2005 Aalto PS, Bodegas Aalto – Ribera del Duero

96 Punkte – Was für eine Aromenfeuerwerk! So stelle ich mir ein Wein gewordenes Topmodel vor: perfekt modellierter Körper, groß, mit viel power und Esprit.  Die wunderbaren Rundungen sitzen an den richtigen Stellen, das Gefühl von samtweicher Haut lässt einen dahin schmelzen – selten oder nie habe ich weichere, rundere, aber dennoch so kraftvolle Tannine auf der Zunge erlebt, wie bei diesem Aalto PS. Ein Wein für den „roten Teppich“ und ein Blitzlichtgewitter ist ihm sicher.

 

Doch im Scheinwerferlicht der großen, weiten Glitzerwelt geht es nicht ohne Schminke. So kommt auch dieser große Wein zwar von sehr alten, über 60 Jahre alten Tempranillo-Rebstöcken, aber der (Keller-)Meister hat wohl auch kräftig Hand angelegt, um dieses berauschende Weinwunderwerk zu erschaffen.  

 

Die tiefe Frucht zeigt in der Nase und am Gaumen einen reichhaltigen Strauss an Aromen, da finden sich balsamisch-holzige Noten (Zedern, Eukalyptus, Lorbeer), eine tiefe Beerenfrucht (reifen Pflaumen, Kirschen und Cassis) sowie Aromen aus dem Holz (Schokolade, Kokos und ein Hauch Vanille). Trotzdem ist das Mundgefühl angenehm kühl und keinesfalls marmeladig. Der Wein besitzt eine große Länge, man schmeckt ihn Minuten später noch. Hedonismus pur!!! Jetzt dekantiert ein großer Genuss, hat aber Potential für mindestens 10-15 Jahre. Leider kann so ein Stoff nicht beliebig vervielfältigt werden und so muss man schon tief in die Tasche greifen, Euro 80-90 kostet der Stoff, wenn man ihn denn überhaupt bekommt. Ein kleiner Lichtblick besteht jedoch, der „normale“ Aalto ist nur unwesentlich schlechter und kostet circa die Hälfte.

 

1995 Alion, Bodegas y Vinedos Alion – Ribera del Duero

 

92 Punkte – Die Bodega gehört zum Konglomerat von Kellereien der Eigentümer von Vega Sicilia. Sicherlich ist der Alion etwas moderner in der Weinbereitung als der Unico, aber mit ca. €40 kostet er auch nur einen Bruchteil der spanischen Weinlegende. Trotzdem ist dies ein spanischer Referenzwein, der Jahr für Jahr eine bench mark darstellt.

 

Die 95er Ausgabe ist jetzt perfekt zu trinken, weiteres Verbesserungspotential sehe ich nicht, aber er wird die nächsten 3-5 Jahre dieses Niveau sicherlich halten. Frisch im Glas hat er einen leichten Stallgeruch, der jedoch vergeht. Es folgen exotische Aromen, Süßholz, Kirschen und Waldbeeren sowie eine Spur Vanille. Am Gaumen ein vergleichbarer Aromeneindruck. Die Tannine sind fest, aber fein; kühles Mundgefühl mit moderater Säure und angenehmer Aromentiefe. Klar uns saftig bis in den durchaus schönen, langen Abgang zieht dieser Alion seine Aromenspur.

2003 Alion – Bodegas Alion (Vega Sicilia) – Ribera del Duero

92 Punkte –  Ich konnte mich an diesem Abend nicht richtig entscheiden, waren diese enorm beerigen Aromen schon zu viel. Für mich stark an oder über der Grenze zur Überreife. Macht jetzt aber trotzdem Spass, denn dieser Stoff  ist so weich, rund, geschmeidig und irgendwie sexy. Die 2003er Ausgabe des Alion ist körperreich (wohl proportiniert), samtig und hat kugelrunde Tannine. Die Frucht zeigt neben dunkelroten Beeren auch eingelegte gelbe Früchte (dürfen ja auch in keinem guten Rumtopf fehlen 😉 ); das ganze ist – wie bei einem Eismohr – mit einer leckeren Schicht Schokolade überzogen. Wie alle modernen Spanier geizt auch dieser nicht am Alkohol, aber er wirkt zur Zeit gut integriert, aber die Zukunft wird zeigen, ob dies auch für eine lange Lagerung vorteilhaft ist. Insgesamt eine runde Sache dieser 2003 Alion, kugelt aber nicht zu schnell über den Gaumen, sodass man die schöne, fruchtbetonte Länge geniessen kann. Kann man jetzt gut trinken (Karaffe ist zu empfehlen) und zeigt sicherlich in den nächsten 6-8 Jahren keine Schwächen, hat sogar etwas Potential nach oben (wenn der Alkohol nicht die Oberhand gewinnt).

Die Bodegas Alion gehören zur Gruppe Vega Sicilia und sind somit ein Teil der Geschichte eines, wenn nicht gar des prestigeträchtigsten Aushängeschildes für spanischen Wein. Die gesamte Gruppe liegt in der Hand der Familie Álvarez. Das Weingut Alion ist benannt nach der Stadt Léon, der Geburtsstätte des Firmenpatriarchen David Álvarez

2004 Flor de Pingus, Bodega Dominio de Pingus (Peter Sisseck) – Ribera del Duero

97 Punkte –

Was für ein Parfüm, tief und einladend, Kaffee und Mokka, dunkel und kühl in der Aromatik, etwas Menthol und Wacholderbeeren. Dunkle Waldfrucht am Gaumen; edel wirken die Kaffee und Mokkaaromen; am meisten begeistert mich die hohe Extraktion, die süß und leicht würzig wirkt, jedoch stets edel und kühl bleibt. Tiefer, sehr gut strukturierter Wein, der jetzt mit seiner schönen Saftigkeit, seinen voll ausgereiften und hervorragend definierten Tanninen sowie der wunderschönen Läge viel Freude und Genuss bereitet. Ein Traumstoff, der inzwischen – im Vergleich zu seinem ersten Preis – leider doppelt so teuer ist, der aber immer noch jeden Euro wert ist. Ich bin gespannt, ob dieser Wein mit zunehmender Reife noch besser wird, oder ob er – wenn er seine sexy Jugend verliert, uninteressanter wird. Die nächsten 10 Jahre Weinleben sind sicherlich kein Problem.

2004 PESUS, Hermanos Sastre – Ribera del Duero

97 Punkte –

Das Flaggschiff der Kellerei Hermanos Sastre in Burgos: der unglaublich teure (ca. Euro 300,-) Pesus ist von den Anlagen noch etwas konzentrierter, noch etwas extraktsüßer und noch stoffiger als der Flor de Pingus. Im direkten Vergleich ist der Pingus ein wenig kühler und um die Kaffee- und Mokkanoten komplexer. Trotzdem ist auch der PESUS ein großer Wein, der sehr viel bietet und der mich mit seiner Wald- und Heidelbeerfrucht an einen Heidelbeer-Hefekuchen mit Schmand erinnert. Bei dieser Kombination kommt die Heidelbeerfrucht so schön raus, da der Schmand die Intensität der Frucht und die Saftigkeit verstärkt und um einen herrlichen Schmelz bereichert. Dieser Wein ist unglaublich intensiv und der hohe Extrakt kommt nicht aus irgendeinem Konzentrator, sondern von über 80 Jahr alten Tempranillo-Rebstöcken mit Hektarerträgen von unter 10 Hektolitern. Die Hauptrolle dieser Cuvee vom Weinmacher Juan Jesús Ayuso Arenillas gebührt dem Tempranillo, in den Nebenrollen Cabernet Sauvignon und Petit Verdot. Der Ausbau erfolgt in neuer franz. Eiche.

1998 Regina Vides, Hermanos Sastre – Ribera del Duero

94+ Punkte –

Stallgeruch zu Beginn, ganz dunkel und tief in der Aromatik, wirkt immer noch sehr konzentriert, erinnert mich auch auf Grund seiner Kühle an die nördliche Rhone; sehr, sehr komplex und hohe Eleganz. Dieser Wein stammt von 80-jährigen Tempranillo-Rebstöcken mit Erträgen kleiner 20hl. Das ist nicht international, das ist große, lokale Klasse!!  Dieser Wein hat die Kraft und die Struktur für ein langes Leben und wer mir eine Freude machen möchte, bringt bei einer der nächsten Verkostungen eine Flasche dieses Stoffs mit ;-))

2003 Malleolus de Sancho Martin, Emilio Moro – Ribera del Duero

93 Punkte –  

Kaum hat man die Nase ins Glas gehalten, sagt dieser Wein „Hallo, hier bin ich! Ich werde Dich umschmeicheln, Dir meine besten Seiten zeigen und Du wirst begeistert sein.“ Ein Nasenbär !! Blaubeeren, geschmolzene, in der Pfanne zerlassene Butter, Buttertoast, Kakao, dezente Würze. Dieser Wein scheint „im Butterfass“ gereift. Im Mund viel Schm(a)elz, erinnert an Marzipan, Mandelmasse; eher rotbeerige Frucht, kein Powerwein, dennoch dicht und weich, aber auch mit erkennbarer Mineralität, gute Länge. Auf Grund der Noten von geschmolzener Butter wird es den einen oder anderen geben, der diesen Wein nicht mag, aber ich fand es einfach nur feminin und habe es genossen. Hat Potential für bestimmt 5 Jahre, mich würde interessieren, ob da noch mehr geht, habe aber leider keine Flasche zum Nachverkosten.

2001 Matallana, Compañia de Vinos Telmo Rodriguez – Ribera del Duero

94 Punkte –

Ebenfalls ein 100%iger Tempranillo (Tinto Fino) und 18 Monate in französischer Eiche gereift. Zu Beginn Pferdeschweiß, dann reife Brombeeren, ätherische Noten, Leder, Lavendel, Kornblumen. Am Gaumen voller Körper, viel Saft und Kraft, aber ohne Schwere und mit hoher Komplexität. Perfekt strukturiert, viel reifes Tannin, wirkt mineralisch/kalkig. Sehr gute Länge.

94 Teófilo Reyes vs Pesquera crianza – Ribera del Duero

85/92 Punkte – Ein spannenender Vergleich. Der 94er Teófilo Reyes war der Premierenjahrgang des damals 74 jährigen Teofilo Reyes, der vorher über 20 Jahre als Weinmacher den Stil von Pesquera mit (und zuletzt den 94er) geprägt hat. Über 50 Jahre hat er mit seinem Können, seinen Visionen  und seiner Erfahrung die Weine von Ribera del Duero geprägt und  zu zahllosen nationalen und internationalem Erfolgen geführt.  Heute führen die Söhne Juan Jose und Luis Reyes das Gut. 
Die Bodega  Teofilo Reyes liegt bei Penafiel im Herzen der Ribera del Duero. Auf dem Etikett des ´Tinto Crianza´ ist deshalb die Silhouette der mächtigen Burg von Penafiel, die zu einem Wahrzeichen der Ribera del Duero geworden ist. 40 Hektar beste Weinberge gehören zum Gut. Zu den Weinen:

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