1990 Grüner Veltliner Ried Loibner Berg 19 Terrassen Smaragd, F.X. Pichler – Wachau (Best Bottle Nr.3)

87 Punkte – Heute gehören die Weine, insbesondere die Smaragde von F.X. Pichler zu den besten Weinen Österreichs und die internationale Presse kennt in ihrem Lob kaum Grenzen. Doch 1990 hatte man in Österreich immer noch mit den Folgen des Weinskandals von 1985 zu kämpfen und der Export war schwierig. Doch gerade darin lag wohl auch die Chance alles besser zu machen und ein Beitrag war das Klassifizierungssystem (Steinfeder, Federspiel und Smaragd)der Wachau, das 1986 eingeführt wurde, um die Einzigartigkeit der Weine der Wachau zu betonen. Doch Weinskandal hin oder her, im Hause F.X. Pichler setzte man schon seit vielen Jahrzehnten auf Qualität und die Selektion des besten Rebmaterials (ein eindrucksvolles Zeugnis dafür ist die alte Gladde des Großvaters, heute der Rahmen für den Internetauftritt: vgl. www.fx-pichler.at)

 

Nun hatten wir einen 20-jährigen Wein im Glas, der aus einem TOP-Jahrgang und aus einer Lage stammte, die zu den besten GV-Lagen Österreichs gehört – beste Voraussetzungen für ein schönes Weinerlebnis also. In der Nase kräutrig, etwas käsig (ein Eindruck, den ich bei gereiften GVs durchaus typisch finde), jedoch nicht mehr so intensiv wie es für junge Smaragde typisch ist. Man musste sich schon ein wenig einlassen auf diesen Stoff, um die Nuancen zu erfassen, doch der kräutrige/pflanzliche Einschlag war auch am Gaumen zu erkennen und der für die Rebsorte typisch weiße Pfeffer war ebenfalls noch  vorhanden. Insgesamt hat der Wein seine besten Tage schon gesehen, denn im Abgang mangelte es ihm etwas an Komplexität und Länge – doch interessant und schön war dieses Trinkereignis immer noch.

2006 Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd, Weingut Knoll – Wachau

90 (?)  Punkte – Für mich war es wichtig zu sehen, wie meinen Weinfreunden und mir dieser Wein schmecken wird, denn einerseits liebe und schätze ich die Weine von Emi Knoll Jahr für Jahr, andererseits habe ich so meine Probleme (wie schon öfters hier berichtet) mit dem fetten, alkoholstarken Jahrgang 2006 in der Wachau und Österreich insgesamt.

Schon die Nase verrät die Üppigkeit dieses Weines; ein Aroma von (über-)reifen gelben Früchten, Muskatnuss, ein wenig Rauch. Am Gaumen ein Donnerschlag an Schmelz, Frucht und Fett; sehr voller Körper; dichte, weiche (gelbe) Frucht – viel Marille/Aprikose; Anklänge an Muskat und Sahnebonbons (Werthers Echte), intensive Frucht. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Wein bei einer Blindverkostung in einer Batterie von Aromasorten wie z.B. Traminer nicht als Pirat auffallen würde. Wäre die Säure etwas ausgeprägter, würde der Wein mehr Spiel entwickeln und würde mir aktuell besser gefallen. Für mich einer typischer 2006er und die Zeit wird es zeigen, ob der kräftige Alkohohl die Frucht frisst und ein hohles, fettes Monster übrig bleibt, oder ob der Wein Power und Frucht in zusätzliche Komplexität umsetzt. Ich bleibe weiterhin skeptisch, aber auch neugierig genug, um ein paar Flaschen im Keller zur weiteren Beobachtung aufzubewahren.

1999 Grüner Veltliner Ried Lamm, Bründlmayer – Kamptal

95 Punkte- Wow, was für eine elegante Weinbombe – dieser Satz ist ein Widerspruch in sich, aber passend für diesen Wein. Inzwischen 9 Jahre alt, aber immer noch eine GV-Referenz. Im Jahrgang 1999 hat Willi Bründlmayer einen Wein erschaffen, der unglaubliche Power mit einer hedonistischen Trinkfreude kombinert, die nur unfassbares Erstaunen hinterläßt.

Die Nase ist geprägt von einem "schmerzhaften" Duft von Pfefferkuchen, Salz, Marillen, weißem Pfeffer und einer Aromendichte, die stets dazu verleitet die Nase immer und immer wieder in Glas zu halten. Für den Gaumen der ultimative Härtetest; ein Wein der die Geschmacksknospen zum Explodieren bringt (oder wie es Stuart Pigott in seiner ihm eigenen Spache zum Ausdruck gebracht hat: "Ein Neutronenstern von ungeheurer Dichte, der mit ungewöhnlich intensiver Leuchtkraft pulsiert". Wenn man dies weniger prosarisch ausdrückt, bewegt den Gaumen eine nicht endend wollende Mineralik, die sich in einer extrem spürbaren Salzigkeit ausdrückt. Paralell dazu pruduziert ein Alkoholgehalt von 15% einen wunderbaren Schmelz, der hervorragend die Aromen trägt. Da sind z.B. Marillen, Tabak, Vanille, weißer Pfeffer (kein Pfefferl, sondern ein ausgewachsener weißer Pfeffer), exotische Fruchtanklänge, Waldhonig, (…). Bei aller Kraft und Dichte ist dieser GV auf höchstem Niveau (vorausgesetzt man gibt ihm etwas Luft) ausgewogen und trinkig, die Länge ist atemberaubend und ich freue mich sehr, sehr auf die 4 Flaschen, die ich noch im Keller habe.

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2007 Ried Achleiten Grüner Veltliner Ried Achleiten, Lehensteiner – Wachau

90 Punkte – Ein sehr schönes Mitbringsel meines Freundes Bernd von seiner letzten Wachau-Tour ist dieser jungs Smaragd von einem ebenfalls jungen Winzer aus Weissenkirchen. Was hier für  Euro 12,- aus der Flasche kommt, ist Trinkfreude pur!! Nachdem ich von diesem Wein gestern am Abend – kurz vor dem zu Bett gehen – ein Glas als Schlummertrunk bereits sehr genossen habe, zeigt er heute, ca. 24 Stunden später, wo die Reise hingeht. Gestern noch etwas mit jugendlichem Speck, ist er heute viel trinkiger und deutlich animierender. In der Nase mit seinen Anklängen an Steinobst und der  leichten Kräuterwürze noch etwas zurückhaltend, erfreut er heute den Gaumen mit seiner überaus erfrischenden Saftigkeit, Reintönigkeit und komplexen Art. Dies ist ein GV, der ein hohes Mass an Sortentypizität und Mineralität besitzt und ich liebe es, wenn man nicht nur vom Pfefferl spricht, weil man weiss, dass es im GV sein soll, sondern wenn der weisse Pfeffer wirklich deutlich erkennbar ist und mit seiner feinen Schärfe den Spannungsbogen am Gaumen erweitert. Insgesamt zeigt dieser GV aus der berühmten Riede Achleiten eine tolle mineralische Würze, eine feine Frucht von gelbem Steinobst sowie eine schöne Länge; dabei geht die Hand ständig zum Glas, so dass man sich bremsen muss, um nicht im Handumdrehen eine Flasche ausgetrunken zu haben. Mit 2,2, Gramm Restzucker und 13,5% Alkohol ist er auch analytisch in dem Bereich, in dem mir persönlich die Weine Spass machen.

Ich bleibe weiter gespannt, was aus den Alkoholmonstern vieler Erzeuger aus dem Jahr 2006 werden wird.

Jede Stimme zählt: http://www.localwineevents.com/Blogs/blog-521.html

2006 Knoll, Ried Schütt Riesling Smaragd – Wachau

92 Punkte – Hier muss ich mein eigenes Urteil über den Jahrgang 2006 ein wenig einschränken. Zwar hat auch dieser Riesling mit 14% Alc. genug Umdrehungen, aber man spürt sie nicht. Zwar zu Beginn recht verschlossen, doch am Gaumen erzeugt der  Wein ein interessantes Mundgefühl. Vorne auf der Zunge eher weich, rund, ja er rollt fast über die Geschmackskapillaren, aber hinten heraus packt die Mineralik zu. In der Nase Aromen von Citrusfrüchten, Zuckerrübensirup und gelben Steinobst. Am Gaumen dichte Mineralik, extraktstark, runder Ansatz (wird immer runder mit zunehmend Luft, der Alkohol tut sein Übriges). Schon recht feine Fruchtaromen blitzen auf, aber noch ist der Wein nicht ganz harmonisch und irgendwie auch noch aromatisch verschlossen; schöne Säure, sehr gutes Potential.  Ein Wein zu Einlagern!!

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Mövenpick Verkostung – Österreich 2006

Leider mit nur noch wenig Zeit bin ich gestern bei Mövenpick in Düsseldorf "eingekehrt". Zur Verkostung standen die 2006er aus Österreich an. Im Schnelldurchlauf habe ich mich auf die weißen Spitzen konzentriert – and here are the results of the German jury: Austria – two points ;-))) Nein,  so schlecht waren sie nicht, eher das Gegenteil. Der Eindruck, dass 2006 ein sehr gutes Jahr bei unseren Nachbarn war, bestätigt sich mehr und mehr. Negativ fällt mir auf, dass der Konzentrations- und Reifewahn immer stärker wird. Ein Smaragd muss 12,5% Mindestalkohol haben, aber unter 14,5% scheint fast nichts mehr zu gehen. Bei F.X. Pichler muss man allerdings sagen, dass hier das Alkohol-Versteckspiel perfektioniert worden ist. Wie ich bereits in meiner Verkostungsnotiz zum 06er Unendlich geschrieben habe, ist dieser große Wein – trotz seiner 15% Alc. – enorm trinkanimierend und elegant. Leider das Gegenteil war bei Jamek festzustellen, schon beim Ried Klaus Riesling Smaragd aber insbesondere Achleiten GV Smaragd schlägt der Alkohol durch und man bekommt gleich mit dem ersten Schluck eine volle Breitseite.

    • 2006 Bründlmayer, Kamptaler Terrassen GV: 86 Punkte – schöne, klare Frucht, geradlinig mit animierender Frische, sehr sauber, zarte Apfelfrucht, dezent kräutrig, schöner Essensbegleiter, angenehme 12,5% Alc.
        
    • 2006 Jamek, Ried Klaus Riesling Smaragd: 92 Punkte; mir ist ja bekannt, dass in Österreich für "trocken" bis zu 9 Gramm Restzucker zugelassen sind, aber dieser Wein hat schon kein Zuchkerschwänzchen mehr, das ist ein ausgewachsener Schwanz! Im Mund enorm extraktreich, kraftvoll , dicht und voluminös; ausladende, reiche Frucht, Waldhonig, reife exotische Früchte; aber auch ein recht deutlicher Alkohol. Wirkt zunächst sehr kompakt und auch schwer, mit zunehmend Luft und etwas Kauen gewinnt er hinten heraus deutlich an Komplexität. Da ausreichend Säure vorhanden ist, meine ich, dass dieser "süße Muskelprotz" eine gute Entwicklung vor sich hat, zur Zeit würde ich ihn jedoch meiden und frühestens in 4 oder 5 Jahren mal wieder eine Flasche aufmachen. Wahrscheinlich großes Potential.

    • 2006 Jamek, Achleiten Grüner Veltliner Smaragd: 91 Punkte – Der haut mich um !! Total sortentypische Aromatik in Mund und Nase, aber mit welcher Wucht wird dem Trinker hier klar gemacht, wo der Hammer hängt. Großer, schwerer Wein, gelbe Frucht, enormer Körper, fester Biß und trotzdem sehr schmelzig, fast ölig (durch den Alkohol), tolle Kräutermineralik, betont fruchtig, etwas breit – Entschuldigung für den nachfolgenden Ausdruck: "eine fette Sau". Von diesem Wein möchte ich  1(!!) Glas (dieses aber mit praller Lust) trinken und dann seelig einschlummern. Bin sehr gespannt, ob die Frucht im Kampf mit dem Alkohol in den nächsten Jahren Stand halten kann.
    • 2006 Prager, Wachstum Bodenstein Riesling Smaragd: 94 Punkte – Herrlich dichte und feste Nase, Steinobst, gelbfruchtig, Am Gaumen ebenfalls sehr kompakt, schreit nach Luft, um sich entfalten zu können. Kraftvoll, mit gutem Druck am Gaumen, sehr schöne Extraktion und perfekte Säure, die sich – wie ein Kometenschweif – von vorn bis hinten klar und brilliant durch den Wein zieht. Hervorragend strukturierter Wein, der Zeit benötigt und sicher erst in drei bis vier Jahren seine wahre Größe und Eleganz komplett offerieren wird. Großes Potential !!
       
    • 2006 Prager, Zweritaler Grüner Veltliner Smaragd: 92 Punkte – Für mich nicht der ganz, ganz große GV, aber ungemein animierend und sexy. Schöne, frische, aber etwas zurückhaltende Nase mit der leichten Brise einer Sommerwiese und Anklängen von frischen Äpfeln und Wachs. Am Gaumen frisch und betont kühl, in der Mitte ein schöner, betont mineralischer und würziger Komplex, nicht zu fett (13,5%Alc); hinten heraus frisch, aber vielleicht etwas kurz. Trotzdem glaube ich, dass dieser Wein sich gut entwickeln wird und auch in ein paar Jahren viel Genuss bietet.

    • 2006 Hirtzberger, Honivogl Grüner Veltliner Smaragd: 95 Punkte – Opulenz kann auch schön sein; wieder 15% Alc, aber hier nicht vordergründig, aber auch nicht versteckt. Ein Wein mit unglaublich schönem Schmelz, einer herrlichen Stoffigkeit, einem großen Körper und einer Lust, die ansteckt. Die Zunge wird von einem  breiten Teppich voller Aromen von gelbem Steinobst, warmen Kräuternoten und einer tabakigen Mineralität belegt, der sich bis in den tiefen Rachen hinein ausbreitet. Dieser Wein hat von allem viel: Viel Schmelz, viel Alkohol, viel Säure, viel Extraktsüße, viel Frucht, viel Länge, viel Komplexität, viel Wollust.

Weinprobe Riesling Deutschland vs. Österreich – Trinkgenuss, Wucht und Finesse……Kork und andere Fehler

Ein feucht-fröhlicher Weinabend mit altbekannten Weinfreunden aus Hamburg, einem Berliner Wein-Plusler der ersten Stunde und einem überaus netten und kompetenten Neuzugang aus der „Berliner Küche“ nahm in Hamburg seinen Lauf….

 

Wegen entstellender (Kork)-Fehler leider unverkostet das zeitliche gesegnet:

 

1999 Knoll, Ried Schütt – Riesling Smaragd, Wachau

1988 Karthäuserhof, Kathäuserhofberg Riesling Spätlese Versteigerungswein

1986 Ducru-Beaucaillou

Die Weine nachfolgend als Einzeleintrag:

2002 Knoll, Ried Loibenberg, Loibener Riesling Smaragd / Wachau

89 Punkte – Für mich eine kleine Enttäuschung an diesem Rieslingvergleichsabend Deutschland / Österreich. In der Nase ist schon die Üppigkeit dieser "Granate" erkennbar. Gelbe Frucht, deutliche Tabaknoten, Wachs / Wachsbohnen, auch viel Mineralik – doch der durchaus komplexe Geschmackseindruck kann nicht über die deutliche Disharmonie dieses Weins hinwegtäuschen. Der Wein hat zu viel Fett auf den Rippen, er wirkt etwas bitter im Abgang und macht satt. Die Länge ist gut, aber die Hand will nicht zum Glas.

 

1997 Weingut Melcher – Schloss Gamlitz, Sauvignon Blanc Ried Sonneneck Maestro – barrique / Steiermark

87 Punkte – Für die Wein-Plus-Freunde an diesem Abend ein ganz besonderer Tropfen kurz vor der Runde der nun folgenden Rotweine. Dieses „Monster“ (man muss sich mal vorstellen: ein SB aus Österreich mit 15% Alkohol, mit kräftigem barrique-Einsatz) hatte Knalli vor Jahren für den Wein-Plus-Stammtisch empfohlen und ihm eine Trinkfähigkeit über mindestes 15-20 bescheinigt. Hier im 10. Jahr nach seiner Schöpfung nun eine Bestandsaufnahme: Welch ein Überraschung; das Holz hat sich inzwischen sehr gut integriert, es ist ein Wein entstanden, der sehr kräftig, dicht und wahnsinnig körperstark daherkommt. Der Wein ist in der Nase und am Gaumen durch seine schönen Citrusaromen, weiße Johannisbeeren und gelben Früchte geprägt, das Ganze wird umspielt von einer schönen Cremigkeit und von dezenten Sahnetoffeenoten. Anders als vor zwei Jahren wirkt der Alkohol jetzt gut integriert und der alte Spruch: „Mit dem Alter frisst ein hoher Alkohol die Frucht“ scheint zumindest bei diesem Wein (15%) widerlegt. Sicherlich ist und bleibt dies ein spezieller Wein, der nach wie vor stark polarisieren kann und sicherlich nichts für den schnellen Genuss ist.

1999 Knoll – Dürnsteiner Ried Schütt Riesling Smaragd – Wachau

93  Punkte –  Ungemein intensiver Riesling, dicht und kompakt, dabei ohne jeden Anflug von Breite. Zu Beginn ein recht deutlicher Petrol, der aber mit zunehmend Luft zurückgeht und die feste, wuchtige Frucht und Mineralität kommt voll durch.

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