1999 Cabernet Sauvignon Premium Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski6)

92 Punkte – Gesehen habe ich diese Premium-Version der „normalen“ Reserva noch in keinen Weinhandel, aber umso schöner, dass wir sie – Dank Mathias – verkosten konnten. Laut Etikett hat man für diesen Wein nur die „reifesten Trauben von den ältesten Rebstöcken, die man finden konnte“ (Klasse Formulierung 🙂 verwendet. Für den 12-monatigen Fassausbau hat man zu 100% neue Hölzer verwendet. Beweis für die besonders reifen Trauben sind die 14% Alkohohl – gegenüber 12,5% bei der „einfachen“ Reserva aus gleichem Jahrgang.

 

Die Nase wirkt kühl und zeugt von reifen, dunklen Früchten. Hinzu kommt ein Touch Vanille, Schokolade und die kühle Frische von Eukalyptus und Minze. Am Gaumen ein ähnliches Bild, saftig, voll ausgereifte Tannine und eine dunkle, kühle Frucht (Knubberkirschen, Cassis, Zwetschgen), die kombiniert mit ätherischen Noten sowie Anklängen von Schokolade und  Zedernholz zu einem kraftvollen und eleganten Wein beiträgt. Diesen Wein würde ich gerne in jede Bordeaux oder Napa-Probe als Pirat einschmuggeln.

1999 Cabernet Sauvignon Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski 5)

85 Punkte – Es war schon lustig, wie wir um diesen – ebenfalls blind getrunkenen – Wein herumgeraten haben. Letztlich lag ich nicht ganz daneben, wurde aber für meine etwas flapsige These: „Ostblock“ gescholten und gefragt, ob ich die letzten zwei Jahrzehnte Winterschlaf gehalten habe. Dennoch wurde es zum running gag des Skiurlaubs und bei jeder Flasche Wein, zu der wir bei unserem allabendlichen Weinquiz  keine rechte Meinung hatten, kam die Frage: „Ostblock“? 

 

Gut gereift und immer noch schön frisch zeigt sich diese Cabernet Reserva. Zu Beginn recht schlank, baut er im Glas jedoch leicht aus und eine recht saftige Kirsch- und Cassis-Frucht kam zum Vorschein. Mag es das Bitteraroma von Orangenzesten sein oder ist es kleines Bitterle aus dem Fassausbau, richtig stören tat es nicht und letztlich hatten wir einen ordentlicher Wein, mit Struktur, Substanz und einer gewissen Länge im Glas.   

 

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan – Südtirol

90 Punkte – Der 2001er Sauvignon Blanc St. Valentin zeigt eine reife Frucht, die immer noch  mit einer schönen Frische glänzt, aber natürlich nicht mehr die Knackigkeit jüngerer Jahrgänge besitzt. Dafür ist er jetzt besonders harmonisch und die Säure scheint perfekt dosiert und eingebaut. Am Gaumen zeigt sich ein feiner Schmelz; der Wein ist mittelgewichtig und die Hand geht bei mir klar zum Glas. Bei der Frucht dominieren Aromen von gelben Früchten und reifen Stachelbeeren; die grasigen Noten der Jugend sind zurückgegangen; hinten heraus bleibt er leider nicht mehr ganz so lange am Gaumen stehen, wie in früheren Jahren. In den nächsten 12-18 Monaten austrinken.

 

Für mich gehört Kellereigenossenschaft St. Michael-Eppan – mit den Genossenschaften Tramin und Terlan – zu den besten Erzeugern, die Südtirol zu bieten hat. Ich frage mich, was unterscheidet diese Genossenschaftsbetriebe von den deutschen Kellereigenossenschaften, die solche Qualitäten einfach nicht auf die Flasche bekommen. Eine Vermutung meinerseits sind die klaren Organisationsstrukturen der südtiroler Genossenschaftskellereien. Da gibt es leitende Geschäftsführer (und keine Handlanger, die ausschließlich an Firlefanz-Entscheidungen der Genossen gebunden sind) in allen Bereichen, die eigene, klare Entscheidungen treffen, und an die sich die Mitglieder/Genossen halten müssen. Beispielhaft sei hier die Traubenqualität genannt: in den Südtiroler Genossenschaften gibt es klare Festlegungen, ob die Trauben einer Lage und eines Betriebes in den „Erstwein“ kommen oder für die Weinbereitung der Zweit- und Drittweine herangezogen werden. Hat ein Weinbauer Reben in sehr guten Lagen und hat er in den letzten Jahren seine Rebanlagen so gepflegt, dass hier hochwertige Trauben heranreifen können, so merkt er dies auch deutlich im Geldbeutel, denn für hervorragende Trauben zahlt die Genossenschaft bei der „Einlieferung“ einen deutlich höheren Preis als für die Trauben aus „einfachen“ Lagen. Vorraussetzung für einen guten Traubenpreis ist jedoch auch die Umsetzung der Genossenschaftsvorgaben über das gesamte Jahr. Strenge Kontrollen stellen sicher, dass z.B. die grüne Lese und andere die Qualität fördernde Maßnahmen dann vollzogen werden, wenn der optimale Zeitpunkt dafür – lt. Ansage der Verantwortlichen – gekommen ist.

2004 Cabernet Sauvignon St. George Reserve, Petra Winery (Zumot Group) – Jordanien

86 Punkte – Es war schon überraschend, wo meine lieben Weinfreunde überall waren, als dieser Wein blind ausgeschenkt wurde und es darum ging, zu definieren, was da im Glas ist, und wo es herkommt. Doch eines freute mich ungemein, dieses Mitbringsel aus dem letzten Urlaub war kein schlechter Wein, sondern eher das Gegenteil, ein respektabler Stoff aus einem Land, in dem zwar viele, viele Rebstöcke stehen, aber (aus religiösen Gründen) fast nur Tafeltrauben angebaut werden. Die Weinberge für diesen Wein wurden im Jahr 1995 mit französischer Hilfe angelegt und sie befinden sich allesamt in der Region um die Stadt Madaba, ca. 30km südlich von Amman. Die von den Moabitern gegründete Stadt wird bereits in der Bibel mehrfach erwähnt. Unser Wein wurde nach der frühbyzantinischen St. Georgskirche benannt. Diese Kirche ist weltberühmt, da sie das „Madaba-Mosaik“, die älteste (6. Jh.n.Chr.), im Original erhaltene kartografische Darstellung des Heiligen Landes und insbesondere Jerusalems beherbergt.

 

Der Wein ist recht hell in der Farbe. In der Nase wirkt er frisch, mit Anklängen an Paprika, Kirschen und Lakritz. Am Gaumen zeigt er ebenfalls eine angenehme Saftigkeit (von voll ausgereiften Beeren darf man hier auch ausgehen) und eine angenehme Frische. Die recht kräftige Säure steht ihm gut. Vom Körper eher mittelgewichtig, zeigt die eher rotbeerige Frucht sich von ihrer attraktiven Seite. Die ausgereiften Tannine geben die nötige Struktur und so steht ein schöner, insgesamt in sich schlüssiger Wein vor uns. Schade, dass ich nur eine Flasche mitgenommen habe. Jetzt oder in den nächsten 12-18 Monaten trinken.

 

 

2001 Sauvignon Blanc Ratscher Nussberg, Alois Gross – Steiermark

 

Die Weine des Ratscher Nussberg wachsen auf Böden aus Kalkmergel und Kalksandstein. Der Weinberg gilt mit seiner kesselförmigen Süd-Südwestlage mit Hangneigungen bis zu 30° als einer der besten Lagen der Steiermark. Die vollreifen Trauben werden mit kurzer Maischestandzeit schonend gepresst und bei 18° Celsius kontrolliert in etwa 600 lt-Fässern (Stardin) und etwa 300 lt-Fässern (Halben = halbes Stardin) vergoren. Die Reifung erfolgt im großen Holzfass. Der 2001 Jahrgang ist mit seinen 1,4 Gramm Restzucker nahezu komplett durchgegoren, was sich auch in der Gradation (14% Alc.) widerspiegelt.

 

84 Punkte – Apfelaromen, etwas flüchtige Säure, wenig komplex in der Nase, duftet wenig animierend. Am Gaumen recht dicht, trotzdem wirkt er relativ leicht und leider auch schon oxidativ nach trockenem, weißem Sherry. Apfelnoten und eine kalkige Aromatik aus dem Boden sind zu erkennen. Der Wein hat wohl (hoffentlich) schon bessere Zeiten gesehen.

2008 Marlborough Sauvignon Blanc, Lake Chalice Wines – Neuseeland

85 Punkte – Ja, richtig gelesen, Jahrgang 2008. In den Kellern der deutschen Winzer blubbern und brodeln die Weine aus der 08er Ernte teilweise noch, da stehen die Weine aus der Neuen Welt schon eine ganze Zeit bei uns im Regal, denn Dank der umgedrehten Jahreszeiten (bei uns Frühjahr, auf der Südhalbkugel Herbst) haben diese Weine einen zeitlichen Vorsprung von einem halben Jahr.

 

Dieser eher einfache Sauvignon ist auf besondere Weise interessant; einerseits lebt er von seiner unglaublich frischen, direkten Art, andererseits habe ich die Flasche 4 Tage bei Zimmertemperatur in der Küche stehen gehabt und nach einer kurzen Abkühlung im Eisfach schmeckt der Wein immer noch genauso wie 4 Tage zuvor: viel frische Stachel- und schwarze Johannisbeeren, Maracuja und Grapefruit. Auch grasige Noten sind deutlich zu erkennen. Trotz aller Frische ist mir dieser Wein zu "gerade aus", da ist kein Spiel, keine versteckte Nuance, da ist nur "Ich-spring-Dich-an—ich Frucht"!!

Mit welchen Mitteln dieser Wein produziert ist, sodass er nach vier Tagen immer noch so frisch ist, möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Das Ausgangsmaterial stammt aus 7 verschieden Weinbergen und wurde (gekühlt) zur Kelterhalle transportiert. Dort – so nehme ich es zumindest an – wird man Aromen- und Reinzuchthefen zugesetzt haben und auch vor Enzymen zur Geschmacksintensivierung nicht Halt gemacht haben. Aber ich möchte hier niemanden verurteilen, denn meine Vermutungen kann ich (leider) nicht nachweisen. Dieser Wein ist unglaublich frisch, hat ein kräftige Säure und man kann ihn durchaus als "Muntermacher" bezeichnen. Allerdings hat dies – für mich – mit klassischem Sauvignon Blanc nichts zu tun.

 

2008 war in Neuseeland für die Winzer ein perfektes Jahr: der Witterungsverlauf war nahezu optimal und die Ernte war groß wie nie – ohne dass die Qualität zu sehr gelitten hat.

Der Spass kostet ca. Euro 12,- und wird von der Weinhandlung Apell aus Kassel importiert. (www.apell.de). Andere Händler findet man über www.google.de

1993 Cabernet Sauvignon 12th Anniversary, La Jota Vineyards – Napa Valley

94 Punkte – Ein wunderbarer Cabernet Sauvignon aus Californien. Eine nahezu perfekte Symbiose zwischen lebendiger Frucht, schönen, ausgereiften Tanninen (kraftvoll, aber weich) und einer guten Säurestruktur. Das Ganze ist eingebaut in einen wohl definiertenn und kräftigen Körper. Keine Trinkmarmelade, sondern  ein Wein mit einer ausdrucksvollen, dunklen und Genuss spendenden  Frucht. Schöner Saft; aber auch ein differenzierter, vielschichtiger Charakter, mit dem man sich lange beschäftigen kann. Ein hedonistischer Wein. Frauen würden diesen "californischen Beau" wohl so beschreiben:  "lebensfroher, sonnenverwöhnter Intellektueller, der  zum Anbeissen aussieht und umwerfend riecht.

Schöne webpage: http://www.lajotavineyardco.com/

2007 Sauvignon Blanc, Georg Mosbacher, Pfalz

84 Punkte – Grundsätzlich bin ich ein großer Freund von Sauvignon Blanc und es freut mich, dass immer mehr Weine dieser Rebsorte auch aus Deutschland kommen. Der 2007er aus dem – von mir sehr geschätzten – Hause Georg Mosbacher überzeugt mich jedoch nicht ganz.

Die Nase ist geprägt von frischen Zitrusaromen (Zitronen und Grapefruit), etwas Cassis, grünen sowie etwas unreifen Stachelbeeren. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen klar als Sauvignon Blanc erkennbar. Ganz frisch im Glas wirkt er sehr frisch und zeigt eine etwas spitze Säure. Die Aromen reichen von leicht grasig bis hin zu den bereits in der Nase festgestellten Citrusfrüchten. Insgesamt mangelt es ihm leider etwas an reifem Extrakt und die Aromen wirken leicht grün. Die etwas mangenlnde Substanz zeigt sich auch, wenn der Wein im Glas wärmer wird – dann wird er aromatisch recht breit und fällt  recht schnell auseinander; die eigentlich recht lang anhaltende citrusartige Frische im Abgang verschwindet leider auch. Trotzdem ein Wein, der im kommenden Hochsommer – richtig gekühlt – die Gaumen erfrischen wird. Bis zum Sommer 2009 würde ich nicht warten.

Weinprobe Riesling Deutschland vs. Österreich – Trinkgenuss, Wucht und Finesse……Kork und andere Fehler

Ein feucht-fröhlicher Weinabend mit altbekannten Weinfreunden aus Hamburg, einem Berliner Wein-Plusler der ersten Stunde und einem überaus netten und kompetenten Neuzugang aus der „Berliner Küche“ nahm in Hamburg seinen Lauf….

 

Wegen entstellender (Kork)-Fehler leider unverkostet das zeitliche gesegnet:

 

1999 Knoll, Ried Schütt – Riesling Smaragd, Wachau

1988 Karthäuserhof, Kathäuserhofberg Riesling Spätlese Versteigerungswein

1986 Ducru-Beaucaillou

Die Weine nachfolgend als Einzeleintrag:

1997 Weingut Melcher – Schloss Gamlitz, Sauvignon Blanc Ried Sonneneck Maestro – barrique / Steiermark

87 Punkte – Für die Wein-Plus-Freunde an diesem Abend ein ganz besonderer Tropfen kurz vor der Runde der nun folgenden Rotweine. Dieses „Monster“ (man muss sich mal vorstellen: ein SB aus Österreich mit 15% Alkohol, mit kräftigem barrique-Einsatz) hatte Knalli vor Jahren für den Wein-Plus-Stammtisch empfohlen und ihm eine Trinkfähigkeit über mindestes 15-20 bescheinigt. Hier im 10. Jahr nach seiner Schöpfung nun eine Bestandsaufnahme: Welch ein Überraschung; das Holz hat sich inzwischen sehr gut integriert, es ist ein Wein entstanden, der sehr kräftig, dicht und wahnsinnig körperstark daherkommt. Der Wein ist in der Nase und am Gaumen durch seine schönen Citrusaromen, weiße Johannisbeeren und gelben Früchte geprägt, das Ganze wird umspielt von einer schönen Cremigkeit und von dezenten Sahnetoffeenoten. Anders als vor zwei Jahren wirkt der Alkohol jetzt gut integriert und der alte Spruch: „Mit dem Alter frisst ein hoher Alkohol die Frucht“ scheint zumindest bei diesem Wein (15%) widerlegt. Sicherlich ist und bleibt dies ein spezieller Wein, der nach wie vor stark polarisieren kann und sicherlich nichts für den schnellen Genuss ist.