2001 Vina Ardanza Reserva Especial, La Rioja Alta – Rioja

93 Punkte – La Rioja Alta ist ein Klassiker im Rioja. Bereits 1890 von 5 Basken und Rioja Winzern unter dem Namen "Sociedad Vinicola De La Rioja Alta" gegründet und seit 1941 unter dem heutigen Namen La Rioja Alta erfolgreich im Markt tätig, steht der Name heute für berühmte Weine, eine lange  Tradition sowie ein Konglomerat an Marken.

Vina Ardanza ist ein 30 Jahre altes Weingut in Fuenmayor im Rioja Alta Distrikt. Von hier stammen die 80% der Trauben dieser Special Reserva, die bislang nur in den Jahren 1964, 1973 und 2001 gefüllt wurde. Die verbleibenden 20% sind Garnacha aus Ausejo und Tudelilla, gelegen in Rioja Baja (wer denkt da nicht gleich an die Werbung mit dem Spülmittel 😉

Der Wein wurde 14 Tage auf der Maische in Temperatur-kontrolierten Stahltanke vergoren, anschliessend durchlief er 21 Tage die malolaktische Gärung und blieb 3 Jahre in Fässern aus amerikanischer Eiche, die eine durchschnittliches Alter von 4 Jahren hatten (die ist für mich erstaunlich, denn der Wein ist sehr deutlich vom Holz geprägt und ich habe vermutet, dass er überwiegend im neuen Holz lag). Im März 2004 kam er dann auf die Flasche; allerdings startete man mit dem Verkauf erst in 2011.

Im Glas ist er er klar und glänzend, dunkel-kirschrot und von mittlerer Dichte. Die Nase ist überschwänglich und zunächst geprägt von Kirschen und anderen roten Beeren. Die Noten aus dem Holz sind sehr deutlich, aber auch sehr animierend. Deutliche Noten von Kokos, Zimt, Tabak und diverse etherischen Anklänge bilden – gemeinsam mit der Frucht – einen wunderbaren Aromenstrauss, der ungeduldig die Hand zum Glas gehen läßt. Auf der Zunge ist der Wein dann erstaunlich elegant, fast ein wenig burgundisch. Der volle Körper bildet gemeinsam mit den weichen und reifen Tannine sowie der sehr schönen Säure ein gutes Gerüst, auf der sich die reiche Frucht sehr, sehr gut entfalten kann. Im langen und wunderbar harmonischen Abgang ist der Wein fruchtbetont. Aktuell kann der Wein mit reichlich Genuss getrunken werden, jedoch sollte man ihn vorher dekantieren.

Wer Zeit und Muse hat, wird sich sicherlich die nächsten 15 Jahre an diesem herrlichen Rioja erfreuen können, wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass er sich in den kommenden zwei oder drei Jahren noch einmal verschliessen wird. Für  knapp unter 20 Euro ist das ein perfekter Einstieg in die Welt großer Riojas.

1975 Imperial Reserva, CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 1)


92 Punkte – 1975 gilt im Rioja als sehr gutes Jahr und entsprechend spannend war dann auch die (zunächst verdeckte) Gegenüberstellung der beiden CVNE-Weine. Der Imperial kommt von einem CVNE-Weingut mit Weinbergen im Gebiet der Rioja Alta;  der „Bruder“ stammt dagegen von einer anderen CVNE-Bodega mit dem Namen „Viña Real“, die dazu gehörigen Weinberge stehen im Gebiet Rioja Alavesa.

 

Dieser Rioja-Wein offeriert eine herrliche „Burgundernase“ und ich dachte auch zunächst, dass wir den nächsten „französischen Piraten“ in unserer Spanien-Weinprobe gefunden hatten. Auch die ausgewogene, filigrane und finessenreiche Art am Gaumen sprach dafür, aber die deutliche Jodhaltigkeit konnte ich dagegen nicht recht einordnen. Die Frucht ist sehr fein und eher rotbeerig mit schönen Anklängen an Hagebutten. Besonders feminin und mit tragender Rolle in dieser „Mozart-Weinoper“ umschmeichelt die feine Süße den Gaumen. Feiner Stoff!!

2006 Punto Final Malbec Reserva, Bodega Renacer – Argentinien

89 Punkte – Malbec ist die Rebsorte, die es in Argentinien "geschafft" hat. Zwar wird sie heute noch in Frankreich, Italien und Spanien angebaut, aber ihre einstige Bedeutung als Bestandteil des sogenannten Bordeaux-Verschnitts hat sie verloren. Unter ihrem Zweitnahmen Côt prägt sie heute noch eine Vielzahl von Weinen aus dem Cahors (Frankreich), aber in ihrer neuen Heimat Argentinien bekommt sie die Beachtung, die sie verdient hat. Der französische Agronom Aimé Pouget hat sie dort Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführt und seit dem hat sie sich zur bedeutensten Rebsorte des Landes aufgeschwungen.

Die Bodega Renacer liegt am Fuße der Anden in atemberaubender Landschaft und kultiviert auf über 28ha Malbec. Die Trauben für diese schöne Reserva stammen von zwei Rebanlagen, die auf einer Höhe von 900 bzw. 1100 Metern liegen. Durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht hat dieser Wein eine schöne Säurestruktur. Er ist saftig, dicht und besitzt eine ausgewogene Extraktsüße, die mit den würzigen Aromen kombiniert, einen sehr trinkigen Wein ergibt. Die Nase ist geprägt von dunkler Beerenfrucht, edlem Holz und Würzaromen, die ich u.a. mit einer Kombination aus rotem Pfeffer, Kakao und Gewürznelken assoziiere. Am Gaumen stellt sich eine Harmonie aus Süße, Saft, Säure, dunklen Früchten (Pflaume, süße Brombeeren)  und einer schönen Würzigkeit ein, wobei auch hier wieder die Nelkenaromen und der rote Pfeffer aromatisch hervorzuheben sind. Das Tannin ist reif, rund und durchaus kräftig, sodass der Wein Lagerpotential für ein paar Jahre besitzt. 

Handwerklich ist der Wein auf hohem Niveau bereitet, die Trauben stammen von über 50 Jahre alten Rebstöcken, sind von Hand gelesen und selektioniert. Die Fermentation erfolgte mit natürlichen Hefen über 17 Tage in Stahltanks bei einer Temperatur zwischen 27° und 31° Celsius.  Die malolaktische Gärung und der Ausbau erfolgte in französicher Eiche über ca. 10 Monate. Der Wein kommt anschließend ungefiltert auf die Flasche. Mit hat er am zweitern Tag deutlich besser geschmeckt, als direkt nach dem Öffnen der Flasche, daher empfehle ich, ihn ein paar Stunden vor dem Genuss zu dekantieren, falls man ihn direkt geniessen möchte.

1999 Cabernet Sauvignon Premium Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski6)

92 Punkte – Gesehen habe ich diese Premium-Version der „normalen“ Reserva noch in keinen Weinhandel, aber umso schöner, dass wir sie – Dank Mathias – verkosten konnten. Laut Etikett hat man für diesen Wein nur die „reifesten Trauben von den ältesten Rebstöcken, die man finden konnte“ (Klasse Formulierung 🙂 verwendet. Für den 12-monatigen Fassausbau hat man zu 100% neue Hölzer verwendet. Beweis für die besonders reifen Trauben sind die 14% Alkohohl – gegenüber 12,5% bei der „einfachen“ Reserva aus gleichem Jahrgang.

 

Die Nase wirkt kühl und zeugt von reifen, dunklen Früchten. Hinzu kommt ein Touch Vanille, Schokolade und die kühle Frische von Eukalyptus und Minze. Am Gaumen ein ähnliches Bild, saftig, voll ausgereifte Tannine und eine dunkle, kühle Frucht (Knubberkirschen, Cassis, Zwetschgen), die kombiniert mit ätherischen Noten sowie Anklängen von Schokolade und  Zedernholz zu einem kraftvollen und eleganten Wein beiträgt. Diesen Wein würde ich gerne in jede Bordeaux oder Napa-Probe als Pirat einschmuggeln.

1999 Cabernet Sauvignon Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski 5)

85 Punkte – Es war schon lustig, wie wir um diesen – ebenfalls blind getrunkenen – Wein herumgeraten haben. Letztlich lag ich nicht ganz daneben, wurde aber für meine etwas flapsige These: „Ostblock“ gescholten und gefragt, ob ich die letzten zwei Jahrzehnte Winterschlaf gehalten habe. Dennoch wurde es zum running gag des Skiurlaubs und bei jeder Flasche Wein, zu der wir bei unserem allabendlichen Weinquiz  keine rechte Meinung hatten, kam die Frage: „Ostblock“? 

 

Gut gereift und immer noch schön frisch zeigt sich diese Cabernet Reserva. Zu Beginn recht schlank, baut er im Glas jedoch leicht aus und eine recht saftige Kirsch- und Cassis-Frucht kam zum Vorschein. Mag es das Bitteraroma von Orangenzesten sein oder ist es kleines Bitterle aus dem Fassausbau, richtig stören tat es nicht und letztlich hatten wir einen ordentlicher Wein, mit Struktur, Substanz und einer gewissen Länge im Glas.   

 

1968 Imperial Gran Reserva, C.V.N.E. – Rioja

 

92 Punkte – Für diese Flasche bin ich meinem Freund Bernd besonderen Dank verpflichtet, denn es gibt nicht alle Tage einen schönen Wein zu trinken, der aus meinem Geburtsjahr stammt. Leider ist in Europa – außer in Spanien – überhaupt nichts Gescheites auf die Flasche gekommen. Umso mehr war ich erfreut, als die Flasche (nach der Blindverkostung) aufgedeckt wurde.

 

Recht hell in der Farbe und mit deutlich orangefarbenem Rand erkennt man sofort, dass dieser Wein doch schon ein bedeutendes Alter hat. In der Nase recht deutliche vegetabile Noten, medizinale Anklänge, aber auch vielschichtig (Erbsen) und kühl wirkend. Am Gaumen überrascht ebenfalls die kühle Art, wieder stark pflanzliche Aromen, aber sehr fein und betörend. In diesen Wein kann man sich intellektuell vertiefen; noch erkennbare Tannine; feine Kräuteraromatik mit schöner Länge.

 

C.V.N.E. oder ausgeschrieben: Compañía Vinicola del Norte de España ist eine sehr traditionsreiches Haus in der Rioja Alta. Im Jahr 2004 hat man den 125. Geburtstag gefeiert. Heute gehört eine Vielzahl von Kellereien zur Gruppe und seit 1997 ist man an der Börse in Madrid gelistet. Gleichwohl liegt die Verantwortung noch in den Händen der Nachfahren der Gründerfamilie. Wer mehr wissen will: www.cvne.com

 

1964 Gran Coronoas Reserva, Miguel Torres

93 Punkte –

Doch eines sollte man zum Jahrgang wissen, 1964 gilt im Rioja als excellentes Weinjahr, einige halten diesen Jahrgang sogar für den besten im vergangenen Jahrhundert. Gleiches gilt auch für Ribera del Duero, insofern profitiert dieser Wein natürlich auch vom sehr, sehr guten Jahrgang.

Die große Überraschung folgte als letzter Wein des Abends: Dieser überwiegend aus Cabernet Sauvignon gekelterte Wein war ein tolles Erlebnis. Eine feine und komplexe Nase verrieten eine gewisse Reife, doch die fast 45 Jahre, die dieser Wein auf dem „Buckel“ hat, haben mich doch ziemlich umgehauen, als die verdeckte Flasche aufgezogen wurde. Der Gran Coronas hat eine immer noch gute, recht feste  Struktur, ist äußerst ausgewogen und elegant; er steht lange am Gaumen und auch der lange, feine Abgang zeigt, dass hier noch nicht aller Tage Abend ist.