1990 Forster Kirchenstück Riesling Spätlese, Weingut Bürklin-Wolf – Pfalz (Best Bottle Nr.4)

91 Punkte – Ich liebe die Weine der Forster Lagen am Fuße des Haardtgebirges. Die Weine aus dem Kirchenstück sind stets üppige und im besten Sinne „reiche“ Weine – gleichzeitig bringen sie das Kunststück fertig, Eleganz und  Harmonie auszustrahlen. So auch diese sehr schöne Spätlese aus dem Jahr 1990. Die Nase ist faszinierend (!): Bienenwachs und ein Hauch  Petrol sind Boten des Alters, in Verbindung mit den saftigen Fruchtaromen von reifen Nektarinen, Mirabellen, kandierten Kumquats und anderen Südfrüchten entwickelt sich ein dichter und betörender Aromenstrauß, der es mir schwer macht, die Nase wieder aus dem Glas zu nehmen. Am Gaumen ist der Wein rund und intensiv, mit „dicken Backen“. Die Säure spielt mit und schafft ein Gegengewicht zur Opulenz des Weins. In letzter Konsequenz kann der Wein das Niveau, welches die Nase verspricht, am Gaumen jedoch nicht ganz halten.

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2003 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese, Weingut Flick – Rheingau

91 Punkte – Da sag mir doch einer noch mal, dass es im Jahrgang 2003 nur breite Weine, ohne Charme und Klasse gibt. Aber Gott sei Dank bestätigen Ausnahmen die Regel. Und so eine Ausnahme habe ich gerade im Glas – wundebare, dichte Nase mit vollreifen Aromen von Bratäpfeln, Honigmelone und Quitten. Darüber spannt sich ein Hauch von Firne und der Geruch von feuchten Steinen nach einem Sommergewitter. Der eigentliche Gong kommt aber, wenn der Wein in den Mund strömt – so eine satte Frucht von gelben und weißen Früchten (ohne jeden Anflug von Breite) hatte ich bei einem trockenen Riesling selten im Glas. Ein Maul voll Wein ist wohl hier die richtige Beschreibung. Die Hand geht ständig zum Glas, auch wegen der reifen Säure und den mineralischen Noten, die dem Wein eine gute Balance geben und ihn lange, sehr lange tragen. Dazu geht ein schön gegrilltes Stück Fleisch – Herz, was willst du mehr.

2003 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Alte Reben Spätlese trocken, Weingut Leitz – Rheingau (Ski 1)


88 Punkte – Läuft bereits mit hoher Viskosität ins Glas; die Nase ist dominiert von gelben und exotischen Früchten; aber auch Anklänge an Nüsse und Pfeffer sind zu finden. Am Gaumen spiegelt sich die hohe Viskosität wider, der Wein wirkt weich und seidig, fast ölig. In der Aromatik erinnert er mich an eine schöne Obsttorte, die einen (vielleicht zu) kräftigen Gelatineüberzug mit auf den Weg bekommen hat. Am Tisch fiel die Aussage: „ Ein Riesling im Gewand eines Weißburgunders“ – ein gutes Fazit für diesen Riesling, der jahrgangsbedingt „anders“ als in sonstigen Jahrgängen ausgefallen ist. Für mich stellt sich am Ende die Frage (analog zu vielen 2006er Weißweinen aus Österreich): Kann dieser Wein noch Altersschönheit entwickeln oder wird er in 2,3 oder 4 Jahren einfach durch sein.  

Wenn man Leitzweine kaufen möchte, sollte man beachten, dass weder eine Weingutsbesichtigung noch ein Ab-Hof-Einkauf möglich sind. Da Josi (Josef) Leitz große Teile seiner Produktion ins Ausland verkauft, kann man diese Politik unter Effizienzgesichtspunkten verstehen, andererseits empfinde ich diese Methode als arrogant gegenüber den Weinliebhabern und Konsumenten, die letztlich seine Existenz sichern.  Aber letztlich sind die Menschen frei und das Urteil fällt der Markt. 

2002 Traiser Bastei Riesling Spätlese trocken, Dr. Crusius – Nahe

89 Punkte – Feine,  frische Nase, Anklänge an Blütenhonig; am Gaumen schlanke, frische Art; feingliedrige Säure; recht tiefe, reintönige  Mineralik; Heu- und Citrusaromen, angenehme Reife. Animierend, mit guter Länge im Abgang. Jetzt oder in den nächsten 1,2 Jahren trinken.

Für ca. Euro 10 ist das schon ein Wein, den man in vollen Zügen geniessen kann, die Hand geht kräftig zum Glas, gerne öffnet man da auch eine zweite oder dritte Flasche.  Das Weingut Dr. Crusius ist für mich stets eine sichere Bank in Sachen Qualität und die Preise sind noch nicht so abgehoben wie bei einigen anderen Spitzenweingütern an der Nahe.

www.weingut-crusius.de

2001 Kirrweiler Mandelberg Spätlese trocken (Großes Gewächs), Weingut Bergdolt – Pfalz

93 Punkte – Selten hat eine fremde Verksotungsnotiz mit dem eigenen Erleben so 1:1 gepasst wie bei diesem Wein, lediglich die Kirschen habe ich nicht notiert und (zu) jung ist er auch nicht mehr, sondern voll auf der Höhe des Trinkgenusses. Wird sicherlich auf diesem Niveau noch 2,3 Jahre bleiben:

www.wein-plus.de 12.08.2002 Hervorragend (92)
"Tiefer, mineralischer Duft von Äpfeln, Zitrusfrüchten, Melonen, Trockenkräutern und etwas Gemüse mit einer Spur Kirschen. Sehr saftige, kraftvolle und hochnoble Frucht, bestens integrierte Säure, fest, kräuterwürzig und ausgesprochen mineralisch am Gaumen, tief und griffig, enorme Präsenz, große Länge. Noch extrem jung. Kann noch zulegen."

2002 Schloßböckelheimer Felsenberg Spätlese halbtrocken, Dr. Crusius – Nahe (Celerina 2)

90 Punkte – Ungemein klarer, ja glockenklarer Riesling mit herzerfrischender Saftigkeit und einer strahlenden Mineralität, würzig; aktuell mit herrlicher Reife, substanziell und druckvoll, zarter Zuckerschwanz, sehr reintönig, Sauerampfer, Pomelo, noch mehr Punkte liegen leider nicht drin, da etwas die Länge fehlt.

2002 Emrich-Schönleber, Monzinger Halenberg Riesling Spätlese trocken / Nahe

93 Punkte – Selten hat eine meiner Wein-Notizen auch 4 Jahre später noch so einen Bestand, wie bei diesem Wein. Die kräutrige, frische Mineralik in diesem saftigen Wein brilliert derart, dass man selbst nur jubilieren kann. Der Wein ist jetzt in Topform, er hat noch ein wenig zugelegt, er ist noch geschliffener und eleganter als vor 4 Jahren. Dieser Riesling ist so klar und saftig, man kaut und lutscht auf ihm rum – Schlucken möchte man ihn eigentlich gar nicht, doch selbst wenn man sich dazu hinreißen lässt, wirkt er lange nach. Großes Kino !!

1995 August Kesseler – Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Spätlese

85 – schön gereifter Riesling mit leichter Firne, exotischen Früchten (Mango, Papaya) und Noten von reifen Äpfeln und Mandarinen. Am Gaumen körperreich, ausdrucksstarke Frucht und einer noch sehr schönen Saftigkeit. Dieser Wein ist füllig und trinkig bis hin in der recht langen Abgang. Selbst nach Minuten kann man ihn noch vom Gaumen lutschen.  Trotz einer schönen Säure fehlt es ihm leider etwas an Struktur und Festigkeit. Trotzdem mag ich diesen Wein sehr, er ist wie ein sehr reifer Apfel, schon ein wenig "mehlig", aber dafür umso voller in der Aromatik und mit einer schönen Süße ausgestattet; kein Wein für Filigrantrinker.

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2002 Emrich-Schönleber – Halenberg Riesling Spätlese trocken – Nahe

92 Punkte- Eine herrliche Spätlese, geprägt von Druck, Mineralität und Finesse. Wunderbar klar und differnziert gezeichnet, dabei mit einer herrlichen Frucht (weisse Pfirsiche, dezente Citrusaromen) und einer Mineralität (die schon fast ein wenig weh tut, salzig). Abgerundet wird das Bild durch eine hervorragend eingepasste, frische Säure, die belebend wirkt und ´sich bis in den langen Abgang klar durchzieht. Ein Stoff, an dem man sich vorzüglich reiben, über den man philosophieren und diskutieren kann, aber dessen Qualität für mich außer Frage steht.

2000 Prinz von Hessen – Johannisberger Klaus Riesling Spätlese trocken

86 Punkte – (Ap. 260 23 012 01) Reintönige Nase, nahezu ohne jede Spur von Alterung, frische Noten von Steinobst, Äpfeln und  Citrusfrüchten sowie einem Hauch von Lindenblüten. Am Gaumen  frisch, klar, bissfest und mit eleganter Säure ausgestattet; animierende Art (12% Alkohol), die durch eine schöne Mineralik unterstrichen wird. Die Hand geht zum Glas –  der Wein überzeugt durch eine geradlinige Frucht (Apfel und Citrusfrüchte),  seine Frische, die Harmonie und einem guten, von Säure und Mineralik getragenen Abgang. Jetzt und die nächsten 1-2 Jahre auf dem Höhepunkt