1999 Brunello Montosoli, Altesino (Cantine di Palazzo Altesi da Altesino) – Toscana

 

93/94  Punkte – Auf einem Hügel östlich von Montalcino erhebt sich der eindrucksvolle Palazzo Altesi, der im 15. Jahrhundert von der toskanischen Familie Tricerchi errichtet wurde. Ihr weißes Marmorwappen ist bis heute über dem alten Eichentor zu sehen. Seit 2002 ist das Weingut Altesino im Besitz der Römerin Elisabetta Gnudi Angelini (auch Eigentümerin der Tenuta Carparzo). Das Gut war häufig ein Vorreiter bei strukturellen Neuerungen, die der Brunello di Montalcino in den vergangenen dreißig Jahren erfahren hat. Bereits 1979 begann man bei Altesino mit dem Ausbau der Weine in französischen Barriques. 1975 führte das Gut mit dem Cru Montosoli den ersten Lagenwein des Montalcino-Gebiets ein. Die ersten "Futures" für Subskriptionskäufe von Brunello wurden für den Brunello Altesino von 1985 ausgegeben.

Unser Wein im Glas war genau dieser Einzellagen-Brunello Montosoli aus dem Jahr 1999. Der Winespectator beschreibt ihn in seiner Ausgabe Okt. 2004 als strengen Burschen, der weiterer Lagerung bedarf und empfiehlt folgerichtig erst einen späteren Genuss – ab 2009. Das Jahr ist gekommen und so schau’mer mal:

Sehr kraftvoll präsentiert sich dieser Brunello, immer noch sehr saftig und mit voller Körper presst sich der Wein an den Gaumen. Dazu passen die Extraktsüße und das Aroma von dicken, schwarzen Knubberkirschen sowie vollreifen Waldbeeren. Aromenstark, mit festen, aber gut integrierten Tanninen, die dem Wein Struktur verleihen. Trotzdem kein Monsterwein, sondern dicht, stark und ausdrucksvoll. Er baut im Glas aus und besitzt eine delikate Art sowie eine schöne Länge, die den Gaumen auch noch lange nach dem Schlucken beschäftigt. Ich habe in meinem kleinen Verkostungsbüchlein dreimal die Punkte geändert/durchgestrichen und so bekommt der Wein halt um die 93/94 Punkte.

1978 Solaia, Marchese Antinori – Toscana

96 Punkte –  Über das Haus Antinori gibt es eine Vielzahl von Büchern und der Platz hier reicht nicht im Ansatz aus, um die vielen kleinen und großen Geschichten zu erzählen, die man hier aneinander reihen könnte, ohne beim Leser lange Weile zu erzeugen. Seitens der Familie schaut man auf eine fast 700 jährige Weinbautradition zurück und das Weingut wird heute in der 26sten Generation geführt. Man kann heute ohne Übertreibung sagen, dass Marchese Piero Antinori den Familienbesitz zu einem die Welt umspannenden Weinimperium ausgebaut hat. So ganz „nebenbei“ hat er durch sein Handeln maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute bei Chianti wieder an Qualitäts- und Spitzenweine denken und nicht nur an Touristentropfen für die Pizzeria um die Ecke. Wahrzeichen dieses Qualitätsstrebens sind sicherlich die beiden Referenzweine Tignanello (er erblickte 1971 das Licht der Welt) und Solaia (dessen Geburtsstunde mit dem 78er Jahrgang schlug), beide aus -überwiegend – Cabernet Sauvignon bereitet. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle bleiben, dass auch Renzo Cotarella, der seit 30 Jahren als Önologe/Chefönologe für die Familie Antinori tätig ist, einen großen Anteil am Erfolg des Weingutes in den letzten Jahrzehnten hat. In den beiden ersten Solaia-Weinjahrgängen 1978 und 1979 bestand der Rebsatz noch aus 80% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc. In den folgenden Jahrgängen (ab 1982) kam Sangiovese hinzu, aktuelle Jahrgänge bestehen aus 75% Cabernet Sauvignon, 20% Sangiovese und 5% Cabernet Franc. Die Jahrgänge 1980, 1981, 1983, 1984, 1992 und 2002 wurden mangels ausreichender Qualität nicht lanciert.

 

Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man einen solchen Wein ins Glas bekommt, schließlich hat er Weingeschichte geschrieben. Noch aufregender wird es, wenn solch ein Stoff eine Qualität in Mund und Nase zaubert, von der man mitgenommen wird auf die Reise durch die Aromenwelten, die nur ein großer Wein offenbaren kann. Gerade bei solchen Weinen bleibt es für mich schwierig, meine Eindrücke in Worte zu fassen; zu umfangreich sind sie, als dass man das Trinkerlebnis nachvollziehbar beschreiben könnte.  Trotzdem ein Versuch: Für mich hatte die Nase eine Mischung aus Cassis, gereiftem Honig, Tapetenkleister, Leder und Eindrücken von getrockneten Wiesenblumen und Sandelholz. Am Gaumen sehr komplex, erinnert mich an den gigantisch leckeren Zwetschgen-Hefekuchen meiner Mutter. Der Wein hat eine hervorragende innere Kraft und eine Balance, die so nur große Weine besitzen.  Ein nobler Wein, sehr komplex, mit einer feinen Kühle, einer ganz, ganz zarten Süße und einer Spur Minze, die bis in das lange Finale reicht.

 

2000 Poggio Valente Morellino di Scansano, Fattoria Le Pupille – Toscana

91 Punkte – Wow, diesen Wein habe ich in 2005 schon ziemlich (85 Punkte) abgeschrieben, meine damalige Notiz lautete:

"Dichte Farbe, ungewöhnlich streng ist die Frucht in ein Korsett aus Tannin und Holz eingebunden – wo ist die Lebendigkeit und unbekümmerte Verspieltheit dieses Weines, die ich in anderen Jahrgängen so schätze. Noten von Kirsche, etwas Schokolade und ein wenig Pflaume, ein mittlerer Körper, sehr solide Tannine bestimmen das Bild dieses Weines, der gut gemacht ist, aber mir nicht die gewohnte Freude bereitet. Im Idealfall ist er jetzt in einer Verschlußphase und wird sich vielleicht in 12 Monaten wieder von einer besseren Seite zeigen."

So falsch lag ich mit meiner damaligen Vermutung nicht, aber wahrscheinlich hat es länger als 12 Monate gedauert, bis der Wein wieder aus dem Knick kam. Jetzte jedenfalls ist der Trinkspaß zurück, denn das stramme Tanninkorsett ist immer noch spürbar, aber die Frucht hat sich zu neuen Höhen aufgeschwungen und so erlebt man eine süße Frucht mit viel Kirch-, Milchschokolade- und Pflaumenaromen. Er wirkt bei aller Tanninstrenge saftig und macht viel Spaß, denn die Tannine haben an Eckigkeit eingebüßt und die Frucht stellt sich mit aller Macht dagegen. Elegant kann man den Wein wohl nicht nennen, aber als junge, dralle  Pamela Anderson im roten baywatch-Badeanzug geht er voll durch. Besonders gefällt mir die fruchtige Süße, die er im langen Abgang behält und die mit leicht würzigen Noten und Kirschmarzipan nachklingt. Very sexy.

2004 Le Pergole Torte; Montevertine – Toskana

94 (88) Punkte – Geburtstagswein Nr.2 – Was für ein Pech, ich habe diesen Wein schon zweimal in seiner absoluten Jugend genossen und war unendlich begeistert, aber an diesem Abend hatte er beschlossen, sich zu verkriechen, sich einzuigeln, um für kein gutes Geld dieser Welt mehr aus sich  heraus zu kommen. Pergole Torte ist die Bastion der Individualisten und Genusstrinker in einer Zeit, wo häufig nur Konzentration, Power und Zungenkleister angesagt sind.

Dieser Wein war schon in seiner Jugend ein Ausbund an Feinheit, an Nuancenreichtum und großer Eleganz. Bitte nicht falsch verstehen, der Wein hat Struktur, Rückgrad und ein riesiges Potential, aber er ist eben kein vordergründiger Blender, der mit viel Alkohol, viel Konzentration beim ersten Schluck begeistert, dann aber den "Langeweiletod" stirbt. Dieser Wein ist spontan vergoren, in seiner Stilistik eher einem traditionellen Nebbiolo oder gar Pinot Noir gleich – eben ein Wein für Menschen, die sich einlassen wollen, die horchen, riechen, schmecken und nachfragen, kein Wein für Fast-Wine-Trinker!!!

Grundsätzlich gilt dieses Hohelied für alle "Torten" aus dem Hause Montevertine, aber nicht an diesem Abend. Er wollte und wollte nicht aus dem Knick kommen, getrunken haben wir ihn trotzdem und zum hervorragenden bistecca (800 Gramm T-Bone-Steak) im Saittavini in Düsseldorf war er trotzdem lecker. Die Struktur und die Anlagen waren erkennbar, aber schon die Frucht war – hmmm wie soll ich es sagen – rudimentär. Wer diesen Wein im Keller hat, sollte ihn da mindestens 2 weitere Jahre lassen und dann mal wieder ein Flasche verkosten, vielleicht dauert es auch noch länger, bis er aus dem Knick kommt, aber dann ist er mit Sicherheit ein Hochgenuss – für diesen Weine und diesen Jahrgang verbürge ich mich gegenüber allen Hedonisten dieser Welt!! Dann wieder mindestens 94 Punkte, an diesem Abend leider deutlich darunter, vielleicht bei 87,88 Punkten.

 

P.S.  Jedes Jahr ziert ein anderes Damenportrait des Künstlers Alberto Manfredi das Etikett dieses Weines. Wirklich sehenswert ist die kleine Galerie auf er homepage des Weingutes unter:

http://www.montevertine.it/ita_prodotti_vini_pergoletorte_artistiche.html

P.S.S. Winespectator und Parker könnten kaum unterschiedlicherer Meinung sein …

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1999 Mormoreto, Castello di Frescobaldi – Toscana

Zuerst Begeisterung: Satte Beerenfrucht entströmt dem schwarzroten Glas. Fliederbeeren, Kirsche, etwas laktisch, sehr dicht, scheint ein Maul voll Wein zu versprechen. Am Gaumen dann leider Kleber und Aceton. Wieder ein Frescobaldi der keine Struktur zum Reifen hat, wie die Montesodis aus den 90ern.

75 Punkte Diese Worte hat mein lieber Freund Mathias Fahrig, Depotleiter von Jacques (in Hamburg Sternschanze) geschrieben und wie immer, viel zu positiv formuliert. Der Wein hat einen Fehler, er riecht wie essigsaure Tonerde, hat eine deutlich flüchtige Säure und letztlich ist es ein Skandal, dass einem so etwas für teures Geld vorgesetzt wird. In der Nase ist er schlimmer als am Gaumen, aber selbst, wenn man das Gute sucht, kommen da nicht mehr als 75 Punkte zusammen.

1997 Vigna del Sorbo, Fontodi – Toscana (Celerina 9)

85 Punkte, deutlicher Wasserrand, dann ziegelrot bis orange. In der Nase eine Mischung aus Kuhstall und Mon Cherry; kirschig, leicht krautig. Auf der Zunge eher dunkle Aromen; hat Struktur, jedoch dominiert die Säure stark und der Wein hat von seinem früheren Charme deutlich eingebüßt. Das Holz ist nicht mehr gut eingebunden und hinterlässt im Abgang einen austrocknenden Eindruck.- Schnell Austrinken

1998 Siepi, Castello di Fonterutoli – Toscana (Celerina 3)

92 Punkte – verspielt dunkelbeerige Nase, Anklänge von Schoko, Kaffee und Teer. Waldfrucht, Kirsch, Süßholz oder sollte ich sagen: süßliche Würze, viel Schmelz, feine Tannine, aber auch etwas rosinierte Töne, frisch, Anklänge an Minze und Eukalyptus (Menthol), gute Länge. Für einen 1998er in einer respektablen Verfassung, jetzt sehr gut zu trinken, besser wird da nichts mehr.

1990 Valdicava, Brunello Riserva Madonna del Piano – Toskana

95 Punkte – dieser Brunello ist so unglaublich jung, weder von der Farbe, noch in der Nase oder am Gaumen ist sein wahres Alter für mich erkennbar. Ein fabelhafter, intensiver und gleichzeitig hoch eleganter Stoff. Kühl, aber mit intensiver Frucht – so werden die Geruchsrezeptoren beschäftigt: Anklänge von Heidelbeeren, Kampfer, schwarzen Kirschen und feinen Röstaromen mache ich aus. Einer in der Runde sagt Dickmilch, Joghurt, auch ein solcher Beiklang ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Im Mund ebenfalls kühl, ansprechend mineralisch, rund und extraktreich. Ein großes Spiel zwischen den feinen, dunklen Fruchtaromen und der Aromatik aus dem Holz – perfekt verwoben miteinander. Eine feine Kräutrigkeit erhöht die Komplexität des Weins – Fenchel, Kümmel sind Beispiele die meine Mitstreiter ausmachen. Mich begeistert bei diesem Wein die außerordentlich gelungene Vermählung der kühlen, komplexen und enorm intensiven, aber sehr runden Frucht mit der herrlichen Frische und Jugendhaftigkeit; es ist kaum zu glauben, dass jetzt auch noch eine hervorragend eingebundene Säure und ein festes, aber hochreifes Tannin das nötige Gerüst für viele, viele Jahre weiteren Trinkgenuss bieten. Großer, dichter und sehr harmonischer Stoff !!

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1985 Chianti Ruffina Vigneto Bucerchiale – Fattoria Selvapiana / Toscana

91 Punkte – Was für ein Erlebnis, eine Chianti Ruffina, der sicherlich viele Classicos hinter sich lässt und immer noch unglaublich jung und frisch daherkommt.

Fattoria Selvapiana ist ein Weingut, dass gerade durch seine Weine aus den  80er Jahrgängen aufgefallen ist . Die Riserva Bucerchiale ist reinsortiger Sangiovese, der erstmals 1979 das Licht der Welt erblickte.

Im Glas vor mit steht ein Wein, der mir "altem Wunschitaliener" das Herz höher schlagen lässt. Der Wasserrand läßt mich einen Wein nach Mitte der 90er Jahre ausschliessen, aber was ist das im Glas ?? Die Nase ist erdig, tief und frisch, ein Bild von dunklen Waldfrüchten entsteht in meinem Kopf, eine knackige schwarze Kirsche huscht vorbei und irgendwie schlage ich auch einen Bogen zu eher teerigen Noten. Die eher hintergründig erkennbaren Anklänge an Lösungsmittel wische ich bei Seite und dann ist da wieder diese kühle, frische  Frucht, die mich schon in der Nase begeister hatt. Ein guter Extrakt belegt die Zunge, ein Hauch von eleganter Bitterschokolade kombiniert mit einer schönen, dunklen Waldfrucht sowie ein Hauch von Malz umschmeichelt die Zunge. Feinkörnige, nachhaltige Tannine, eine gute Säure und die ordentliche Länge runden das harmonische Bild dieses Weines ab. Die Kombination mit den Steinpilztaglitelle ist nicht perfekt, da sie zu Lasten der Finesse des Weines geht, aber für sich allein ist der 85er Vigneto Bucerchiale ein echter Genuss.

1990 Desiderio – Avignonesi – Toscana

89-91 Punkte: Der "Toro chiannino DESIDERIO" ist immer noch gut im Saft und erfreut sich bester Statur. Auffallend bei diesem Merlot ist sein kraftvoller, saftiger Stil; er ist körperreich und hat immer noch stramme Tannine. Die Frucht ist schön, man schmatzt ein wenig, wenn man auf ihr kaut und die freigesetzten Aromen von Kirschen und Pflaumen sind umwoben von einer angenhemen, Merlot-typischen Würze.

Die saftige Aromatik im Mund  erlebt man um so überraschter, als die Nase zunächst eher schon auf das Alter hinweist; "erinnert ein wenig an gereiften Barolo" steht da in meiner kleinen Gladde zu diesem Wein geschrieben ; auch nasse Pappe, erdige Töne, Kartoffelkraut. Zu jeder Zeit ein Italiener !! Gute Länge, die leider etwas austrocknend auf dem Tannin endet. Wenn dieser Wein etwas differenzierter und komplexer wäre, würde eine deutlich höhere Punktzahl zu Buche stehen, denn die Anlagen (Struktur und Körper) sind sehr gut.

Drei Tage später eine weitere Flasche geöffnet und siehe da, diese Flasche ist etwas besser –  der Wein ist  ein wenig druckvoller und komplexer. Die sehr gute Saftigkeit und die immer noch strammen Tannine zeichnen auch diesen Desiderio aus. Auf Grund der erhöhten Komplexität und Finesse zaubere ich diesmal 2 Punke mehr aus dem Hut.  — Für mich eine interessante Erfahrung — ein Wein mittleren Alters innerhalb von drei Tagen zweimal getrunken und mit leicht unterschiedlichen Wertungen, da die Flaschen eine ähnliche, aber nicht die gleiche Qualität zeigten