2013 Mil Reis Syrah Grande Reserva, Herdade da Maroteira – Alentejo

94 Punkte – In der Uhrmacherkunst würde man von einem „Masterpiece“sprechen.

Das Familienweingut Herdade da Maroteira füllt erst seit einigen Jahren unter eigenem Label Weine ab. Den – bescheiden als „Gehöft“ (=Herdade) bezeichneten Besitz von über 540 ha Land bearbeitet die Familie mit Anglo-Portogisischen Wurzlen seit fünf Generationen. Wirtschaftliche Keimzelle und Kern der Farm ist bis heute ein stattlicher Korkeichenwald, der auf ca. 2/3 des Farmlandes steht.

Herdade_da_MaroteiraDie erst vor wenigen Jahren getroffene Entscheidung, die Trauben der eignenen Rebstöcke nicht nur zu verkaufen, sondern Wein unter dem eigenen Namen zu produzieren, hat sich schnell als Erfolgsstory herausgestellt. Mit der „normalen“ Cem Reis Syrah Reserva (für ca. 20 Euro im Handel) hat man nicht nur in Portugal schnell Aufsehen erregt und eine Erfolgsstory geschrieben.

Die 3.652 Flaschen Mil Reis sind quantitativ der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, qualitativ hat man sich damit aber in die Spitze der besten Rotweine Portugals katapultiert. Stilistisch ist man einem Top-Shiraz aus Australien näher als einem Syrah von der Côte Rôtie, aber letztlich ist dieser Weine ein portugiesisches Meisterstück.

Im Glas zeigt er ein dichtes, sattes, cassisartiges Dunkelrot mit noch leicht violetten Reflexe. Die Nase ist ein wildes Aromen-Potpourrie von dunklen Beerenfrüchten, edlen Hölzern, balsamischen Noten, überzogen von einem feinbitteren Schokoladenguss.  Am Gaumen erstaunlich cool für seine 15,5 Prozent Alkohol. Unter der seidigen Softtouch-Oberfläche präsentieren sich eine feingliedrige Wildbeerenfrüchte, perfekt verwoben mit balsamischen Noten, getrockenten Kräutern, Feigen- und Zedernholzaromen.  Ein kraftvoller und mächtiger Körper sind dank der guten Struktur nicht die Grundlage einer sattmachenden, aromatischen Fruchtbombe, sonders die Attribute eines dichtmaschigen und saftigen Weins, der mit feinen und eleganten Zwischentönen zu überzeugen weiß. Das edle Holz verleiht dem Wein eine kühle Eleganz und Charme. Wegen der Verbindung von Kraft und Körper mit einem subtilem Charme kann man dem Wein nur schwer widerstehen und bei einem Glas am Abend wird es sicher nicht bleiben. Schöner Partner zu geschmortem Fleisch oder als Solist mit einem guten Buch.

2005 Montes Alpha Syrah Colchagua Valley, Montes – Chile

88 Punkte – Ich glaube, dieser Wein ist ein perfekter Generalist – er dürfte sowohl dem unerfahrenen Weinnovizen als auch dem Connoisseur von Welt Trinkspass bereiten. In der Nase üppig nach Cassis, Blaubeeren und reifen Holunderbeeren riechend. Daneben nehme ich eine gewisse Würze war, die an frisch gestoßene Wacholderbeeren, Tabak und an einen regennaßen Lorbeerwald (habe ich mal auf Teneriffa erlebt) erinnert. Am Gaumen gehaltvoll; dicht; mit ausgereiften, runden Tanninen; weich auf der Zunge, saftig und kraftvoll. Die Aromen korrespondieren mit den nasalen Eindrücken, etwas Erdbeersahne kommt hinzu;  schöne Extraktsüße. Den recht hohen Alkohol bemerkt man, wenn man den Wein schon geschluckt ha – es wird "warm" im Magen.

Der Wein stammt aus dem Apalta Weinberg im Colchagua Tal; die Erträge wurden niedrig gehalten und Aurelio Montes hat neben Syrah auch  7% Cabernet Sauvignon und 3% weißen Viognier dem Wein mit auf den Weg gegeben.

Die Kellerei Montes ist sicherlich eine der führenden in Chile, das Angebot reicht von einfachen, preiswerten Weinen bis hin zum großen Montes Alpha M, der mit dem Jahrgang 1996 zum ersten Mal auf den Markt kam. Der Syrah 2005 vor mir im Glas entstammt einer der mittleren Produktlinien. Eines vereint die Weine der Kellerei Montes: sie bieten in allen Klassen sehr gute Qualität für ihren Preis.

Die webpage (http://www.monteswines.com) ist übersichtlich gestaltet und informativ. Den Syrah 2005 gibt es für ca. Euro bei Jacques Weindepot.

2000 Brenneis-Koch – Nemesis

86 Punkte – Was für eine wilde Cuvee für deutschen Rotwein: Nebbiolo, Merlot und Syrah und doch ist der Nemesis 2000 vom Weingut Brenneis-Koch aus der Pfalz eine Bereicherung für den interessierten Weintrinker. Die Nebbiolofrucht ist deutlich erkennbar: verwelkte Rosenblätter, rote Beeren, etwas Unterholz; dazu ein feine Würze vom Syrah und  aus dem Holz sowie eine dezente Geschmeidigkeit vom Merlot (?). Das ist kein wirklich grosser Wein, aber ein Wein, der die Hand zum Glas gehen lässt und der aufgrund seiner Eigenart und vorhandenen Vielschichtigkeit Gesprächsstoff bietet. Einige werden sagen, dass er zuviel Säure besitzt oder unharmonisch in seinen Aromen ist – dem kann ich nicht 100%ig widersprechen, trotzdem bekommt er von mir 86 Punkte, weil er wirklich vielschichtig und animierend ist.