1997 Riesling „Singerriedel“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

95 Punkte – Der Singerriedel war da schon ein ganz anderer Schnack. Ausdrucksvoll, ausladende und animierende Frucht; gelbe Früchte, Apfelnoten, rauchig und schon in der Nase ist die hohe Frische erkennbar, die diesen 12 Jahre alten Weißwein auszeichnet. Am Gaumen zeigt er ein Feuerwerk von Aromen (z.B. Orangen, Cassis, Zitronenmelisse), das Säurespiel ist perfekt und die deutliche Mineralik verleiht ihm viel Komplexität und einen Trinkfluss, sodass es wirklich schwer fällt das einmal gefüllte Glas wieder abzustellen.

 

Ähnlich wie der 2002er scheint auch dieser Wein ein Spiegelbild seines Jahrgangs zu sein, denn die Frische und das geniale Säurespiel sind wohl auf die kräftigen Temperaturschwankungen bis tief in den Herbst zurückzuführen. Bei der Vinea Wachau, der im Jahr 1983 gegründeten Qualitätsvereinigung der Wachauer Winzer beschreibt man den Jahrgang wie folgt: „Eher später Austrieb. Ein schöner Mai holt wieder viel auf. Rebblüte ca. 10. bis 20. Juni. Auf einen kühleren Juli mit guter Wasserversorgung folgt ein warmer August und ein traumhafter September. Gesundes Traubenmaterial und die großen Temperaturunterschiede im Herbst geben den Weinen des Jahrgangs 1997 seinen unverwechselbaren Charakter.“

Weinprobe Riesling Deutschland vs. Österreich – Trinkgenuss, Wucht und Finesse……Kork und andere Fehler

Ein feucht-fröhlicher Weinabend mit altbekannten Weinfreunden aus Hamburg, einem Berliner Wein-Plusler der ersten Stunde und einem überaus netten und kompetenten Neuzugang aus der „Berliner Küche“ nahm in Hamburg seinen Lauf….

 

Wegen entstellender (Kork)-Fehler leider unverkostet das zeitliche gesegnet:

 

1999 Knoll, Ried Schütt – Riesling Smaragd, Wachau

1988 Karthäuserhof, Kathäuserhofberg Riesling Spätlese Versteigerungswein

1986 Ducru-Beaucaillou

Die Weine nachfolgend als Einzeleintrag:

2000 Franz Hirtzberger, Riesling Singerriedel / Wachau

90 Punkte – Richtig tolle Bewertungen in der Fachpresse (94RP; Falstaff 95-97; WW 19) für diesen Riesling vom Altmeister Hirtzberger lassen mich etwas ratlos zurück und einmal mehr zweifele ich an der ganzen Verkostungs“spielerei“ durch die „Profis“, denn meist sind es nur kurze Momentaufnahmen, die viel zu selten noch einmal verifiziert werden und doch den Wein abschließend beurteilen sollen. Zum Wein:

 

Beginnende Sekundäraromatik, Salbei, etwas medizinale Noten mischen sich unter die kräuterwürzige Nase; am Gaumen immer noch straff gewirkt, gute Saftigkeit, animiert zum Kauen. Wenn man lang genug auf den Wein beißt, kommen in der Tat Nuancen heraus, die beim einfachen Trinken verborgen bleiben. Schöne, saftige Länge, die leider etwas bitter endet. Ist dieser Wein in einer schwierigen Phase? Bleibt der 2000er Singerriedel auf diesem nicht wirklich harmonischen Niveau stehen; bleibt die jetzt etwas keck herausragende Säure langfristig außen vor? Fragen über Fragen – da hilft nur nochmaliges verkosten  ;-))