Ein Weinabend mit Freunden / Schäfer-Fröhlich, Deiss, Stodden, Le Cedre und Vin Santo von Felsina

Nachdem ich die 400km von Düsseldorf nach Hamburg einmal mehr "gefressen" habe, kamen meine Freunde Andreas und Mathias zum "Männerabend" vorbei. Mit Brot. Käse und ein paar Flaschen Wein machten wir uns einen netten Abend.

Der Startschuss fiel und ein 2005 Schäfer-Fröhlich, Felseneck Großes Gewächs – Nahe (89 Punkte) kam ins Glas. In der Nase ein recht deutlicher Schwefelböchser, dahinter viel Mineralik und eine frühe (zu frühe) Petrolnase, die (noch dezent) zum Vorschein kam. Am Gaumen dicht, fest gewoben, straffer Zug, kräutrige Mineralik. Wenig Frucht, dafür viel Mineralik, fest, ein Wein zum Beißen. Schöne, tragende Säure, mittlere Länge. Wenn man den Schwefelböchser zu Beginn (wird mit viel Luft etwas schwächer) ein wenig ausblendet, hat er momentan die 89 Punkte verdient; künftiges Entwicklungspotential hat er meiner Meinung nach nicht.

Ein ganz anderer Stil war der nun folgende 2001 Grünspiel, Marcel Deiss – Elsass (92 Punkte). Ein gemischter Satz  von Gewürztraminer, Riesling und Pinot Noir – goldgelb im Glas, mit opulenter Nase von kandierten (exotischen) Früchten, Orangenzesten, aber auch blütigen Noten; dahinter ein Hauch grüne Walnuss. Ein dichter Schmeichler mit ausladender Aromatik, aber ohne jede Gefahr zu sehr in die Breite zu gehen. In seiner Jugend wirkte er mineralischer, dafür hat er jetzt an Tiefe und Substanz zugelegt. Die schöne Säure bildet ein gutes Gegengewicht, sodass man einen intensiven, aromatischen Wein genießen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass man schon nach dem ersten Glas satt ist. Der Wein ist nicht ganz trocken, aber die Süße ist bestens integriert und der Grünspiel 2001 hat Potential für viele Jahre.

Weiter ging es mit dem ersten Rotwein, einem 2003 Recher Herrenberg Auslese JS ***, Stodden – Ahr (88 Punkte). In der Nase kräutrig, holzgeprägt, mit leicht gemüsigen Anklängen. Am Gaumen kühl, recht fest, mit roter Beerenfrucht, leider etwas säuerlich und hinten heraus stören etwas die grünen Holztöne. Die 88 Punkte bewerten insbesondere das Potential, vorausgesetzt der Wein verliert noch die grünen Holznoten. Da die Frucht ausreichend kräftig ist und der Wein auch an diesem Abend mit zunehmender Luftzufuhr die Holznoten etwas verliert, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen leider weitere 3-4 Punkte abgezogen werden. Positiv ist der schöne Biss und die durchaus feine Mineralik, die die Recher Herrenberger Auslese *** erkennen lässt.

Der zweite Rotwein kam aus Frankreich: 1998 Le Cedre, Chateau du Cedre – Cahors (92 Punkte). Diese reinsortige Malbec ist schon etwas Besonderes. Inzwischen hat er zehn Jahre auf dem Buckel und er befindet sich wohl in seiner ersten Reifephase. Im Glas ein komplexer Aromenstrauss mit vielen Früchten und einem Hauch von Nelken, dabei erstaunlich kühl und harmonisch. Mittlerer Körper, kein Alkoholmonster, sondern enorm trinkig und mit schöner Länge am Gaumen.

Den Abschluss dieses Weinabends zu dritt, bildete einer meiner liebsten Weine überhaupt, der 1988 Vin Santo von Fattoria di Felsina – Toscana (98 Punkte)  – Die Notiz aus dem August 2005 stimmt noch zu 100% – http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=46

2001 Deutsche Spätburgunder – Kleine Horizontalverkostung

10 Weine waren angestellt, 5 Personen nahmen teil und 3 Piraten waren mit von der Part(y)ie. Jeder bekam jeden Wein in kleiner Menge zur Verkostung und Beurteilung, danach wurde aufgedeckt und offen weiter getrunken. Am Ende wollte ich sehen, wie viel von jedem Wein übrig bleibt – also JLF nach Andreas März von der Zeitschrift MERUM. Die Flaschen wurden willkürlich ausgewählt und selbst ich wursste nicht, welcher Wein wo in der Reihenfolge angestellt war.

Los gings mit dem ersten Piraten, wie sich am Ende herausstellte.

2001 Kloster am Spitz, Pinot Noir – Burgenland / Österreich:

84 Punkte – etwas überreife Frucht, Johannisbeer-Drops (oder schwarze Campinos aus meiner Kindheit – gibts aber immer noch), Himbeeren; parfümiert. Auch am Gaumen sehr aufgesetzt von der Frucht, Holunder und schwarze Campinos, saftig, weisser Pfeffer, samtig, süsser Extrakt, ein Kollege sprach von einer "Weinqualle" – mir gefiel dieser Begriff für einen Wein, der tierisch aufgebläht war, dem aber das Rückgrad fehlte. (2/3 der Flasche blieben übrig).

2001 Schnaitmann, Spätburgunder Simonroth "R" –  Württemberg / Deutschland

93 Punkte (?) – Beim Aufdecken kommt der Ärger in mir hoch, zweite und letzte Flasche von diesem Wein. Nachdem die erste leider voll korkte, ist diese auch nicht ganz sauber. Damals war der Wein ab Gut superschnell ausverkauft, habe dann noch zwei Flaschen im Bremer Ratskeller für noch teuereres Geld nachgekauft und dann das….!!! Trotzdem war die Klasse dieses Stoffs klar erkennbar. Die Nase wird verwöhnt von einem tiefen und komplexen Spiel Schwarzer Kirschen, Veilchen, rauchigem Speck und feinen Kräutern. Am Gaumen klasse strukturiert – mit ausgereiften und guten Tanninen. Das Holz ist inzwischen perfekt integriert, der Wein ist gut balanciert. Die schöne Mineralität und die dunkle, stoffige Tiefe bereiten echtes Trinkvergnügen, wenn da nicht…. ja, wenn sich da nicht immer wieder ein Kork in die Nase schleichen würde. Am Tisch wird kontrovers diskutiert, kann man einen solchen Wein überhaupt angemessen beurteilen, ich meine  ´"JA",  denn ein solch (eher leicht) beeinflusster Wein kann durchaus noch in seiner Vielschichtigkeit wahrgenommen werden. Druckvoll, mit unglaublich guter Struktur und einer angenehm maskulinen Art ist diese Flasche durchaus ein Genuss – wenn auch etwas vernebelt, kommt die Güte dieses Weins zum Ausdruck. (Rest in Flasche: 5cm)

2001 Gernot Heinrich – Pinot Noir – Burgenland / Österreich

92 Punkte – Auffallend schöner Glanz; tiefe Frucht,   kräuterwürzig (aus dem Holz, das sehr gut integriert ist), Eisen (Blut), tiefe und aromatische Nase. Am Gaumen eine delikate Süsse, ein Hauch von Schokolade und feinsaftig. Wirkt sehr frisch, die komplexe Frucht sowie polierten Tannine – kombiniert mit der schön eingebundenen Säure – lassen Trinkfreude aufkommen. Grundsätzlich auch mit schöner Länge ausgestattet, jedoch baut er nach einiger Zeit im Glas recht schnell und kräftig ab – die Börsianer würden wohl sagen: die Bären gewinnen die Überhand. (Rest in Flasche: halbvoll)

2000 Dichon, Moulin-a-Vent – Beaujolais / Frankreich

76 Punkte – Blumenerde, ein Hauch von Pflaume, Säure schon in der Nase. Am Gaumen erstaunlich dünn (für mich waren die Moulin-a-Vent-Wein stets die dichtesten Beaujolais), etwas stumpf, abgefahrenes Gummi, die Tannine wirken ungehobelt, klotzig, unharmonisch. Auch wenn die Frucht über den Abend mal mehr, mal weniger ein wenig ausblitzt, bleibt es doch insgesamt ein unerfreulicher Tropfen, der (in diesem Fall positiv) mit dem Schlucken sofort verschwunden ist. (2/3 der Flasche bleiben übrig)

2001 Haidle, Spätburgunder – Württemberg / Deutschland

92 Punkte – Außergewöhnlich kräutriger Eindruck in der Nase, Gewürznelken, Pflaumen, rauchig. Auch am Gaumen frisch, tief und kräutrig, dunkle Frucht; hat Saft und Biß, erzeugt aber eher ein schlankes Mundgefühl, dafür komplex, mineralisch (kalkig) und mit jedem Schluck interessant. Frische, gut integrierte Säure; sehr gute Länge, die überraschend ein wenig auf Kamilletee-Aromen endet. (Rest in Flasche: 4cm)

2001 Duijn, Spätburgunder SD – Baden / Deutschland

91+ Punkte – Bei mir geht die Hand zum Glas. Der SD belegt mit einer kühl wirkenden Aromatik Nase und Gaumen. Die Frucht ist dicht, aber nicht überladen; die Aromen sind würzig, dezent rauchig und mineralisch und die noblen Tannine geben dem Wein eine hervorragende Struktur und einen Hauch von Noblesse. Insgesamt äußerst harmonisch, von den Aromen eher auf der maskulinen Seite, hallt sehr schön nach ! Ein (Wein-)Freund sieht den starken Fassbrand etwas kritisch. (Rest im Glas: 1,5 cm)

2001 Duijn, Spätburgunder  – Baden / Deutschland

Die kleine Schwester (in jüngeren Jahrgängen heißt dieser Wein "Jannin") steht dem großen Bruder in nichts nach – ist ihm sehr ähnlich. Am Gaumen besticht die Mineralität, schöne aromatische Tiefe, etwas runder und gefälliger als der SD; das Holz scheint etwas weniger stark getoastet, die Frucht kommt noch besser heraus, trotzdem ein substanzieller Wein mit Komplexität. (rest in Flasche: 4cm)

2001 Stodden, Next Generation – Ahr / Deutschland

86 Punkte – Fast auf den Tag genau vor drei Jahren getrunken und im Fazit fast identisch bewertet (87 Punkte) und beuteilt. Die Nase ist eher dunkelbeerig und insgesamt sehr eigenwillig, denn Aromen von Camembert, verbranntem Gummi und angebranntem Sauerkraut mischen in der Nase kräftig mit. Am Gaumen kann man eine gewisse aromatische Tiefe, Rauchnoten und eine tiefe Mineralik auf der Haben-Seite des Weines verbuchen. Auch eine gewisse Extraktsüße steht dem Wein gut, denn über eine ebenfalls kräftige ausreichend Säure, die dagegen steht, verfügt the "Next Generation". Da aber das Holz bis heute nicht harmonisch eingebunden ist, die Röstaromen schwarz wirken (was die Eiche heavy toasted?), der Wein insgesamt eine fast aggresive Kräuteraromatik aufweist und eine gewisse Schärfe nicht von der Hand zu weisen ist, bin ich der Meinung, das er mit meinen 86 Punkten noch gut bedient ist. (Rest in der Flasche: 8cm).
Hier wollte der Sohn des Hauses (nach diversen Winzerstationen im In-und Ausland) wohl zeigen, was er gelernt hat – leider ist die Sache nicht ganz so gelungen, wie der Preis es damals suggeriert hat. Mit ca. Euro 40,00 war man in Deutschland zumindest preislich ganz vorne dabei.

2001 Knipser, Im großen Garten – Pfalz / Deutschland

90 Punkte – Das vierte Mal getrunken – guckst Du:
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=158,
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=140,

diesmal wieder recht schön, sodass ich vermute, dass bei Oles Probe eine nicht perfekte Flasche Grund für meine Beschwerde war. Die eher rotbeerige Frucht ist immer noch angenehm saftig. Der Eindruck am Gaumen ist eher kühl, delikat und von einer erkennbaren Mineralik begleitet. Die feine Rauchigkeit verleiht ihm Spiel. Insgesamt zeigt er  eine nicht ganz harmonische Aromatik, denn die Säure steht ein wenig aussen vor und er wirkt; ein Mittelgewicht im Körper und von der Länge im Abgang eher Kurz-bis Mittelstreckenläufer. (Rest in Flasche: 2,5 cm)

2001 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder JS Auslese *** – Ahr / Deutschland

90 Punkte – Insgesamt ein immer noch kompakter Wein. Komplexe Nase mit rotbeerigen und kirschigen Anklängen; schöne Saftigkeit, dabei stets frisch und mit lebendiger Säure ausgestattet. Am Gaumen ein strukturbetonter Pinot Noir mit feinen Tannien und gut integriertem Holz. Die eher starke Kräutrigkeit jüngerer Jahre hat sich zu Gunsten der eher pinot-typischen Frucht etwas zurückgezogen, sodass der Wein einen insgesamt harmonischen, aber keinen total zwingenden Eindruck hinterlässt. (Rest in Flasche: 3cm)

2004 Jean Stodden – Spätburgunder Recher Herrenberg

87 Punkte – Dieser Wein dürfte jetzt in seiner besten Trinkphase sein. Er benötigt ein paar Minuten im großen Burgunderglas, dann zeigt er, was in ihm steckt:

Mit deutschem Spätburgunder haben die Weine aus dem Hause Stodden wenig zu tun, so überrascht es auch nicht, dass dieser 2004er Spätburgunder geprägt ist von einer, dunklen, sehr kräuterwürzigen Frucht. Der Wein ist durchaus eckig, insbesondere am Gaumen zeigt er eine herbe Kräuteraromatik (die durch das Holz noch unterstützt wird) gepaart mit einer Frucht, die deutlich dunkel und maskulin wirkt. Der Wein offeriert ein hohes Mass an Mineralität sowie eine sehr lebendige, vielleicht etwas spitze Säure. Vom Köper und Extrakt eher mittelgewichtig zeigt er eine kleine Schwäche im Abgang, der ein wenig zu sehr auf  Säure und Tannin endet. Trotzdem für mich ein guter Wein, den ich zum Essen getrunken klar einer Solokarriere vorziehe. Innerhalb der nächsten 2 Jahre austrinken.

Deutsche Spätburgunder 2001 – Eine Bestandsaufnahme

Deutsche Spätburgunder 2001

Eine Bestandsaufnahme (Probenprotokoll vom 9.Februar und 30.März 2007)

 

Mein lieber Weinfreund Ole aus Hamburg hatte mal wieder zu einer seiner berühmt-berüchtigten Themenabende eingeladen. Da er uns diesmal im Vorfeld schon einen klaren Hinweis auf die kommenden, blind gereichten Weine gegeben hatte und das Thema mit ?Deutsche Spätburgunder 2001? klar umrissen war, sollte die Wahrscheinlichkeit sich zu blamieren, grundsätzlich gering sein; zudem Ole großmütig klarstellte: ?Keine Piraten?!! Die volle Aufmerksamkeit richtete sich so auf das, was in die Gläser kam.

 

Meine Notizen vom 09. Februar:

 

1.     2001 Meyer-Näkel, Dernauer Pfarrwingert  Spätburgunder Auslese, Ahr 14,5% Alk. (92+ Punkte)

Der erste Wein des Abends war für mich einer der schönsten vom ganzen Abends. Tief, mit herrlichem Glanz und auffallend dunkel für einen Spätburgunder. Die Nase offenbart eine herrlich rauchige ?Kopfnote?, dahinter protzt er mit seiner tiefen und satten Pinot-Frucht; Anklänge an Knubberkirschen, eingeweckte Erdbeeren, Vanille und eine feine Würze strömen mir entgegen. Am Gaumen saftig, körperreich und mit einer schönen Extraktsüße ausgestattet, die durch eine gute Säure ausreichend abgepuffert ist. Einen kleinen Punktabzug gibt es leider für den Abgang – er zeigt zwar eine schöne Länge, doch der kräftige Alkohol bleibt hinten etwas scharf stehen.

 

2.     2001 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder JS Auslese ***, Ahr, 13,5% Alk. (90 Punkte)

Der zweite Ahr-Wein dieses Abends fließt noch dunkler ins Glas. Er wirkt sehr jung und zeigt sich eher von der erdigen und mineralischen Seite. Eine angenehme Kühle, die eher kräutrige Aromatik und eine schöne Tiefe am Gaumen vermerke ich sehr positiv, ein paar grüne Noten, die neben den Kräutern, dem mineralischen Akzent und den Noten von Himbeeren und anderen roten Früchten am Gaumen hängen bleiben, vermasseln ihm aber eine Bewertung deutlich über 90 Punkten.

 

3.     2001 Kesseler, Rüdesheimer Berg Schloßberg Spätburgunder, Rheingau, 14,5% (89+ Punkte)

 

Der teuerste Wein des Abends scheitert knapp an der 90-Punkte-Grenze und ist nach meinem Empfinden zu teuer, für das was er bietet. Die etwas aufgesetzt wirkende Nase nach Cassis-Bonbon (ich habe sie als Kind oft gelutscht, die dunklen Campinos) und grüner Banane lässt einen ins Grübeln kommen. Der Eindruck am Gaumen fällt zunächst sehr positiv aus: die Frucht steht im Vordergrund, das Holz ist sehr gut eingebunden und kaum spürbar. Die Noten von Fliederbeeren und dem wiederkehrenden Campino-Cassis vermählen sich mit einer erkennbaren Mineralität; der Wein wirkt recht kompakt, doch die knackige Säure steht außen etwas vor und im Abgang ist er leider zu kurz.

 

4.     2001 Gutzler, Spätburgunder Morstein, ?Im Barrique gereift?, Rheinhessen, 13,5% (92 Punkte)

 

Komplexe Nase; tiefe dunkle Frucht, etwas Klebstoff zu Beginn, kühl, ein wenig erdig, ledrige Anklänge, Marzipan, komplex. Am Gaumen erstaunlich weich für diese Nase, geschmeidig, klare Burgunderfrucht, gute Länge, auch tief. Kurz und knapp die Beschreibung dieses wirklich schönen Spätburgunders aus Rheinhessen, der Potential für die Zukunft hat und vielleicht sogar noch einen Tick zulegen kann.

 

5.     2001 Salwey, Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder trocken ***, Baden, 13% (88+ Punkte)

 

Zu Beginn Kuhstall, gekochtes Eisbein, Kleberanklänge, später eine deutlich tiefere und klarere Nase, Karamell. Am Gaumen wirkt er ultra-klar, sehr fest und sauber; zeigt eine deutliche Mineralik, leider ist er etwas scharf im ansonsten schönen. Recht langen Abgang. Ich bin mir sicher, dass dieser Wein aus der Karaffe mit Luft und als Essensbegleiter deutlich besser reüssiert hätte. So leider nur 88+ Punkte, auf die Nachverkostung wäre ich gespannt.

 

6.     2001 Molitor, Graacher Himmelreich, Spätburgunder unfiltriert, Mosel, 13% (ohne Wertung)

 

Wegen entstellendem (Flaschen-?)Fehler ohne Wertung. Sauerkraut, bitter am Gaumen, einfach leer. Fehlerhaft !!

 

7.      2001 Schneider, Spätburgunder *** ?C? barrique, Baden, 13% (91+ Punkte)

 

Ein sehr schöner Spätburgunder, klar definiert, mit Druck am Gaumen, durchaus vielschichtig, die Frucht wirkt kühl und verläuft über eher dunkle Beeren, Brombeeren, bis hin zu Anklängen an Wildfleisch. Der ?C? besitzt alle notwendigen Anlagen für echten Trinkgenuss: einen schönen, recht hohen Extrakt, immer noch äußerst ansprechende, erstaunlich feste Tannine sowie eine gute Säure. Insgesamt ausgewogen und nachhaltig. Fazit: ein kompletter Spätburgunder, von dem man gerne mehr als ein oder zwei Gläser trinkt.

 

8.     2001 Knipser, Im großen Garten ? Spätburgunder Auslese (GG), Pfalz, 13,5% (86+ Punkte)

 

Manchmal frage ich mich, ob ich schlecht drauf bin oder der Wein? Ich kann mich an eine Pfalz-Verkostung der Großen Gewächse im Jacobs in Hamburg erinnern, da hatte ich diesen Wein schon einmal verkostet und mir 92 Punkte und ?Kaufen? notiert. Bei der jetzigen Verkostung war ich froh, dass das mit dem Kaufen irgendwie ?Verschutt? gegangen war. Doch letztlich muss ich eine Lanze für Knipser brechen, denn in der letzten Zeit habe ich zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen immer wieder Weine von Knipser mit viel Genuss getrunken, gerade auch etwas gereifte Jahrgänge, wie z.B. wunderbare Rieslinge aus dem Jahr 1998. Trotzdem war das an diesem Abend nicht mein Wein: eher vegetabile Noten, Dill, etwas Vanille, etwas Erdbeerfrucht, wirkt gemacht, die Aromen wirken ?obendrauf gepfropft?, am Gaumen wie ein Gericht vom China-Mann: süß-sauer, recht holzbetont, mit mehr Luft wird er zwar besser, aber er bleibt letztlich eher eindimensional und säuerlich.

 

9.     2001 Duijn, Spätburgunder SD, Baden, ??, (91 Punkte)

 

Ein wirklich schöner Spätburgunder mit süßer Frucht schon in der Nase, ein wenig rauchig, Tabak, Erdbeeren, Schokolade (vielleicht Yogurette von Ferrero ? eigentlich nicht gerade ein Kompliment, ziehe ich somit wieder zurück),  am Gaumen sehr saftig, herrliches Mundgefühl, sehr gute Frucht, Erdbeeren, Kirschen, etwas Schokolade, für einen Spätburgunder herrlich stoffig, schöne Körperfülle, leicht cremig, aber frisch und sehr harmonisch. Wenn man kritisch ist, dann fällt einem die etwas laktische Note negativ auf. Mir gefällt er trotzdem und ich freue mich auf die Flaschen, die ich noch im Keller habe.

 

10. 2001 Koehler-Ruprecht, Philippi Pinot Noir ? ?R?; Pfalz, 14%, (94 Punkte)

 

Dieser Wein benötigt Luft, dekantieren kann nicht schaden. Zu Beginn etwas spröde, aber mit Luft zeigt er das, was in ihm steckt! Sowohl in der Nase, als auch am Gaumen wirkt dieser Pinot wunderbar kühl und elegant. Schöne rauchige und kräuterwürzige Noten, Anklänge an Menthol. Am Gaumen mit feiner Extraktsüße, einem Hauch Vanillepudding, dann aber kommt die Pinotfrucht durch, eher etwas ätherisch, vielschichtig, komplex und wunderbar elegant. Mit ausreichend Luft gewinnt er immer mehr an geschmacklicher Tiefe und harmonisiert sich zusehends. Ein sehr gut strukturierter und fester Pinot, der auf dem Gerüst aus Tannin und Säure seine gesamte aromatische Komplexität ausspielen kann. Der Wein ist sicherlich erst am Beginn seiner Trinkreife und dürfte ein langes, genussvolles Leben vor sich haben.

 

11. 2001 Rebholz, Im Sonnenschein ? Spätburgunder ?R? (GG), Pfalz, 13% (85 Punkte)

 

Leuchtend in der Farbe, jedoch auffallend hell und schon mit erkennbarem Wasserrand. Die Nase ist geprägt von  Anklängen an (Heil-) Kräuter, z.B Baldrian, Waldbodenduft und einer Granatapfelfrucht. Am Gaumen wirkt der Wein eckig (unelegante Tannine), die Fruchtnoten erinnern eher an schwarzen Tee als an Spätburgunder und ein Mangel an Tiefe und Körper muß man ihm auch bescheinigen. Da hilft es wenig, dass er aufgrund der Säure recht frisch wirkt.

 

 

 

12. 2001 (?) Heymann-Löwenstein, Spätburgunder, Mosel, 13% (86 Punkte)

 

Mir war bis dato unbekannt, dass das Weingut Heymann-Löwenstein überhaupt Spätburgunder keltert, aber diese Flasche ist wohl auch eher der Leidenschaft des Winzers zuzuschreiben, als dem Versuch kommerziell Spätburgunder an der Mosel an- und auszubauen. Der Wein duftet frisch geöffnet nach Fleisch (Schlachthof), verliert dies aber sehr schnell und die Frucht nach roten Beeren, Pflaumen und Zimt breitet sich aus. Auf der Zunge noch primärfruchtig, eher etwas einfach von der Aromatik, limonadenartig, leichte Süße.

 

 

 

Eine abschließende Bemerkung: Spätburgunder ist und bleibt die Rebsorte, die mir deutlich mehr Freude und Genuss bereitet, wenn sie als Essensbegleiter gereicht wird. Als singuläres Trinkvergnügen empfinde ich ihn schwierig; die Frucht kommt nicht wirklich raus und echte Harmonie stellt sich bei mir nur zum Essen ein. Ein Schluss, der auch bei dieser Probe klar bestätigt wurde.

2004 Jean Stodden – Ahrweiler Rosenthal – Großes Gewächs / Versteigerungswein

91 Punkte – Mit dem 2004er Jahrgang präsentiert Gerhard Stodden seinen ersten Jahrgang als VDP-Mitglied und erstmals nach den Regeln der Großen Gewächse. Insgesamt drei Große Gewächse – aus den Lagen Sonnenberg, Herrenberg und Ahrweiler Rosenthal – sind in 2004 auf die Flasche gekommen, wobei der letztgenannte als Versteigerungswein bei der alljährlichen Veranstaltung des VDP angestellt wurde.

An diesem Wochenende passierte mir ein größeres Malheur: beide Schlüssel zum Weinkeller habe ich im Büro in Düsseldorf vergessen, da kam mir die "Restlieferung Versteigerungswein"  gerade recht. So musste dann auch die erste Flasche dran glauben.

Mit der Luft von ca. 5 Stunden in der Karaffe verströmt dieser Spätburgunder einen so schönen, wohligen Duft nach edlen Gewürzen, Wildrosen, roten Früchten und Sandelholz, dass man die Nase kaum aus dem Glas (Burgunderglas von Denk’Art – ein Glasserie aus Österreich, von einem Pfarrer entworfen, die meiner Meinung nach den Riedel-Gläsern in der Qualität und der Art und Weise, wie sich Weine entfalten deutlich überlegen ist) bekommen kann. Am Gaumen zeigt sich eine weiche, ausdrucksstarke  Burgunderfrucht, Noten von roten Beeren, ein wenig Tabak und grüner Tee, die von guten Tanninen und einer lebendigen Säure getragen wird. Schöner, voller Körper, sehr saftig und mit einer ausgesprochen schönen Schiefermineralik ausgestattet, macht der Wein schon in seinem jetzigen Stadium Spass (sofern man ihn hinreichend dekantiert). Für mich nach den 2003er Wuchtbrummen (die sicherlich ab  dem nächsten Jahr richtig Spass machen !!) ein Wein aus einem sehr guten, aber nicht großen Jahr, der zeigt, auf welchem Niveau man inzwischen bei Stodden arbeitet.

Die Kritik von zu viel Holz (vgl. Wein-Plus) kann ich nicht nachvollziehen, sofern man dem Wein ein paar Stunden in der Karaffe gönnt.

2003 Jean Stodden – Recher Herrenberg Spätburgunder JS trocken, Ahr

90 Punkte – feinwürzige Nase, zu Beginn recht harsch –  benötigt zur Zeit noch viel Luft, dann sehr feine, würzige Frucht von rotem Trockenobst, roten Beeren, Zigarrenkiste,

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2003 Jean Stodden – Recher Herrenberg Frühburgunder JS / Ahr

90 Punkte – Reintöniger Frühburgunder nach französischem Pinot-Vorbild. Zu Beginn wird dieser verhältnismäßig dunkle Frühburgunder noch stark vom Tannin und Holz dominiert,  später bricht die Frucht – mit ausreichend Luftzufuhr –  aus ihrem Gefängnis aus und der Wein demonstriert seine Güte:

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