1988 / 1997 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.6+7)

93 Punkte (1988) / 92 Punkte (1997) – Die Familientradition der heutigen Besitzer der Tenuta di Nozzole (Ambrogio und Giovanni Folonari) reicht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Seit 1825 firmierte die Familie ihre Geschäfte unter dem Namen „Fratelli Folonari“ Im Jahr 1912 kauften die Brüder Italo (der Großvater von Ambrogio) und Francesco die bereits damals für ihren Chianti berühmte Firma Ruffino. In den späten 60er Jahren trennte man sich von „Fratelli Folonari“ und erwarb 1971  das Weingut Nozzole in der Nähe von Greve, im Herzen des Chianti-Gebietes. Gleiches gilt für das Weingut Cabreo, das in den 80er Jahren durch Ambrogio maßgeblich entwickelt und ausgebaut wurde. Doch irgendwie scheinen Familiendynastien nicht für die Ewigkeit gemacht und trennte sich Ambrogio und sein Sohn Giovanni im Jahr 2000 von Ruffino und dem Rest der Familie. Die beiden bekannten Weingüter und Marken Tenuta di Nozzole sowie Tenuta del Cabreo bilden heute den Kern des Besitzes der Tenute Folonari (www.tenutefolonari.com).

 

Il Pareto ist seit jeher ein reiner Cabernet Sauvignon; als früher Supertoscan einst als Tafelwein deklariert, trägt er heute die Herkunftsbezeichnung Indicazione Geografica Tipica (IGT). In meiner Augen ist dieser Wein in Deutschland leider viel zu wenig bekannt, denn gerade in den 80er und 90er Jahren besitzt dieser Wein eine hervorragenden Qualität und Langlebigkeit. Obwohl die Flasche selten mehr als ein Drittel der großen Supertoscans aus dem Bolgheri kostet, braucht er sich keinesfalls hinter ihnen zu verstecken.

 

Der 1988er Il Pareto (93 Punkte) zeigt bereits in der Nase seine Verwandtschaft zu Bordeaux. Am Tisch wurde gerätselt, der erste Bordeaux an diesem Abend oder doch der nächste Italiener – bei diesem Wein schieden sich die Geister. Mit seiner feinen Lakritznote erinnerte er an einen Wein aus dem Grave. Auffallend schön ist die hohe Frische, mit dem dieser über 20 Jahre alte Wein im Glas steht. Hinzu kommen ein hohes Maß an Eleganz und Komplexität, die seinem Auftritt eine aristokratische Dimension verleihen. Mit seinem erdigen Aromenbild und den Anklängen von feinem Tabak trifft er meine Vorstellung eines hochwertigen Bordeaux vollkommen. Dieser Wein ist kühl, komplex, genussreich und baut im Glas aus. Weitere Jahre in der Flasche, gelagert in einem dunklen, kühlen Keller dürfte er ohne Problem überstehen.

 

Il Pareto 1997 (92 Punkte) steht seinem Pendant aus 1988 kaum nach. Ein kraftvoller Cabernet mit klarer Struktur, definierten Konturen und einer wunderbaren Saftigkeit. Die 97er Ausgabe des Il Pareto besitzt einen vollen Körper, hat Rückgrad und ist trotzdem geschmeidig am Gaumen. Die klare und schöne Frucht, mit Noten von Cassislikör, erdigen Aromen, feinem Tabak und einem klitzekleinen Hauch von grünen Paprika, machen ihn für mich zu einem Cabernet Sauvignon in Reinform. Der Wein erlebt jetzt seine erste volle Blüte und dürfte auch die nächsten 10 Jahre viel Freude machen.

1997 Le Stanze, Poliziano – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.5)

92 Punkte – Die Familie Carletti startete mit dem Weinbau auf 22ha im Jahr 1961, heute besitzt man in der Gegend um Montepulciano 120 ha und ein weiteres Weingut in den Maremmen. Der Name Poliziano ist ein hommage an den humanistischen Dichter Angelo Ambrogini, der in Montepulciano geboren und als „Il Poliziano“ bekannt wurde.

 

 

Der Supertoscan „Le Stanze“ (benannt nach einem Gedicht von Il Poliziano) wurde erstmal im schwierigen Jahrgang 1987 gekeltert und auf den Markt gebracht. Mit diesem Wein versuchte man international bekannt zu werden, ohne den toskanischen Ursprung aufzugeben. Dass dieser Balanceakt im Hause Poliziano stets gelingt, konnte ich schon bei mehreren verkosteten Jahrgängen feststellen – an diesem Abend hatten wir die 97er Ausgabe im Glas.  Bereits das Bukett wies uns den Weg in die Toskana: viel Eisen (Blut), darunter verbarg sich zu Beginn eine etwas überreife Frucht von Pflaumen und Waldbeeren; hinzu kamen erdig-würzige Noten sowie Anklänge an Graphit. Mit zunehmender Luft baute die Frucht deutlich aus; ein Hauch von Maggikraut/Liebstöckel wies uns den Weg zum Alter des Weines. Am Gaumen brauchte er ein wenig Anlauf, nahm dann – mit der Luft im Glas – aber an Fahrt auf und entwickelte eine schöne Fülle. Die Reife war etwas deutlicher zu erkennen als beim zuvor verkosteten Desiderio von Avignonesi, dafür punktete der Le Stanze aber mit seiner komplexen Art am Gaumen, wenngleich der Desiderio in Punkto Eleganz leicht die Nase vorne hatte. Insgesamt ein immer noch Wein mit einer guten Struktur, Kraft und Fülle, der sicherlich noch die nächsten 2,3,4 Jahre schön zu trinken sein wird, wenngleich am Tisch auch deutlich gereifteren uns schwächeren Flaschen berichtet wurde.

1995, 1999, 2000, 2001 Asinone, Poliziano – Toskana

Der 1985 erstmals gefüllte Einzellagenwein von Federico Carletti, Chef der Az.Agr. Poliziano  ist für mich seit vielen Jahren der Referenzwein in Sachen Vino Nobile di Montepulciano. Zwar gibt es jedes Jahr Weine von anderen Winzern, die noch eine Nuance besser sind, aber über die Jahre hinweg gibt es keinen zweiten Erzeuger, der Jahr für Jahr eine solche Klasse auf die Flasche bringt. Der Wein besteht – wie alle Vino Nobile di Montepulciano – vorwiegend aus Prugnolo Gentile Trauben (besonderer Sangiovese-Klon) und geringen, schwankenden Anteilen von Canaiolo und Mammolo.

1999 – 88 Punkte; In diesem Vierer-Flight für mich der schwächste Jahrgang. Die Nase präsentiert sich fest, mit dunklen, fast herben Fruchtnoten, am Gaumen fest, deutliche Adstringenz, Leder, ebenfalls dunkel und die für den Asinone so typische Graphit- oder Bleistiftnote. Mittlerer Körper und schöne Säure; die Tannine wirken immer noch sehr fest, aber der Wein wird sich nicht mehr verbessern; sollte in den nächsten 1-2 Jahren ausgetrunken werden.

1995 – 90 Punkte;  Hier zeigt sich mal wieder, dass der 95er Jahrgang in der Toskana ein Strukturjahrgang war. Der Wein überzeugt mit seiner festen Art, die Tannine sind immer noch deutlich, aber inzwischen gut integriert. In der Nase dunkel, feuchtes Herbstlaub, Waldboden und dunkle Frucht, etwas etherisch. Am Gaumen viel Struktur, aber auch eine recht komplexe, dunkle Aromatik, Graphit, wirkt durchaus mineralisch, mit noch immer schöner Frische. Angenehme Länge. Keine weiteren Reserven, aber sicherlich noch sehr gut in den nächsten 2-4 Jahren auf diesem Niveau zu trinken.

2000 – 92 Punkte;  Hervorragender Stoff und jetzt perfekt (!!) zu trinken. Eigentlich gilt das Milleniumjahr in der Toskana nicht als wirklich großes Jahr, doch – wie viele seiner Brüder – zeigt sich auch der Asinone gerade jetzt von seiner schönsten Seite. In der Nase etwas stoffiger und weicher als die beiden Jahrgänge zuvor. Glockenklarer Vino Nobile und als Sangiovese in bestechender Form – klassisch, strukturbetont, mit schönem Säuregerüst und lebendiger Frucht. Die Frucht ist geprägt von dunklen Noten, Leder, Gewürzen, Graphit  und einer wirklich schönen Tiefe. Die Tannine sind etwas weicher als beim 95er und 99er, aber trotzdem strukturgebend; befindet sich in einem sehr gutem Gleichgewicht, wirkt äußerst harmonisch.  Jetzt – wie bereits gesagt – in bester Verfasung, aber sicherlich sehr gut auch in den nächsten 2-3 Jahren,  danach wird es spannend.

2001 – 92 Punkte; Ebenfalls ein wirklich gelungener Vino Nobile, auch wenn ich aktuell den 2000er auf Grund seines Charmes einen Tick vorziehe. Beeindruckend ist Jahr für Jahr der Charakter und die Typizität dieses Weines – da gibt es keinen größeren Stilbruch, keine Anbiederung an den mainstream-Geschmack. Der 2001er Jahrgang vom Asinone ist ziemlich komplett, d.h. er hat eine ansprechende Fruchttiefe; eine gute Struktur; ausgereifte, aber deutliche Tannine,eine kräftige, aber sehr gut eingebaute Säure und somit eine innere Stimmigkeit, die ihn genußreich die Kehle runter laufen läßt. Wie in jedem Jahrgang findet sich auch in diesem die Bleistiftnote und das obligatorische Leder wieder. Zusammenfassend möchte ich noch anmerken, dass der Asinoe für mich ein perfekter Essensbegleiter ist, der zwar auch allein getrunken werden kann, aber seine volle Schönheit beim Essen zeigt, denn ich kann mir vorstellen, dass dem Einen oder Anderen die Tannine und die Säure sonst zu sehr zu schaffen machen.

Wer etwas Zeit und Muße mitbringt, wird diesen Wein stets belüften. Wenn es etwas schneller gehen soll, kann man ihn auch sehr gut in die Karaffe (ca. 1 Std.) geben. Allerdings empfehle ich, schon nach dem Öffnen direkt mal einen Schluck zu nehmen…. große Unterschiede gibt es vor allem in der Wahrnehmung der Tannine….. Selbstversuch lohnt… :-))

1998 CASASILIA, Poggio al Sole – Toskana

93 Punkte – 10 years after und keine bißchen müde!! Ein herrlicher Tropfen, der durch seine Frische, seine Frucht und seine hervorragende Tanninstruktur überzeugt – ein moderner, aber mustergültiger Chianti Classico.

Die Nase wirkt sehr frisch, mit toller Knubberkirsch-Aromatik, Wald-(boden) und einem Hauch von edlem Tabak; insgesamt sehr animierend. Am Gaumen bestätigt sich das Bild: Kaum fassbare Frische für einen 10 Jahre alten Chianti; perfekte Säurestruktur und hochwertige, griffige Tannine. Das ist die Basis für eine tiefe und reiche Fruchtaromatik, die mit Anklängen von Knubberkirschen (herrlich knackig),  Lakritz und erdig wirkenden Aromen mich voll überzeugt. Dieser Chianti Classico hat einen vollen Körper, 14%Alkohol (die perfekt verpackt sind), eine wirklich perfekte Säure und eine runde, aber mit viel Struktur durchzogene Art, die mich begeistert und die meine Hand ständig zum Glas gehen läßt.

Leider hatte ich aus diesem Jahrgang nur eine Flasche;der Wein ist jetzt sicherlich am Beginn seiner perfekten Trinkreife, die er sicherlich die nächsten 2,3 Jahre beibehalten wird, um danach weitere 1,2 Jahre auch noch mit viel Genuß trinkbar zu sein.

Das Bild zeigt den 97er Jahrgang, den ich seit langem nicht mehr verkostet habe und noch in meinem Keller liegt.

Bleibt eigentlich nur nachzutragen, dass der Winzer/Eigentümer eigentlich Schweizer ist, und Johannes (Giovanni) Davaz heißt. Wer sich ein Bild vor Ort machen möchte, sollte dies unbedingt tun. Das Weingut verfügt über richtig schöne, regional typisch eingerichtete Ferienwohnungen und ist ein altertümliches Schätzchen. So schreibt z.B. der Gambero Rosso  in seiner 99er Ausgabe, dass Poggio al Sole zu den drei schönsten Weingütern im ganzen Chianti Classico gehört. Auf der webpage (www.poggioalsole.com) gibt man sich bescheidener und schreibt:

Poggio al Sole liegt im Herzen der Toscana, in der wunderschönen Landschaft zwischen Florenz und Siena. Noch genauer: Zwischen Tavarnelle Val di Pesa und Greve in Chianti. In den Archiven der nahegelegenen Abtei Badia a Passignano finden sich Dokumente, die besagen, dass auf diesem Gut bereits im 12. Jahrhundert Wein und Oliven angebaut wurden.


 

2004 Le Pergole Torte; Montevertine – Toskana

94 (88) Punkte – Geburtstagswein Nr.2 – Was für ein Pech, ich habe diesen Wein schon zweimal in seiner absoluten Jugend genossen und war unendlich begeistert, aber an diesem Abend hatte er beschlossen, sich zu verkriechen, sich einzuigeln, um für kein gutes Geld dieser Welt mehr aus sich  heraus zu kommen. Pergole Torte ist die Bastion der Individualisten und Genusstrinker in einer Zeit, wo häufig nur Konzentration, Power und Zungenkleister angesagt sind.

Dieser Wein war schon in seiner Jugend ein Ausbund an Feinheit, an Nuancenreichtum und großer Eleganz. Bitte nicht falsch verstehen, der Wein hat Struktur, Rückgrad und ein riesiges Potential, aber er ist eben kein vordergründiger Blender, der mit viel Alkohol, viel Konzentration beim ersten Schluck begeistert, dann aber den "Langeweiletod" stirbt. Dieser Wein ist spontan vergoren, in seiner Stilistik eher einem traditionellen Nebbiolo oder gar Pinot Noir gleich – eben ein Wein für Menschen, die sich einlassen wollen, die horchen, riechen, schmecken und nachfragen, kein Wein für Fast-Wine-Trinker!!!

Grundsätzlich gilt dieses Hohelied für alle "Torten" aus dem Hause Montevertine, aber nicht an diesem Abend. Er wollte und wollte nicht aus dem Knick kommen, getrunken haben wir ihn trotzdem und zum hervorragenden bistecca (800 Gramm T-Bone-Steak) im Saittavini in Düsseldorf war er trotzdem lecker. Die Struktur und die Anlagen waren erkennbar, aber schon die Frucht war – hmmm wie soll ich es sagen – rudimentär. Wer diesen Wein im Keller hat, sollte ihn da mindestens 2 weitere Jahre lassen und dann mal wieder ein Flasche verkosten, vielleicht dauert es auch noch länger, bis er aus dem Knick kommt, aber dann ist er mit Sicherheit ein Hochgenuss – für diesen Weine und diesen Jahrgang verbürge ich mich gegenüber allen Hedonisten dieser Welt!! Dann wieder mindestens 94 Punkte, an diesem Abend leider deutlich darunter, vielleicht bei 87,88 Punkten.

 

P.S.  Jedes Jahr ziert ein anderes Damenportrait des Künstlers Alberto Manfredi das Etikett dieses Weines. Wirklich sehenswert ist die kleine Galerie auf er homepage des Weingutes unter:

http://www.montevertine.it/ita_prodotti_vini_pergoletorte_artistiche.html

P.S.S. Winespectator und Parker könnten kaum unterschiedlicherer Meinung sein …

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2004 Chianti Classico, Castello di Ama – Toskana

84 ???  Punkte – Entweder dieser Wein ist in seiner absoluten Verschlußphase oder er hat schon seine besten Zeiten hinter sich. Die Primärfrucht scheint verdrängt, momentan dominieren dunkle und grüne Aromen. Ich glaube, dass man hier mit aller Gewalt versucht hat, dem Wein Struktur und ein langes Leben mit auf den Weg zu geben – übrig geblieben ist ein Geschmack zwischen rostigen Nägeln und harten, grünen Tanninen. Bei Robert Parker von Herrn Rovani immerhin mit 90 Punkten geadelt und als Langstrecken-Chianti mit einem Trinkfenster zwischen 2009 und 2019 angegeben; da geht man wohl davon aus, dass dieser Chianti seine Metamorphose von der häßlichen Raupe zum schönen Schmetterling noch vollziehen wird. Ich glaube das nicht und bin gespannt, wer Recht behält.

1990 Valdicava, Brunello Riserva Madonna del Piano – Toskana

95 Punkte – dieser Brunello ist so unglaublich jung, weder von der Farbe, noch in der Nase oder am Gaumen ist sein wahres Alter für mich erkennbar. Ein fabelhafter, intensiver und gleichzeitig hoch eleganter Stoff. Kühl, aber mit intensiver Frucht – so werden die Geruchsrezeptoren beschäftigt: Anklänge von Heidelbeeren, Kampfer, schwarzen Kirschen und feinen Röstaromen mache ich aus. Einer in der Runde sagt Dickmilch, Joghurt, auch ein solcher Beiklang ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Im Mund ebenfalls kühl, ansprechend mineralisch, rund und extraktreich. Ein großes Spiel zwischen den feinen, dunklen Fruchtaromen und der Aromatik aus dem Holz – perfekt verwoben miteinander. Eine feine Kräutrigkeit erhöht die Komplexität des Weins – Fenchel, Kümmel sind Beispiele die meine Mitstreiter ausmachen. Mich begeistert bei diesem Wein die außerordentlich gelungene Vermählung der kühlen, komplexen und enorm intensiven, aber sehr runden Frucht mit der herrlichen Frische und Jugendhaftigkeit; es ist kaum zu glauben, dass jetzt auch noch eine hervorragend eingebundene Säure und ein festes, aber hochreifes Tannin das nötige Gerüst für viele, viele Jahre weiteren Trinkgenuss bieten. Großer, dichter und sehr harmonischer Stoff !!

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1990 Desiderio – Avignonesi – Toscana

89-91 Punkte: Der "Toro chiannino DESIDERIO" ist immer noch gut im Saft und erfreut sich bester Statur. Auffallend bei diesem Merlot ist sein kraftvoller, saftiger Stil; er ist körperreich und hat immer noch stramme Tannine. Die Frucht ist schön, man schmatzt ein wenig, wenn man auf ihr kaut und die freigesetzten Aromen von Kirschen und Pflaumen sind umwoben von einer angenhemen, Merlot-typischen Würze.

Die saftige Aromatik im Mund  erlebt man um so überraschter, als die Nase zunächst eher schon auf das Alter hinweist; "erinnert ein wenig an gereiften Barolo" steht da in meiner kleinen Gladde zu diesem Wein geschrieben ; auch nasse Pappe, erdige Töne, Kartoffelkraut. Zu jeder Zeit ein Italiener !! Gute Länge, die leider etwas austrocknend auf dem Tannin endet. Wenn dieser Wein etwas differenzierter und komplexer wäre, würde eine deutlich höhere Punktzahl zu Buche stehen, denn die Anlagen (Struktur und Körper) sind sehr gut.

Drei Tage später eine weitere Flasche geöffnet und siehe da, diese Flasche ist etwas besser –  der Wein ist  ein wenig druckvoller und komplexer. Die sehr gute Saftigkeit und die immer noch strammen Tannine zeichnen auch diesen Desiderio aus. Auf Grund der erhöhten Komplexität und Finesse zaubere ich diesmal 2 Punke mehr aus dem Hut.  — Für mich eine interessante Erfahrung — ein Wein mittleren Alters innerhalb von drei Tagen zweimal getrunken und mit leicht unterschiedlichen Wertungen, da die Flaschen eine ähnliche, aber nicht die gleiche Qualität zeigten

2003 Ampeleia – Ampeleia / Maremma Toskana

86 Punkte – Mit viel Presse wurde dieses Projekt in den Markt eingeführt. Kein Wunder, denn nicht nur eine der attraktivsten und professionellsten Winzerinnen Italiens ist engagiert, sondern auch ihr Kollege Baron Widmann aus Südtirol und Giovanni Podini, ein Mann, der sein Geld bislang auch ausserhalb des Weinbusiness verdient hat. So verschieden alle drei nach Beruf und Herkunft aus dem Trentino oder aus Südtirol auch sind, sie eint die Freude am Ursprünglichen, ihr Gespür für Natur wie Kultur. Im Jahr 2002 findet sich ein geeignetes Gut zum Kauf, schrittweise wird Land hinzu gekauft. Heute sind es gut 50 ha mit sieben verschiedenen mediterranen Rebsorten. Die Rebanlagen liegen ungefähr 30 km von der Küste entfernt, in den bis auf 600 Metern ansteigenden Hügeln um Roccatederighi und Roccastrada.

2003 ist der zweite Jahrgang dieses Weines, der aus den Rebsorten Cabernet Franc (60%), Sangiovese (30%) und Merlot (10%) gekeltert worden ist. Er reifte 16 Monate im Holz, davon 40% in neuen Fässern.  Die 92 Punkte des österreichischen Weinführers Falstaff empfinde ich als überaus schmeichelhaft, aber trotzdem: der  03er Ampeleia präsentiert sich  mit einer würzig-kräutrigen Nase, leicht laktischen Tönen und einer eher dunklen Frucht sowie Lorbeer – in der Nase durchaus interessant und vielfältig. Am Gaumen büsst er etwas ein: mittlerer Körper, schönes Säuregerüst, aber die Frucht ist etwas spröde und ich vermute auch etwas vom Holz zerstört. Ansonsten ist er ein guter Essensbegleiter, der hierbei seine Stärken besser ausspielt. Ordentliche Länge !