1978 Barbaresco Santo Stefano Riserva Speciale, Bruno Giacosa – Piemont

99/100 Punkte – Dieser Wein war für mich nicht nur DER Gewinner in dieser hochkarätigen Piemontprobe, sozusagen primus inter pares; nein ! Dieser Wein gehört für mich zu der Hand voll Weine, die den Weinhimmel bedeuten. Diese Weine sind so schön und ergreifend, dass man es kaum fassen kann. Sie nehmen einen mit auf eine Reise, die so unglaublich beeindruckend ist, dass man Raum und Zeit ausblendet. Für diesen Typus Wein finde ich schwer Worte, denn sie sind komplex und harmonisch, dass man es eigentlich nicht beschreiben kann. (An dieser Stelle sollte jedoch erwähnt werden, dass die Flasche aus einem perfekten Keller stammte, dort über viele, viele Jahre lag und ihr nicht das Los sonst eher üblicher "Wanderpokale" beschieden war.)

Für einen 30 Jahre alten Nebbiolo offenbart schon die große Dichte und die dunkle Farbe im Kern die erste Überraschung. Die Nase wirkt immer noch sehr jung; mit kräutrig-balsamischen Noten,  feinstem Marzipan, dezenter Malzigkeit, ein wenig Waldboden (erdig) und  Anklänge an rote Früchte. Einmal im Mund angekommen nimmt man nur Harmonie war, hier sind eine hoch komplexe Aromatik, ein mittelgewichtiger Körper, eine perfekt reife Säure sowie superfeine Tannine auf das Beste miteinander vermählt. Diesen Wein kann man eigentlich nur als großes Kunstwerk beschreiben. Kein Picasso, kein Kandinsky, ich würde ihn am ehesten mit einem Gemälde von Claude Monet vergleichen, Tausende von einzelenen Strichen, die ein großes Kunstwerk definieren, das Schönheit, Licht und Melancholie in sich verbindet.

Ein Weinabend mit Freunden / Schäfer-Fröhlich, Deiss, Stodden, Le Cedre und Vin Santo von Felsina

Nachdem ich die 400km von Düsseldorf nach Hamburg einmal mehr "gefressen" habe, kamen meine Freunde Andreas und Mathias zum "Männerabend" vorbei. Mit Brot. Käse und ein paar Flaschen Wein machten wir uns einen netten Abend.

Der Startschuss fiel und ein 2005 Schäfer-Fröhlich, Felseneck Großes Gewächs – Nahe (89 Punkte) kam ins Glas. In der Nase ein recht deutlicher Schwefelböchser, dahinter viel Mineralik und eine frühe (zu frühe) Petrolnase, die (noch dezent) zum Vorschein kam. Am Gaumen dicht, fest gewoben, straffer Zug, kräutrige Mineralik. Wenig Frucht, dafür viel Mineralik, fest, ein Wein zum Beißen. Schöne, tragende Säure, mittlere Länge. Wenn man den Schwefelböchser zu Beginn (wird mit viel Luft etwas schwächer) ein wenig ausblendet, hat er momentan die 89 Punkte verdient; künftiges Entwicklungspotential hat er meiner Meinung nach nicht.

Ein ganz anderer Stil war der nun folgende 2001 Grünspiel, Marcel Deiss – Elsass (92 Punkte). Ein gemischter Satz  von Gewürztraminer, Riesling und Pinot Noir – goldgelb im Glas, mit opulenter Nase von kandierten (exotischen) Früchten, Orangenzesten, aber auch blütigen Noten; dahinter ein Hauch grüne Walnuss. Ein dichter Schmeichler mit ausladender Aromatik, aber ohne jede Gefahr zu sehr in die Breite zu gehen. In seiner Jugend wirkte er mineralischer, dafür hat er jetzt an Tiefe und Substanz zugelegt. Die schöne Säure bildet ein gutes Gegengewicht, sodass man einen intensiven, aromatischen Wein genießen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass man schon nach dem ersten Glas satt ist. Der Wein ist nicht ganz trocken, aber die Süße ist bestens integriert und der Grünspiel 2001 hat Potential für viele Jahre.

Weiter ging es mit dem ersten Rotwein, einem 2003 Recher Herrenberg Auslese JS ***, Stodden – Ahr (88 Punkte). In der Nase kräutrig, holzgeprägt, mit leicht gemüsigen Anklängen. Am Gaumen kühl, recht fest, mit roter Beerenfrucht, leider etwas säuerlich und hinten heraus stören etwas die grünen Holztöne. Die 88 Punkte bewerten insbesondere das Potential, vorausgesetzt der Wein verliert noch die grünen Holznoten. Da die Frucht ausreichend kräftig ist und der Wein auch an diesem Abend mit zunehmender Luftzufuhr die Holznoten etwas verliert, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen leider weitere 3-4 Punkte abgezogen werden. Positiv ist der schöne Biss und die durchaus feine Mineralik, die die Recher Herrenberger Auslese *** erkennen lässt.

Der zweite Rotwein kam aus Frankreich: 1998 Le Cedre, Chateau du Cedre – Cahors (92 Punkte). Diese reinsortige Malbec ist schon etwas Besonderes. Inzwischen hat er zehn Jahre auf dem Buckel und er befindet sich wohl in seiner ersten Reifephase. Im Glas ein komplexer Aromenstrauss mit vielen Früchten und einem Hauch von Nelken, dabei erstaunlich kühl und harmonisch. Mittlerer Körper, kein Alkoholmonster, sondern enorm trinkig und mit schöner Länge am Gaumen.

Den Abschluss dieses Weinabends zu dritt, bildete einer meiner liebsten Weine überhaupt, der 1988 Vin Santo von Fattoria di Felsina – Toscana (98 Punkte)  – Die Notiz aus dem August 2005 stimmt noch zu 100% – http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=46