1955 Le Montrachet – Vandermeulen – Burgund (Top of the Pops)

93 Punkte – Der 1955er Le Montrachet aus der Vandermeulen-Abfüllung wirkte da deutlich schlanker, aber auch klarer. Als der Wein in Glas kam, hatte er eine leichte Spritnase und  Anklänge von frisch lackierten Fingernägeln (nur konnte ich nicht  die Dame ausmachen, die ihn gerade aufgetragen hatte) – doch dieser Eindruck verflog. Einige am Tisch diskutierten auch über einen kleinen (Kork-)Böchser, aber ich glaube, dass der Wein einfach etwas Luft und Zeit (die ihm einige nicht ausreichend gaben) brauchte, um sich zu entfalten. Mir gefiel insbesondere die elegante Leichtfüßigkeit, mit der er dann über die Zunge tanzte. Der Wein war dabei so unglaublich mineralisch und immer noch straff, sodass man einen völlig anderen Eindruck hatte, als die 55 Jahre, die zwischen dem Jahrgang auf Etikett und der subjektiven Wahrnehmung lagen.  Sehr klar, stringent und herrlich elegant – Jil Sander in Perfektion, aber wer kennt diese Mode im Original noch.

1947 Le Montrachet – Vandermeulen – Burgund (Top of the Pops)

90 Punkte – Mit dem 1.Weißweinflight war auch sofort klar, warum diese Probe Top of the Pops hieß; einen 1947er Le Montrachet aus einer Vandermeulen-Abfüllung hat man wirklich nicht alle Tage im Glas. Aber dass im Nachbarglas dann auch gleich noch das 1955er Pendant steht, ist ein Glück, das nicht vielen Weinfreunden beschieden sein dürfte.  Aber gerade bei solchen Flaschen zeigt es sich mal wieder, wie wichtig das „blinde“ verkosten ist, denn jeder halbwegs weininteressierte Mensch erstarrt schon beim Anblick einer solchen Flasche, geschweige denn, dass man sie als Doppelpack ins Glas bekommt. Der 1947er war bernsteingelb, verströmte in der Nase leichte Nussnoten, am Gaumen zeigte er einen cremigen Schmelz, wirkte aber auch etwas stumpf. Im Geschmack erinnerte er mich ein wenig an die Orangensticks, die es mal vom Schokoladenhersteller „Sprengel“ gab (ich glaube, heute gibt es weder die Sticks noch Sprengel mehr) und die ich als Kind sehr mochte. Die Art der Aromatik lässt wohl den Schluss zu, dass das Traubenmaterial einen recht hohen Anteil an Botrytis hatte, dies erklärt vielleicht auch den Hauch an flüchtiger Säure, den dieser barocke, etwas in die Jahre gekommene Brocken verströmte.

1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg, Karthäuserhof – Mosel (Top of the Pops)

92 Punkte – Sozusagen  zur Einstimmung gab es den einzig „offen“ ausgeschenkten Wein an diesem Abend. Aus der Magnum kam ein prachtvoller 1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese Goldkapsel ins Glas. Mich faszinierte insbesondere sein glockenklarer Ausdruck. Am Gaumen immer noch unglaublich saftig, dicht und jung, mit viel gelben (kandierten) Früchten und deutlichen Ananasanklängen. Neben einem wirklich schönen Spiel zwischen Süße und Säure, zeigt dieser immerhin schon 17 Jahre alte Riesling eine Mineralität, die vom Feinsten ist, und da er erst am Beginn seiner Reife ist, dürfte man noch viele, viele Jahre ganz viel Freude an diesem Musterexemplar haben.