich stellt sich am Ende die Frage (analog zu vielen 2006er Weißweinen aus Österreich): Kann dieser Wein noch Altersschönheit entwickeln oder wird er in 2,3 oder 4 Jahren einfach durch sein.  

Wenn man Leitzweine kaufen möchte, sollte man beachten, dass weder eine Weingutsbesichtigung noch ein Ab-Hof-Einkauf möglich sind. Da Josi (Josef) Leitz große Teile seiner Produktion ins Ausland verkauft, kann man diese Politik unter Effizienzgesichtspunkten verstehen, andererseits empfinde ich diese Methode als arrogant gegenüber den Weinliebhabern und Konsumenten, die letztlich seine Existenz sichern.  Aber letztlich sind die Menschen frei und das Urteil fällt der Markt. 

1979 Zeltinger Sonnenuhr Auslese trocken, Leo Kappes – Mosel Saar Ruwer

 

Ohne Wertung – Leo Kappes ist ein recht unbekanntes Weingut in Zeltingen-Rachtig. Im Freundeskreis gilt es jedoch als Geheimtipp für klassische Moselrieslinge zu sehr günstigen Preisen. Doch dieser Kupfer-farbene Riesling hat seine besten Tage schon lange hinter sich. In der Nase bestenfalls als traubig zu bezeichnen, ist er am Gaumen schon recht sauer und die Säure kommt ziemlich krass rüber. Die Noten von Orangenzesten können es dann auch nicht mehr reißen und so wird dieser Wein als Erfahrung bildend eingestuft, bleibt aber ohne Wertung.

 

2002 Traiser Bastei Riesling Spätlese trocken, Dr. Crusius – Nahe

89 Punkte – Feine,  frische Nase, Anklänge an Blütenhonig; am Gaumen schlanke, frische Art; feingliedrige Säure; recht tiefe, reintönige  Mineralik; Heu- und Citrusaromen, angenehme Reife. Animierend, mit guter Länge im Abgang. Jetzt oder in den nächsten 1,2 Jahren trinken.

Für ca. Euro 10 ist das schon ein Wein, den man in vollen Zügen geniessen kann, die Hand geht kräftig zum Glas, gerne öffnet man da auch eine zweite oder dritte Flasche.  Das Weingut Dr. Crusius ist für mich stets eine sichere Bank in Sachen Qualität und die Preise sind noch nicht so abgehoben wie bei einigen anderen Spitzenweingütern an der Nahe.

www.weingut-crusius.de

2001 Kirrweiler Mandelberg Spätlese trocken (Großes Gewächs), Weingut Bergdolt – Pfalz

93 Punkte – Selten hat eine fremde Verksotungsnotiz mit dem eigenen Erleben so 1:1 gepasst wie bei diesem Wein, lediglich die Kirschen habe ich nicht notiert und (zu) jung ist er auch nicht mehr, sondern voll auf der Höhe des Trinkgenusses. Wird sicherlich auf diesem Niveau noch 2,3 Jahre bleiben:

www.wein-plus.de 12.08.2002 Hervorragend (92)
"Tiefer, mineralischer Duft von Äpfeln, Zitrusfrüchten, Melonen, Trockenkräutern und etwas Gemüse mit einer Spur Kirschen. Sehr saftige, kraftvolle und hochnoble Frucht, bestens integrierte Säure, fest, kräuterwürzig und ausgesprochen mineralisch am Gaumen, tief und griffig, enorme Präsenz, große Länge. Noch extrem jung. Kann noch zulegen."

2006 Weingut Melsheimer – Reiler Mullay-Hofberg Riesling Auslese trocken ‚Kellerchen‘

92 Punkte – Am Samstag bin ich in Düsseldorf über den Markt am Karlsplatz gelaufen und habe mich ein wenig treiben lassen. Dabei ist mir ein kleiner Weinstand ins Auge gefallen, der nur biologisch erzeugte Weine von Weingütern verkauft, die zur Spitze in Deutschland gehören. Da finden sich Namen wie Wittmann, Kühn oder Linxweiler im Sortiment und mein Interesse ist geweckt. Auf den zweiten Blick entdecke ich ein Etikett, dass mir bislang total unbekannt war, aber trotzdem ein deja vu bereitet, denn die letzte Ausgabe der VINUM titelte mit dem deutschen Rieslingpreis und bildete genau das Etikett dieses Weingutes ab. Kurzer Schnack mit dem Verkäufer, Flasche gekauft.

Kaum ist die Flasche geöffnet, strömt mir schon ein unglaublich dichter und voller Duft entgegen. Reife, gelbe Pfirsicharomen, satte kräuterwürzige Aromen von einer Mineralität, die einen schon in der Nase anspringt. Am Gaumen dann ein ähnliches Bild: satte Frucht, satte Mineralität, satte Tiefe !! Ein extraktreicher Stoff, der sein Terroir voll zum Ausdruck bringt; der Schiefer ist bei jedem Schluck gegenwärtig – man hat fast das Gefühl direkt auf ihm zu lutschen. Die Fruchtaromen erinnern mich irendwie an Rheingauer Weine, aber die Mineralität ist "voll Mosel". 14,5% Alkohol sind hervorragend eingebunden; trotz aller Üppigkeit ist dieser Wein komplex, tief und unglaublich trinkanimierend. Die Säure und die Frische sind ein gutes Gegengewicht zu der Üppigkeit, die man erkauen kann. Die Mineralität ist wirklich beeindruckend und zieht sich in Form einer positiven Bitterkeit bis in den schönen, langen Abgang. Das leere Glas duftet nach Kräutern und Mineralien und man schwelgt noch in den Aromen, wenn schon längst der letzte Schluck die Kehle hinuntergelaufen ist. Ein wirklich toller Riesling, der auf dem gleichen Niveau spielt wie z.B. die GG von Wittmann.

2002 Emrich-Schönleber, Monzinger Halenberg Riesling Spätlese trocken / Nahe

93 Punkte – Selten hat eine meiner Wein-Notizen auch 4 Jahre später noch so einen Bestand, wie bei diesem Wein. Die kräutrige, frische Mineralik in diesem saftigen Wein brilliert derart, dass man selbst nur jubilieren kann. Der Wein ist jetzt in Topform, er hat noch ein wenig zugelegt, er ist noch geschliffener und eleganter als vor 4 Jahren. Dieser Riesling ist so klar und saftig, man kaut und lutscht auf ihm rum – Schlucken möchte man ihn eigentlich gar nicht, doch selbst wenn man sich dazu hinreißen lässt, wirkt er lange nach. Großes Kino !!

2002 Karthäuserhof, Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken / Mosel

94 Punkte –  Für mich mit 89 bzw. 90 Punkten in den deutschen Weinführern Wein-Plus bzw. Gault Millau immer noch unterbewertet ist diese unglaublich finessenreiche trockene Auslese vom Karthäuserhof aus dem Jahr 2002. Glockenklar und frisch wie bestes Felsquellwasser, mit einer druckvollen, aber gleichzeitig verspielten Mineralik umspielt dieser Riesling die Zunge. Die straffe Säure und die ausgeprägte schöne, harmonische Frucht spielen miteinander bis in den langen, komplexen  Abgang.

 

2005 Künstler – Hochheimer Stielweg Riesling Alte Reben trocken

88 Punkte – Die alten Reben von Künstler haben 2005 einen pikanten und ausdrucksstarken Riesling mit einer schönen mineralischen Tiefe hervorgebracht. In der Nase leichte Citrusaromen und Steinobst; am Gaumen – mit ein wenig Luft – entwickelt der Wein seine saftige, mineralische Art. Er überzeugt mit einer schönen Tiefe, seiner feinen Saftigkeit, einer nervigen Säure und der animierenden, mineralischen Art. Jetzt schon erstaunlich balanciert, mit ordentlicher Länge.

Künstler hat für mich auch in 2005 eine wunderbare Kollktion vorgelegt, ganz großes Kino ist das Erste Gewächs aus der Hölle, die Verkostungsnotiz folgt bald.

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1999 Franz Künstler – Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken – Rheingau

97 Punkte – Liebe Leute, was für ein Stoff in was für einer Verfassung. Mein besonderer Dank gilt meinem lieben Freund Bernd Fussy, der mich mit diesem Stoff mitten in der Woche überrascht hat.

Tiefes, frisches Gelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase Aprikose und Quittengelee, daneben ein Hauch Exotik von Physalis und Ananas; feine, kräuterwürzige (mineralische) Noten, ein Hauch von Feuerstein – dabei sehr konzentriert und auf den Punkt gebracht. Die "Wucht in Tüten" am Gaumen, ein perfekter Riesling, der alles bietet. Druck, Kraft, dabei hochgradig elegant und einladend, sodass die Hand immer wieder zum Glas geht. Deutlich spürbare Mineralik und scheinbar erkennbare Tannine, im Abgang Wachauanklänge (wie ein Schütt 99 von Knoll). Die Hand geht permanent zu Glas, mehr, mehr, mehr. Die Frucht darf nicht unterschlagen werden. Grosses Kino !!!!   

2004 Weingut Heinz Lebert – Erbacher Hohenrain Riesling Kabinett trocken – Rheingau

86 Punkte – was für ein PLV; dies ist die ultimative Alternative zum Supermarktwein; für discounter-gleiche Euro 4,70 bietet dieser Riesling alles, was man von einem perfekten (!) "Jeden-Tag-Wein" erwartet: Frische, animierende Nase nach Citrus und Ananas. Am Gaumen mit schönem Extrakt, einer belebenden Frische, gut eingebundener Säure und herrlicher Trinkigkeit. Die Frucht ist vibrierend, nach Citrus-und exotischen Früchten und einem Hauch Mineralik. Nach einem langen Arbeitstag und/oder nach einem heißen Sommertag zur Reanimation der Lebensgeister bestens geeignet.