Gottes Werk und Hammels Beitrag

Christoph Hammels 2014er Spätburgunder Kleinkarlbacher Herrenberg kam heute Abend ins Glas und es machte „Pling“. Victor Hugo soufflierte ins Ohr „Gott hat nur Wasser geschaffen, aber der Mensch machte den Wein“

Der 2014er Spätburgunder Kleinkarlbacher Herrenberg ist eine überaus gelungene Symbiose aus Charakter, Transparenz, Frische und feinsaftigem Trinkfluss. Herrlich duftig strömen die Aromen von Schattenmorellen, zarten Räucher- und Würzaromen aus dem Glas. Am Gaumen ein glückliches „Zunge-schnalzen“ – eine Art Reflex, der sich bei mir einstellt, wenn ein Wein sich ordentlich gegen den Gaumen drückt und gleichzeitig auf der Zunge tanzt. Die Tannine sind hintergründig und sensibel dimensioniert; mittelgewichtiger Stoff. Aromatisch ein überzeugend ausgewogenes Spiel zwischen reintöniger Pinot-Frucht, schön eingebundener Säure und dem mittelkräftig getoasteten, feinwürzigen Holz. Schattenmorellen, rote Johannisbeeren, ein Sip Orange – dazu Sandelholz, zart Geräuchertes und ein Hauch orientalisch-süßer Würze. Die Hand geht mächtig zum Glas, hoher Trinkfluss und schöne Länge.

Die Fässer wurden in der Tonnellerie Demtos in Saint-Caprais-de-Bordeaux hergestellt und sind eine Mixtur aus Vogesen und Pfälzer Eiche. Die Pfälzer Eiche stammt aus Johanniskreuz, einem Wald bei Kaiserslautern. Nach 24 Monaten im Holz wurden die Barriques in einem 1000 Liter Tank miteinander verschnitten und mit minimaler Filtration abgefüllt.

90 Punkte 2017 – 2023

P.S. Leicht belüftet in der geöffneten Flasche. Dazu schmeckten mir heute Abend ein Paranüsse als Naschwerk außerordentlich gut.

 

 

Berlin SPÄTBURGUNDER Cup 2015

2013_Fürst_Hundsrück (1)Genussmensch und Veranstalter Martin Zwick hat einmal mehr die besten deutschen Spätburgunder des neuen Jahrgangs zusammengetragen, um sie einem Verkostungsteam aus Weinschreibern, Weinhändlern, Sommeliers und Weinliebhabern zu präsentieren. Als Vertreter für den WEINWISSER (www.weinwisser.de) habe ich dieses Jahr auch den dritten Berlin Cup absolviert.

Das Jahr 2013 war für viele Winzer kein einfacher Jahrgang. Zur Ernte gab es eine feuchte und regnerische Periode, die schnell hohen Fäulnisdruck erzeugte. Mit einer „rapido“ Lese (teilweise mit verdoppelter Lesemannschaft) und penibler Traubenselektion konnte Mutter Natur vielfach ein Schnippchen geschlagen werden. Auch der Umstand, dass der Spätburgunder – anders als es der Name es vermuten lässt – eine eher früh reifende Rebsorte ist, war in manchen Regionen von Vorteil. Aus den bisherigen Erfahrungen kann ich zusammenfassend sagen:

  1. Der Jahrgang 2013 ist ein sehr schönes Burgunderjahr. Ein guter und präziser Säurebiss in Verbindung mit einer subtilen Burgunderfrucht bringen viele Wein weit nach vorne. Die Tannine sind meist fein und ausgereift, sodass grüne Noten kaum zu finden sind. Ein Terroirjahrgang, in dem man vieles über die Charakteristiken einzelner Lagen lernen kann.
  2. Der Umgang mit dem Holz hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, die meisten Winzer spielen inzwischen technisch perfekt auf dieser Klaviatur, einige beherrschen das Instrument inzwischen geradezu virtuos. Holzexzesse bzw. ein allzu ungeschickter Einsatz von neuem Holz scheint weitgehend der Vergangenheit anzugehören – wie schön!!
  3. Die Spitzengruppe der Erzeuger von guten und sehr guten Spätburgundern ist in den letzten Jahren – ähnlich wie beim Riesling – merklich breiter geworden. Eine für den Weingenießer in jeder Hinsicht erfreuliche Entwicklung.
  4. Ein wenig überraschend war, dass viele Weine jetzt schon – in ihrer Jugend – bereits sehr harmonisch sind und einen hohen Trinkfluss besitzen. Trotzdem sollte die ganz große Mehrzahl der Weine eine ordentliche Lagefähigkeit (mindestens 7 bis 10 Jahre) aufweisen. Die absoluten Topweine sind in den nächsten 15-20 Jahren gerne gesehene Kellerkinder, um dann mit viel Genuss perfekt gereift getrunken zu werden.

2013_Huber_Wildenstein

Referenzweine, die international keinen Vergleich zu scheuen brauchen und für mich global zu den großen Grand Crus gezählt werden können sind: Fürsts 2013 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder GG und Hubers 2013 Bienenberger Wildenstein GG Spätburgunder R. Großer Stoff, der jetzt eher am 2. und 3. Tag nach dem Öffnen genossen werden sollte, als am Tag des Öffnens.

Ganz knapp dahinter und unter Preis-/ Leistungsgesichtspunkten so attraktiv, dass man an ihnen nur schwerlich vorbeikommt (ich habe nicht widerstanden und bestellt): der 2013er Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG von Schnaitmann und der 2012 Pinot Noir Reserve; Auslese trocken von Koehler-Ruprecht (der genaue Preis kommt jedoch erst zur Freigabe des Weins Mitte 2016)

Siegerwein des Berlin Spätburgunder Cups ist der 2013 Kallstadter Saumagen Spätburgunder der Brüder Rings aus Freinsheim in der Pfalz. Die fabelhaften Baker Boys bedurften einer Susie Diamond alias Michelle Pfeiffer um ihr Talent in bare Münze umzuwandeln. Die Brüder Rings schaffen das auch ohne weibliche Unterstützung. Sie besitzen das richtige Gespür für ihre Lagen, den Wein, das Holz, die Balance und den Markt. Ihre Spätburgunder sind zwar nicht die ganz große, intellektuelle besonders wertvolle Weinoper, aber es sind Spätburgunder, die ein geiles Niveau haben und die gleichermaßen Freaks, Kritiker oder einfach „normale“ Weintrinker in großer Zahl begeistern. Pavarotti & Friends lässt grüßen.

2013 Pinot Noir Kalkstein – Frank John, Pfalz (€45,-)

Dunkles Rubinrot mit deutlicher Transparenz, fruchtig-süßer Ansatz, Walderdbeeren, Himbeeren, etwas Sauerkirsch; klare Frucht und schöne Säure; mittelgewichtig mit guter Struktur; dezent medizinale Note im Abgang. 86-88 Punkte

2013 Lorcher Kapellenberg Pinot Noir, QbA trocken – Chat Sauvage, Rheingau (€45,-)

Recht dunkles Rubinrot; dunkle, leicht vom Alkohol getragene Nase, etwas rauchig, geschnittenes Holz, saftiger Ansatz, schöne aromatische Tiefe mit festem Kern, gutes Tannin, klare Frucht; fest gewirkte, gute Struktur; Holz ist sehr gut eingebunden; druckvoll, mit guter Länge. 89-90 Punkte

2013 Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder, QbA trocken – Zelt, Pfalz (€25,-)

Mittleres Rubinrot mit leicht purpurnen Reflexen, viel Himbeeren und Kirschen, saftiger Ansatz, gute Säure, trinkig, etwas vordergründig und leicht dropsig, geht in Richtung easy drinking, ordentliche Länge; 86-87 Punkte

2013 Birkweiler Kastanienbusch Köppel Spätburgunder, QbA trocken – Siener, Pfalz (€17,50)

Dunkles Rubinrot, die Nase noch leicht vom Holz dominiert, dahinter dunkle Waldbeeren, leicht mineralische Komponente, mittlerer Körper, zugreifende Tannine, sehr ausgewogen und mit guter Struktur, hat schönen Widerstand. Insgesamt sehr stimmiges Bild. Bereits jetzt mit großer Freude zutrinken, aber auch mit gutem Potential. Geht in die burgundische Richtung. 90-92 Punkte

2013 Blauer Spätburgunder, QbA trocken – Karl H. Johner, Baden (€23,90)

Deutlich vom Holz geprägte Nase, viel Toasting, Rauch, Röstaromen, Zigarrenkiste. Dahinter dunkle Frucht, Zwetschge, Schwarze Kirsche, Tabakblätter. Am Gaumen überraschend fruchtig, mit guter Säure, aber auch leicht laktischen Noten, kraftvoll mit deutlichem Alkohol. Gut gemacht, Biber-Wein. 88-89 Punkte

2013 Spätburgunder Rhini, Landwein trocken – Ziereisen, Baden (€34,-)

Kühler, geschliffener Duft, dezent nach Beeren, Tomaten, leicht kräutrige Anklänge, zeigt Tannin und Struktur (aktuell aber noch leicht trocknend), kühl-herbe Ausrichtung mit deutlich mineralischem Nachhall. Balanciert, schöne Säure, insgesamt eher wenig Frucht, kräutrig, zart tabakig, hier steht Mineralik und Terroir im Vordergrund. 89-91 Punkte

2013 Ihringer Winklerberg Häusleboden Spätburgunder GG – Dr. Heger, Baden (€71,40)

Mittleres, ziemlich transparentes Runbinrot, sehr schöner Glanz, wunderbar balancierte, ruhige Art, feine Textur, eleganter Stil. Die Komponenten Frucht (rot- und dunkelbeerig, subtile Kirschfrucht), Tannin und Säure sind perfekt aufeinander abgestimmt; schöne Struktur; sehr klare und reintönige Art, richtig guter Stoff, feinsandiges Tannin, nachhaltig und subtil zugleich, erstaunlich früh zu trinken, aber mit gutem Lagerpotential 92-94 Punkte

2013 Freinsheimer Musikatenbuckel Spätburgunder, QbA trocken – Krebs, Pfalz (€28,-)

Geschliffene Frucht mit dezent holzwürziger Noten in der Nase, am Gaumen deutlicher von der Frucht geprägter Wein, Waldbeeren, Erdbeeren, rote Johannisbeeren, recht deutliches, noch etwas rauhes Tannin, dunkle Mineralik, pikante Säure, wirkt noch! nicht komplett harmonisch; trägt aber nachhaltig, kühl und lange am Gaumen. 89-90 Punkte

2013 Alsheim Spätburgunder, QbA trocken – Juwel Juliane Eller, Rheinhessen (€12,-)

Sehr helle, transparente rubinrote Farbe, noch ganz leichte Gärkohlensäure; leichte, rotbeerige Frucht, feinduftig, Schattenmorellen. Am Gaumen aber ein etwas saurer Geselle, dezent rauchige Noten, die eher transparente Frucht ist rotbeerig, schlank, letztlich ein wenig zu dünn. Wenig Tannin. 85-86 Punkte

2013 Avantgarde / Hölle Spätburgunder QbA trocken – Bergdolt-Reif & Nett, Pfalz (€16,-)

Frischer, feinsaftiger Ansatz, zeigt klare Frucht, wunderbar reintönig, es fehlt ihm etwas an Tiefe und Komplexität, feines Tannin, sehr stimmig. Trinkanimierend, sauber und gut! Schöne feinfruchtige Länge. 86-88 Punkte

2013 Marienglas – Untertürkheimer Gips Spätburgunder GG – Aldinger, Württemberg

Sehr kräutrig-erdige Geschichte, dezent rot-schwarzbeerige Fruchtnoten. Am Gaumen aromatisch tiefer Ansatz, feinsaftig; dezente, recht feine Tannine, mittelgewichtig, guter Saft, dunkle Beerenfrucht, etwas Kirsche, macht Freude. 88-89 Punkte

2013 Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG, – Heid, Württemberg (€25,-)

Bordeauxrot mit mittlerer Transparenz, tiefer Ansatz, feinsaftig, ernst, eher dunkelbeerig, Schattenmorellen; kühle Stilistik. Am Gaumen mit herrlicher Struktur und geschliffener Textur, feinsaftig, perfekte Tannine, großartige Tiefe, dunkler Ansatz, dunkle Kirschen, ein Hauch schwarze Oliven, Kräuter, Mineralik – hier ist alles an seinem Platz! 91-93 Punkte

2013 Spätburgunder Terra 1261, QbA trocken – Weingut Stadt Klingenberg / Benedikt Baltes, Franken (ca. €100 – als Teil einer Lagenkiste)

Helles Rubinrot mit mittlerer Transparenz. Feine, dezent rotbeerige Frucht, etwas roh-fleischige Noten, Nuancen von Kirschen und getrockneten Kräutern, filigran gewirkte Nase. Am Gaumen hochelegant, perfekte Balance, mit sehr schöner aromatischer Tiefe, verspielt, feine und noble Tannine, mineralische Anklänge, mit ganz vielen Facetten, besitzt eine wunderbare Leichtigkeit des Seins. Aristokratisch und subtil bis lange Finale. 93-94 Punkte

2013 Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG – Schnaitmann, Württemberg (€42,-)

Herrlich intensives und nachhaltiges Parfum; dicht und gleichzeitig vielschichtig und facettenreich – so schön! Am Gaumen ein wunderbare Aromen-Melange. Feinsaftig und eher kühl in der Aromatik, kein bisschen vordergründige Frucht, sondern eher vegetabil-kräutrige Noten, Kirschkerne, erdig und mineralisch; wunderbares Säurespiel, viel Substanz, noch recht fest gewirkt, aber mit sehr feinen Anlagen, nachhaltig und mit formidabler Länge. 93-95 Punkte

2013 Melandor Pinot Noir, QbA trocken – Metzger, Pfalz (€48,-)

Sehr klare und reintönige Burgunderfrucht mit herrlicher Fruchtsüsse, ziemlich dicht, saftig, hohe Frische, rote Frucht mit einem Hauch dunklem Holz. Feinsaftig und reintönig, geschliffene Tannine und eine wunderbar frische und perfekt integrierte Säure, animierend, das macht müde Seelen munter. Sehr stimmig und mit schöner Länge. 90-91 Punkte

2013 Pinot Noir, QbA trocken – Jülg, Pfalz (€36,-)

Sehr substanzgetriebener Wein mit viel Anspruch, eher dunkle Beerenfrüchte, tabakige Holznoten. Am Gaumen dicht gewirkte Frucht, die sich aktuell mit dem deutlichen Holz noch nicht richtig vermählt hat. Dunkle Beerenfrucht, rauchig erdige Noten, ganz schön dunkel ;-). Kraftvolle Tannine, strukturgetriebener Pinot. Wirkt ein bisschen gewollt, es bleibt abzuwarten, ob alle Komponenten mit ein, zwei Jahren Flaschenreife noch richtig zueinander finden. Jetzt 86-87 Punkte

2013 Kalkmergel Spätburgunder, QbA trocken – Wageck, Pfalz (€15,80)

Klare, transparente und etwas parfümiert wirkende rote Beerenfrucht. Am Gaumen mit frischer Saftigkeit, zeigt viel rotbeerige, süßlich wirkende Frucht, Erdbeeren, Himbeeren; wenig Tannin, etwas laktische Anmutung, eher leichtgewichtig. 85-86 Punkte

2013 Birkweiler Kastanienbusch Pinot Noir, QbA trocken – Siener, Pfalz (€32,-)

Ausdrucksvolle Frucht, dunkelbeerig, Kirsche, balsamische Anklänge, ein Hauch von dunkler Fleischsoße. Am Gaumen mit tiefer Aromatik, hat gute Substanz, feinsaftig mit schöner, dunkler Pinot-Frucht; feine Extraktsüsse; ein Hauch von Schokolade und balsamische Anklänge. Mittelgewichtig, mit sanfter Oberfläche und einem schönen, runden und mürben Tannin. Gute Verbindung von Holz und Frucht. Substanzreicher und hedonistischer Tropfen. 91-93 Punkte

2013 Probstey Spätburgunder QbA trocken – Thörle, Rheinhessen (€26,-)

Fruchtig holzduftige Nase mit Waldbeeren- und Cassisarmoatik. Am Gaumen ebenfalls eine Aromatik von reifen Waldbeeren, kombiniert mit Tabak-und Kakaotönen aus dem Holz, angenehme Saftigkeit, dezent mineralische Anklänge. Ordentlich gebaut; mittleres Tannin. Man wünscht sich etwas mehr aromatischen Ausdruck und Komplexität. 86-87 Punkte

2013 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG – Allendorf, Rheingau (€25,-)

Luftiger Ansatz, ein Spiel von Erdbeeren, roten Beeren und Rhabarber mit einem Hauch von Vanille. Insgesamt ein eher leichtfüßiger, subtiler Spätburgunder mit einer luftig-lockeren Frucht, dahinter auch mineralische Anklänge. Die Tannine passen in ihrer eher zarten Art zu diesem fruchtbetonten, mit guter Säure ausgestatteten Spätburgunder. Hatte es im in diesem Umfeld etwas schwer. 86-88 Punkte

2013 Hochheimer Stein Spätburgunder GG – Künstler, Rheingau (€ 24,90)

Im Kern rubinrot, am Rand jugendlich purpur. Das Bouquet verströmt eine Duft von Kirschen und reichlich Kräutern. Am Gaumen schlanker Ansatz mit festem Kern und herrlichem Widerstand. Die dunkle Seite der Macht bestimmt das Fruchtbild. Kirschkerne, erdig-würzige Anklänge und ein Hauch von Malz. Gut definierter, schlanker Körper, herrlich frische, mineralische Art, das Holz ist perfekt eingebunden. Im langen Finale eher leise und subtil. 91-92 Punkte.

2013 Muschelkalk Spätburgunder, Landwein – Enderle & Moll, Baden (€32,50,-)

Zu Beginn mit luftiger und ausdrucksvoller Frucht, noch etwas vordergründig, rote Beerenfrucht, Hagebutten, ein Hauch Cassis, auch getrocknete Kräuter und florale Anklänge. Am Gaumen mit aromatischer Tiefe und sehr klaren, reintönigen Aromen. Auch wenn noch nicht alles perfekt zueinander gefunden hat, überzeugt die aromatische Vielfalt. Feinsaftig, feiner Säurebiss. Klare Art und Frische; moderate und feine Tannine; ein schöner Luftikus/Seiltänzer mit Nachhall und der Leichtigkeit des Seins. 90-92 Punkte

2013 Niersteiner Paterberg Sptätburgunder GG – St. Antony, Rheinhessen (€32,90)

Tiefes Rubinrot mit noch dezent violetten Randreflexen. Ausdrucksvolle und tiefe Burgunderfrucht, vielschichtig, dunkel, Kirschkerne. Am Gaumen ebenfalls dunkle Beeren, verwoben mit einer komplexen Kräutrigkeit (getrocknete Kräuter). Viel Substanz und überaus strukturiert, es passt alles zusammen: die für einen Burgunder recht nachhaltigen Tannine, die trotzdem weiche Oberfläche, die schöne Säure, die sehr reintönige Frucht von dunklen Beeren und Kirschen, die aromatische Tiefe und der gute Extrakt. Herrlich zupackender Wein. Er gibt ein Versprechen für lang anhaltenden Genuss. 92-94 Punkte

2013 Saulheimer Hölle Spätburgunder, QbA trocken – Thörle, Rheinhessen (€29,-)

Dunkle Spätburgunderfrucht, noch von Holz und Toasting geprägte holzwürzige Nase. Am Gaumen mit guter aromatischer Tiefe und Substanz. Klar und mit dunkler Frucht, packt zu, hat Kraft und Tannin, eher kühl gewirkt mit erkennbarer Extraktsüße. Dezent kräuterwürzig, eher maskuliner Spätburgunder. 88-90 Punkte

2013 Dernauer Pfarrwingert Spätburgunder GG – Meyer-Näkel, Ahr (€48,-)

Dichtes Rubinrot. Dichte Waldbeerenfrucht, Erdbeeren, dezente Kräutrigkeit. Am Gaumen schöner Extrakt. Dunkle Waldbeeren, Kirschfrucht und Erdbeeren, dahinter dezent kräutrige Noten. Etwas Extraktsüße – abgepuffert mit schöner Säure. Insgesamt mittelgewichtig mit guter Frische und fein eingepassten Gerbstoffen. Ausgewogener und harmonischer Spätburgunder, der bereits jetzt gut zu trinken ist. 89-91 Punkte

2013 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder GG – Fürst, Franken (€94,-)

Rubinrot mit mittlerer Transparenz und schönem Glanz. In der Nase feiner, tiefer und kühl-mineralischer Ansatz, überaus reintönige Aromen, eher dunkelbeerig und kräutrig. Am Gaumen die gleiche reintönige und transparente Art. Baut viel Zug und Druck auf, viel innere Stärke, dabei nie schwer. Packt zu, feinwürzig, mit herrlichem Säurebiss und subtiler Extraktsüße; feinsaftig und überaus klar. Hedonistischer Wein mit riesigem Potential und tollem Harmonie-Versprechen. Großartig; feistes Teil! 94-96 Punkte

2013 Bienenberger Wildenstein Spätburgunder R / GG – Huber, Baden (€120,-)

Von Anbeginn eine ungeheuer subtile und vielschichtige Aromatik. Betörende Nase mit ätherisch/balsamischen Anklängen, feinen Kirsch- und dunklen Beerennoten, auch würzige Aromen. Am Gaumen eine vergleichbar komplexes Aromenspiel zwischen Frucht, Gewürzen (z.B. roter Pfeffer) und erdig, mineralischen Anklängen. Kühle, sehr geschliffene Art. Hier ist alles bestens definiert, passend dimensioniert und auf eine lange Zukunft hin strukturiert. Frucht, frische Säure, feingliedrige Tannine und ein wunderschönes, langes und elegantes Finale. Groß!  94-95 Punkte

2013 Berntaler Felsenberg Spätburgunder – Rings Pfalz (€?)

Subtanzreicher und reintöniger Duft, dunkle Beerenfrucht, viel Kirsche und eine schöne Röstaromatik. Am Gaumen ebenfalls viel Substanz, viel innere Spannung, eher dunkle Aromatik mit erkennbar mineralischen Anklängen. Gute Tannine, die Struktur bringen; schöne, feinsaftige dunkle Kirsch(kern)frucht, gute Frische & ein gut eingebundenes Holz. (Anmerkung: Weinberg in 2010 restauriert, in Naturschutzgebiet gelegen, mit Kalksteinmauern umgeben – quasi ein Clos. Jungfernjahrgang, sehr kalkige Böden mit etwas Eisen; nur 2 Barriques, bislang noch ohne Preis) 90-92 Punkte

2013 Kallstadter Saumagen Spätburgunder, QbA trocken – Rings, Pfalz (€38,-)

Kühler, intensiver Duft von rotschwarzen Beeren und Kirschen, durchzogen mit einem wunderbaren Potpourrie von getrockneten Kräutern und Gewürzen. Am Gaumen geil-saftig (sorry des Ausdrucks), tief und nachhaltig. Der Wein hat Power und Frische, ist klar, kühl und substanzgeladen. Insgesamt fest gewirkt, mit ein paar schönen Pölsterchen an den richtigen Stellen und runden, weichen, aber nachhaltigen Tanninen. Irgendwie ein crowdpleaser, aber aktuell passt hier einfach alles. Alles ist richtig dimensioniert, dicht und very sexy! Frisch & jung, mit schönem Schmelz und herrlicher Frucht. Es gibt viel zu entdecken in den Ecken und Winkeln dieses Weins. Vielleicht nicht der nobelste aller Spätburgunder, aber selbst ein Weinintellektueller wird sich dem Charme des Saumagens nicht entziehen können. Eine perfekte Spätburgunder-Praline, die irre lang am Gaumen haftet. Jetzt schon super zu trinken. 93-95 Punkte

2013 Teufelspfad Spätburgunder, QbA trocken – Braunewell, Rheinhessen (€22,50)

Schöner Spätburgunder mit fruchtig floraler Art, reintönige Art. Am Gaumen schöne Saftigkeit, viel Kirschfrucht sowie rote und schwarze Beeren, mittelgewichtig, recht konzentriert und mit passendem Holz abgerundet. Die ziemlich feinen Tannine sind gut eingepasst, die Säure ist stimmig und die mineralische Note im Hintergrund gibt ihm eine kühle Note. Insgesamt ein sehr schöner und stimmiger Wein, der gute Anlagen mitbringt und gut ausbalanciert ist. 89-91 Punkte

2013 Koepfle Spätburgunder; QbA trocken – Henrik Möbitz, Baden (€39,-)

Dunkles Rubinrot mit mittlerer Transparenz und schönem Glanz. Tiefe aromatische Art, subtil und kraftvoll zugleich, eine gewisse Form von Kargheit, dafür herrlich mineralisch und mit herben Zug, feine Tannine, insgesamt vielschichtig, aktuell noch sehr jung und mit starkem Terroirausdruck. Richtig guter Stoff! 91-92 Punkte

2012 Pinot Noir; Auslese trocken – Koehler-Ruprecht, Pfalz (ca.€20,-)

Klare, dunkle Beerenfrucht mit deutlichen Kirschnoten, aber auch etwas medizinale Anklänge. Am Gaumen kraftvolle Art mit guter innerer Spannung; vielschichtige, eher herbe Frucht. Mittleres Tannin, packt trotzdem zu, gute Säure. Animierend. Schöne Länge. 89-91 Punkte

2012 Pinot Noir Reserve; Auslese trocken – Koehler-Ruprecht, Pfalz (k.A. erscheint Mitte 2016)

Tief und vielschichtig, mit sehr schöner Dichte und viel innerer Spannung, feinsaftig mit schönem Spiel und superber Frische Die Tannine sind feinkörnig. Viel innere Spannung und doch ungemein variabel und komplex. Das neue Holz ist bestens integriert und die leichte nussig-schokoladige Röstaromatik fügt sich perfekt ein. Zupackend und gleichzeitig hedonistisch. Dann bleibt der Zettel leer und die Deklination einzelner Aromen fehlt – habe einfach gedankenverloren genossen! Für eine Zahl auf dem Papier hat es nach der Träumerei dann doch gereicht: 93-94 Punkte

2012 Brauneberger Klostergarten Spätburgunder** – Molitor, Mosel (ca.€45,-)

Feiner und frischer Duft von dunklen Kirschen, rotbeerige Noten zusammen mit kühlen erdigen und mineralischen Anklängen. Am Gaumen ebenfalls sehr klar, kühl und reintönig. Wieder eine schöne Melange aus dunkler Sauerkirschfrucht und kühlen mineralisch-würzigen Anklängen, schwarzer Pfeffer, auch etwas kalter Rauch. Insgesamt mit schöner innerer Spannung, gutem Säurebiß und klarem Ausdruck. Viel Potential, wirkt sehr burgindisch. 90-92 Punkte

2012 Brauneberger Klostergarten Spätburgunder*** – Molitor, Mosel (ca.€80,-)

Sehr tiefe Burgundernase, unglaublich klar und reintönig, gerade aus und doch äußerst vielschichtig, es benötigt viel Zeit im Glas, damit der Wein sich zu offenbaren beginnt. Es deutet sich erst langsam an, was in dem Wein steckt. Dieser Stoff ist für ein langes, genussvolles Leben bereitet und stellt die hohe Winzerskunst dar. Sehr pur und rein, mit viel innerer Vibration und sehr fein definierten Aromen, dunkelfruchtig, dunkle Sauerkirschen, blütige Anklänge. Die Tannine bilden Struktur, sind in ihrer Wahrnehmung aber sehr feinkörnig und weich. Wunderbarer Tropfen mit riesigem Zukunftsversprechen. 91-94 Punkte

2012 Westhofener Morstein Spätburgunder GG – Gutzler, Rheinhessen (€31,-)

Recht dunkle rote und schwarze Frucht, deutlich vegetabile, herbe und erdig-mineralische Anklänge im Duft und am Gaumen; am Gaumen auch tabakig-kräutrige Anklänge. Insgesamt ein sehr individueller Spätburgunder, der einen etwas herberen Stil charakterisiert. Die für einen Spätburgunder straffen Tannine sind ebenso gut eingebunden wie das moderate Holz. Erkennbar strukturierter und nicht auf vordergründiger Frucht aufbauender Charakter. Gute Länge. Lagerpotential. 88-90 Punkte

2012 Großkarlbacher Burgweg Spätburgunder, QbA trocken – Wageck, Pfalz (€28,90)

Interessanter Stoff, in der Nase mit kühler Frucht, herbe rote Beerenfrucht, durchzogen mit ein paar kräutrigen Noten. Am Gaumen extraktreicher Stoff, mit feinsaftiger Frucht und schönem Schmelz, der insbesondere auch aus dem deutlichen, aber sehr gut integrierten, Fassausbau stammen dürfte. Erkennbare Extrakt- und Holzsüße, aber am Gaumen auch dunkle Früchte wie Pflaumen, kombiniert mit Kirschen, ein bisschen Schwarzwälder Kirsch. Schöner Zug und ordentliche Länge. 86-88

2012 Pinot Noir Reserve – Koch, Baden (€48,-)

Hellrot, transparent mit schönem Glanz. Herrlich reintönige Nase, vielschichtig, mit einer wunderschönen roten Beerenfrucht, feine Fruchtsüße, rote Johannisbeeren, Schattenmorellen. Am Gaumen eher zart, mit seiner eher kühlen roten Beerenfrucht tanzt er auf der Zunge, ist verspielt, aber nicht kitschig, die gute Struktur bleibt im Hintergrund. Der schöne Säurebiss passt sehr gut zu seiner feinsaftigen Frucht. Mit macht dieser reintönige und sehr klare Spätburgunder sehr viel Spaß. Gerade als letzter Wein in einer 41 Spätburgunder umfassenden Probe, überzeugt mich die 2012er Ausgabe von Holger Kochs Pinot Reserve sehr. Ich werde wieder munter! 91-93 Punkte

Spätburgunder vs. Pinot Noir

Die oft beschäftigte, aber nie gelöste Frage: kann deutscher Spätburgunder gegenüber den Brüdern und Schwestern aus Burgund bestehen, stand im Mittelpunkt der Verkostung an diesem Abends.

Einmal mehr hat der liebe Stephan – vielen auch als octopussy im Weinforum (www.dasweinforum.de)  bekannt – in Hamburg zu einer spannenden Probe geladen. Die Probannten der Verkostung waren ideal gewählt  – weder trat David gegen Goliath an, noch wurde jugendliche Ungestümtheit auf honorige Altersweisheit losgelassen. Auch ein DFB-Pokal ähnliches Spiel, bei dem ein Kreisliga-Verein (Village) auf Champions League Teilnehmer (Grand Cru) trifft und alle auf ein Wunder hoffen,  war von Anbeginn in diesem Wettbewerb ausgeschlossen. Lediglich bei der regionalen Immatrikulation zur Probe war Stephan bei den französischen Pinots etwas großzügiger, als bei den deutschen Spätburgundern –  letztere bekamen nur eine Zulassung zum Spielbetrieb, wenn sie aus Baden stammten. Preislich lagen die Weine des Panels pro Flasche zwischen Euro 20 und Euro 45. Da in der Runde der Verkoster das Thema Transparenz als Qualitätsmerkmal  an diesem Abend eine Rolle spielen sollte, wäre ein Vertreter des deutschen Meisters in Sachen Transparenz (R.Fürst aus Franken) ein wünschenswerter  Sparringspartner gewesen, denn die Badener  Winzer setzen  fast schon traditionell  mehr auf Struktur und Tannin.

Alle Weine entstammten dem Jahrgang 2007 und wurden paarweise blind serviert. Neben der Frage der Qualität stand die Frage der Herkunft (Deutschland oder Frankreich) im Fokus. Darüber hinaus gab es von jedem Winzer 2 Weine an diesem Abend zu verkosten und im Ablauf der Probe sollte man matchen, welche Weine vom gleichen Winzer stammten. Letztere Fragestellung ist insbesondere vor dem Hintergrund einer erkennbaren(?) Handschrift des Winzers – unabhängig von der genauen Lage – interessant.

Mehr Details zum Probenablauf und weitere Verkostungseindrücke findet Ihr unter: http://www.dasweinforum.de/viewtopic.php?f=29&t=3324

2007 Spätburgunder Schlatter SW, Weingut Martin Waßmer – Baden

87 Punkte – kühle Nase, deutliche Erdbeerfrucht, dunkel, klarer Holzeinsatz, rauchig, speckig, Holzkohle, maskulin, Kräuter, stemmiger Spätburgunder, der in dieser Art nur aus Deutschland kommt. Am Gaumen vergleichbares Aromenbild – recht knackig, gute Säure, dezente Extraktsüße, viel Tannin, dass etwas sperrig wirkt und die Vermutung nahe legt, dass hier mit den Stengeln vergoren wurde. Frucht von Erdbeeren, Himbeeren kombiniert mit Speck und Kohle, letztlich ein Wein, der wie aus dem Baukasten zusammengesetzt erscheint. Die 87 Punkte sind schon ein Anleihe auf eine weitere Flaschenreife, die die Komponenten etwas mehr vermählt.

2007 Morey St. Denis 1er Cru „Charmes“ Pinot Noir, Lignier-Michelot – Burgund

89 Punkte – in diesem Flight war klar, dass dies der Franzose sein muss. Etwas unauffällige Nase – tut weder weh, noch zeigen sich besonders komplexe Charaktereigenschaften; die zarte, klare  Burgunderfrucht ist jedoch positiv zu vermerken. Am Gaumen hat er es nach dem Waßmer recht leicht, denn sowohl in der A-, wie auch der B-Note liegt er klar vorne. Technisch  ein einwandfreier Pinot, da passen Frucht, Säure und die zarten Tannine zueinander. Aber 3- oder gar 4-fach Sprünge sowie besondere Pirouetten – lässt er sicherheitshalber aus. Auch im künstlerischen Ausdruck bleibt er mir zu unbestimmt. Positiv hervorzuheben ist, dass er mit einer schönen Leichtigkeit über das Eis schwebt und gröbere Fehler einfach vermeidet. Leichtfüßig; ordentlich strukturierte, hellrote Frucht; ein wenig Süßholz und Kirsch. Positiv: schöne Mineralität; präziser Wein mit guter Länge.

2007 Nuits St. Georges 1er Cru „Perrières“ Pinot Noir, Regis Forey – Burgund

91 Punkte – kräftig in der Farbe. Frisch im Glas eine recht animalisch transpirierende Nase, mit Luft wird er immer klarer und baut im Glas herrlich aus. Dunkle, kühle Aromatik, mit Noten von Cassisgelee, Kirschkuchen mit Streuseln, auch ein Touch Menthol. Am Gaumen ein klares, substanzvolles Bild. Knackige Beerenfrucht im Morgentau, klar definiert, schöne Substanz und Frische! – große Freude, die Hand geht zum Glas. Hat noch viel Potential!

2007 Spätburgunder Schulen, Weingut Ziereisen – Baden

85 Punkte – In der Nase eine kräftige, aber wenig schmeichelnde Frucht, Holzkohle und angebranntes Gummi. Am Gaumen durchaus mit fruchtigen Anlagen, die aber gegen die sperrigen und leider etwas grün wirkenden „Holzsaftnoten“ nicht ankommen, Cassis, Erdbeeren, insgesamt aber zu klotzig und sperrig, wirkt im Abgang auch etwas bitter. Aktuelle gewinnt man den Eindruck, dass das Holz die Frucht absorbiert und auffrisst. Aber Wunder geschehen beim Wein immer wieder…

2007 Savigny-lès-Beaune 1er Cru „Aux Guettes“ Pinot Noir, Jean Marc & Hugues Pavelot – Burgund

85 Punkte – triple „k“ – kalkig, konsequent, karg  & furztrocken – ein Kollege am Tisch formulierte es bildlicher und traf den Nagel auf den Kopf: „ein humorbefreiter Karatekämpfer, der den Tisch zerlegt“. Sehr geradeaus, wenig Spiel, viel Tannin für einen Pinot; deutlich von der Struktur geprägt; positiv auch hier die Mineralik. Ein idealer Stoff für Wein-Masochisten oder wie Carsten Klemann einmal sagte: „Frucht ist deutlich überbewertet“ – <lach> Den Spruch im Zusammenhang mit Wein finde ich – selbst nach Jahren – immer noch grandios!

2007 Spätburgunder Bombacher Sommerhalde GG, Weingut Bernhard Huber – Baden

89 Punkte – Zu Beginn etwas irritierende Reste von Kohlensäure, die sich im Glas verlieren. Stoffiger Spätburgunder mit rotbeerigen Fruchtnoten; fruchtig-beerige Süße. Baut im Glas aus und gewinnt an Kontur, dann auch dezent würzige Noten – Sanddorn, ein Touch von Kreuzkümmel.  Zum Sprung über die 90er Punktegrenze müsste er an Länge zulegen – die wollte oder konnte er an diesem Abend nicht zeigen.

2007 Chambolle Musigny 1er Cru Les Charmes Pinot Noir, Domaine Ponsot – Burgund

93 Punkte – Diese Flasche war ein „Mitbringsel“ eines Weinfreundes an diesem Abend und stand eigentlich als Essenbegleiter außerhalb des panels, aber für mich entpuppte sich dieser Chambolle Musigny 1er Cru als benchmark, an der sich alle anderen Vertreter an diesem Abend messen lassen mussten.

Zu Beginn dezent animalische Nase, die schnell verfliegt – dann ausgesprochen duftige, feinfruchtige und spielerische Nase. Am Gaumen mit feiner Säure, weichen Tanninen und einer feingliedrigen, transparenten Aromatik. Rote Beeren, feine Marzipansüße; erweckt die Aufmerksamkeit und zeigt Präsenz ohne jeden „lauten“ Ton.  Einziges Manko an der Geschichte – das Glas war zu schnell leer.

2007 Spätburgunder „Rhini“, Weingut Ziereisen – Baden

89 Punkte – Kräftiges und ausdrucksvolles Bukett mit Noten Von reifen Erdbeeren, Kirschen und kräutrigen Anklängen; deutlicher Holzeinsatz, aber deutlich besser gemanagt als beim „Schulen“. Am Gaumen kühl, mit guter Struktur und Substanz; deutliche Mineralik – kalkig. Der Wein zeigt Druck und Frische, ein guter Spätburgunder, auch wenn seine Persönlichkeit nicht durch Frucht und Süße geprägt ist.

2007 Pernard-Vergelesses 1er Cru Les Vergelesses Pinot Noir, Jean Marc & Hugues Pavelot – Burgund

88 Punkte – glockenklarer, kühler und dunkelfruchtiger Pinot, Noten von Brombeeren und Cassis. Am Gaumen Typ Ausdauerläufer: sehnig und etwas verbissen, dafür mineralisch und klar. Gewinnt mit Luft etwas an Süße und baut aus, aber insgesamt – auch auf Grund seiner etwas stumpfen Tannine – eher ein akademischer, verkopfter Pinot, dem die „Freude am Sein“ etwas abgeht.

2007 Morey St.Denis 1er Cru Les Chenevery Pinot Noir, Lignier-Michelot – Burgund

88 Punkte – Würzig-süße Nase, zugänglich und reif, ein kleiner Schmeichler. Kann sein Versprechen am Gaumen nicht ganz einlösen. Fruchtig, mit orientalisch-würzigem Einschlag; angenehm saftig mit verspielter Süße, Süßholz, mit etwas Luft entwickelt er auch erdige Noten; ordentliche Säure. Im Gesamteindruck wirkt er jedoch eher wie ein vollgesogener Stoff, dem es an Leichtigkeit mangelt – dieser Teppich fliegt nicht. Die mangelnde Länge im Abgang bestätigt für mich diesen Eindruck.

2007 Pinot Noir GC, Weingut Martin Waßmer – Baden

90 Punkte – Tiefe Nase, substanzreich.  Teer, Speck und Rauch sind interessant verwoben mit einer kräftigen Kirsch- und Cassisfrucht. Am Gaumen ein ebenso körper-  und substanzreicher Pinot mit kühlem Ansatz; neben den kräftigen Fruchtnoten offenbart er auch Anklänge von Waldboden, Menthol und edlen Hölzern. Opulenter, in sich schlüssiger Pinot mit guter Länge.

2007 Nuits St. Georges 1er Cru Les St. Georges, Regis Forey – Burgund

91 Punkte – Kühle, etwas reduktive Nase. Sehr klar – in der Frucht mit deutlichen Cassisnoten – etwas ungewöhnlich für Pinot Noir. Am Gaumen mit Druck und Struktur, zeigt eine schöne Mineralik, gepaart mit einer herrlichen Kirschfrucht. Hat noch ein gutes Potential .

 2007 Hecklinger Schlossberg Spätburgunder GG, Bernhard Huber – Baden

93 Punkte – Helltönige Farbe. Helle, frische und verspielte Frucht (rote Beerenfrüchte; Himbeeren, Erdbeeren)– fein und aromatisch zugleich. Kein Schwergewicht, sondern der Wein wirkt straff und gleichzeitig beschwingt; moderate Säure. Die Frucht zeigt ebenfalls helltönige Aromen von nicht komplett ausgereiften Pfirsichen, Pflaumen, Himbeeren und Kirschen. Ein Wein mit schöner  Struktur und gutem Alterungspotential – hier ist nichts gewollt, hier darf alles so sein, wie es ist. Macht viel Freude!!

Das FAZIT der Probe: Ich weiß nur, dass ich nichts weiß. Tendenziell fiel die Länderzuordnung (Deutschland oder Frankreich) richtig aus, trotzdem kann man nicht von einer klaren Stereotypizität eines französischen Pinots oder deutschen Spätburgunders sprechen. Hinsichtlich der Qualität im Glas, erst recht nicht. Was bleibt? Die Qual der Wahl. Das Angebot ist breit und es hilft nur eines: Selbst verkosten, trinken und eigene Vorlieben entdecken –   grundsätzliche Qualitätsunterschiede zwischen Pinot und Spätburgunder gibt es nicht.

1998-2008 Spätburgunder SD, Weingut Jacob Duijn – Baden

Schon lange liegen ein paar Flaschen Spätburgunder vom Weingut Duijn in meinem Keller. Jedes Jahr kamen ein paar wenige hinzu, aber getrunken habe ich meist „nur“ den Spätburgunder „Jannin“, also den Spätburgunder, den Jacob Duijn aus seiner Parzelle im Altschweier Sternenberg  erntet und der – preislich gesehen – die Mittelklasse des Hauses darstellt. Ein, zwei Flaschen der Luxusklasse, also dem SD aus der Lage  Bühlertaler Engelsfelsen habe ich stets auf die Seite gelegt und mir vorgenommen, sie im Rahmen einer Vertikalprobe mit Freunden zu studieren und zu genießen. Als nun auf einer  unserer letzten „Arbeitsproben“ das Gespräch auf deutschen Spätburgunder kam und in diesem Zusammenhang ein Kollege meinte: „also vom immer hoch gelobten Duijn habe ich noch nichts Besonderes getrunken“, war die Zeit reif, meine kleine SD-Sammlung zu opfern, denn nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Weinen von Jacob Duijn war ich diametral anderer Meinung.  Aber bekanntlich liegt die Wahrheit im Glas. Auf unserem allmonatlichen Jour fixe (also unserem Arbeitstreffen) standen im Mai die Spätburgunder SD 1998 bis 2008 aus dem Hause Duijn. An dieser Stelle sei nochmals Anne Seifried, der Lebenspartnerin von Jacob Duijn, gedankt, die in einer tollen Hau-Ruck-Aktion noch am Freitagnachmittag die beiden letzten Jahrgänge auf den Weg nach Hamburg gebracht hat, sodass wir am nachfolgenden Montag auch die Jahrgänge 2007 und 2008 in unserer Verkostung anstellen konnten.

Um die Weine besser verstehen und einordnen zu können, sind ein paar wenige Informationen zu Jacob Duijn und seinen Weinen sicherlich wichtig. Für mich die beste Nachricht vor ein paar Jahren war, dass Jacob auf biodynamischen Anbau umgestellt hat. Ich persönlich bin von diesem nachhaltigen Konzept sehr überzeugt und freue mich über jeden einzelnen Winzer, der diesen Weg einschlägt, denn nur durch die Rückbesinnung auf die Natur – bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Natur – kann einerseits das Terroir vollumfänglich im Wein zum Ausdruck gebracht werden  und gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Der Verzicht auf Chemie im Weinberg ist dabei nur ein Bruchteil der Philosophie, viel wichtiger ist die Idee, das natürliche Gleichgewicht und damit die natürliche Widerstandskraft von Boden, Pflanzen, Tieren und somit natürlich auch der Reben wiederherzustellen. Das Ergebnis sind von Natur aus gesunde und wohlschmeckende Trauben, die das Terroir und den Jahrgang zu 100% widerspiegeln können. Ganz selbstverständlich gehört für mich zu dieser Idee auch die Vergärung mit den natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller, Reinzuchthefen haben da nichts zu suchen. Insofern ist auch „demeter“ zu kritisieren, die Ihren zertifizierten Winzern erlauben, mit Reinzuchthefen zu arbeiten. Doch Jacob Duijn ist konsequent und setzt weder Reinzuchthefen ein, noch werden die Weine geschönt oder gefiltert. Letztlich wird jede  Form von Manipulation des natürlichen Ausdrucks vermieden und das ist für mich  genau das Gegenteil von Langeweile im Wein, das ist Spannung, Veränderung und Genuss  und damit Basis für eine sowohl intellektuelle als auch sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein.

Die Lage Bühlertaler Engelsfelsen ist geprägt durch Granitverwitterungsboden mit aufgeschlossenem Granit, der „dem Boden in einigen Grand Cru Lagen des Beaujolais sehr ähnelt“ (vgl. Braatz, Sautter, Swoboda, Holler: Weinatlas Deutschland, S. 182). Der Rebbestand für den SD ist im Schnitt über 40 Jahre alt; der Ertrag liegt gemäß Webpage (vgl. www.weingut-duijn.de) bei ca. 25 hl/ha. Das Lesegut wird weitgehend von Hand entrappt,  jedoch werden 20% der Stiele mitvergoren und die Gärung findet in 3000 Liter großen Holzbottichen statt. Die 2.Gärung erfolgt während der Lagerung im Barrique, die Weine liegen dort ca. 24 Monate.

Wir verkosten in unserer Gruppe schon seit vielen Jahren Wein, doch selten gab es eine so homogene Bewertung. Nachfolgend schildere ich meine – höchst subjektiven – Eindrücke zu den einzelnen Jahrgängen:

 

1998

Reife Farbe mit leichtem Wasserrand und orangenen Anklängen;  zur Mitte hin ziegelrot; etwas matt. Die Nase ist geprägt von einem schönen Duft von verwelkten Blüten und getrockneten Kräutern, dazu ein wenig rauchige Noten (Toast), reife Erdbeeren.  Das schöne und differenzierte Bukett schraubt die Erwartungen hoch, doch am Gaumen kann er nicht ganz das Niveau halten: Kühle Art, mit deutlicher Mineralik, mittelgewichtig; die recht kräftige Säure verleiht ihm einen Ausdruck von Frische. Neben dem mineralischen Eindruck, fällt das sehr abgebaute Tannin auf. Erst langsam entfaltet sich ein Aroma von Kirschen und schwarzen Pfeffer, das auch den Abgang prägt. – 89 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88

 

2000

Deutlich glänzender und strahlender als der 1998er, auch in der Farbe frischer.  Gereifter Pinot mit ausdrucksvollem, fest gewirktem Bukett;  eher dunkles Beerenaroma, aber auch Erdbeeren, klare Note von getoastetem Holz, leicht rauchig. Die Nase ist nicht ganz so edel und ausdifferenziert wie beim 1998er. Am Gaumen zeigt der 2000er SD dafür eine schöne, dichte und rotbeerige Frucht, feine Tannine und Anklänge von gebranntem Holz. Insgesamt ein ziemlich geradliniger Typ, mit feinem Schmelz und korrespondierenden Tanninen. Die Mineralität ist ebenfalls nicht ganz so ausgeprägt wie beim 98er, aber immer noch gut wahrzunehmen; auch im Abgang erscheint mir der 98er etwas länger. – 88 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88,2

2001

Das Fazit vorweg – wow, was für ein feiner, tiefgründiger und finessenreicher  Spätburgunder.  Eine Flasche von diesem  2001 Spätburgunder  SD,  ggf. noch ein gutes Buch und  das Leben meint es wirklich gut mit Dir.  Der Wein duftet herrlich;  die tiefen und vielschichtigen Aromen strömen einem förmlich entgegen -betörend!!  Zitat am Tisch: „Was für eine geile Nase!“  – man kann es sicherlich feiner artikulieren, aber im Ergebnis ist dem nichts hinzuzufügen 😉

Aroma für Aroma entwickelt dieser wunderbare Spätburgunder; da findet man Noten von getrockneten Kräutern (z.B. Kamille und Salbei),  Orangenschalen, Erdbeeren, aber auch Jod und Tabak.  Insgesamt ein wahres Wunder an Komplexität und Differenziertheit.  Am Gaumen das Spiegelbild der Eindrücke aus der Nase. Der 2001er SD bietet eine hervorragende aromatische Tiefe, ist dabei  kompakt & kraftvoll und bietet dem Gaumen Widerstand. Ein nahezu  perfektes Bild entwickelt sich auf der Zunge:  die Kombination  aus  feiner Saftigkeit, unterlegt mit einer reifen Säure und  perfekt eingebundenen Noten aus dem Barrique-Lager bilden hier die Grundlage. Hinzu kommt ein Spiel  aus Kraft und Muskeln einerseits und differenzierter Frucht und Anmut andererseits.  Diesem so erzeugten Spannungsbogen kann man sich als Genießer kaum entziehen.   Der 2001er Spätburgunder SD von Jacob Duijn zeigt sich lang und elegant im Abgang und auch hier weiß er mit seiner  höchst komplexen Art zu betören. Einmal, durch etwas Belüftung der Flasche nach dem Öffnen in Fahrt gekommen, tragen seine Anlagen ihn weit über 90 Punkte-Linie  und das lange Finale brennt sich in die Erinnerung  eines jeden Weintrinkers ein. – 95 Punkte / Durchschnitt der Runde: 94,2

2003

Nach den bereits drei verkosteten Jahrgängen 1998,2000 und 2001 strömt dieser Wein mit einer so tiefen und satten Farbe ins Glas, dass man sich fragt, welcher Dunkelfelder hier farbgebend war 😉 Natürlich ist das nicht der Fall, sondern die auffallend dunkle Farbe dürfte ein Spiegelbild des Hitzejahres 2003 sein (dickere Beerenschalen?)

In der Nase wirkt der Wein zunächst recht verschlossen, dann entfaltet sich eine dunkle Frucht, mit einem deutlichen Kirscharoma und Anklängen an Gewürze wie z.B. Nelken.  Auch am Gaumen ein für Spätburgunder eher ungewöhnliche Aromatik; mich erinnert er an die Donauwellen meiner Mutter, da gehen Knubberkirschen, Schokolade und Buttercreme eine wunderbare  Koexistenz ein.  Die 2003er Ausgabe des SD ist konzentriert, fleischig und körperreich; die Tannine sind spürbar, reif und rund. Die für diesen Jahrgang sehr gute Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner „fetten“ Anlagen ausgewogen und nicht zu schwer erscheint. Schöner, fester Kern, saftiger Stoff und ein Hauch von Minze im mittellangen Abgang. Mich erinnert der Wein eher an einen Supertoscan als an einen dt. Spätburgunder, trotzdem gefällt er mir gut und die 88 Punkte ist er allemal wert. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 87

2004

Auch der 2004 SD ist in der Farbe auffallend farbintensiv. Die Nase ist zu Beginn recht verschlossen und er braucht Luft im Glas, um sich zu öffnen. Der kompakte Eindruck bleibt jedoch; in der Aromatik eher dunkelbeerig, erinnert an Heidelbeeren;  auch eine zarte Tabaknote fällt auf. Am Gaumen ist der 2004er SD mit einer schönen, tiefen Aromatik ausgestattet;  er zeigt viel Extrakt und dezent würzige Noten. Der Wein ist sehr klar, in seinen Proportionen  bestens definiert und seine frische, mineralische Art erzeugt eine hohe Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Die Tannine wirken geschliffen und in seiner Anmutung  geht er in Richtung des 2001er Jahrgangs, jedoch ohne die  überaus betörende Differenziertheit und Finesse  des 01ers entwickeln zu können.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 89,8

 

2006

Der 2006er SD ist zu Beginn in der Nase diskussionswürdig, denn er hat im ersten Moment einen recht deutlichen „Stinker“, der zwar mit der Zeit verfliegt, jedoch die ersten Eindrücke prägt. Am Tisch wurde diskutiert, ob es ein kleiner Böchser ist oder ob es die Nachklänge der spontanen Vergärung sind. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Jahrgang die Schwefelgabe etwas höher ausgefallen ist und dass dadurch der Wein nicht zu 100% reintönig wirkt. Am Gaumen zeigt er sich von seiner saftigen Seite. Im Mund kühl und mit einer erkennbaren Mineralik ausgestattet. Er ist aromatisch tief sowie stoffig und konzentriert ins seiner Art. Die Tannine sind edel, stattlich und verleihen dem Wein das nötige Rückgrat,  aber das Holz wirkt (noch)  nicht komplett integriert und die leichte Bitternote hinten heraus sowie der – im Vergleich zu den anderen Jahrgängen – recht kurze Abgang sorgen dafür, dass der 06er Jahrgang die rote Laterne als Schlusslicht unserer Verkostung überreicht bekommt.  – 87 Punkte/  Durchschnitt der Runde: 85,6

 

2007

Mit der 2007er Ausgabe des SD scheint sich der Stil des Weins etwas verändert zu haben. Bereits in der Farbe wirkt er heller.  Auch im Bukett und am Gaumen erscheint mir der Wein zu Gunsten der Finesse und Differenziert  etwas zarter und weiblicher geworden zu sein.  Der Alkohol mit 12,5% ist moderat und auch beim Holzeinsatz vermute ich eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren. 

Bereits in der Nase deutet der 2007er SD seine Klasse an, er wirkt schon in seiner Jugend edel und komplex. Die Aromatik ist geprägt durch Noten von roten Beeren, Anklängen an grünen Pfeffer und verschiedene herbe  Kräuter. Auch am Gaumen zeigt er ein beachtliches Spiel: eine feine,  differenzierte  Frucht, gepaart mit einer tiefen Mineralität  und edlen Aromen aus dem Holz, die bereits jetzt schon sehr gut integriert sind. Der Wein wirkt auffallend kühl und ich denke an Pinots aus der Region Sancerre, die dort auf sehr kalkhaltigen Böden wachsen; der SD spielt jedoch in einer höheren Liga.

Die Klasse des 2007er SDs lässt mich träumen, bei so einem Wein kann man Zeit und Raum vergessen und sich nur mit dem Inhalt des Glases beschäftigen. Dieser Spätburgunder  verbindet einen festen,  strukturbetonten Kern mit einem hohen Maß an Kraft, Eleganz und Anmut  – ich fühlte mich an eine wunderbare Giselle-Aufführung in einer Choreographie von John Neumeier im Hamburger Opernhaus erinnert. Tolle Länge !! Ich bin sehr gespannt, ob der Wein mit dem Alter noch etwas zulegen kann – 93 Punkte / Durchschnitt der Runde: 92,4

2008

Der 2008er wirkt im Glas noch einen Tick heller als der 07er.  Die Nase ist noch geprägt von einer Primärfrucht und ein  Noten  der Spotanvergärung.  Zur Zeit  erinnert er mich noch an einen Grand Cru aus dem Beaujolais: Veilchen, Kirscharomen, Bonbon;  dazu  zarte Röstaromen aus dem Holz.  Am Gaumen auffallend weich und seidig; sehr schön saftig.  Die leichte Extraktsüße und die frische Säure sind noch deutliche Boten der Jugend. Die Mineralik ist gut erkennbar, die Tannine sind feinkörng. Der Wein besitzt  – schon wie sein Vorgänger aus 2007 – einen festen Kern und erstaunlich viel Spiel für sein geringes Alter. Zurzeit hat er noch nicht ganz das Niveau des 2007ers erreicht, aber ich denke, er wird noch ein wenig zulegen. Schöne Länge.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 90,4

 

 

 

 

2002 Philippi Spätburgunder „R“, Koehler-Ruprecht – Pfalz (Ski12)

91+ Punkte – Eigentlich hätte ich drauf kommen müssen, denn wenige Wochen zuvor hatte ich einen 1989er Pinot Noir aus gleichem Hause im Glas und das war ein ebenfalls tolles Ding, das mich total überrascht hat.  Trotz der weit auseinanderfallenden Jahrgänge gibt es Parallelen zwischen beiden Weinen – dies gilt insbesondere für die Komplexität und die feinen Würzaromen, die beide Weine auszeichnet. Der "R" aus 2002 ist zu Beginn mit etwas Erdbeerduft und Noten von rotem Tee (Hagebutte) eher unspannend. Aber im Glas baut er so etwas von aus, dass man weder Nase noch Gaumen vom Glas trennen möchte. Mich hat insbesondere die Komplexität und die feine Kräuter- und Würzaromatik begeistert. Der Wein zeigt dabei eine schöne Saftigkeit und auch die eher kräftige Säure wirkt noch gut integriert. Lediglich im Abgang gab es Abzüge aufgrund einer nicht so ausgeprägten Länge. Jetzt aus großen Gläsern trinken.

2003 Jannin Spätburgunder, Duijn – Baden

90 Punkte- Seit 2005 schlummerte dieser Wein in meinem Keller und ich glaube, dass er jetzt sein optimales Trinkfenster erreicht hat. Jannin ist der Zweitwein – nach dem SD – von Jacob Duijn, bennant nach seiner Tochter.

Die 2003er Ausgabe zeigt eine herrliche Nase nach Kakaobohnen, feinem Kaffee und dunklen Beeren; aber auch Aromen von Minze, frischem Stroh und Bergkräutern. Für mich ist Jacob Duijn ein Meister des Holzeinsatzes!! Gerade auch beim sonnenverwöhnten 2003er Jahrgang bildet das Holz (barrique) ein aromatisches Gerüst, auf dem dieser Spätburgunder aufbaut. Mir gefällt die sehr saftige Frucht von dunkelroten bis schwarzen Früchten, die kräutrige Mineralik und die animierende Strukur von reifen und runden Tanninen, die diesen Spätburgunder prägen. Die Röstaromen (vorwiegend Kakao und Kaffee) finden sich auch im Mund wieder, stören jedoch nicht, sondern bereichern die Aromatik. Jannin 2003 wird  keinen 1. Platz beim Eleganz-award gewinnen, aber mir macht  der uneigene Charakter, die durchaus vorhanden aromatische Tiefe und Mineraik sowie die "dunkle Seite" viel Freude und ich genieße in großen Schlücken. Für mich ist das eine wirklich gelungene Interpretation des 03er Jahrgangs, man spürt einerseits die Sonne, die Reife der Beeren, auf der anderen Seite ist genug Substanz und Struktur da, sodas der Wein nicht banal oder überreif wirkt.

Einzig die Preisgestaltung macht bei jüngeren Jahrgängen immer weniger Freude: Jannin kostet inzwischen an die Euro 30 pro Flasche und der große Bruder "SD" ist für unter Euro 50 kaum zu haben.

Das Etikett zeigt die 2002er Ausgabe von der Webpage des Weingutes (http://www.weingut-duijn.com)

2001 Deutsche Spätburgunder – Kleine Horizontalverkostung

10 Weine waren angestellt, 5 Personen nahmen teil und 3 Piraten waren mit von der Part(y)ie. Jeder bekam jeden Wein in kleiner Menge zur Verkostung und Beurteilung, danach wurde aufgedeckt und offen weiter getrunken. Am Ende wollte ich sehen, wie viel von jedem Wein übrig bleibt – also JLF nach Andreas März von der Zeitschrift MERUM. Die Flaschen wurden willkürlich ausgewählt und selbst ich wursste nicht, welcher Wein wo in der Reihenfolge angestellt war.

Los gings mit dem ersten Piraten, wie sich am Ende herausstellte.

2001 Kloster am Spitz, Pinot Noir – Burgenland / Österreich:

84 Punkte – etwas überreife Frucht, Johannisbeer-Drops (oder schwarze Campinos aus meiner Kindheit – gibts aber immer noch), Himbeeren; parfümiert. Auch am Gaumen sehr aufgesetzt von der Frucht, Holunder und schwarze Campinos, saftig, weisser Pfeffer, samtig, süsser Extrakt, ein Kollege sprach von einer "Weinqualle" – mir gefiel dieser Begriff für einen Wein, der tierisch aufgebläht war, dem aber das Rückgrad fehlte. (2/3 der Flasche blieben übrig).

2001 Schnaitmann, Spätburgunder Simonroth "R" –  Württemberg / Deutschland

93 Punkte (?) – Beim Aufdecken kommt der Ärger in mir hoch, zweite und letzte Flasche von diesem Wein. Nachdem die erste leider voll korkte, ist diese auch nicht ganz sauber. Damals war der Wein ab Gut superschnell ausverkauft, habe dann noch zwei Flaschen im Bremer Ratskeller für noch teuereres Geld nachgekauft und dann das….!!! Trotzdem war die Klasse dieses Stoffs klar erkennbar. Die Nase wird verwöhnt von einem tiefen und komplexen Spiel Schwarzer Kirschen, Veilchen, rauchigem Speck und feinen Kräutern. Am Gaumen klasse strukturiert – mit ausgereiften und guten Tanninen. Das Holz ist inzwischen perfekt integriert, der Wein ist gut balanciert. Die schöne Mineralität und die dunkle, stoffige Tiefe bereiten echtes Trinkvergnügen, wenn da nicht…. ja, wenn sich da nicht immer wieder ein Kork in die Nase schleichen würde. Am Tisch wird kontrovers diskutiert, kann man einen solchen Wein überhaupt angemessen beurteilen, ich meine  ´"JA",  denn ein solch (eher leicht) beeinflusster Wein kann durchaus noch in seiner Vielschichtigkeit wahrgenommen werden. Druckvoll, mit unglaublich guter Struktur und einer angenehm maskulinen Art ist diese Flasche durchaus ein Genuss – wenn auch etwas vernebelt, kommt die Güte dieses Weins zum Ausdruck. (Rest in Flasche: 5cm)

2001 Gernot Heinrich – Pinot Noir – Burgenland / Österreich

92 Punkte – Auffallend schöner Glanz; tiefe Frucht,   kräuterwürzig (aus dem Holz, das sehr gut integriert ist), Eisen (Blut), tiefe und aromatische Nase. Am Gaumen eine delikate Süsse, ein Hauch von Schokolade und feinsaftig. Wirkt sehr frisch, die komplexe Frucht sowie polierten Tannine – kombiniert mit der schön eingebundenen Säure – lassen Trinkfreude aufkommen. Grundsätzlich auch mit schöner Länge ausgestattet, jedoch baut er nach einiger Zeit im Glas recht schnell und kräftig ab – die Börsianer würden wohl sagen: die Bären gewinnen die Überhand. (Rest in Flasche: halbvoll)

2000 Dichon, Moulin-a-Vent – Beaujolais / Frankreich

76 Punkte – Blumenerde, ein Hauch von Pflaume, Säure schon in der Nase. Am Gaumen erstaunlich dünn (für mich waren die Moulin-a-Vent-Wein stets die dichtesten Beaujolais), etwas stumpf, abgefahrenes Gummi, die Tannine wirken ungehobelt, klotzig, unharmonisch. Auch wenn die Frucht über den Abend mal mehr, mal weniger ein wenig ausblitzt, bleibt es doch insgesamt ein unerfreulicher Tropfen, der (in diesem Fall positiv) mit dem Schlucken sofort verschwunden ist. (2/3 der Flasche bleiben übrig)

2001 Haidle, Spätburgunder – Württemberg / Deutschland

92 Punkte – Außergewöhnlich kräutriger Eindruck in der Nase, Gewürznelken, Pflaumen, rauchig. Auch am Gaumen frisch, tief und kräutrig, dunkle Frucht; hat Saft und Biß, erzeugt aber eher ein schlankes Mundgefühl, dafür komplex, mineralisch (kalkig) und mit jedem Schluck interessant. Frische, gut integrierte Säure; sehr gute Länge, die überraschend ein wenig auf Kamilletee-Aromen endet. (Rest in Flasche: 4cm)

2001 Duijn, Spätburgunder SD – Baden / Deutschland

91+ Punkte – Bei mir geht die Hand zum Glas. Der SD belegt mit einer kühl wirkenden Aromatik Nase und Gaumen. Die Frucht ist dicht, aber nicht überladen; die Aromen sind würzig, dezent rauchig und mineralisch und die noblen Tannine geben dem Wein eine hervorragende Struktur und einen Hauch von Noblesse. Insgesamt äußerst harmonisch, von den Aromen eher auf der maskulinen Seite, hallt sehr schön nach ! Ein (Wein-)Freund sieht den starken Fassbrand etwas kritisch. (Rest im Glas: 1,5 cm)

2001 Duijn, Spätburgunder  – Baden / Deutschland

Die kleine Schwester (in jüngeren Jahrgängen heißt dieser Wein "Jannin") steht dem großen Bruder in nichts nach – ist ihm sehr ähnlich. Am Gaumen besticht die Mineralität, schöne aromatische Tiefe, etwas runder und gefälliger als der SD; das Holz scheint etwas weniger stark getoastet, die Frucht kommt noch besser heraus, trotzdem ein substanzieller Wein mit Komplexität. (rest in Flasche: 4cm)

2001 Stodden, Next Generation – Ahr / Deutschland

86 Punkte – Fast auf den Tag genau vor drei Jahren getrunken und im Fazit fast identisch bewertet (87 Punkte) und beuteilt. Die Nase ist eher dunkelbeerig und insgesamt sehr eigenwillig, denn Aromen von Camembert, verbranntem Gummi und angebranntem Sauerkraut mischen in der Nase kräftig mit. Am Gaumen kann man eine gewisse aromatische Tiefe, Rauchnoten und eine tiefe Mineralik auf der Haben-Seite des Weines verbuchen. Auch eine gewisse Extraktsüße steht dem Wein gut, denn über eine ebenfalls kräftige ausreichend Säure, die dagegen steht, verfügt the "Next Generation". Da aber das Holz bis heute nicht harmonisch eingebunden ist, die Röstaromen schwarz wirken (was die Eiche heavy toasted?), der Wein insgesamt eine fast aggresive Kräuteraromatik aufweist und eine gewisse Schärfe nicht von der Hand zu weisen ist, bin ich der Meinung, das er mit meinen 86 Punkten noch gut bedient ist. (Rest in der Flasche: 8cm).
Hier wollte der Sohn des Hauses (nach diversen Winzerstationen im In-und Ausland) wohl zeigen, was er gelernt hat – leider ist die Sache nicht ganz so gelungen, wie der Preis es damals suggeriert hat. Mit ca. Euro 40,00 war man in Deutschland zumindest preislich ganz vorne dabei.

2001 Knipser, Im großen Garten – Pfalz / Deutschland

90 Punkte – Das vierte Mal getrunken – guckst Du:
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=158,
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=140,

diesmal wieder recht schön, sodass ich vermute, dass bei Oles Probe eine nicht perfekte Flasche Grund für meine Beschwerde war. Die eher rotbeerige Frucht ist immer noch angenehm saftig. Der Eindruck am Gaumen ist eher kühl, delikat und von einer erkennbaren Mineralik begleitet. Die feine Rauchigkeit verleiht ihm Spiel. Insgesamt zeigt er  eine nicht ganz harmonische Aromatik, denn die Säure steht ein wenig aussen vor und er wirkt; ein Mittelgewicht im Körper und von der Länge im Abgang eher Kurz-bis Mittelstreckenläufer. (Rest in Flasche: 2,5 cm)

2001 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder JS Auslese *** – Ahr / Deutschland

90 Punkte – Insgesamt ein immer noch kompakter Wein. Komplexe Nase mit rotbeerigen und kirschigen Anklängen; schöne Saftigkeit, dabei stets frisch und mit lebendiger Säure ausgestattet. Am Gaumen ein strukturbetonter Pinot Noir mit feinen Tannien und gut integriertem Holz. Die eher starke Kräutrigkeit jüngerer Jahre hat sich zu Gunsten der eher pinot-typischen Frucht etwas zurückgezogen, sodass der Wein einen insgesamt harmonischen, aber keinen total zwingenden Eindruck hinterlässt. (Rest in Flasche: 3cm)

2004 Jean Stodden – Spätburgunder Recher Herrenberg

87 Punkte – Dieser Wein dürfte jetzt in seiner besten Trinkphase sein. Er benötigt ein paar Minuten im großen Burgunderglas, dann zeigt er, was in ihm steckt:

Mit deutschem Spätburgunder haben die Weine aus dem Hause Stodden wenig zu tun, so überrascht es auch nicht, dass dieser 2004er Spätburgunder geprägt ist von einer, dunklen, sehr kräuterwürzigen Frucht. Der Wein ist durchaus eckig, insbesondere am Gaumen zeigt er eine herbe Kräuteraromatik (die durch das Holz noch unterstützt wird) gepaart mit einer Frucht, die deutlich dunkel und maskulin wirkt. Der Wein offeriert ein hohes Mass an Mineralität sowie eine sehr lebendige, vielleicht etwas spitze Säure. Vom Köper und Extrakt eher mittelgewichtig zeigt er eine kleine Schwäche im Abgang, der ein wenig zu sehr auf  Säure und Tannin endet. Trotzdem für mich ein guter Wein, den ich zum Essen getrunken klar einer Solokarriere vorziehe. Innerhalb der nächsten 2 Jahre austrinken.

Deutsche Spätburgunder 2001 – Eine Bestandsaufnahme

Deutsche Spätburgunder 2001

Eine Bestandsaufnahme (Probenprotokoll vom 9.Februar und 30.März 2007)

 

Mein lieber Weinfreund Ole aus Hamburg hatte mal wieder zu einer seiner berühmt-berüchtigten Themenabende eingeladen. Da er uns diesmal im Vorfeld schon einen klaren Hinweis auf die kommenden, blind gereichten Weine gegeben hatte und das Thema mit ?Deutsche Spätburgunder 2001? klar umrissen war, sollte die Wahrscheinlichkeit sich zu blamieren, grundsätzlich gering sein; zudem Ole großmütig klarstellte: ?Keine Piraten?!! Die volle Aufmerksamkeit richtete sich so auf das, was in die Gläser kam.

 

Meine Notizen vom 09. Februar:

 

1.     2001 Meyer-Näkel, Dernauer Pfarrwingert  Spätburgunder Auslese, Ahr 14,5% Alk. (92+ Punkte)

Der erste Wein des Abends war für mich einer der schönsten vom ganzen Abends. Tief, mit herrlichem Glanz und auffallend dunkel für einen Spätburgunder. Die Nase offenbart eine herrlich rauchige ?Kopfnote?, dahinter protzt er mit seiner tiefen und satten Pinot-Frucht; Anklänge an Knubberkirschen, eingeweckte Erdbeeren, Vanille und eine feine Würze strömen mir entgegen. Am Gaumen saftig, körperreich und mit einer schönen Extraktsüße ausgestattet, die durch eine gute Säure ausreichend abgepuffert ist. Einen kleinen Punktabzug gibt es leider für den Abgang – er zeigt zwar eine schöne Länge, doch der kräftige Alkohol bleibt hinten etwas scharf stehen.

 

2.     2001 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder JS Auslese ***, Ahr, 13,5% Alk. (90 Punkte)

Der zweite Ahr-Wein dieses Abends fließt noch dunkler ins Glas. Er wirkt sehr jung und zeigt sich eher von der erdigen und mineralischen Seite. Eine angenehme Kühle, die eher kräutrige Aromatik und eine schöne Tiefe am Gaumen vermerke ich sehr positiv, ein paar grüne Noten, die neben den Kräutern, dem mineralischen Akzent und den Noten von Himbeeren und anderen roten Früchten am Gaumen hängen bleiben, vermasseln ihm aber eine Bewertung deutlich über 90 Punkten.

 

3.     2001 Kesseler, Rüdesheimer Berg Schloßberg Spätburgunder, Rheingau, 14,5% (89+ Punkte)

 

Der teuerste Wein des Abends scheitert knapp an der 90-Punkte-Grenze und ist nach meinem Empfinden zu teuer, für das was er bietet. Die etwas aufgesetzt wirkende Nase nach Cassis-Bonbon (ich habe sie als Kind oft gelutscht, die dunklen Campinos) und grüner Banane lässt einen ins Grübeln kommen. Der Eindruck am Gaumen fällt zunächst sehr positiv aus: die Frucht steht im Vordergrund, das Holz ist sehr gut eingebunden und kaum spürbar. Die Noten von Fliederbeeren und dem wiederkehrenden Campino-Cassis vermählen sich mit einer erkennbaren Mineralität; der Wein wirkt recht kompakt, doch die knackige Säure steht außen etwas vor und im Abgang ist er leider zu kurz.

 

4.     2001 Gutzler, Spätburgunder Morstein, ?Im Barrique gereift?, Rheinhessen, 13,5% (92 Punkte)

 

Komplexe Nase; tiefe dunkle Frucht, etwas Klebstoff zu Beginn, kühl, ein wenig erdig, ledrige Anklänge, Marzipan, komplex. Am Gaumen erstaunlich weich für diese Nase, geschmeidig, klare Burgunderfrucht, gute Länge, auch tief. Kurz und knapp die Beschreibung dieses wirklich schönen Spätburgunders aus Rheinhessen, der Potential für die Zukunft hat und vielleicht sogar noch einen Tick zulegen kann.

 

5.     2001 Salwey, Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder trocken ***, Baden, 13% (88+ Punkte)

 

Zu Beginn Kuhstall, gekochtes Eisbein, Kleberanklänge, später eine deutlich tiefere und klarere Nase, Karamell. Am Gaumen wirkt er ultra-klar, sehr fest und sauber; zeigt eine deutliche Mineralik, leider ist er etwas scharf im ansonsten schönen. Recht langen Abgang. Ich bin mir sicher, dass dieser Wein aus der Karaffe mit Luft und als Essensbegleiter deutlich besser reüssiert hätte. So leider nur 88+ Punkte, auf die Nachverkostung wäre ich gespannt.

 

6.     2001 Molitor, Graacher Himmelreich, Spätburgunder unfiltriert, Mosel, 13% (ohne Wertung)

 

Wegen entstellendem (Flaschen-?)Fehler ohne Wertung. Sauerkraut, bitter am Gaumen, einfach leer. Fehlerhaft !!

 

7.      2001 Schneider, Spätburgunder *** ?C? barrique, Baden, 13% (91+ Punkte)

 

Ein sehr schöner Spätburgunder, klar definiert, mit Druck am Gaumen, durchaus vielschichtig, die Frucht wirkt kühl und verläuft über eher dunkle Beeren, Brombeeren, bis hin zu Anklängen an Wildfleisch. Der ?C? besitzt alle notwendigen Anlagen für echten Trinkgenuss: einen schönen, recht hohen Extrakt, immer noch äußerst ansprechende, erstaunlich feste Tannine sowie eine gute Säure. Insgesamt ausgewogen und nachhaltig. Fazit: ein kompletter Spätburgunder, von dem man gerne mehr als ein oder zwei Gläser trinkt.

 

8.     2001 Knipser, Im großen Garten ? Spätburgunder Auslese (GG), Pfalz, 13,5% (86+ Punkte)

 

Manchmal frage ich mich, ob ich schlecht drauf bin oder der Wein? Ich kann mich an eine Pfalz-Verkostung der Großen Gewächse im Jacobs in Hamburg erinnern, da hatte ich diesen Wein schon einmal verkostet und mir 92 Punkte und ?Kaufen? notiert. Bei der jetzigen Verkostung war ich froh, dass das mit dem Kaufen irgendwie ?Verschutt? gegangen war. Doch letztlich muss ich eine Lanze für Knipser brechen, denn in der letzten Zeit habe ich zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen immer wieder Weine von Knipser mit viel Genuss getrunken, gerade auch etwas gereifte Jahrgänge, wie z.B. wunderbare Rieslinge aus dem Jahr 1998. Trotzdem war das an diesem Abend nicht mein Wein: eher vegetabile Noten, Dill, etwas Vanille, etwas Erdbeerfrucht, wirkt gemacht, die Aromen wirken ?obendrauf gepfropft?, am Gaumen wie ein Gericht vom China-Mann: süß-sauer, recht holzbetont, mit mehr Luft wird er zwar besser, aber er bleibt letztlich eher eindimensional und säuerlich.

 

9.     2001 Duijn, Spätburgunder SD, Baden, ??, (91 Punkte)

 

Ein wirklich schöner Spätburgunder mit süßer Frucht schon in der Nase, ein wenig rauchig, Tabak, Erdbeeren, Schokolade (vielleicht Yogurette von Ferrero ? eigentlich nicht gerade ein Kompliment, ziehe ich somit wieder zurück),  am Gaumen sehr saftig, herrliches Mundgefühl, sehr gute Frucht, Erdbeeren, Kirschen, etwas Schokolade, für einen Spätburgunder herrlich stoffig, schöne Körperfülle, leicht cremig, aber frisch und sehr harmonisch. Wenn man kritisch ist, dann fällt einem die etwas laktische Note negativ auf. Mir gefällt er trotzdem und ich freue mich auf die Flaschen, die ich noch im Keller habe.

 

10. 2001 Koehler-Ruprecht, Philippi Pinot Noir ? ?R?; Pfalz, 14%, (94 Punkte)

 

Dieser Wein benötigt Luft, dekantieren kann nicht schaden. Zu Beginn etwas spröde, aber mit Luft zeigt er das, was in ihm steckt! Sowohl in der Nase, als auch am Gaumen wirkt dieser Pinot wunderbar kühl und elegant. Schöne rauchige und kräuterwürzige Noten, Anklänge an Menthol. Am Gaumen mit feiner Extraktsüße, einem Hauch Vanillepudding, dann aber kommt die Pinotfrucht durch, eher etwas ätherisch, vielschichtig, komplex und wunderbar elegant. Mit ausreichend Luft gewinnt er immer mehr an geschmacklicher Tiefe und harmonisiert sich zusehends. Ein sehr gut strukturierter und fester Pinot, der auf dem Gerüst aus Tannin und Säure seine gesamte aromatische Komplexität ausspielen kann. Der Wein ist sicherlich erst am Beginn seiner Trinkreife und dürfte ein langes, genussvolles Leben vor sich haben.

 

11. 2001 Rebholz, Im Sonnenschein ? Spätburgunder ?R? (GG), Pfalz, 13% (85 Punkte)

 

Leuchtend in der Farbe, jedoch auffallend hell und schon mit erkennbarem Wasserrand. Die Nase ist geprägt von  Anklängen an (Heil-) Kräuter, z.B Baldrian, Waldbodenduft und einer Granatapfelfrucht. Am Gaumen wirkt der Wein eckig (unelegante Tannine), die Fruchtnoten erinnern eher an schwarzen Tee als an Spätburgunder und ein Mangel an Tiefe und Körper muß man ihm auch bescheinigen. Da hilft es wenig, dass er aufgrund der Säure recht frisch wirkt.

 

 

 

12. 2001 (?) Heymann-Löwenstein, Spätburgunder, Mosel, 13% (86 Punkte)

 

Mir war bis dato unbekannt, dass das Weingut Heymann-Löwenstein überhaupt Spätburgunder keltert, aber diese Flasche ist wohl auch eher der Leidenschaft des Winzers zuzuschreiben, als dem Versuch kommerziell Spätburgunder an der Mosel an- und auszubauen. Der Wein duftet frisch geöffnet nach Fleisch (Schlachthof), verliert dies aber sehr schnell und die Frucht nach roten Beeren, Pflaumen und Zimt breitet sich aus. Auf der Zunge noch primärfruchtig, eher etwas einfach von der Aromatik, limonadenartig, leichte Süße.

 

 

 

Eine abschließende Bemerkung: Spätburgunder ist und bleibt die Rebsorte, die mir deutlich mehr Freude und Genuss bereitet, wenn sie als Essensbegleiter gereicht wird. Als singuläres Trinkvergnügen empfinde ich ihn schwierig; die Frucht kommt nicht wirklich raus und echte Harmonie stellt sich bei mir nur zum Essen ein. Ein Schluss, der auch bei dieser Probe klar bestätigt wurde.

Weingut Graf von Kanitz – Rheingau

Anläßlich des Besuch der 3. Düsseldorfer Weinmesse verkostete ich einen Teil der Kolletion am Stand vom Weingut Graf von Kanitz. Das VDP- und ECOVIN-Weingut war eines der wenigen Highlights auf der Düsseldorfer Weinmesse für private Konsumenten:

# Graf von Kanitz – 2005 Gutsriesling Qualitätswein trocken: 83 Punkte Schön kräftiger Riesling mit deutlich kräutrigen Noten in der Nase und am Gaumen. Dezente Citrusnoten, mit mineralischem Einschlag und rassiger Säure. Für Euro 5,50 ein schöner Wein für jeder Tag.

# Graf von Kanitz – 2005 Lorcher Pfaffenwies Riesling Kabinett trocken: Ein wenig ausgewogener, nach Kräutern duftender Riesling, feingliedrige Säure, am Gaumen eine wenig laktisch; kräftig und saftig, leider im Abgang recht kurz.

# Graf von Kanitz – 2005 Lorcher Krone Riesling Spätlese trocken: 85 Punkte – feinsaftiger Riesling, in der Nase ist die Schiefermineralik schon riechbar, kräutrig; Noten von gelbem Steinobst; mit schönem Biss, gutem Körper und schöner Mineralik auch am Gaumen, ordentliche Länge. Sicherlich ein guter Essensbegleiter für helles Fleisch. # Graf von Kanitz – Lorcher Pfaffenwies 1.Gewächs: 88 Punkte Betont saftiger und mineralischer Riesling. In der Nase Ankänge an Heu einer Kräuterwiese, weissem und gelben Steinobst, am Gaumen sehr gut strukturiert, saftig, mit schönem Biss und einer kräftigen Mineralität ausgestattet. Kleiner Wehmutstropfen: er hat nahezu alles, was einen tollen Riesling ausmacht, aber momentan stehen die Komponenten noch ein wenig nebeneinander. Gute Länge, mit der Zeit wahrscheinlich besser und Anwartschaft auf ein bis zwei Punkte mehr.

# Graf von Kanitz – 2005 Spätburgunder Rotwein Qualitätswein trocken: 76 Punkte – ein leichter, einfacher Spätburgunder für den sofortigen Genuss; leicht, recht frisch, mit sauberer, roter Beerenfrucht (Bonbon ähnlich), jedoch mit nur geringer Tiefe und wenig Tannin.

# Graf von Kanitz – 2004 Spätburgunder Lorcher Kapellenberg Auslese trocken: 88 Punkte Dieser Spätburgunder kostet zwar fast das 4-fach (Euro 23,- im Vergleich zu Euro 6,40) des einfachen Spätburgunders aus 2005, aber hier ist Musik drin. Die Nase ist geprägt von einer klassischen, eher etwas dunklen und edlen Pinotfrucht sowie gut eingebundenen Noten aus dem Holz, am Gaumen ebenfalls eine sehr schöne pinottypische Frucht, eher dunkel, etwas kirschig und Noten von Waldfrüchten und Sanddorn. Die Tannine sind körnig und geben dem Wein Struktur, mittelgewichtig, durchaus mineralisch, er besitzt eine feine Extraktsüße und das jetzt schon gut eingebundene Holz überrascht positiv. Mittlere Länge.

www.weingut-graf-von-kanitz.de