2015 Riesling Große Gewächse – Eine Auswahl

Die Großen Gewächse aus 2015 sind in der Breite sehr gut bis paritell herausragend gelungen – so zumindest der Tenor aus der Vorstellung in Wiesbaden und den anschliessenden Presseberichten.

Doch das eigenene Urteil ist durch nichts zu ersetzen.  Mein Keller füllt sich und die Neugier auf einen ersten persönlichen Überblick war kaum noch auszuhalten. Hier und da hatte ich schon ein paar Sachen verkostet, aber es benötigt eigentlich Ruhe, statt der üblichen Verkostungsquickies im Minutentakt, um diesen Gewächsen in den Kindenschuhen auch nur halbwegs gerecht zu werden. Gestern Abend konnte ich mit 9 Weinfreunden ausgiebig verkosten,  trinken und ratschen über die Weine, von denen viele zu meinen persönlichen Favoriten gehören und die Jahr für Jahr Einzug in meinen Keller erhalten. Schwierig ist, dass bereits jetzt, knapp 2 Monate nach der Freigabe einige GGs schon komplett vom Markt absorbiert sind und es somit schwer wird, diese noch zu kaufen.

Verkostungsnotizen:

2014 Riesling Doosberg GG, Peter Jacob Kühn – Rheingau

Intensive goldgelbe Farbe, strahlend. Zunächst recht verhaltene Nase, die mit Luft mächtig ausbaut, um dann in voller Pracht unglaublich komplex und duftig zu betören. Marc meinte: „aus der Nase hätten andere zwei Weine gemacht“), zunächst Heu, nasser Kalkboden, dann immer kräftiger mit einer intensiv herben gelben Frucht, viel gelbe Blüten, auch gelbwürzig. Am Gaumen herrlich feinsaftig, dicht und kräftig, aber völlig ohne Schwere, bomben Säure (geschliffen und reif), steinge Noten, Mandarinen, entwickelte Frucht, Grapefruit, leichter Gerbstoff, eine salzig mineralischer Faden zieht sich durch den mittellangen Abgang. 94 Punkte

2015 Riesling Frühlingsplätzchen GG, Emrich-Schönleber – Nahe

Helles Zitronengelb mit klarem Glanz. Recht kräutrige Nase, Zitrusfrüchte, viel steinige Kräuter, kühler Ansatz, sehr rein und klar. Spontinoten am Gaumen, resche Säure, spritzig, Limonen, Limettenblätter, Zitronenmelisse, auch wieder schlanker Ansatz, transparente Art mit nur 12%Alk. Bei der Nachverkostung am nächsten Tag mit mehr Zug und Esprit. Am Abend „nur“ 90 Punkte

2015 Riesling Kirchspiel GG, Keller – Rheinhessen

Dunkles Zitronengelb. Duftige, ausdrucksvolle/intensive und sehr reintönige Nase, dunkel-kräutrige, ätherische Aromenwelt, Brennnesseltee, gelbes Steinobst, dunkle Erde. Am Gaumen macht das Kirchspiel mächtig Dampf, vielleicht das intensivste, junge Kirschspiel aller Zeiten. Dicht, mit viel Zug am Gaumen, weiche Oberfläche, darunter klare Struktur, sehr viel Kräuternoten, setzt ein Ausrufezeichen! Aromatisch eine intensiv-komplexe Aromenwelt: ein Hauch Cassis, Brennnessel, Tabak, da schießt minütlich mehr aus dem Glas, leichte Cremigkeit, viel Würzigkeit, blonder Tabak, dunkle Seite der Macht, Erdigkeit. Nachhaltig, extraktreich und mit guter Länge. 93 Punkte

2015 Riesling Kirschspiel GG, Groebe – Rheinhessen

Intensives, strahlendes Zitronengelbe mit grünlichen Reflexen.  „Der Morstein, der aus dem Kirschspiel kam“ Sehr fest gewobene, kühle, kräutrige Nase, eine Spur Rauchigkeit, vegetabile Noten, sehr klar und stringent. Gleicher Eindruck am Gaumen, viel Zug und Straffheit, sehnig-fester Kern, aktuell sehr straight (fast monolithisch). Klare, pikante Säure, ein Hauch Tabak, sehr mineralisch (nassel Kiesel und Kalk), herbe Zitronenzesten. Ich liebe diese reintönige, druckvolle und präzise Art, die aktuell, als Jungspund, keine Gefangenen macht. Präzise 92+ Punkte

2015 Grüner Veltliner Radikal, Herbert Zillinger – Weinviertel, Österreich

Der Pirat des Abends! Helles Goldgelb mit zart grünlichen Reflexen. Von Anbeginn setzt dieser Wein nicht auf Frucht, sondern eher auf ätherische, blütige und erdige Aromen: Dunkle Blüten, Scharfgarbe, Kamille, Orangenblüten, Blätterwald im feuchten Herbst, ein Hauch gelbes Curry und etwas laktische Noten. Am Gaumen erkennbar mit Maischestandzeit gearbeitet – leichter Gerbstoff, kommt auch hier wenig über die Frucht, Kräutertee, grüner Tee, Linsen, Heu/Stroh und getrocknete Apfelringe. Dichter Extrakt mit zart schmelziger Oberfläche und einer geschmeidigen, balancierten Säure. Der Wein wird erst im nächsten Jahr freigegeben, die Zeit der Flaschenreife wird ihm gut tun, denn aktuell braucht er sehr viel Belüftung bis er sich aus seinem Kokon entfaltet. Am 2.Tag deutlich besser als am Vorabend (trotz mehrstündiger Belüftung in der Flasche) – 92+ Punkte

2015 Riesling Abtsberg Riesling GG, Maximin Grünhaus – Ruwer

Funkelndes, helles  Zitronengelb mit grün schimmerndem Glanz. Kühler Auftakt in der Nase mit hellen, ätherischen Aromen; helle feuchte Kräuter, z.B. Brennnessel, Waldmeister etwas Minze, sehr klar, transparent und rein, zeigt überhaupt keine Schwere, Frucht spielt ein völlig untergeordnete Rolle, vielleicht etwas Grapefruit und unreife Birne. Am Gaumen wiederum kühler Ansatz; glockenklare Aromatik, viel grüne Blätter, Eichenlaub, Brennnessel, Waldmeister, steinig-mineralisch, ein Hauch Gerbstoff, wiederum nur begrenzt Frucht, rosa Grapefruit, Limetten, schiefrige Bitternoten, pikante Säure. Engmaschig und mit sehnigem Zug, aber ohne jede Schwere; schlanke 12% Alkohol. Äußerst klar und reintönig, in seiner betont schlanken,grün-kräutrigen-steinigen Art etwas in sich gefangen. Ein wenig mehr Frucht würde eine weitere Dimension öffnen und ihn noch komplexer machen. Am Stil hat sich wenig geändert, des Kaisers neue Kleider (erster Jahrgang als VDP-Mitglied) heißen jetzt Großes Gewächs statt Spätlese trocken. 91 Punkte

 

2015 Riesling Halenberg GG, Emrich-Schönleber – Nahe

Leuchtend zitronengelber Kern mit lindgrünen Randreflexen. Der Wiedererkennungsfaktor des Halenberg GG von Emrich-Schönleber ist einzigartig. Jahr für Jahr ist es diese bestimmte Komposition einer tiefen Aromatik von gehauenen Steinen und nassen Kräutern, die einen in ihren Bann zieht. So auch bei der 2015er Ausgabe. Am Gaumen frischer, mineralischer Auftakt, dunkle Kräutrigkeit, dann sehr dicht, extraktreich und reintönig. Der Wein hat eine klasse Säure, besitzt Zug und Druck, hat mineralischen Grip mit einem winzigen Hauch Gerbstoff. Zitronenmelisse, Limette, Minze, Basilikum und ein Hauch Ingwer. Regt mit seiner Säure den Speichfluss an, ein Hauch Salzigkeit. Macht müde Männer munter, straffgewirkt, aber insgesamt alles sehr stimmig; endet lang auf seiner kräutrigen Mineralität. 94 Punkte

 

2015 Riesling Ungeheuer GG, von Buhl – Pfalz

Jung, frisch, knackig und richtig grün hinter den Ohren. In der Nase sehr fruchtige Aromen, leicht künstlich nach Gummibärchen, Nadelwald und Sauvignon Blanc. Am Gaumen ebenso frisch, jung, aber auch fragmentiert, da passt erst einmal wenig zusammen, wirkt strukturlos und einfach unfertig. Rassige Säure, grasige Noten, unreife Zitrusfrüchte, grüne Mango, ein Hauch grüner Paprika. Das eignet sich wahrscheinlich als Sektgrundwein deutlich besser als für ein Großes Gewächs. Einerseits ist es zwar nett, wenn Große Gewächse mit 12% Alkohol auskommen wollen, andererseits fragt man sich hier, ob die Beeren ihre volle physiologische Reife erreicht haben.  Am 2. Tage erkennbar harmonischer, aber die Aromatik bleibt ungewöhnlich. Die Nase erinnert noch stärker an Sauvignon Blanc mit Aromen von Maracuja, Kumquats und Nadelbäumen; auch andere frische exotische Früchte mit Säurebetonung, wie z.B. Grapefruit und Pomelo. Am Gaumen geradlinig schlank, überwiegend Aromen grüner Früchte, viel vegetabile Noten, frisches Blätterwerk, etwas grüne Walnuss, ein Hauch Gerbstoff. Am 2. Tag: 86 Punkte.

 

2015 Riesling Hermannshöhle GG, Dönnhoff – Nahe

Helles Zitronengelb mit Glanz. Tiefes, klares und sehr reintöniges Bukett; keineswegs laut, vielmehr puristisch, unaufgeregt und ausgewogen; weißes Kernobst, zart Birne und Blüten. Wie so oft bei der Hermmanshöhle von Dönnhoff, besitzt auch das 2015er Große Gewächs bereits in seiner Jungend eine wunderbare Harmonie und Eleganz. Am Gaumen sehr stimmig; feingliedrige, elegante Säure und Aromatik; aber mit innerer Kraft, Vitalität und sehr schöner Struktur. Zarte, mineralische Würze, nobel und mit feinstimmiger Lebendigkeit. Schon jetzt mit sehr angenehmen Trinkfluss. Wer es laut mag, macht bitte einen Bogen, das ist Stoff aus dem sensible Genießerträume sind. 95 Punkte

 

2015 Riesling Niederberghelden GG, Schloss Lieser

Mein goldenes Ei! Was für ein toller, jugendlicher, gut gebauter, attraktiver Bursche mit Charakter, hoher individualität und Tiefe.

Leuchtendes, tiefes Zitronengelb. In der Nase eine Mischung aus Spontanvergärungsaromen und Moselwürze. Flintstone, zarte Rauchigkeit, nasser Schiefer, Flechten, eine Mischung aus jodiger Meeresluft und feuchtem Herbstwald im Nebel; dahinter eine noch verhaltene Zitrusfrucht und etwas Minze. Am Gaumen herrlich frisch, blau-schwarze Mineralik, mit genialer, verspielter Säure. In seiner Art fordernd und doch ungemein trinkanimierend. Vielseitig, reintönig, sehr klar und mit definierten Konturen; herrlich extraktreich, aber völlig ohne Schwere oder Dicke. Präzise Aromatik, zahlreiche kräutrig-würzige, vegetabile Aromen, getrockneter Thymian, von den Steinen/Schiefer geprägt. Assoziationen von weißen Früchten, Vogelbeeren, Meeresbrise mit leichter Salzigkeit. Unglaublich lang, pur, steinig und einfach groß. Das ist jetzt so unglaublich sexy, man darf sehr gespannt sein, was aus diesem Typen wird. 96 Punkte

2005 Ten Years After – Grosse Gewächse – Teil 2

GG2005

Der zweite Abend war ebenso erfreulich bei den Rieslingen wie enttäuschend bei den Spätburgundern. Ein Hurra auf die Ergebnisse von Mosbacher und Wittmann. Das Ungeheuer von Mosbacher ist seit Jahren immer wieder ganz vorne dabei, gerade wenn man den Großen Gewächsen ein paar Jahre der Reife zubilligt. Zufriedene Gesichter bei Ole und Dieter nach den beiden Proben sprechen Bände…

GG2005_Gesichter

 

2005 Mittelheimer St. Nikolaus Riesling*** GG, Peter Jakob Kühn – Rheingau: Tiefes, dunkles Gelbgold; kraftvolle, reife Nase von getrockneten Kräutern, Waldhonig, Trockenobst, deutliche Phenolik. Der Wein braucht immer noch Luft um sich zu entfalten; gelbe trockene Frucht, kernig; kräftiger, körperreicher Bursche; viel Extrakt; erkennbar oxidativ ausgebaut, Riesling mit Maischestandzeit, geht in Richtung Orange Wine. Nach der üppigen Nase erwartet man eigentlich ein Zuckeschwänzchen, dass er nicht hat. Etwas grüner Tee, gelbe Trockenfrüchte, viel Mineralik, die immer salziger wird, je länger man auf dem Wein kaut. in der Aromatik ungewöhnlicher Riesling, bleibt lange am Gaumen haften. Jetzt super, aber ohne Eile. 17+ Punkte – 2015 bis 2020; (92,91, 93, 92, 93, 91, 91)

2005 Riesling R, Peter Jakob Kühn – Rheingau: Tiefes Gelbgold, etwas heller als der Nikolaus. Reichlich getrocknete Blüten und Kräuter, ein Hauch medizinal. Nicht das Gewicht des 2005er St.Nikolaus, aber etwas offener und vielschichtiger, gelbes Steinobst, weniger phenolisch, dafür etwas eleganter. Insgesamt ziehe ich den St. Nikolaus auf Grund seiner inneren Stärke, der mineralischen Ausdrucksstärke und größeren Länge knapp vor. Jetzt langsam austrinken. 17 Punkte – 2015 bis 2020 (91,93, 94, 93, 93, 93, 90 – Mittelwert )

2005 Hochheimer Hölle Riesling GG, Künstler – Rheingau: Duftige Nase; intensive, exotische Frucht; süße, gelbe Früchte, darunter Gesteinsmehl, Spontannoten, am Gaumen cremiges Mundgefühl, sehr ausgewogen, zugänglicher Stil, gelbe Früchte, fluide Frucht; runder Ansatz, saftige Rieslingaromatik mit leichter Würze im Hintergrund. Guter Körper, ausreichende, harmonische Säure. Schöne, fruchtbetonte Länge. Bleibt auf diesem Niveau sicherlich noch ein paar Jahre. 17+ Punkte – 2015 bis 2017 (92, 94, 89, 89, 92, 92, 91)

2005 Calidus Mons Riesling, Franzen – Mosel: Waldhonig in der Nase, entwickelte Reife, gelbe Noten, etwas eindimensional, sehr weinig, gewisse Würzigkeit, neigt auf Grund seiner Reife jetzt zur Breite, am Ende bekommt noch einmal eine gewisse Spannung, gelbe Frucht, gewisse Süße, es fehlt ihm etwas von der Spannung, die er in seiner Jugend hatte. Das war in seiner Jugend ein spannungsgeladenes Mineralienfass, davon ist leider nicht viel geblieben. 16 Punkte – austrinken (86, 85, 86, 90, 90, 87, 89)

2005 Rüdesheimer Schlossberg Riesling GG, August Kesseler – Rheingau: Zu Beginn leichte Rauchigkeit, gelbe Frucht, Aprikose, Pfirsich, Steinobst. Am Gaumen feinsaftig, kraftvoll, mit gutem Körper, gelbe Frucht, junge Birne, etwas Kirsch, Limettenfrucht. Hand geht zum Glas, trinkt sich auf hohem Niveau unkompliziert. Gute Säure, Zitrusnoten, hat Spiel, schöne Länge. 18- Punkte, 2015-2018 (93, 92, 93, 93, 93, 93, 93)

2005 Forster Ungeheuer Riesling GG, Mosbacher – Pfalz: Zitronengelb; fokussiert, klar, sehr mineralisch, und reintönig. Herrliche Frische und Energie. Rauchig- kräutriges Aromenspektrum. Am Gaumen Druck, zieht voll durch, prägnante Säure, ohne Schnörkel, richtig trocken, etwas Zitrusnoten; geradliniger, sehniger Typ, Basalt, mehr Mineralik als Frucht, super animierender Trunk, große Länge; wirkt immer noch jung; Säure, Länge, der Wein ist Null üppig, deutliche Salzigkeit, stundenlanger Nachhall; ich will mehr! 18 Punkte – 2015 bis 2020; (94, 96, 95, 94, 94, 95, 96)

2005 Westhofener Aulerde Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen: Helles Zitronengelb; Frische Nase, Kräuter, sehr dicht und fest gepackt, griffig, mineralisch, dreckiger Kalkschlamm. Hochgradig interessant. In der Nase eine Idee von Burgund. Rauchig, reichlich Extrakt, aber schlank; am Gaumen feinwürziger guter Gripp, erstaunlich jung, Zitronenzesten, geradlinig, Minze, mineralisch, hat Muskeln und noch mehr Sehnen, großes Kino. Animierende Säure, eine geile Sau, Struktur, kristalline Qualität, sehr erdig. Irgendwie erscheint er mir rough, nicht wirklich gesellschaftsfähig, andererseits unglaublich animierend und hintergründig, kann meine Finger nicht von lassen. Mit Suchtpotential. 19 Punkte – 2015 bis 2022 (96, 91, 94, 95, 95, 97, 95)

2005 Monzinger Halenberg Riesling GG, Emrich-Schönleber – Nahe: Helles Gelb. Kleiner Stinker zum Auftakt, Sylvester, leichten Petrolton, dann sehr kräutrig. Am Gaumen kraftvoll, mit maßvoller Säure, leider ohne diese besondere Säurespiel anderer Jahrgänge. Dicht, fokussiert, extraktreich; aromatisch sind die Scheuklappen angelegt, steinig, mineralisch, hat Muskeln, wirkt modelliert; endet auf der mineralischen, steinigen Noten. Gute Länge! 17 Punkte – 2015-2019 (92, 90, 92, 93, 92, 90, 90)

2005 Bockenauer Felseneck Riesling GG, Schäfer-Fröhlich – Nahe: ziemlicher Spontanstinker, Schießpulver, immer noch sehr reduktiv, was ein junger Wein, monolithisch, zieht durch, geradlinig, sehr fest und ultrajung, Prümsche Züge. Am Gaumen kräuterbittere Mineralik, verhaltene Frucht (am ehesten in Richtung grüner Früchte), sehr fokussiert und geradeaus; gute Säure, viel Zug und Frische; sehr jung. Nicht wirklich überraschend ist diese „schmutzige“ harte Mineralität, die unglaublich lange am Gaumen stehen bleibt. Felseneck ist Jahr für Jahr auf Grund seiner Stilistik und Radikalität eine polarisierender Wein; ich liebe ihn, kann aber alle verstehen, die sich an diesem „Charakterkopf“ reiben. 18 Punkte  – 2015 bis 2020 (93, 85, 89, 91, 88, 87, 87)

2005 IDIG Spätburgunder GG, Christmann – Pfalz: Bordeauxrot mit orangebraunen Reflexen am Rand; sehr reife Nase, Rumtopf, erdig, Pferdeäpfel und Käsemauken (Fußschweiß), vergammelte Kartoffeln. Am Gaumen ist der Auftakt gar nicht so schlecht, zunächst leicht rote Frucht, das Holz ist erkennbar, mit Luft bekommt er aber schnell unsaubere Noten, zerfällt und endet grausam. Leider keine Konterflasche verfügbar. Sollte sich vergleichbares Bild einstellen, dann ist dieser Wein der Stellung / Preis eines Großen Gewächses völlig unwürdig. 13 Punkte – vorbei (79,78, 80, 88, 84, 79, 82)

2005 Bühlertaler Engelsfelsen, Pinot Noir SD, Duijn – Baden: Reifes, dunkles Burgunderrot. Im Auftakt eine deutliche Rauhigkeit, Holzkohle, auch etwas Speck, die rotschwarze Frucht setzt sich nur langsam in Szene Am Gaumen zunächst ein vergleichbares Bild, das Holz dominiert die Frucht zu stark. Mit Luft baut die Frucht etwas aus, Kirschfrucht; durchaus erdig und mineralisch. Letztlich ist die Frucht aber zu keinem Zeitpunkt generös genug, um die speckig holzwürzigen Aromen ins Gleichgewicht zu bringen. Der 2005er SD bleibt leider hinter den Erfahrungen anderer Jahrgänge zurück. (am nächsten Tag mit noch mehr Luft ganz leicht gewonnen, aber letztlich ohne Änderung der Wertung) 16- Punkte – 2015-2020 (87, 88, 85,86, 87, 89, 84) 

2005 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken „R“, Koehler-Ruprecht – Pfalz: Zitronengelb mit viel Glanz; in der Nase fokussiert, sehr klar und erdig, mineralisch. Am Gaumen mit Kraft und Zug, bleibt auch ohne dicken Körper lange am Gaumen hängen, klar, erdig pikant, fokussiert. Reintönige, weiß gelbe Frucht, die insgesamt eine etwas untergeordnete Rolle spielt – der Wein spielt primär sein kräutriges, ätherisch mineralisches Blatt aus. Herrliches Säurespiel, toller Trinkfluss; ausgewogen und harmonisch. – Jetzt richtig gut, ohne Eile für die nächsten Jahre. Langer mineralisch kühl-würziger Abgang. 18- Punkte, 2015-2020 (93, 93, 94, 95, 91, 91, 90)

Ten Years After – Große Gewächse (und Vergleichbares) des Jahrgangs 2004 – Teil 1/2

GG 2004Wie schon im letzten Jahr, hat unsere Hamburger Weinrunde auch dieses Jahr wieder eine Bestandsaufnahme der Großen Gewächse zehn Jahre nach Ihrem Erscheinen unternommen. Dem lieben Ole sei Dank, der für die Probe seinen Keller geöffnet hat und bei der Auswahl ein goldenes Händchen bewies. An dieser Stelle ist auch der kleine Pferdefuß einer solchen Probe zu sehen, sie kann eben nur eine Stichprobe sein. Da jedoch die Keller unserer Runde voll sind, wird es in Kürze noch Teil 2 der Ten Years After Probe geben.

Das Weinjahr 2004 war nach dem Hitzejahrgang 2003 wettertechnisch eher das Gegenteil – ein kühler Jahrgang mit einer sehr langen Reifeperiode. Um die volle physiologische Reife der Trauben zu erreichen, mussten die Winzer pokern, Klaus Peter Keller hat z.B. die Lese erst am 23. November beendet. Wer die Nerven behielt, konnte phantastische Trauben einbringen – vollends ausgereift und mit guten Säurewerten. Durch die Bank zeichnete alle Weine unserer Probe eine hohe Frische und aromatische Tiefe aus. Einige waren auch 10 Jahre nach Ihrem Erscheinen noch so unglaublich jugendlich, dass man sprachlos ins Glas schaute und sich beklommen fragte, warum man selbst in der gleichen Zeit deutlich stärker gealtert ist. Basis glockenklarer Rieslinge ist ein absolut sauberes Lesegut, dass der Jahrgang 2004 vielen Winzern auch reichlich beschert hat. Einige Weine der Probe versprechen auch für weitere Jahre herrliches Trinkvergnügen.

2004 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer

93 Punkte – Der Wein sieht im Glas immer noch unglaublich jung aus, transparentes Zitronengelb mit ganz leicht grünen Reflexen. Schon unglaublich, was hier Christoph Tyrell und sein Team auf die Flasche gebracht haben. Schlank, tief und komplex sind die Attribute, die es am besten beschreiben. Ein frischer Duft von Sauerampfer, weißen Johannisbeeren und nassen Steinen, dazu ein Hauch Waldmeister. Dezente Zitrusnoten, sehr klar, rein und frisch; herrlich schlanke Figur, immer noch mit gutem Biss, Grip und enormer Tiefe, schöne Säure. Mineralische Länge! Sehr harmonisch! Auch wenn das damals noch kein GG war, hat Ole die richtige Entscheidung getroffen, diesen Wein in die Probe zu stellen, ein Musterschüler an Frische, Langlebigkeit und Mineralität.

2004 Riesling Winninger Uhlen R, Heymann-Löwnestein – Mosel

90 Punkte – Ein völlig anderer Stil im Vergleich zum Karthäuserhofberg. Typischer Heymann-Löwenstein-Stil: enorm reifes Lesegut, knapp an der Grenze zur Überreife, in seiner Art sicherlich ein Unikat und letztlich ein Stil an dem man sich reiben kann. In der Nase ein Duft von Muskatnuss, Apfelmus, exotischen Früchte und Kräutern. Am Gaumen fällt sofort die deutliche Restsüsse auf, die im Jahrgang 2004 jedoch einen fast ebenbürtigen Gegenspieler namens Säure bekommen hat. Saftiger Stoff mit kräftiger Würzigkeit und hoher Schiefermineralität, Orangenzesten, hoher Extrakt. Barocke Statur, aber auch viel Spiel, dezente Bitternoten und schmutzige Mineraität, da passiert ordentlich was im Glas. Erinnert mich an fruchtiges Marzipan und orientalische Gewürze. Bleibt am Gaumen lange haften, zeigt aber auch eine gewisse Schwerfälligkeit, die in 2004 auf Grund der Säure jedoch nicht gar so behäbig ausfällt wie bei anderen Jahrgängen dieses Weins.

2004 Oestricher Doosberg Riesling ***, Peter Jakob Kühn, Rheingau

92 Punkte – 3.Wein im 1.Flight und nochmals eine völlig andere Interpretation des Jahrgangs. Bei diesem Wein haben Maischestandzeiten bzw. eine Vergärung auf den Schalen genauso eine Rolle gespielt, wie der eher oxidative Ausbau im Fass. In der Nase dominiert eine deutliche Phenolik, der Doosberg zeigt viel kräutrige und vegetative Aromen (Verbene, Anis, Kamille und Heu), auch ein schöner Hefezopf kommt mir in den Sinn. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild, weißer Tee, Lakritze, Kamille und vieles mehr, ist aber nahezu fruchtfrei. Der Wein überzeugt mit seiner lebendigen Art und Frische, und ist keineswegs – wie kürzlich in einem Blog gelesen – bereits hinüber. Der Wein ist furztrocken, zeigt viel mineralisches Spiel und Druck sowie ein wunderbares Säurespiel; der Abgang ist lang anhaltend und ausgewogen.

2004 Rüdesheimer Schlossberg Riesling Erstes Gewächs, August Kesseler – Rheingau

91 Punkte – Ein klassischer Rheingauriesling wie er im Buche steht. Die Nase ein frisches, duftiges Potpourri weißer und gelber Steinobstfrüchte, dezente Kräuterwürze. Am Gaumen herrlich frisch, klar und saftig. Quicklebendig und doch konzentriert, schöner fruchtiger Extrakt. Insgesamt stimmiger Wein, am Gaumen wird die gelbe Frucht komplettiert durch feine Würzaromen, ein paar Gramm Restzucker und eine passende Säure sorgen für das nötige Gleichgewicht. Der Schlossberg hat einen schönen Körper und einen weichen Schmelz. Sehr trinkig!

2004 Monzinger Halenberg Riesling GG, Emrich-Schönleber – Nahe

95 Punkte – für mich eines der GG, das man – auf Grund seiner alljährlichen aromatischen Konsistenz und Klasse  – blind getrunken recht leicht zuordnen kann. Die 04er Jahrgang sticht als primus inter pares selbst hier heraus, ein unglaublich gelungener Halenberg. Ein voller Gongschlag mit höchst reinem Klang. Die Nase ist dicht und reintönig, eine Mischung aus kühlem Gletscherwasser, das mit getrockneten Kräutern, Zesten von Zitrusfrüchten und Steinmehl angereichert wurde; Ingwer und rohen Tobinambur habe ich mir ebenfalls notiert. Am Gaumen auch nach 10 Jahren noch mit viel Zug und innerer Spannung, kraftvoll, vital. Die ausgeprägte Mineralität und ein reine, vielschichtige kühle Frucht sowie Kräutrigkeit beschäftigen die Sinne und den Geist beim Genuss dieses wirklich „Großen“ Gewächses. Hier passt alles: Kraft, aromatisches Spiel, Mineralität, Kühle, animierende, perfekt eingebundene Säure und Länge. Champions League!

2004 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff – Nahe

96 Punkte – Ebenfalls Champions League, aber anders in der Stilistik als der Halenberg von Emrich-Schönleber. Die Harmonie, Finesse und Eleganz dieses Weins ist so besonders, dass man ihm schon seine Aufmerksamkeit schenken muss, um das gesamte Aromenspiel mit seinen zahlreichen Verästelungen vollständig wahrzunehmen. Stand der Halenberg mitten im Raum und hatte gleich die voller Aufmerksamkeit, so möchte die Hermannshöhle mit ihrer Noblesse, Eleganz und Vielschichtigkeit entdeckt werden. Harmonie, höchste Harmonie, filigran, aber nachhaltig. Mineralisch; komplexe und zarte Fruchtanklänge, viel innere Spannung, wunderschön balanciert, feines Spiel. Lupenreiner Diamant, elegant und perfekt – einmal mehr bestätigt: echte Klasse und Perfektion sehen stets leicht und spielerisch aus. Königswein!

GG 2004 Nahe Rheingau
GG 2004 Nahe Rheingau

2004 Westhofener Kirschspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

90 Punkte – Goldgelbe Farbe, kraftvolle, dichte gelbe, aber auch etwas verwaschene Frucht, erdige Noten, Quitte. Am Gaumen vergleichbare Aromatik: viel gelbe Frucht, sehr dicht und kompakt, aber auch ein wenig grobmotorisch, erkennbares Bitterle, sehr viel Extrakt, mittlere Länge. Die Säure ist stimmig und gibt dem Wein ein gutes Rückgrad, sodass der Wein insgesamt als reicher, kraftvoller, aber etwas ungelenker Typ rüberkommt – als Gesamtpaket weiß er trotzdem zu gefallen.

2004 Westhofener Kirschspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – Die Nase wirkt immer noch jung und zeigt viel Spiel. Deutlich von einer kräutrigen Mineralität geprägt, dezente Citrusnoten. Im Mund immer noch erstaunlich straff, jung und zupackend. Die Verbindung von viel innerer Kraft und Spannung mit Ausdruck, Vielschichtigkeit sind eine Kombination, die diesen Wein zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Dieser Wein lebt und entwickelt sich im Glas, Schluck für Schluck lutscht und kaut man und gewinnt immer neue Eindrücke. Bei aller Vielschichtigkeit hat der Wein eine klare Linie, der man nur allzu gerne folgt. Feines Säurespiel und mineralische Tiefe, getrocknete Kräuter, salzige Mineralität. Langes und mineralisches Finale. Großes Kino!

2004 Forster Pechstein Riesling GC, Dr. Bürklin-Wolf – Pfalz

92 Punkte – Helles Goldgelb. Bereits in der Nase präsentiert sich der Grand Cru 2004 aus dem Forster Pechstein als überaus harmonischer und ausgewogener Riesling. Gelbe Frucht, enorm cremig, hocharomatisch mit schönem Extrakt, guter Frucht und feiner Würze; zeigt Widerstand am Gaumen und endet lang auf der Frucht. Auch dieser Wein ist noch jung und kann wie fast alle anderen 2004er dieser Probe noch viele Jahre auf hohem Niveau genossen werden.

2004 Forster Kirchenstück Riesling GG, Reichsrat von Buhl – Pfalz

93 Punkte – Im Auftakt dezente Birnenaromatik, dann weiße Johannisbeeren, weiße Haribo-Gummibärchen (musste ich aufschreiben, da ich die so mag – hier aber nicht so süss), wirkt insgesamt sehr jung und frisch. Am Gaumen mit recht straffer Minrealität, wieder Birnenfrucht, Zitronentarte, feinsaftig, immer noch druckvoll, animierende Säure, sehr jung, mit etwas Luft wird er tiefgründiger. Frucht und Kräuter – wirkt gut definiert und geradeaus in seiner Art, schöne Länge. Immer noch jungendlich.

2004 Königsbacher IDIG Riesling GG, Christmann – Pfalz

89 Punkte – Satte Frucht, durchaus tiefer Ansatz, hocharomatisch, ein wenig Honig, Apfel, eines der gereiftesten GG unserer 2004er Probe, ein Hauch Boytristis? Viel gelbe Früchte, schöne Würze – insgesamt sehr kraftvoll und substanzreich, hat Power, die Säure bietet Paroli. Eine Riesling im Sinne eines Wachauer Smaragds. Substanzreicher Wein, aber auch etwas schwerfällig.

2004 Riesling Saumagen Auslese R, Koehler-Ruprecht – Pfalz

96 Punkte – Als Einziger 9 Stunden dekantiert. Helles Weiß- und Gelbgold. Vital und glockenklar, viel innere Spannung und Tiefe, der Wein fährt mit Vollgas geradeaus, die Quintessenz eines reintönigen Rieslings – belebend, selbst am Ende einer Weinprobe wie ein Weckruf. Konzentriert und vital – mir gefällt diese pure, klare Art, die Tiefe ohne Schwere zulässt, die Komplexität ohne Schminke kann und Länge ohne Tricks beschert. Das ist Weltklasse!

GG 2004 Pfalz

2014 Berlin Riesling Cup – 2013 Große Gewächse – Teil 1/2

36 Weine, getrunken in 18 flights; alle Weine wurden 1 Tag (mittags) zuvor geöffnet; zur Verkostung perfekt temperiert; Verkostungsglas: Universalglas von Zalto.

Insgesamt war der Jahrgang 2013 für die viele Winzer kein einfaches Jahr und bei vielen Guts- und einfachen Lagenweinen ist nicht alles Gold, was im Glas gülden glänzt.

Doch für die von Martin Zwick für den Berlin Riesling Cup vorausgewählten Großen Gewächse funktionieren pauschale Jahrgangsurteile nicht. Durch die Bank präsentierten sich sämtliche Großen Gewächse als würdige Vertreter ihrer Gattung und in der Spitze sind ein paar richtig große Weine entstanden. Interessanterweise scheint dieser Jahrgang ein Jahr des Rotliegenden zu sein. In vielen Jahrgängen zuvor waren stark kalkhaltige Böden die Top-Scorer beim Berlin Riesling Cup. Dieses Jahr gingen die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen an Rieslinge, die auf rotem Schiefer / Rotliegendem gewachsen sind. Diese Böden heizen sich tagsüber richtig auf und geben in der Nacht die Wärme wieder ab. In heißen Jahrgängen ist das gelegentlich zu viel des Guten, doch in kühleren Jahrgängen (2013), wo Trauben und Winzer um ihre vollständige physiologische Reife kämpfen müssen – ein klarer strategischer Vorteil. Dass gleich 3 Weine unter den Top 5 der Gesamtwertung vom Roten Hang kommen, passt indieses Bild, gilt doch diese Lage mit ihrer Südausrichtung (Pettenthal und Rothenberg) als besonders warm.

Zwei angestellte Weine von jungen Nachwuchswinzern haben sehr unterschiedlich reüssiert.

1) 2013 Arzheimer Kalmit Riesling Kapellenstück, Weingut Katrin Wind, – Pfalz

87 Punkte – verhaltene Nase, vegetabile Noten, schlanker Ansatz, recht säurelastig, unreife Zitrusfrüchte, sehr frisch, klar, hat innere Spannung, zeigt Mineralität, dezente Bitternote, ohne besondere Länge

2) 2013 Ilbesheimer Kalmit Riesling GG, Weingut Kranz – Pfalz

91 Punkte – Kühl wirkende Nase; dicht, zupackend, zeigt Mineralität, viel saftige Frucht von gelbem Kernobst und exotischen Früchten, gute Stoffigkeit, schöner Körper, mit Luft zarter Schmelz, präsente Säure, endet auf Zitrusnoten.

3) 2013 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling GG, Emrich Schönleber – Pfalz

93 Punkte – Spontinase, rauchig, viel Druck und Zug, packt zu, vibrierende Säure, vegetabile Noten, sehr klar und frisch, reintönig, animierend, wirklich hohe Mineralität, schon erstaunlich harmonisch.

4) 2013 Erbacher Hohenrain Riesling GG, von Oetinger – Rheingau

87 Punkte – Nase mit vegetabilen Noten, grüne Früchte, Zitrusnoten. Die Säure schießt durch, wirkt sehr trocken; wieder vegetabile Noten im Vordergrund, wenig Beerenfrucht, recht geradliniger Typ, insgesamt noch etwas unruhig und verwaschen.

5) 2013 Forster Jesuitengarten Riesling GG, von Buhl – Pfalz

91 Punkte – Klarer frischer Duft, Rhabarber, frische grüne Noten, Minze, zarte Mineralität, schöne Tiefe, mittlerer Körper, Orangenblüten, Grapefruit, etwas Tannin, hat Potential, tief und nachhaltig, animierende Säure, muss man richtig reinhorchen, kein bisschen vordergründig – dann mit tollem Echo – Gute Länge – wie schreibt Anwalts Liebling immer so schön: sleeper of the vintage!

6) 2013 Deidesheimer Kalkofen Riesling GG, von Winning – Pfalz

92 – Duftige Nase, kräutrig, hat auch etwas Restzucker, resche Säure, schöne Stoffigkeit, zeigt schon Schmelz, zu Beginn kleines Bitterle, Tabak, vegetabile Noten, aber auch gelbe Früchte, wirkt zu Beginn noch sehr unruhig und die Dinge fügen sich noch nicht. Baut dann im Glas riesig aus, die mineralische Würze kommt mehr zur Geltung und der Wein beginnt sich zu fügen. Selten so eine Entwicklung im Glas erlebt.

7) 2013 Westhofener Morstein Riesling GG, Keller – Rheinhessen

94 Punkte – Kühle, sehr feste und tiefe Nase, herrlich kräuter-würzige und vegetabile Noten, kraftvoll und tief. Am Gaumen ein packender Stoff mit herrlicher Tiefe; zeigt Körper, mit viel innerer Spannung und intensiver Mineralik, animierende Säure, wenig entwickelt. Über all dieser Substanz liegt ein zarter Schmelz – ein sublimes Spiel der Gegensätze. Schmeckt lange nach.

8) 2013 Königsbacher Idig Riesling GG, Christmann – Pfalz

88 Punkte – Die Nase ist kräutrig-vegetabil, ein wenig Frucht andeutend. Am Gaumen eine schöne gelbe und leicht exotische Frucht, feuchte Erde und Jod, geschmeidiges Mundgefühl, erstaunlich wenig Ecken und Kanten, trotzdem kein Ausbund an Ausgewogenheit.

9) 2013 Westhofener Morstein Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen

94 Punkte – schlanker Ansatz, steinig, sehr fest, viel Zug und innere Stärke, etwas Feuerstein,
kraftvoll; der eiserne Baron, doch im Hintergrund deutet sich seine Komplexität bereits an. Das ist stimmig, mit viel Potential, aktuell muss man noch ziemlich lutschen, damit sich Schloss und Riegel öffnen.

10) 2013 Dorsheimer Burgberg Riesling GG, Diel – Nahe

92 Punkte – Dichte, runde, volle Nase – kühle Kräutrigkeit, geschmeidig, saftig, erstaunlich füllig, sehr stimmig, recht tiefer Ansatz, schöne Länge. Herrlich unaufgeregt und bereits in dieser frühen Phase Eleganz ausstrahlend.

11) 2013 Kiedricher Gräfenberg Riesling GG, Weil – Rheingau

92 Punkte – Für mich einer der Lagen/Weine mit dem größten Wiedererkennungsfaktor in Deutschland. Klare Nase mit schöner Tiefe, getrocknete Kräuter und diese für mich so einzigartige und hochindividuelle Pfirsich-, Marillennase; am Gaumen besitzt der Gräfenberg Dichte und Spannung, die Frucht ist gut und komplex, etwas Holz, kühl und reintönig; nicht laut, aber elegant, geschmeidig, Eleganz andeutend.

12) 2013 Stettener Pulvermächer Riesling GG, Karl Haidle – Württemberg

92 Punkte – Tiefer Ansatz, saftig, dicht und spannungsgeladen, kernig, herbe Kräuteraromatik, sehr fest und kraftvoll, schöne Säure, presst sich an den Gaumen, grüner Tee, zupackend, große Mineralität und kleinem, animierenden Bitterle, hat Tiefe und zeigt eine attraktive Länge.

13) 2013 Westhofener Brunnenhäuschen Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen

89 Punkte?? Verhaltene Nase, dahinter ein Strauss herber, getrockneter Kräuter. Am Gaumen fest gebaut, Tiefe andeutend, lässt aber wenig raus. Wirkt sehr verschlossen. Geschmeidige Oberfläche, gelbe Frucht, animierende Säure.

14) 2013 Bockenauer Felseneck Riesling GG, Schäfer-Fröhlich – Nahe

95 Punkte – Der am meisten polarisierende Wein der Verkostung. Ich bekenne mich als Fan! Ein deutlicher Spontanstinker, Nordseeküste bei Ebbe, Holz, Jod, verbranntes Gummi, getrocknete Kräuter. Kraftvolle und tiefe aber auch noch sehr unruhige Nase. Am Gaumen passiert viel. Druckvoller, saftiger Stoff, gelbe, Früchte, getrocknete Kräuter, Tabak, fordernde Mineralik; zupackend, mit Grip; das Zuckerschwänzchen (kandierte Früchte)kann sich noch besser integrieren. Lebendige Säure, wird ein großer Wein, mit schöner Länge, braucht Zeit.

15) 2013 Westhofener Riesling, Keller – Rheinhessen

93 Punkte – Wein stammt aus der Lage Morstein von 40 jährigen Reben, die nicht als GG gefüllt wurden (GG = 60 jährige Reben) Animierende Nase, mit kleinem Spontistinker; changiert sehr stark, ohne laut zu sein, viel Komplexität, Efeu, Minze, tiefer, mineralischer Ansatz, viel Substanz.

16) 2013 Niederhäuser Hermannhöhle Riesling GG, Dönnhoff – Nahe

93 Punkte – Recht verhaltene, kühle Nase, vegetabile Noten, Minze. Am Gaumen sehr klar und präzise, mit angemessenem Druck und attraktivem Spannungsbogen, erstaunlich feines Säurespiel, zeigt Schmelz und rollt über die Zunge – weiche Oberfläche, niemals laute oder vordergründige Frucht, dafür komplex und mit Tiefe, feine Süße und schöne Mineralität im Hintergrund. Wirklich schöner Wein.

17) 2013 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Keller – Rheinhessen

94 Punkte – Sehr feste und tiefe Nase, recht herbe, vegetabile Noten, Nase die einen wirklich beschäftigt. Am Gaumen ebenfalls sehr fest und kraftvoll mit viel innerer Spannung, sehr mineralisch, sehr schön. Ein Wein, der noch wenig rauslässt, aber einen bereits in seinen Bann zieht, nachhaltig, straffer, sehr langer Abgang.

18) 2013 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Kühling Gillot – Rheinhessen

94 Punkte – Kraftvolles und tiefes Bukett mit schöner Würzigkeit, Kräutern und gelbem Steinobst. Kraftvoll, saftig! Maul voll Wein, viel Frucht, super Balance, super Stoff, tiefgründig, gelbfruchtig, schon erstaunlich offen. Zeigt tolle Länge 94 – Spruch des Abends „Heaven Pettingthal“ © MK

Foto 2Charmante Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit.

2006 Riesling Dürnsteiner Ried Schütt, Weingut Knoll – Wachau

Heute Abend hatte ich mal wieder Lust auf einen echten Weisswein Brummer.

Die 2006er Ausgabe vom Riesling Ried Schütt hat nicht enttäuscht. In der Nase getrocknete Wiesenblumen, gelber Apfel, Bergkräuter. Kraftvoller Stoff; Äpfel, Mango, Papaya, Birnen, ein wenig reife Citrusfrucht und Bergkräuter. Weiche Oberfläche, darunter viel Kraft und Zug, animierend, brennend-salzige Mineralik, weisser Pfeffer und etwas Curry. Ne, eigentlich recht deutlich Curry ;-))

Saftig und erstaunlich frisch für einen 2006, von denen ich immer annahm, dass die auf Grund des Hitzejahres etwas zu opulent sind und nicht so gut altern können. Das Teil lehrt mich eines Besseren. Schöne Länge! Einige Filigrantrinker wird der spürbare Alkohol und eine dezente Bitternotestören, für mich passt das zum Jahrgang und zum Wein.

Auf Grund einer guten Säure und der Mineralik nie mastig, sondern „nur“ mächtig, powerfull, aromatisch und lang.

Braucht etwas Luft und sollte nicht zu kalt getrunken werden. Auch nicht zu viel, hicks :geek:

2007 Pettenthal Riesling GG, Kühling-Gillot – Rheinhessen

92 Punkte – Der Ton- und Sandstein dieser wunderbaren  Einzellage, entstammt wie der gesamte Rote Hang aus der Zeit des Rotliegenden (Teil des Perm). Die rote Farbe ist wohl auf Eisenverbindungen zurück zu führen.  Der Ton- und Sandstein speichert ähnlich gut die Wärme wie Schiefer.

Kraftvoller, stoffliger und energiegeladener Riesling – mit dezent salziger Mineralität. Insgesamt sehr generöser Stoff, körperreich, getrocknete Kräuter, Orangenzesten. Sonne, Wärme und ein Hauch von Wachauer Smaragd wehen durch mein Glas. Kein Wein für reine Filigrantrinker, auch wenn der Wein Komplexität, Länge und Eleganz durchaus besitzt. Mit 2,3 Grad Celsius mehr im Glas entwickeln sich die dezent barocken Anlagen des Weins mehr und mehr; die Cremigkeit nimmt zu; Sahnenoten, Apfelkompott, der Wein wird immer weicher und opulenter. Jetzt in perfektem Zustand trinken, so schmeckt 2007 richtig gut. Potential auf diesem Niveau für weitere 1,2 max. 3 Jahre.

2000 Riesling Vinothekfüllung, Weingut Knoll – Wachau

93 Punkte – Falls meine Unterlagen stimmen, ist der Milleniumsjahrgang beim Riesling das erste Jahr, in dem die Vinothekfüllung auf die Flasche kam.

Dieser Wein ist ein echter Brummer – und für mich der beste Beweis dafür, dass auch dicke Bäuche Stil und Sexappeal haben können. Reife Renekloden, Marillen, Oranqenkonfitüre, dazu ein Hauch Ingwer und eine ganz leichte Firne – alles umgeben von  einer barocken Fülle, Struktur und einer kräftigen,  reifen Säure. Der Wein hat Bums, Druck und auch reichlich Alkohol, aber insgesamt macht das riesig Spass, selbst wenn man – trotz der herrlich würzigen Mineralität (!!) – keine ganze Flasche trinken möchte. Brrr, stofflig, viel Schmelz (Werthers Echte) und richtiiiig lang.

2001 – 2011 G-Max, Weingut Keller – Rheinhessen

Probenvorbereitung macht Spass

Bild: Die Vorbereitungen am Vorabend – Spannung und Vorfreude

Mit dem Jahrgang 2001, hat Klaus Peter Keller – in der 9.Generation – das Zepter im familiären Weingut übernommen. Familiensinn, eine Verbundenheit mit der heimischen Scholle und das stete Streben, besondere Weine zu erzeugen, prägten und prägen das Denken und Handeln der Winzerfamilie Keller. Die Keimzelle des Erfolgs für das Familienweingut Keller liegt sicherlich im Hubacker, heute eine der bedeutendsten Lagen in Rheinhessen.

Unter Georg III, der fünften Keller Generation, wandelte sich der „Hausberg“ der Familie Keller in den heutigen, sanften Südost-Hang. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Hubacker ein Terrassenweinberg, auf dem es auch Buschwerk und offenen Felsen gab. Friedrich Heinrich, der Sohn von Georg III, machte in zwei Jahren die felsigen Abschnitte als Weinberg urbar, indem er schwere Felsbrocken sprengte und die Terrassen einebnete. In Erinnerung und Anerkennung dieser Leistung hat Klaus Keller, der Vater von Klaus Peter, Ende der 90er Jahre den „G“ – als Hommage an die Ur-Großväter auf die Flasche gebracht.

Der G-Max ist heute quasi der Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft im Hause Keller, denn das „Max“ im G-Max steht nicht – wie viele immer wieder vermuten – für „Maximum“ oder „maximal“, sondern es steht für den Namen des 2. Sohns von Julia und Klaus Peter Keller: Maximilian. Daher macht auch der häufig angestrengte Vergleich mit dem „Unendlich“ von F.X. Pichler aus der Wachau keinen Sinn, denn schon die Ansätze sind völlig unterschiedlich. Während F.X. Pichler die Idee mit dem Unendlich verfolgt, das Maximum von Terroir und Rebsorte auszureizen, ist für Klaus Peter Keller ein Höchstmaß an Eleganz und Trinkfreude das erklärte Ziel.

Hinzu kommt, dass niemand so genau weiß, aus welcher Lage der G-Max stammt. Mit recht großer Wahrscheinlichkeit würde er die Krone der Großen Gewächse aus dem Hause Keller beanspruchen, doch dazu müsste der G-Max seine genaue Herkunft auf dem Etikett zur Schau stellen und da er sich zu diesem Thema lieber in einen Mantel des Schweigens hüllt, begnügt sich der G-Max damit, ein „einfacher“ Qualitätswein zu sein.

Meiner privaten Einladung in Hamburg zur gemeinsamen Verkostung aller bisherigen 11 G-Max Jahrgänge (2001-2011) ist nicht nur Klaus Peter Keller gefolgt, sondern eine bunte Mischung aus 12 weiteren Weinliebhabern, Sommeliers, Weinhändlern und Fachjournalisten hat den Ruf des G-Max gehört. Gemeinsam haben wir 5 Stunden an einem Tisch bei Wasser, Brot, Butter und G-Max verbracht, verkostet und philosophiert. Alle Weine wurden 18 Stunden vor Beginn der Probe geöffnet und in der Flasche belüftet. Verkostungsglas: Bordeauxglas von Zalto.

Klammer des Erlebten ist die intensive Kraft, innere Spannung und die in allen Jahrgängen wahrgenommene Frische und Lebendigkeit des G-Max – die vom Kalkstein geprägte Mineralik ist wohl der Ausgangspunkt dafür. Die Säure ist stets bestens integriert und die klare und präzise Definition des G-Max ist Jahrgang für Jahrgang überzeugend; selbst  in einem Hitzejahre – wie z.B. 2003  – ist dies formidabel gelungen.  Ein Vergleich mit den austrainierten Körpern eines Balletttänzers oder einer prima ballerina erscheint mir nicht abwegig.

Der Genuss von Wein und der Besuch eines Ballets bergen für mich grundsätzlich eine Gemeinsamkeit. Wenn der Wein groß ist oder das pas de deux perfekt und voller Anmut getanzt wird, möchte ich diesen Moment festhalten – ich empfinde dann eine innere Beruhigung und Stille. Etwas anders formuliert es Terry Theise in seinem aktuellen und lesenswerten  Buch ‚Mein Wein – Das Plädoyer gegen den globalen Einheitswein‘: „Viele Weine, selbst gute, lassen Dich Lärm schmecken. Aber nur die allerbesten geben Dir Stille zu kosten.“ Ich habe an diesem Nachmittag Stille verkostet.

Bild: G-Max Probe: 13 Teilnehmer bei Wein, Brot und Butter

2011 Riesling G-Max, Weingut Keller:  100% Riesling. Zu Beginn in der Nase Noten der spontanen Vergärung, mit mehr Luft im Glas wird die Aromatik klarer und baut dynamisch aus – tabakige, kräuterwürzige Anklänge, frische, nicht vollreife Weinbergspfirsiche, Noten rotbackigen Äpfeln, Limetten. Herrlicher Biss, Phenole, viel kalkige Mineralik, mit kühlem Ansatz und kraftvollem Zug. Der Wein steht herrlich lang am Gaumen –  Zzzh. Weglegen! 19/20 bzw. 96/100  2016-2035

2010 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Kühlster Jahrgang bislang; Klaus Peter Keller meint: „dieser Jahrgang war wie Niedrig-Temperatur-Garen“. Äußerst fokussiert und präzise; Mandarinen, Kumquats, tiefe, tabakige Mineralität, getrocknete Kräuter, weiße Johannisbeeren, nasser Stein, ein Duft wie bei einer Alpenwanderung nach einem heftigen Gewitterregen; mit der Rasierklinge gezogene Ecken und Kanten, der Griff in die Steckdose, wer da nicht elektrisiert ist, ist wahrscheinlich tot. Großer Stoff! Unbedingt dekantieren, besser erst am 2.Tag trinken. 19+/20 bzw. 98+/100 2016–2040

2009 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Tiefe, kräuterwürzige Nase, nasser Kalksteingeruch, feine Würzigkeit, rotbackige Äpfel, Currykraut. Über allem liegt eine zarte, Meeresbrise mit Eindrücken von Muscheln und Jod – man atmet tief ein, um diese Frische nicht vorbeiziehen zu lassen. Am Gaumen verbindet sich ein dezenter Eindruck von Extraktsüße mit einem hauchzarten Schmelz. Doch die erste Geige gebührt klar der tiefen Mineralität. Mit viel Spannung drückt sie sich an den Gaumen. Der etwas wärmere Jahrgang offentbart sich dann mit einer Saftigkeit und einer komplexen Fruchtigkeit von gelben Früchten, Steinobst und einem langen fruchtig-mineralischer Abgang. Jugendliche Schönheit mit viel Ausstrahlung. Vor aktuellem Genuss bitte dekantieren 18+/20 bzw. 95/100 2015-2030

2008 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Von den anderen Jahrgängen etwas abweichendes Aromenprofil. Bienenwachs, gelbe Blüten, Zitronenverbene, getrocknete Kräuter, Limetten. Am Gaumen etwas rauer als in anderen Jahrgängen,  sehr tief, leicht phenolige Noten (etwas adstringierend), dezent vegetabile Noten, braucht viel Luft,  hat Zug und Grip, pikante Säure, feine Bittertöne, britische Orangenmarmelade. Im Abgang ein klein wenig austrocknend. Der Wein wurde 48 Stunden auf den Rappen vergoren, um auf natürliche Art und Weise die für den Jahrgang typische, erhöhte Säure abzupuffern. Macht müde Männer munter (und beschäftigt sie den Rest des Abends). Dekantieren! 19/20 bzw. 96/100 2015 – 2030

2007 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Der 2007 Jahrgang offeriert einen Hauch von Wachs, doch schnell drängt sich die hochfeine, tabakige und kräuterwürzige Mineralität in den Vordergrund; bereits in der Nase legt der Wein ein klares Bekenntnis zu seiner Kalksteinherkunft ab; gelbe Blüten, Mandarine und Limone; gelbe Blüten. Perfekte Säure, kraftvoll, aber ohne jede Schwere. Glockenklar, mit tiefer Mineralität. Nach drei Tagen die geöffnete Flasche rückverkostet: immer noch ein Ausbund an Frische und bestechender Klarheit, tiefer Mineralik und herrlicher Länge – die Hand geht in kurzen Abständen zum Glas. Kann angetrunken werden, sofern ausreichend dekantiert. 18/20 bzw. 94/100 trinken-2025

2006 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. In weiten Teilen Deutschland ein schwieriger Jahrgang mit einer Kombination aus Feuchte und Wärme. Aber auch in schwierigen Jahren zeigt diese G-Max Parzelle, was in ihr steckt. Der 2006er G-Max ist in dieser vertikalen Verkostung der Jahrgang bei dem die Frucht am Stärksten zum Ausdruck kommt: exotische Früchte, Kaki, Ananas, gelbe Kirschen. Am Gaumen viel Saft und Kraft, aber auch hier drückt die Mineralik des kalkigen Bodens sich Stück für Stück durch und im Abgang dominiert sie mit ihren deutlichen Würze und Salzigkeit. Auch der 2006er G-Max steht am dritten Tag wunderbar im Glas und ist immer noch fest und lebendig. Die Nase zeigt Eindrücke von hochreifem Lesegut, sehr aromatisch, etwas Honig und viel gelbe Früchte. Am Gaumen voller Leben, druckvoll, viel Jod und Salz, dazu gelbe Früchte, Papaya, Kaki sowie eine genussvolle Länge. 18/20 bzw. 93/100 trinken-2023

2005 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Präsente, tiefe und komplexe Nase. In einem vom Kalk geprägten Korsett steckt die Frucht und versucht auszubrechen. Weißer Pfirsich, frische Äpfel und Birnen und weiße Johannisbeeren. Am Gaumen ein Mix aus frischen Früchten und vegetabilen Noten: Weinbergspfirsiche, Renekloden und Grapefruit einerseits und Eindrücke von Kaiserschoten und Süßmais andererseits. Viel kräuterwürzige Mineralik im Hintergrund, hat Zug und Grip, nachhaltig. Jetzt mit viel Genuss zu trinken. 18/20 bzw. 95/100 trinken-2020

2004 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Wirklich großer Wein aus eher kühlem Jahr! Glockenklare und abgrundtiefe Nase; wirkt noch unglaublich jung, kühle, tabakige Kräutrigkeit, komplexes und filigranes Spiel, dabei äußerst präzise und nervig. Am Gaumen vibrierende Frische und Klarheit; kühl, ätherisch, ein filigranes Fruchtspiel, viele Kräuter, Waldwiese, frische Ananas, Citruszesten; grandioser Säurebogen. Streng, unglaublich tiefgründig, intellektuell und diszipliniert einerseits, filigran, virtuos und von reiner Schönheit andererseits. Fester, langer Nachhall – mit Echo. Elektrisierender Riesling! Hat noch ein langes Leben vor sich. 20/20  bzw. 100/100  2014-2028

2003 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Kräftiger, saftiger G-Max, mit ein paar Rundungen. In Der Aromatik  exotische Noten von Mangos, Kokosmilch, reifen Nektarinen, Quitten, Orangenzesten oder gelben Blüten. Am Gaumen für den Jahrgang unerwartet strukturiert und kompakt, immer noch sehr frisch und voller Energie.  Selbst in diesem Hitzejahrgang haben die alten Rebstöcke viel Kraft und Mineralität aus dem Kalksteinboden gezogen, sodass der G-Max auch im 2003er Jahrgang Spiel und Mineralität zeigt. Die Säure ist wunderbar und unterstreicht, dass auch trockene 2003er Rieslinge nach 10 Jahren noch hervorragend schmecken können. 18/20 bzw. 93/100 trinken-2023

2002 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Leider leichte Beeinflussung vom Kork. Dennoch ist das große Potential dieses Jahrgangs zu erkennen. Kraft, Druck und Struktur. Ohne Wertung

Bild: Johannes Lüddens und Klaus Peter Keller

2001 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Erstaunlich jugendliche, tiefe und sehr klare Nase, Äpfel, junge Ananas, Mandarinen, auch vegetabile Anklänge von Zitronen-verbene, Kamille, Minze und Melisse; leicht rauchig. Am Gaumen pikante, rassige Säure, sehr klar und fordernd; mit viel Zug und steiniger Mineralität. Immer noch sehr fest, aber mit Spiel und schöner Länge.  Sehr animierend. 18/20 bzw. 94/100 trinken-2020

2011 Riesling Große Gewächse – Berlin Riesling Cup

Der Berlin Riesling Cup ging dieses Jahr am Samstag, den 6.10. in seine fünfte Runde – und aus einem jungen, zarten Pflänzchen hat sich eine junger Baum entwickelt, dessen Jahresringe immer bedeutender werden. Martin Zwick hat mit dem Berlin Riesling Cup eine Plattform geschaffen, die es den Verkostern ermöglicht (unter sehr guten räumlichen und organisatorischen Bedingungen) stringent, aber doch in angemessener Ruhe eine handverlesene Auswahl der besten Großen und Ersten Gewächse des jeweiligen Jahrgangs zu verkosten.  Als vorteilhaft – gegenüber der sicherlich ebenfalls perfekt organisierten GG-Auftaktveranstaltung des VDP – haben sich zwei Dinge erwiesen. Die zusätzlichen 6 Wochen auf der Flasche haben die Rieslinge einerseits genutzt, um sich nach ihrer Füllung zu beruhigen und ihren Ausdruck weiter auszubilden, anderseits ist mit der angestellten Anzahl von  ca. 40 Großen Gewächse aus meiner Sicht die Grenze erreicht, was – trotz professionellstem Umgang mit den Weinen – die menschliche Sensorik seriös verarbeiten kann. Viele „Profis“ mögen mir widersprechen und sagen, dass 150 und mehr Weine an einem Tag erfassbar sind, doch diese These teile ich aus zwei Gründen nicht. Erstens besitzt diese Kategorie von Weinen eine so komplexe Struktur und einen so vielschichtigen Ausdruck, dass man ihnen mit 180 Sekunden Verkostungszeit sowie 3,4 oder 5 Worten pro Wein und einem zugewiesenen Punktwert nicht gerecht wird. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass die menschlichen Rezeptoren nicht so weit geschult werden können (egal wie oft man Degustationsmarathons durchläuft), dass sie ab einer gewissen Penetration nicht abstumpfen und  man im Ergebnis nur noch die aromatischen Hoch- und Tiefpunkte erfasst. Im Ergebnis führen Massenverkostungen zu „Punktebrei“, also einer Punktsetzung um den bisherigen eigenen Durchschnitt. Der VDP täte gut daran, die Wiesbadener Veranstaltung nicht nur gewohnt professionell zu organisieren, sondern auch von den Verkostern, Journalisten und Einkäufern etwas mehr Zeit zu verlangen – schließlich haben die Winzer sehr viel Arbeit, Zeit, Geld und Inspiration investiert, derer man gerecht werden muss. Pro Tag ein Anbaugebiet wäre ideal, mindestens jedoch eine Verteilung auf 2 Tage ist erforderlich.

Nachfolgend nun meine persönlichen, höchst subjektiven Eindrücke anlässlich des diesjährigen Berlin Riesling Cups. Insgesamt waren 13 Verkoster am Tisch, wobei Martin Zwick als Veranstalter und einzig „Wissender“ bei dieser Blindverkostung nicht selbst gepunktet hat. Ebenso sind die Eindrücke von Tino Seiwert, Miteigentümer und Geschäftsführer von Pinard de Picard – wegen möglicher Interessenkonflikte – nicht in das offizielle Ergebnis eingeflossen. Darüber hinaus galt ein recht strenges Verkostungsreglement, z.B. durfte über den verkosteten Wein erst „gequatscht“ werden, wenn alle ihre Bewertung fertig hatten, sodass weder eine gruppendynamische Euphorie noch ein kollektiver Verriss durch gegenseitiges „Unterbieten“ möglich war.

Insgesamt präsentierten sich die Großen Gewächse des Jahrgangs 2011 in einer sehr guten Verfassung und mit einer für diese Phase beachtlichen Zugänglichkeit.  Diese Verkostung hat richtig Spaß gemacht, denn einerseits lassen die Ergebnisse erkennen, dass die deutsche Winzerelite reif ist für den Weinolymp oder zumindest keine Probleme haben dürfte, um in der Champion League zu bestehen. Das Qualitätsstreben der letzten Jahre manifestiert sich von Jahrgang zu Jahrgang, sowohl in der Breite, als auch bei einzelnen Spitzenwinzern. Die Früchte ernten aber nicht nur diese Spitzenwinzer, deren Große Gewächse preislich seit Jahren nur die nördliche Richtung kennen. Für viele junge Winzer ist dies sicherlich Ansporn weiter auf Qualität zu setzen und immer noch ein bisschen mehr zu wollen.

Wie bereits gesagt, zeigt der Jahrgang 2011 bereits in seiner heutigen Jugend eine beachtliche Trinkigkeit und ich hätte mir sehr an diesem Abend gewünscht, nicht konsequent spucken zu müssen – was ich dann nach  24 Uhr und über 40 „Spucks“ später auch getan habe. J

Absolut outstanding in der Top-Liga der Großen Gewächse sind für ich dieses Jahr die Weine(!) von Schäfer-Fröhlich. Sie sind – trotz Ihrer ungestümen Spontangäraromatik – innerlich so unglaublich kraftvoll, präzise und klar, als ob sie mit besten Werkzeugen, handwerklich perfekt, aus einem Stein gemeißelt worden wären.  Selbst Klaus Peter Keller muss sich wohl geschlagen geben, wenn auch die Abtserde im Wettstreit um die Jahrgangskrone ein gewichtiges Wort mitreden dürfte (G-Max war nicht angestellt).

2011 Norheimer Dellchen Riesling Großes Gewächs, Hermann Dönnhoff – Nahe

87-90 Punkte: Der erste Wein ist einer solchen Verkostung ist für mich immer besonders schwierig, da ich mich einpegeln muss – und so ist dieser Wein auch der einzige, den ich am Ende der Probe nochmals intensiv nachverkostet habe und den ich daher mit einer Punktbandbreite angebe. Wie der Name schon sagt, wächst das Dellchen in einer „Delle“ – vertikalen Felsmulden in den sich – parallel zum Ufer der Nahe – erhebenden Felsformationen. Die Böden sind geprägt durch Schiefer und Porphyr, vulkanischem Verwitterungsgestein.

Helle Farbe mit grünlichen Reflexen. Klare, recht kühl wirkende Nase, getrocknete Wiesenkräuter, aber auch ein Touch Honig, was bei mir den Verdacht aufkommen lässt, dass auch ein paar boytritisbehaftete Träubchen mitvergoren wurden. Eigentlich bei diesem Jahrgang eher unwahrscheinlich, doch auch am Gaumen bestätigt sich der Eindruck. Der Wein ist im Kern konzentriert und kraftvoll, trotzdem eher leise und leicht im Trunk.  Erkennbar klare Mineralität und mittlere Länge.

2011 Westhofener Kirchspiel Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

90 Punkte – Die Nase wirkt sehr rein und klar, noch etwas verhalten. Einen ganz anderen Eindruck vermittelt der Wein am Gaumen, zunächst überraschend offen, dichte, hocharomatische Frucht von gelben Früchten, Steinobst, weiche Textur.  Mit mehr Luft (und wenig Wein im Glas) dringt die tiefer liegende Mineralität durch, dann wird der Wein animierender, Aromen von Zitronenschalen, der Wein gewinnt an Klarheit und Präzession.  Ich bin mir sicher, dass der Wein in diesem jungen Stadium einfach ein paar Stunden in der Karaffe gebraucht hätte, um sein Potential auszuspielen.

Lieber Martin, das ist wohl der einzige Verbesserungsvorschlag fürs nächste Jahr: alle Flaschen morgens oder noch besser, am Tag vorher aufziehen und belüften; Platz für 40 Karaffen hat wohl keiner  😉

2011 Forster Pechstein Riesling Grand Cru (Großes Gewächs), Weingut Bürklin Wolf – Pfalz

92 Punkte – Zupackender Stoff, kraftvoll und dicht, leicht salzige Mineralität, voller Körper, wirkt sehr klar – auch durch die resche Säure (wie die Südtiroler Freunde so etwas liebevoll beschreiben), auf Kante genäht, aktuell stehen die Komponenten noch ziemlich nebeneinander, braucht Zeit zur Harmonisierung. Dürfte weiter gewinnen.

2011 Forster Pechstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Bassermann-Jordan – Pfalz

89 Punkte – etwas reduktive Nase, Noten von Waldmeister und weißen Johannisbeeren, wirkt sehr klar. Am Gaumen  engmaschig und ziemlich konzentriert, dabei sehr griffig, fest und mineralisch. Zeigt noch recht wenig Spiel, bleibt aber mineralisch lang am Gaumen. Könnte in 2,3 Jahren deutlich höher reüssieren.

2011 Monzinger Halenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

95 Punkte – Ahhh, mon Dieu! Noch von der Hefe geprägte, kühle Nase, darunter liegen Noten von grün-gelbem Steinobst, Citrusnoten und Johannisbeeren; deutlich kräutrige, pflanzliche Aromen. Am Gaumen viel Kraft, Saft und vibrierende Spannung; kein Bodybuilder, sondern eher eine Mischung aus 10-Kämpfer und Marathonläufer. Sehr klar, pur und mineralisch (auf meinem Zettel steht „abartige Mineralität“), Steinpuder, große Tiefe – hält die Spannung bis in den laaaaangen Abgang. Ein Wein zum „Ablutschen“ – I love it.

2011 Siebeldingen Im Sonnenschein „Ganz Horn“ Riesling Großes Gewächs, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

89 Punkte – Erstaunlich weiche, blumige Nase,  Birnen, süße Früchte, aber auch pflanzliche Aromen (grüne Erbsen). Am Gaumen eine eher dralle Schönheit, dicht und mit üppiger Fülle – ein Wein im weiten Gewand – und trotzdem mit Struktur. Dieser Riesling hat von allem viel, ein Füllhorn, die Säure passt dazu, trotzdem aktuell nicht my cup of tea; in der Länge kann er zulegen.

2011 Hochheimer Hölle Riesling Goldkapsel, Weingut Künstler – Rheingau

93 Punkte – Vielschichtig, verspielte Nase, mit Noblesse. Am Gaumen viel Druck und Zug; viel Extrakt, dennoch sehr frisch; die wirklich schöne Säure spielt mit dem „bissl“ Restzucker wunderbar. Insgesamt tief und rein in der Frucht, angenehmen Mineralik, hat Grip, aber auch Schmelz; sehr gut balanciert, mit toller Länge – macht Lust auf den nächsten Schluck.

2011 Westhofener Morstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Wittmann – Rheinhessen

93 Punkte – Noch unruhige, aber Konzentrierte Nase, Zitrusfrüchte, kalte kräutrige Würze, tief! Am Gauen sehr strukturbetont, fest und stoffig – packt zu; passt in seiner Art und seiner Mineralität in diesem Zustand auch in die Wachau. Voller Extrakt, saftig, aktuell mit einem kleinen, würzigen Bitterle am Ende. In diesem Zustand noch ziemlich unruhig und schwer zu verkosten, braucht unbedingt mehr Zeit, hat aber Potential noch deutlich zuzulegen.

2011 Westhofener Morstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

94+ Punkte – Noch etwas unruhig – mit leichter Gäraromatik. Mit Luft entwickelt sich langsam eine superklare, tiefe Aromatik. Am Gaumen schlank und kraftvoll zugleich, tiefer Ansatz, schöner Zug, Figur eines Langstreckenläufers (der zur Abkühlung in einen Gletschersee springt), sehr kalkige Mineralität, dürfte komplett spontan vergoren sein -braucht aktuell unglaublich viel Luft, um seine Klasse auszuspielen. Im Keller auf die Seite legen, einer der ganz wenigen Weine der Verkostung, der in seinen Kindertagen wenig Sinn macht, das Potential ist aber riesig.

2011 Dorsheimer Burgberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Diel – Nahe

87 Punkte – noch etwas Kohlensäure, fest gewirkter Duft mit Citrusfrüchten, gelbem Steinobst, ein wenig dropsig; ungewöhnliche Klebernoten (noch von der Gärung). Am Gaumen wirklich jung, recht kompakt, die Frucht kommt noch nicht richtig aus der Deckung; die Mineralik spiegelt sich in zarten Kräuteraromen wider; spielt eher auf der leisen Aromen-Klaviatur. Sicherlich schöne Anlagen, die brauchen aber noch etwas Zeit und heute eben nicht mehr als 87 Punkte.

2011 Nackenheimer Rothenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

94 Punkte – Dichter und zugänglicher Duft nach gelben Früchten, dazu  deutlich kräutrig-mineralische Noten, wunderbar verwoben, viel Spiel. Am Gaumen geschmeidige Oberfläche, darunter viel Saft und Kraft. Schöne Dichte, sehr kompakt, viel Frucht, hat trotzdem schon Spiel – oder anders gesagt: hat von Allem etwas, auch eine mineralisch-salzige Komponente. Richtig guter Stoff, zeigt Klasse bis ins lange Finale.

2011 Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Rudolf Fürst – Franken

89 Punkte – kühler Ansatz, klar und fein. Eher zurückhaltender Stil, trotzdem ist alles auf dem Platz, wo es hingehört, sehr frisch, schöne Frucht, auch mit Mineralik; schöner, feiner Saft, eher schlank. Gut eingebaute Säure; gute Länge; eigentlich müsste er eine „9“ vorne haben bei den Punkten, aber mir fehlt irgendwie die persönliche Note, ein wenig Inspiration.

2011 Erbacher Marcobrunn Riesling  Erstes Gewächs, Schloss Schönborn – Rheingau

89 Punkte – umwerfende Fruchtnase, viele weiße und gelbe Steinobstnoten, exotische Anklänge, Maracuja, aber auch vegetabile Aromen. Hat noch etwas Rest-kohlensäure, viel Extrakt, saftige Frucht, ausgeprägtes Säure-Süße-Spiel, zum Schluss kommt eine leicht salzige Mineralik durch. Gute Länge. Ein Bekenntnis seiner Herkunft.

2011 Dorsheimer Pittermännchen Riesling Großes Gewächs, Weingut Diel – Rheinhessen

95 Punkte – Eine Tüte voller frischer Äpfel; rauchig-kräutrige Noten; tiefe, animierende Rieslingnase. Unglaublich tiefer und klarer Ansatz, sehr rein, salzig-erdige Mineralik, kompakt und dicht, viel innere Kraft und Spannung – jedoch ohne jede Schwere. Getrocknete Kräuter, Zitrusnoten, Apfelschalen, würzig; einen Hauch von Gerbstoff, viel Spiel. Ein kühler Intellektueller und kein Männchen, sondern ein echter Mann und Gentleman mit zart schmelziger Oberfläche und komplexem Charakter. Hinterlässt lange Spuren – sprich tolle Länge.

2011 Westhofener Brunnenhäuschen Riesling Großes Gewächs, Weingut Wittmann – Rheinhessen

94 Punkte – Was für ein stolzer Geselle, in alten Zeiten hätte man ihn wohl geadelt – „von Wittmann“! Kühl, straff und ungemein reintönig – sehr tief. Kräutrig-mineralische Würze in der Nase, dazu komplexe Zitrus- und Steinobstnoten. Am Gaumen gemahlene Steine, glockenklar und hervorragend strukturiert, dicht. Ganz ausgezeichnete aromatische Tiefe, zupackend, ja fordernd, mit viel innerer Spannung, vibrierend, lebendige Säure.  Sehr komplexer Stoff, der jedoch noch ungemein jung ist und seinen geneigten Genießer zum „Steinelutscher“ werden lässt.

2011 Deidesheimer Langenmorgen Riesling Großes Gewächs, Weingut von Winning – Pfalz

94 Punkte – Feinfruchtig Noten, sehr würzig, Feuerstein, noch etwas unruhige Nase. Am Gaumen sehr zupackend, druckvoll und saftig; sehr fest gebaut. Aktuell zeigt der Wein sehr mineralisch betont, würzig-salzig, schöne Tiefe. Mit gefällt besonders gut die sehr tiefe Mineralik, die am Gaumen wunderbar durch einen zarten Schmelz abgefangen wird; schönes Säurespiel. Tolle Länge. (Wenige Wochen später auch Pechstein und Kirchenstück verkostet, für mich bleibt’s dabei: im 2011er Jahrgang ist der Langenmorgen erste Wahl bei von Winning)

2011 Westhofener Abtserde Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

96+ Punkte – Noch etwas unruhige, hefige Nase, rauchig-würzig, an Feuerstein erinnernde Nase, dazu Noten von weißen Blüten, Pomelos und anderen Zitrusfrüchten. Am Gaumen eine vollkommen klare, ja, gletscherklare und transparente Aromatik, so präzise wie die Nr.1 von  A.Lange und Söhne aus Glashütte. Am Gaumen sehr dicht und kraftvoll, mit „schmutziger“ Mineralität, Kalkstein pur. Dieser Riesling ist für ein langes, langes Leben gebaut, Lage um Lage ist einzeln aufgebaut, hervorragende Struktur, total präzise und klar. Neben aller Mineralik, die diesen Riesling prägt, bildet ein grandioses Säure-Süße-Spiel den Hintergrund, auf dessen Grundlage jedes einzelne Aroma ein virtuelles Solo vollziehen kann. Mit genügend Ruhe reift hier ein Meisterwerk heran; das Eleganz und Virtuosität zu vermitteln mag. Grandioser Stoff.

2011 Niersteiner Pettenthal Riesling Großes Gewächs, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

93 Punkte – Auffallend dunkle Aromen im Bukett für einen Riesling, hochreife und feinwürzige Frucht, Tabakblätter, feuchte Waldwiese nach einem Regen, kühler Ansatz, trotzdem noble Art. Am Gaumen saftig und dicht; mit tollem „Dekolleté“ und weicher, feinschmelziger Oberfläche. Satte, fruchtig-würzige Aromatik, sehr tief und konzentriert, reintönig und nachhaltig. Wirkt jetzt schon angenehm trinkbar und balanciert, hat trotzdem eine große Zukunft auf Grund allerbester Anlagen. Tolle Länge.

2011 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Großes Gewächs, Weingut Dönnhoff – Nahe

93 Punkte – deutliche Gäraromen, getrocknete Kräuter, in der Aromatik noch recht verhalten. Am Gaumen sehr klar und präzise, sehr tief und strukturbetont; viel innere Kraft und Grip, packt zu. Insgesamt sehr klar und präzise Stilistik, transparent, Touch vom Gerbstoff, kräutrig-mineralisch, wirkt sehr geschliffen, braucht mehr Luft und Zeit, resche Säure, tragender und langer Abgang. Aristokratisch.

2011 Mölsheimer Zellerweg am Schwarzer Herrgott Riesling Großes Gewächs, Weingut Battefeld-Spanier – Rheinhessen

93 Punkte – konzentrierte Nase von getrockneten Kräutern und Steinobst, erdig-mineralisch. Dicht und kompakt am Gaumen, herrlich „unaufgeregt“ – hat eigentlich alles, was ein großer Riesling benötigt, tief, betont kalkige Mineralik, gelbfruchtig und mit  schönem, seidigem Schmelz, kühler Eindruck. Braucht ein wenig Zeit, um seine tollen Anlagen noch zu harmonisieren.

2011 Bockenauer Felseneck Riesling Großes Gewächs, Weingut Schäfer Fröhlich – Nahe

96 Punkte?? – GONG – voll auf die Zwölf! Sehr deutliche, würzige Aromen der Spontanvergärung, mit einer ordentlichen Portion Schwefel erinnert er an Sylvester kurz nach zwölf; Feuerstein. Dahinter steckt jedoch eine energiegeladenen, vibrierender Stoff, bei dem jedes einzelne Teilchen in eine andere Umlaufbahn möchte. Dicht, satt, mit kräftiger Säure – ungemein rassig, ein Araberhengst, der galoppieren möchte, aber seine Kraft noch nicht richtig dosieren kann und weiter ausgebildet werden muss. Wenn er nach dieser ersten, noch etwas unruhigen Jugendphase seine PS auch nachhaltig auf die Straße bringt, dann ist es womöglich der größte Wein des Jahrgangs. Das kann pure Ästhetik werden, denn zu der – unschwerlich zu erkennenden – power kommen auch schon jetzt ein Verspieltheit und eine, ja, tänzelnde Art, die nur erhabene Pferde haben. Kühl, sehr mineralisch, Steinmehl, dazu klare, transparente Fruchtaromen, herrlich langer und facettenreicher Abgang.

2011 Wiltinger Gottesfuß Riesling Großes Gewächs, Weingut van Volxem – Saar

93 Punkte – kräutrige Spontangäraromennase (ein wunderbares Wort für Galgenmännchenspiel), dichter Aromatik, hochreifer, leicht süßer Eindruck von gelben, kandierten Früchten mit einer schönen Zitrusaromatik und kräutrigen Mineralik unterlegt. Am Gaumen stoffige, saftige und nachhaltige Frucht, überwiegend gelbes Steinobst; dazu tabakige und kräuterwürzige Anklänge.  Tief und mit schönem, mineralischem Kern; der schönen Extraktsüße und den paar Gramm Restzucker steht eine herrliche Säure gegenüber, die den Wein bis in das lange Finale hervorragend trägt. Ein Wein zum Lutschen.

2011 Ruppertsberger Gaisböhl Riesling Grand Cru (Großes Gewächs), Weingut Bürklin-Wolf – Pfalz

89 Punkte – In der Nase augenblicklich etwas verhalten, Anklänge von gelben Früchten und weißen Blüten. Dicht und sehr rein, auch durchaus kraftvoll, doch die Säure steht aktuell etwas außen davor. Gute Konzentration; ordentliche, kräuter-würzige Mineralität. Sehr gute Anlagen, die sich – um den 90er Ochser zu überspringen – noch ein bisschen besser vermählen müssen, andererseits schon jetzt in der Frucht sehr zugänglich.

2011 Schloss Johannisberg Riesling Erstes Gewächs, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg – Rheingau

91 Punkte – Klare und reintönige Rieslingnase, gelbes Steinobst, Zitrusnoten, etwas getrocknete Kräuter. Am Gaumen dicht und kompakt; viel Zug; schöne straffe Mineralität, viel Stoffigkeit, dabei klar, kühl und kompakt; wirkt fast monolithisch, toller Rheingauer Vertreter.

2011 Eschendorfer Lump Riesling Großes Gewächs, Weingut Sauer – Franken

89 Punkte – Feine kräuterwürzige Aromatik in der Nase, Zitrusaromen, am Gaumen würzig-pikant, getrocknete Kräuter, klar und griffig, schönes Säure-Süße-Spiel, wobei die Säure herrlich pikante Akzente setzt. Reintönige Frucht, griffig und fest. Macht jetzt schon richtig Freude, trotzdem mit deutlichen Reserven. Toller, von Klarheit und Länge geprägter Abgang.

2011 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Erstes Gewächs, Weingut Balthasar Ress –
Rheingau

90 Punkte – sehr ungewöhnliche Nase, noch von Gäraromen geprägt, vegetative und würzige Anklänge, Brennnessel. Am Gaumen extraktstark, würzig, ebenfalls vegetative Aromen, erinnert im Stil an die Weine von Peter Jakob Kühn, längere Maischestandzeit?? Hat durchaus Tiefe, Druck und Komplexität, nur ist das Arombenbild nicht typisch Rheingau; wirkt ein wenig alkoholisch. Nach der Verkostung sehr kontrovers diskutiert, mit 90 Punkten hatte ich den höchsten Wert unter 11 Verkostern; Mittel bei 87,67 Punkten.

2011 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Großes Gewächs, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

92 Punkte – feinfruchtiger Riesling, gelbe Früchte, noch recht dezent kräutrig-mineralische Anklänge in der Nase. Am Gaumen schöne, nicht aufdringliche Dichte, ordentliche Tiefe, mit eher hintergründiger Mineralik, wirkt sehr klar und transparent, mit feiner Salzigkeit und Würze. Präzise gearbeitet. Der Abgang ist nachhaltig und die bislang eher hintergründige Mineralik tritt hervor und bleibt lange am Gaumen haften. Insgesamt etwas femininer als Bruder vom Halenberg, aber jetzt schon mit mehr Harmonie und Trinkigkeit.

 

2011 Niersteiner Pettenthal Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – Ein noch unruhiger Geselle, die Nase ist noch geprägt von Gäraromen, sicherlich spontan vergoren, auch zeigt er einen Hauch von Kohlensäure. Dann aber kommt’s wild und zupackend mit „schmutziger“ (Schiefer-?)Mineralik. Auf der einen Seite packt dieser Stoff richtig zu, andererseits schreit er laut nach Luft. Außerordentlich gut gefällt mir die rauchige Salzigkeit und die strukturbetonte „Bauart“ sowie die Transparenz und Klarheit in den Aromen. Sehr druckvoll, eine Mischung aus Steinbruch, Wiese und Nordseestrand. Als ich im Nachgang erfuhr, dass wir Kellers Pettenthal im Glas hatten, kann ich einmal mehr belegen, dass die Handschrift des Winzers mehr Einfluss hat, als die reine Lage/ das Terroir. Das Pettenthal von Kühling-Gillot brillierte mit den seidigen, eleganten, aber doch etwas üppigen Rundungen, während Klaus Peter Kellers Ausgabe sich eher wie ein Erster Tänzer – a la Carsten Jung  – aus John Neumeiers Ballet Compagnie (kraftvoll, austrainiert, körperbetont und trotzdem filigran und elegant http://www.ndr.de/kultur/buehne/ballettoscar101.html ) präsentiert. Gemeinsam ist jedoch Rieslingen aus dem Pettenthal beiden, dass sie zu den ganz großen Weinen des Jahrgangs gehören.

2011 Forster Kirchenstück Grand Cru (Großes Gewächse), Weingut Bürklin Wolff – Pfalz

89 Punkte – Auf dem Papier und im Preis hatten wir das edelste und teuerste Pferd aus dem Stall von Bettina Bürklin-von Guradze vor uns. Doch wie das manchmal so ist, unterliegen auch die besten Pferde Schwankungen. Dieses Jahr konnte mich das Kirchspiel nicht überzeugen. Die Nase ist kühl und eher verhalten, feine Fruchtanklänge von Steinobst und diversen Zitrusfrüchten. Am Gaumen sehr klar, straff und sehnig, sehr animierend, frisch und rassig, fast ein wenig zu resch in der Säure. Dieser Wein belebt die müden Geister mit einer nachhaltigen und erdigen Mineralität; mit etwas mehr Fruchtextraktion- und reife würde er mir noch besser gefallen und dann sicherlich auch flott und geschmeidig über die 90-Punkt Grenze galoppieren.

2011 Oestricher Doosberg „Landgeflecht“, Weingut Peter-Jakob Kühn – Rheingau

91 Punkte – Die biodynamisch erzeugten Rieslinge von Peter-Jakob Kühn sind stets besondere Vertreter ihrer Art und die halbe Weinwelt reibt sich an ihnen, so kommt es auch, dass selten die Kritiken weiter auseinander gehen. Doch ich gestehe gerne, dass ich diesen ursprünglichen Stil sehr schätze und mir privat jedes Jahr ein paar Fläschchen hinlege, denn der Genuss braucht hier Zeit. Der Landgeflecht kommt aus zwei spieziellen Parzellen im Oestricher Doosberg und mit zwei gutseigenen „Träubchen“ ausgezeichnet, gehört er in die zweite Reihe des Weinguts. Peter Jakob Kühn vergärt ausschließlich spontan und lässt seine Rieslinge meist auch die „Malo“ durchlaufen. Der Landgeflecht aus 2011 ist noch sehr, sehr unruhig am Gaumen, im ersten Moment ein etwas unwirklicher Eindruck in der Nase, eine Kombination aus Apfelbrei und Brausepulver. Doch die Klasse des Rieslings liegt hinter „diesen“ Spontiaromen. Da gibt’s viel gelbe Früchte, Brioche, Apfelmus und sehr würzige-mineralische Anklänge sowie einen wunderbaren Schmelz mit etwas Sahnetoffee. Fazit: Ein außergewöhnlicher Riesling, aber einer der sich lohnt – und vielleicht sogar den Wein-Erlebnishorizont zu erweitern vermag. Schöne Länge.

2011 Nieder-Flörsheim Frauenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Battenfeld-Spanier – Rheinhessen

91 Punkte – Würzig-mineralischer Duft, sehr klare und reintönige Rieslingnase. Am Gaumen körperreich, schöne Saftigkeit, ebenfalls reintönig und ziemlich präzise. Etwas kräutrige Mineralik, lebendige Säure, aber insgesamt erstaunlich harmonisch und im positiven Sinne unaufgeregt; angenehmer Schmelz, etwas vom Holz geprägt. Angenehme Tiefe, letztlich hat er ganz viele gute Eigenschaften, aber irgendwie fehlt mir noch etwas mehr Inspiration, das Besondere, damit er die hohen Weihen von deutlich über 90 Punkten erlangen kann.

2011 Schloßböckelheimer Felsenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Schäfer-Fröhlich – Nahe

94 Punkte – Deutliche Spontannoten, auch Schwefel, dahinter aber klar, herrlich tief und dicht, dabei mit einer feinen Frucht von z.B. reifen Zitrusfrüchten und jungem Steinobst. Am Gaumen, sehr komplex und lebendig, mit hervorragender Tiefe und vitaler, aber feiner Säure. Laserstrahl präzise, sehr fokussiert, kompakt und zupackend. Dieser Stoff beschäftigt Gaumen und Geist, da vibriert, rüttelt und schüttelt es mich, wenn ich einen Schluck nehme. Zarte Fruchtaromen, viel kräutrig-pflanzliche und florale Anklänge, eine komplexe Mineralität und sehr viel Lebendigkeit machen dieses Große Gewächs wirklich groß. Diese Lebendigkeit und die kraftvolle, animierende Art begeistern mich – hier wirkt alles homogen und miteinander verwoben. Ein Spitzensportler, mit klarer Präsenz und perfektem shape. Kilometerlang.

2011 Birkweiler Kastanienbusch Riesling Großes Gewächs, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

90 Punkte – Feine Fruchtnase mit grünen, leicht kräutrigen und grün-vegetabilen Anklängen, frischer Waldmeister. Am Gaumen runder Ansatz und saftige, leicht süßliche Frucht, dabei fest und mit angenehmen Druck; deutlich würzige Anklänge, besitzt Spiel. Die Oberfläche hat einen schönen Schmelz und im Abgang spielen fruchtige Anklänge miteinander, ein Hauch von Karamell und Süße. Insgesamt ein schöner  Riesling, der eher den gemeinsamen Auftritt mit einem tollen Essen sucht als allein die Bühne zu rocken.

2011 Rauenthaler Nonnenberg Riesling Erstes Gewächs, Weingut Breuer – Rheingau

92 Punkte – Schöne dichte und betont fruchtig-mineralische Nase, eine herrliche Kombination aus gelbem Steinobst und mineralisch-kräutrigen, teilweise auch pflanzlichen Aromen. Am Gaumen dichte und straffe Art, frische Frucht, feiner Saft, rote Früchte, weiße Pfirsiche, Melone, ein Hauch würzig, Kirschkerne, fest gewirkt, wirkt einerseits sehr jung, doch andererseits zeigt er bereits in seiner Jugend eine auffällig schöne Harmonie. Die recht resche Säure ist mit ausreichend Extrakt und einer dezenten Süße gut abgepuffert. Die aromatische Tiefe macht bereits jetzt viel Spass, doch der Wein hat viel Potential für ein langes, genussstiftendes Leben. Toller Rheingau-Riesling.

2011 Königsbacher IDIG Riesling Großes Gewächs, Weingut Christmann – Pfalz

92 Punkte – dichte, feinwürzige Nase, reife Frucht von Steinobst. Am Gaumen ziemlich ausladend, kraftvoll, saftig und fest gewirkte Mineralik. Weiche, ein wenig cremige Oberfläche, am Tisch wurde später ein Panther ins Spiel gebracht, aber wohl eher frei nach dem gleichnamigen Rilke-Gedicht, das einen Panther in der Pariser Zoo-Gefangenschaft beschreibt. Auch hier ist Kraft, Saft und mineralische Muskel-(Extrakt-)power reichlich vorhanden, aber alles wartet darauf, befreit zu werden, um sich zu entfalten. Dieser junge Panther hat tolle Anlagen, auch und gerade wegen seinem recht weichem „Fell“ macht er jetzt Freude, aber man sollte ihn voll auswachsen lassen und dann freie Bahn geben. Gute Länge.

tbc

2002 Riesling Deutschland Große Gewächse

2002 ist ein Jahrgang in dem zahlreiche große Gewächse Ihr Adjektiv „groß“ auch verdienen. Aber ich denke, es sind nicht nur die Bedingungen des Jahrgangs, die dafür gesorgt haben, dass unsere Verkostungsrunde so viel Spaß an diesem Abend hatte – vielmehr war auffallend, dass die Alkohol-Gradiationen sich noch in einem erfreulichen Mittelmaß bewegten und die Winzer Ihre Boliden nicht „überzüchtet“ haben.

Riesling Große Gewächse Deutschland 2002 – mein Fazit: Toller Jahrgang, der große Rieslinge hervorgebracht hat, die jetzt  – nach 10 Jahren Reife – als Persönlichkeiten mit ausgebildetem Charakter, Stil und Eleganz (zumindest gilt dies für einige) aufwarten. Meine Einschätzung zum Jahrgang 2002 nach einer Probe im Jahr 2005 hat sich bestätigt:  „Imho sind alle Weine unter ihren Möglichkeiten geblieben. Gerade die mineralischen Weine sind so etwas von zu, dass man wenig Freude hat;  die eher fruchtbetonten besitzen noch Charme und konnten entsprechend etwas höher punkten, trotzdem auch sie unter ihren Möglichkeiten – Gleiche Probe in 3 Jahren und wir werden deutlich höher punkten“ (http://weinwelt.blogg.de/2005/05/28/riesling-2002-at-its-best-jahrgangsprobe-bei-ole/). – Anmerkung der Redaktion: Hier zeigt sich der Nutzen eines Weinblogs deutlich 🙂

Lieber Ole, herzlichen Dank fürs Sammeln, die tolle Gastlichkeit und Deine Großzügigkeit nach so vielen Jahren wieder eine 2002er Probe auszurichten.

Exkurs: Ein anderes Phänomen war an diesem Abend noch zu beachten: wenn sich mehr oder weniger alle Verkoster von Anbeginn über die sehr gute Qualität der Weine einig sind, kommt ein gruppendynamischer Prozess in Gang, der letztlich zu einer gewissen Überhöhung bei der Bepunktung führen kann, denn keiner will bei solchen Qualitäten gerne das Haar in der Suppe finden bzw. sein.

2002 Riesling Forster Ungeheuer GG, Weingut Mosbacher – Pfalz

93 Punkte – Über die Jahre mehrfach getrunken, immer wieder mit konsistent hohen Punkten (http://weinwelt.blogg.de/2005/05/06/2002-geoerg-mosbacher-riesling-spatlese-ungeheuer-forst-groses-gewachs/). Auffallend seine goldgelbe Farbe und sein klarer, opulenter Duft nach gelben Früchten.    Auch exotische Fruchtanklänge, dann viel Aprikose und Pfirsich; die Reife steht ihm gut. Die kräftige Säure ist perfekt integriert und ein wichtiger Baustein im gelungenen Spiel dieses Weins. Der 2002 Ungeheuer erzeugt heute ein weiches Mundgefühl, besitzt aber viel innere Spannung, ist feinwürzig und die Mineralik spielt im Hintergrund ein perfektes Spiel. Vor Jahren war diese noch deutlich vordergründiger und tonangebend. Eines war dieser Wein immer – ein richtig großes Gewächs und für mich der Quell meiner Entscheidung, mir jedes Jahr ein paar Mosbacher Weine hinzulegen, auch wenn in nachfolgenden Jahrgängen meine Entscheidung ein paar Mal erschüttert wurde.

2002 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken, Koehler-Ruprecht – Pfalz

90 Punkte – Goldgelbe Farbe; zu Beginn ein Hauch Petrol und Tapetenkleister, dann eher blumig und kräutrig, getrocknete Früchte. Am Gaumen ein etwas ungewohntes Aromenbild: grüner und schwarzer Tee, herbe Kräuter, Kirschkerne, getrocknete helle Früchte, keine Süße, Tanninunterstützung (von längerer Maischestandzeit?) ist erkennbar. Typisch gerader Philippi-Ansatz (der bitte!! nicht mit dünn zu verwechseln ist), braucht Luft zum Atmen und Entfalten, ggf. dekantieren (2005 hatte ich ihn bei 88 Punkten, was auch die Konsenspunkte an diesem Abend war).

2002 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätlese trocken, Leitz – Rheingau

92 Punkte – Helles Goldgelb mit noch dezent grünlichen Reflexen. Nase: Feine Pfirsich- und Aprikosenaromen, dazu ein Hauch von Anis und anderen Kräutern.  Am Gaumen erste elegante Reifetöne, für sein Alter aber noch sehr frisch. Vom Mundgefühl her weich, tief und kühl; insgesamt geschmeidig und elegant. Dieser 2002er Riesling ist  ausgewogen und die schöne, frische Säure ist hervorragend eingebunden und animiert zu nächsten Schluck. Die roten Schiefer- und Quarzitböden im Rüdesheimer Berg Schlossberg sind der Quell für die mineralische Ader in diesem Riesling und verleihen ihm eine schöne Komplexität.

2002 Forster Pechstein, Bürklin Wolf – Pfalz

92 Punkte – Tiefes goldgelb, wirkt bereits in der Nase extraktreich, kraftvoll und dicht. Satte gelbe Frucht, Kräuter, ein Touch Botrytis vielleicht, edel gereift. Am Gaumen ebenfalls dicht und satt; aromatische Tiefe; sehr schöner Schmelz. Ein ungemein dicht gewobener Stoff, der auch nach 10 Jahren Zeit und Luft braucht, um sich zu entfalten. Das Aromenrad geht auf wie ein Pfauenrad und beeindruckt mit seinen schillernden Farben (ein Potpourrie an allen erdenklichen gelben Früchten; Waldhonig). Auch insgesamt wirkt der 2002 Pechstein pfauenhaft: stolz, bunt und auch ein wenig angeberisch. Der Wein nimmt den Raum voll für sich ein – und trotz aller Dichte und Üppigkeit ist er klar und mit ausreichend Säure ausgestattet, sodass er nicht überladen oder gar mastig wirkt. Dieser Riesling weiß wirklich zu beeindrucken – nicht zuletzt mit seiner Länge. Trotz allen Lobes hat er mich irgendwie nicht berührt und die 92 Punkte sind vielleicht ein wenig ungerecht.

2002 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer

94+ Punkte – Farbe mitteldichtes Zitronengelb mit grünlichen Reflexen.  Eines deutet sich schon in der Nase an – dieser Wein ist glockenklar, pur und rein! In der Nase wirkt der Wein erstaunlich jung und frisch, schöne ätherische Noten, dazu Orangenschalen; frische, (vielleicht noch etwas unreife) gelbe Früchte. Auch am Gaumen erfrischend jung – wo sind die 10 Jahre? Innere Kraft, feinstes Ballett – hohe Kunst sieht immer perfekt und leicht aus, die ungemeine Anstrengung bleibt verborgen – so auch bei dieser fantastischen, trockenen Riesling Auslese. Diese Ballerina tanzt klar und höchst präzise, trotzdem oder gerade deswegen mit höchstem künstlerischem Ausdruck; hohe Mineralik; perfekte Säure; tief, sehr tief und klar in der Aromatik. Ein Weinfreund drückte es so aus: „der Gegenentwurf zu Bürklin-Wulf“. Großer Stoff, mit viel Eleganz und hervorragender Länge.

2002 Königsbacher IDIG Riesling GG, Weingut A.Chrsitann – Pfalz

93 Punkte – Tiefes Goldgelb, reife Noten von gelben Früchten aus aller Welt, Ananas, Mango, Pfirsich; erinnert mich etwas an beste Wachauer Smaragde. Am Gaumen bestätigt sich dieser Eindruck, viel Stoff, kraftvoll und dicht – dabei straff und mit deutlich mineralischer Note. Dieser tolle IDIG ist jetzt in einem perfekten Trinkfenster – er zeigt seine Muskeln (viel Extrakt); die satte gelbe Frucht passt gut zur zupackenden Säure und salzigen Mineralität. Im Abgang Anklänge an Karamell und Minze sowie ein zartes „Bitterle“, gute Länge.

2002 Monzinger Halenberg Riesling Auslese trocken, Emrich-Schönleber – Nahe

94 Punkte – sehr viel frische Kräuter, helle Früchte, etwas Limette, wirkt animierend. Am Gaumen packt er zu und lässt nicht mehr los, der Wein ist straff und fordernd. Kraftvolle, fast beißende Mineralik, viel Kräuter, Limette, sehr komplex. An der Säure schieden sich unter den Verkostern an diesem Abend die Geister. Ich empfand sie als pikant, aber perfekt eingebunden zu diesem Wein. Das GG aus dem Halenberg von Emrich-Schönleber ist für mich ein Paradebeispiel, wenn es um Lagentypizität  und einer Jahr für Jahr wiederkehrenden Aromatik geht. Tolle Länge – einfach großer, trockener Riesling.

2002 Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken – Weingut Künstler- Rheingau

50 bzw. 93 Punkte (für die Goldkapsel) – Was für ein Desaster!! Dieser Wein diente einst als „Versuchskaninchen“ für alternative Verschlüsse. Fazit: Total unbrauchbar. Der Wein war superreif in der Farbe, am Gaumen und in der Nase mehr Möbelpolitur als Riesling. Ein paar Tage später habe ich zu einer Weinprobe bei meinem lieben Freund Helmut eine Flasche 2002 Hochheimer Hölle Riesling Goldkapsel trocken mit Naturkork geöffnet, was war das für ein Paradewein: fester, dichter zupackender Riesling mit viel Format und Körper, einer superschönen und bestens integrierten Säure sowie einer massiven Mineralik. Ein Wein zum „Ablutschen“, richtig schöne Länge, viel Genuss.

2002 Dalsheimer Hubacker Riesling GG, Weingut Keller Rheinhessen

95 Punkte – Frische mittelgelbe Farbe. In der Nase überraschend jung, straff und sehr klar. Vor etwas über einem halben Jahr „nur“ mit 92 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/2011/12/04/2001-2010-hubacker-groses-gewachs-vertikalverkostung-weingut-keller-rheinhessen/ ). Bei dieser Verkostung stand er in einem anderen Kontext und seine Stärken konnte er voll ausspielen. Tiefe Aromatik bereits in der Nase animierend und noch jung wirkend. Am Gaumen wunderbar tief, straff und mit tollem Spannungsbogen, stets druck- und kraftvoll, mit Zug und herrlicher Mineralik. Entscheidend für die Größe dieses Weines dabei ist, dass er zu jeder Zeit nicht nur mit seinem vielschichtigen Ausdruck überzeugt, sondern stets Noblesse und Eleganz zeigt. Bleibt lange, ganz lange am Gaumen. Der Wein wird sich auf diesem Niveau noch für lange Zeit etablieren.

2002 Kiedricher Gräfenberg Riesling Spätlese trocken, Robert Weil – Rheingau

 88 Punkte – Für mich ist Weil bei den Ersten Gewächsen erst Mitte der 2000er aus dem Knick gekommen. Auch dieses Mal blind verkostet und für nett empfunden, aber eben nicht zwingend. Die Nase wirkt immer noch spontan vergoren (?? Wie soll das gehen?? ), Anklänge an Apfelmus, Steinmehl und Schießpulver, aber auch wenig stichig (Erbrochenes). Insgesamt sehr jung, frisch und würzig; weiches Mundgefühl, noch recht deutliches Zuckerschwänzchen, hinten heraus  bricht die kräftige Säure durch, insgesamt etwas zu brausig (Limonade) und mir nicht harmonisch genug für ein Erstes Gewächs einer solch großen Lage.

2002 Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling Spätlese trocken, Dönnhoff – Nahe

86 Punkte – in 2002 noch als Spätlese trocken abgefüllt, in nachfolgenden Jahrgängen als Grosses Gewächs auf die Flasche gekommen. In der Nase eher verhalten, aber sehr klar, mit Reifenoten.  Am Gaumen ein Spiel von Citrusaromen; englische Zitronenmarmelade; wirkt sehr kühl und klar, aber mit der Harmonie ist es nicht (mehr?) weit her, denn der Wein hat eine „pikante“ Säure (am Tisch wurden deutlichere Worte dafür gefunden). Insgesamt schlank, klar und von der Mineralik getrieben. Sollte ausgetrunken dringend ausgetrunken werden.

2002 Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling QbA (!?) trocken, Dr. Crusius Nahe

79 Punkte – Eigentlich sind die Crusiusweine für mich jedes Jahr eine Bank. Aber genauso wie Dönnhoff in 2002 hat auch bei Crusius dieser Riesling ein Säurethema.- auch hier steht sie spitz außen vor. Dazu kommt die Aromatik, die zu Beginn etwas an jodhaltigen Tang erinnert und recht medizinal wirkt. Dazu kommen Anklänge an Weihrauch und Puder. Am Gaumen einfach kein Vergnügen, auf Grund der Säure fast ein Angriff auf die Gesundheit. Wie sich dann allerdings beim „Öffnen“ der Blindprobe herausstellte, war’s nur der „einfache“ QBA – der sollte in jungen Jahren getrunken werden und war hier einfach alt und verloren.

2002 Großkarlbacher Burgweg Riesling Spätlese trocken, Knipser – Pfalz

87 Punkte – zu Beginn recht verhaltene Nase, leichte Wachsnoten, später auch Kräuter. Am Gaumen zeigt er eine ordentliche gelbe Frucht, Apfel, Heu und Citrusfrüchte. Überraschend weich am Gaumen, hinten heraus leider etwas zu kurz. Sollte dringend ausgetrunken werden.

2002 Bremmer Calmont Riesling Calidus Mons, Weingut Franzen Mosel

93 Punkte – Eine wahre Freude dann noch mal zum Abschluss der Verkostung; der Calidus war in Form und schmeckte mir überaus gut. In der Farbe eher hellgelb – ohne Spuren von Alter. Komplexe, anspruchsvolle, aber auch verspielte Nase mit Noten von Weihrauch, einer feinen kräutrigen Würze und dezenten Wachsnoten.  Ein Steinwein kündigt sich an. Im Mund wunderbar frisch, klar und reintönig, druckvoll und mit ausgezeichneter Mineralität sowie einer feinen Würze (Muskatnuss), dabei sehr ausgewogen. Die tolle Länge rundet diesen ausgewogenen Riesling herrlich ab. Ein würdiges Denkmal für den tödlich im Weinberg verunglückten Reinhold Franzen.