2010 Les Granits blanc, Chapoutier – St.Joseph / Rhône

95 Punkte – Zu später Stunde sitze ich an meinem Computer und schaue auf gigantisch viele Verkostungsnotizen der letzten Monate, die in den nächsten Tagen Probe für Probe hier erscheinen werden. Doch diese Weine sind alle Geschichte und der 2010 Les Granits von Chapoutier ist Gegenwart und zwar „Vollendete Gegenwart“! Aber die Zukunft ist voraussichtlich noch größer. Dieser reine Marsanne aus exzellenten Jahrgang kann unendlich reifen und wird wahrscheinlich immer noch gut im Glas stehen, wenn ich bereits die Radieschen von unten anschaue – und ja, ich bin erst 45 Jahre alt und meine Großmutter hat das 96. Lebensjahr vollendet.

Dieser jetzt so jugendliche, ausdrucksvolle und äußerst mineralische Wein hat das ganze Potential eines großen Langstreckenläufers. Aktuell ist die wunderbar klare Nase geprägt von floralen Noten (Lilien; weiße, nicht süße Blüten) und Steinmehl. Hinzu kommen Anklänge von herber Mandarinenkonfitüre, weißgelben Wachsbohnen, hellem Blütenhonig und salzigem Nordseewasser. Am Gaumen ebenfalls große Frische und Klarheit (trotzdem weiches Mundgefühl); fester, muskulöser Köper, aber kein Typ Bodybuilder. Die ausgeprägte Granit-Mineralik dominiert die Frucht (grüne Bananen, noch etwas unreife Melonen, Wachsbohnen, Jodsalz). Der Wein ist sehr klar, äußerst mineralisch und von kühler, fast unterkühlter Frucht. Die wunderbare, mineralische Länge vollendet das Bild eines wirklich großer Weißweins, der – abseits von Riesling und Chardonnay – seine ganz eigene, glockenklare, mineralische Aromatik ausbildet und voraussichtlich Genuss für die nächsten 50 Jahre bietet.

Leider habe ich nur weitere 2 Flaschen im Keller, die nächste wäre also erst in 25 Jahren zu trinken 😉

2007 Côtes-du-Rhône Mon Coeur, J.L. Chave – Rhone

88 Punkte – Eigentlich ist die Domaine J.L. Chave einer der Toperzeuger der nördlichen Rhone und  Flaschen dieser kleinen Produktion (weiß und rot) gehören Jahr für Jahr zu den gesuchten Pretiosen, die man nur allzu gerne sein Eigen nennt. Doch Preise rund um die € 100,- pro Flasche sind eine „Eintrittbarriere“ über die nur wenige Weinliebhaber springen (können).

 

Doch wer sich diesen Luxus nicht leisten möchte/kann, hat mit dem Côtes-du-Rhone eine einfachere Möglichkeit sich die Klasse dieses familiengeführten Hauses (seit 1481 im Familienbesitz) zu erschließen.

 

Die Trauben stammen zwar weder von den eigenen Weinbergen, noch stehen die Reben an der nördlichen Rhône, aber trotzdem hat man hier einen individuellen und ausdrucksstarken Wein im Glas. Die Cuvee aus Grenache und Syrah stammt von der südlichen Rhone und ist ein Spiegelbild ihrer Herkunft. Lange sonnige Tage lassen die Trauben prall und reif werden und schenken ihnen eine üppige Frucht; die kühlenden Mistralwinde sorgen dagegen für eine deutliche Tag-Nacht-Absenkung und somit für eine gute Säurebildung in den Trauben.

 

Die Vertragsbauern, die das Ausgangsmaterial für diesen Wein liefern, arbeiten rein organisch und reduzieren die Erträge. Das Ergebnis ist ein Stoff, der mir sehr viel Spass macht, der ursprünglich und kraftvoll ist. Die 2007er Ausgabe ist in der Farbe tief purpur und dunkel. Zwar zeigt der Wein (insbesondere nach dem Öffnen) Noten von Brettanomyces (kurz Brett genannt – also Noten, die bei den meisten Leuten Assoziationen von Pferd hervorrufen), doch mit etwas Luft gewinnen die Noten von Dörrobst, Kirschen, Pflaumen und Schokolade die Oberhand; richtig gut gefällt mir auch der ausgeprägt würzige Geschmack, der mich an schwarzen Pfeffer und Lebkuchengewürz erinnert. Insgesamt ein intensiver Geschmackseindruck, mit schönem Druck und – trotz aller Intensität und 14% Alkohol – recht kühl und mineralisch. Angenehme Länge. Passt hervorragend zu einem gegrilltem Stück Rindfleisch (mit Röstaromen) oder Lammsteaks.

 

Frankfurter Weinrunde verkostet Weine der südlichen Rhone

Die Frankfurter Weinrunde (FFM Weinrunde) traf sich dieses Mal zum Thema „Südliche Rhone“ in der Wiesenstrasse 33. Hier wird unser Weinfreund Helgo Karrer in ca. 14 Tagen einen wunderschönen Weinladen eröffnen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Adresse zu merken, um einfach mal vorbeizuschauen. Neben jeder Menge toll ausgewählter Weine wird es eine Reihe von kulinarischen Köstlichkeiten geben.

 

Erstaunlicher Weise reduzierte sich das bewusst etwas breiter gewählte Thema Südliche Rhone von selbst auf eine reine Chateauneuf du Pape (CdP) & Piraten Verkostung, denn jeder der Teilnehmer brachte ausschließlich  ebensolche Weine mit. Nicht, dass aus Regionen wie dem Gigondas, Cornas oder Vacqueyras keine tollen Weine kommen, aber man greift doch immer wieder zu den Klassikern und da gehören nun mal die Weine aus dem Chateauneuf dazu. Besonders interessant war dann die große Spanne an Jahrgängen, die wir auf den Tisch bekamen, der älteste Wein war von 1945 und der jüngste war gerade vor drei Jahren (Jahrgang 2006) geerntet worden.

Die Weine werden einzeln nachfolgend vorgestellt:

1999 Crozes Hermitage La Guiraude, Alain Graillot – Nördliche Rhone

87 Punkte – Kein ganz einfacher Tropfen: zu Beginn dominiert die Säure recht deutlich. Mit etwas Luft kommt die Frucht etwas stärker durch. In der Nase Noten von verbranntem Gummi, Lavendel und Cassis. Am Gaumen springt einen die straffe Säure an; erst langsam offenbart er die Noten herber Lakritze, schwarzer Johannisbeere, Lavendel und feuchtem Unterholz; dennoch herkunfts- und rebsortentypisch. Vom Körper eher mittelgewichtig, gestützt von seinen Tanninen ist der Wein noch gut trinkbar; aber eine weitere Lagerung dürfte ihm mehr schaden als nutzen – austrinken!! Heute Abend zum Gegrilltem passte er nicht schlecht.

1986 Hermitage – Jean Louis Chave – nördliche Rhone / „Ma(n)ifest Nr.6“


91 Punkte – Jean-Louis Chave und vor allem sein Vater Gérard gehören zu den großen Weinmachern Frankreichs, Robert Parker zählt sie gar zu den besten Weinmachern weltweit. Bislang hatte ich weder das Vergnügen sie zu treffen, noch habe ich die Region je bereist. Dies steht jedoch ganz weit oben auf meiner Prioritätenliste. Darin liegt auch der Grund, warum ich hier nicht viel über das Weingut und die Weinbereitung schreiben kann. Details gibt es z.B. in  Robert Parkers Buch „Rhone“ zu lesen. Einen kleinen Hinweis möchte ich jedoch geben, der für das Verständnis der Weine von Chave nicht ganz unwichtig ist. Vater und Sohn halten sehr viel von der traditionellen Weinbereitung – Technik spielt in ihrem Keller eine sehr untergeordnete Rolle.

Da der Jahrgang 1986 an der nördlichen Rhone nicht gerade zu den Glanzpunkten zählt, war ich umso mehr gespannt, was man hier dem Jahrgang abgerungen hat. Auch diesen haben wir blind getrunken und es lagen so ziemlich alle „Mittrinker“ am Tisch (incl. Meiner Wenigkeit, der diesen Wein zur Verkostung angestellt hatte) daneben, als es um die Bestimmung der Provenienz ging. Zu Beginn zeigten sich viele Kaffee- und Kräuteraromen und die meisten waren im Bordeaux unterwegs. Am Gaumen ebenfalls viele, eher dunkel anmutende Kräuter, das Wort „Ricolasüße“ fiel, was als Ausdruck dieser Kräutrigkeit in Verbindung mit einer eher feinen, delikaten Süße eigentlich ganz gut passte, wenn auch die Bonbons deutlich süßer sind. Dieser Wein ist kein Schwergewicht, am Gaumen recht weich und entwickelt, dennoch zeigte er – trotz des rech kleinen Jahrgangs – eine gewisse Eleganz. Wer noch Restbestände hat, sollte sie jetzt trinken.

 

1994 Côte Rôtie Cuvee La Modorée M. Chapoutier Rhone

95 Punkte – 

Diese Cuvee stammt aus Weinbergsparzellen mit 70-80 Jahre alten Rebstöcken, die direkt an Guigals berühmte Lage „La Turque“ angrenzen. Nicht ganz so teuer, aber für dieses Kleinod muss man schon tief in die Tasche greifen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass dieser Wein viel fürs Geld bietet. Die angenehm tiefe und nuancierte Nase wirkt kühl und offenbart Düfte von schwarzem Pfeffer, dunklen Beerenfrüchten, Wacholder, Oliven und Lorbeer. Am Gaumen ebenfalls kühl und sehr klar/rein. Die Tannine sind edel (wie der ganze Wein), der Körper ist mittelgewichtig und der nicht zu hohe Alkohol (12,8%) passt hervorragend dazu. Ein feiner, vielschichtiger, ja aristokratischer Tropfen, der seine Noblesse bis in das lange Finale behält. Der Wein wird auch in den nächsten 3,4,5 Jahren seine Klasse nicht verlieren (vorausgesetzt er war stets gut gelagert).

1995 Chateauneuf-du-Pape Boisrenard, Domaine de Beaurenard – Rhone

Diese Domaine wird schon in der 7. Generation von der Familie Coulon betrieben und man bewirtschaftet einen beachtlichen Besitz von 32 ha in Chateauneuf-du-Papes und 25 ha in Rasteau (Côtes du Rhône). Die webpage hält viele weitere Informationen bereit und ist wirklich lesenswert: http://www.beaurenard.fr

 

94 Punkte – Neben dem Basiswein wird jedes Jahr noch ein kleinere Menge CdP Boisrenard erzeugt. Die Rebstöcke sind durchschnittlich zwischen 60 und 100 Jahren alt und sie stehen noch als gemischter Satz im Weinberg.  So gehen in diesen Wein bis zu 13 unterschiedliche Rebsorten ein, wobei der Grenache dominiert. Der Ausbau erfolgt 18 Monate im Holz und dann kommt der Wein ungefiltert auf die Flasche.

 

Man steckt die Nase ins Glas und ist fasziniert! Aromen von Waldfrüchten, Mokka und getrockneten Kräutern umschwirren die Nase. Am Gaumen dann eine reife, intensive und dunkle Frucht von Waldbeeren und Tabak. Die Tannine sind kräftig, aber rund und reif; der Wein besitzt eine hervorragende Struktur, die kombiniert mit der schönen Säure, ganz wesentlich zu der Klasse dieses Weines beiträgt. Obwohl schon 13 Jahre alt, dürfte dieser Wein auch in den nächsten 13 Jahren noch mit viel Genuss zu trinken sein.

2003 Chateauneuf du Pape, Domaine Charvin – Rhone

95 Punkte: was für eine herrlicher (trotz des extrem sonnigen und heissen Jahrgangs), typischer und eher klassischer CdP. Die Nase so unglaublich schön und betörend, alles andere als schwer, komplex, ja fast verspielt. Gegrillte Kräuter; rote Früchte (perfekt ausgereifte  Himbeeren), etwas abefahrene Gummireifen, Tee. Am Gaumen sehr tief, strukturiert, aber mit verspielter Finesse; ein emotianaler Wein! Die feine Fruchtsüße ist das Bindeglied zwischen Frucht, Tannin und einer reifen Säure; voller Körper; schwarze Kirschen, schwarzer Pfeffer, ein Hauch von frischem Tabak, erstaunlich kühl wirkend. Eine CdP-Referenz. Das alles ist immer noch zu bekommen für ca. 30 Euro – Weltklasse auf noch bezahlbarem Niveau.

1998 Harys, Domaine du Trapadis – Rasteau / Cotes du Rhone Villages

90 Punkte – Nun habe ich es raus gelassen….das Monster von einst. In seiner Jugend (ca. 2001) kaum zu ertragen, so viel Kraft und Tannin, dann in 2004 eine Flasche, die unerträglich war (krasser Schwefelböchser, von Frucht nahezu keine Spur) und jetzt schau her: ein fescher Kerl, der durchaus zu betören weiss. Ein eleganter Tänzer wird das nimmer mehr, aber auch ein Bauernsohn kann seinen Charme spielen lassen; er muss sich nur seiner Qualitäten bewußt sein. Dunkel, stramm und saftig – so kann man diesen Kerl wohl am besten beschreiben. Die herrliche Extaktsüße und die durchaus vorhandene Säure machen den Wein -trotz aller Kraft – fast sexy. Runde, körnige, aber immer noch richtig feste Tannine, dazu ein süßer Saft von reifen (aber nicht überreifen), schwarzen Waldfrüchten mit einem würzigen Tabak-und Holzton sowie etwas dunkler Schokolade. Der Wein ist vom ersten Mundgefühl rundlich , aber dann kommt  die stattliche Statur zum Vorschein; körperreich;  einer durchaus überzeugender Wein mit erstaunlich gut gehaltener Frische. Jetzt richtig geil zu trinken, kann aber weitere Jahre ohne Problem verkraften (wahrscheinlich hohe Flaschendiffenenz, denn bei dem Schwefelproblem von 2004 hilft auch kein längere Lagerzeit). Im Abgang wirkt das Tannin ledier etwas trocknend.

2004 Cuvee Reservee, Domaine du Pegau – Rhone

95 Punkte – Es ist jedes Mal eine besondere Freude , wenn ich mir selbst genehmige, eine Flasche Pegau aus dem Keller zu holen. Anlass dieses Mal war das bevorstehende autorische „coming out“ eines Freundes, der die schöne Aufgabe übernommen hat, ein paar Zeilen (ca. 13 DIN A4-Seiten) rund um das Thema „Weine von der Rhone“ für die ZEIT zu schreiben. Da man Theorie und Praxis stets verbinden sollte, machte ich mich also auf den Weg mit einer Flasche 2004er Cuvee Reservée unterm Arm. Wir sprachen über diese und jene Formulierungen, über Inhalte und Ereignisse, über Dies und Das, über Sachen die man unbedingt bringen muss und anderes, das man  vernachlässigen kann. Jedenfalls redeten wir so viel, dass die Flasche (zu) schnell getrunken war.

 

Was mir an den CdPs von Pegau immer wieder auffällt, ist die außergewöhnliche Komplexität, Finesse und Harmonie der Weine. Sie sind nie fett und überladen, sondern stets differenziert, aromatisch äußerst komplex und lassen den Genießer (zumindest mich) regelmäßig in Verzückung geraten. Wenn doch nur mehr Weine so wären….ja dann….ja dann, dann wäre wohl Jahrmarkt im Himmel.

 

Zum Wein: Die Nase ist tief und aromatisch, aber irgendwie auch leichtfüßig. Noten von verwelkten Kräutern, Kornblumen, Teer, Tabak und Leder vermischen sich mir fruchtigen Eindrücken von Wald- und Heidelbeeren (oder: Heidelbeer-Muffins). Am Gaumen ebenfalls tief, komplex und mit herrlicher, aromatischer  Konzentration, jedoch ohne fett zu sein.  Schönes Mundgefühl – kühl, dicht und kalkig-mineralisch. Diese Cuvee aus 80% Grenache, 9% Syrah, 6% Mouvedre sowie 5% anderen Rebsorten, ist für mich nahezu in jedem Jahrgang eine Referenz beim CdP. Der 2004er ist wahrscheinlich besonders gut gelungen, da das beste Lesegut –  aus dem man eigentlich wieder eine Cuvee da Capo produzieren wollte –  letztlich doch deklassiert wurde und so in die „normale“ Cuvee Reservée eingegangen ist. Gleiches gilt – so berichtet zumindest Parker – auch für den 05er Jahrgang, der gerade auf den Markt gekommen ist. Der 04er hat jedenfalls riesiges Potential und ist sicherlich bis 2020 eine große Freude, die 05er Notiz folgt bald.

(Bildquelle: www.pinard.de / Preis pro Flasche  2005: 45,-)