2003 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Alte Reben Spätlese trocken, Weingut Leitz – Rheingau (Ski 1)


88 Punkte – Läuft bereits mit hoher Viskosität ins Glas; die Nase ist dominiert von gelben und exotischen Früchten; aber auch Anklänge an Nüsse und Pfeffer sind zu finden. Am Gaumen spiegelt sich die hohe Viskosität wider, der Wein wirkt weich und seidig, fast ölig. In der Aromatik erinnert er mich an eine schöne Obsttorte, die einen (vielleicht zu) kräftigen Gelatineüberzug mit auf den Weg bekommen hat. Am Tisch fiel die Aussage: „ Ein Riesling im Gewand eines Weißburgunders“ – ein gutes Fazit für diesen Riesling, der jahrgangsbedingt „anders“ als in sonstigen Jahrgängen ausgefallen ist. Für mich stellt sich am Ende die Frage (analog zu vielen 2006er Weißweinen aus Österreich): Kann dieser Wein noch Altersschönheit entwickeln oder wird er in 2,3 oder 4 Jahren einfach durch sein.  

Wenn man Leitzweine kaufen möchte, sollte man beachten, dass weder eine Weingutsbesichtigung noch ein Ab-Hof-Einkauf möglich sind. Da Josi (Josef) Leitz große Teile seiner Produktion ins Ausland verkauft, kann man diese Politik unter Effizienzgesichtspunkten verstehen, andererseits empfinde ich diese Methode als arrogant gegenüber den Weinliebhabern und Konsumenten, die letztlich seine Existenz sichern.  Aber letztlich sind die Menschen frei und das Urteil fällt der Markt. 

Reise nach Südtirol und Piemont – Tag 3

Sonntag 11.11.2006

Der nächste Tag ist etwas hart, frühes Aufstehen, dafür sind deutlich weniger Leute auf dem Weinsalon und man endlich wieder ausreichend Gelegenheit die Weine in Ruhe zu verkosten und ein paar Worte mit den Winzern zu wechseln. Abends sind wir im Hidalgo – für uns immer soooo schön bequem, weil wir nach einem schönen Abend nur die 50 Meter zu Fuss zu unserer Pension laufen müssen, um mit wohl gefülltem Bauch ins Bett zu fallen. Getrunken haben wir einen wunderbar dichten und kraftvollen Sylvaner ?Alte Reben? von Andreas Huber aus dem Eisacktal (89 Punkte) zur Einstimmung und der Vorspeise. Dieser Wein ist nach österreichischem Vorbild gemacht: stoffig und kraftvoll; mit Substanz, viel Extrakt und Zug am Gaumen, gleichzeitig tief, mineralisch und mit hervorragender Frucht (Birne, weißgelbe Früchte, Apfel, Kamille) – ein F.X. Pichler würde sein wahre Freude haben und ihn wahrscheinlich auch nicht viel anders vinifizieren. Anschließend gibt es einen 96er Bruno Giacosa Barbaresco Asili Riserva (93 Punkte), Frucht von roten Beeren (in der Nase auch Kirschwasser), zu Beginn etwas Kleber, ein Hauch von Rosen und Waldboden sind Assoziationen, die diesen Wein mit festem Körper, aber inzwischen relativ geschmeidigen Tanninen beschreiben.  

Nach einem als Abschluß gedachten Glas Rum, möchte mein lieber Freund Bernd noch einen 86 Vega Sicilia trinken, nachdem Carlos, der Sommerlier ihm den Mund wässrig gemacht hat, aber aufgrund der forgeschrittenen Zeit einigen wir uns auf die zweite Empfehlung und bereuen es nicht, ein 97er Rosso Venezia Giulia (Merlot) von Gravner (91 Punkte) aus dem Friaul, diesem ?bekloppten? Winzer, der auch mal seine Weine in Amphoren verbuddelt und in der 2007er Ausgabe des Gambero Rosso Winzer des Jahres geworden ist ? passt so schön zur ?Rückkehr zu alten Traditionen und dem terroir?. Dieser damals mir ?nur? 12% vol. Alkohol ausgestattete Wein bereitet jetzt so viel Trinkvergnügen, weil er tänzelt und Eleganz ausstrahlt. Sehr kühle, feine Aromatik, geschliffene Tannine, ein schönes, zartes Fruchtspiel mit Nuancen von reifen Kirschen, Cassis und einer feiner Kräuterwürze. Lang im Abgang, ebenfalls zart und elegant.

2005 Künstler – Hochheimer Stielweg Riesling Alte Reben trocken

88 Punkte – Die alten Reben von Künstler haben 2005 einen pikanten und ausdrucksstarken Riesling mit einer schönen mineralischen Tiefe hervorgebracht. In der Nase leichte Citrusaromen und Steinobst; am Gaumen – mit ein wenig Luft – entwickelt der Wein seine saftige, mineralische Art. Er überzeugt mit einer schönen Tiefe, seiner feinen Saftigkeit, einer nervigen Säure und der animierenden, mineralischen Art. Jetzt schon erstaunlich balanciert, mit ordentlicher Länge.

Künstler hat für mich auch in 2005 eine wunderbare Kollktion vorgelegt, ganz großes Kino ist das Erste Gewächs aus der Hölle, die Verkostungsnotiz folgt bald.

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2004 Carl Loewen – Leiwener Laurentiuslay Alte Reben Riesling trocken

87-(90?) Punkte – kräftige, dichte Nase, überwiegend gelbe Früchte; ähnliches Bild am Gaumen, recht fett; aber durch eine sehr gute Säure entsprechend abgefedert, saftig, intensiv mineralisch, aber auch viel Schmelz. Augenblicklich zeigt er einen  Mangel an Spiel und Komplexität, daher "nur" 87 Punkte, später mit Potential für 2-3 Punkte mehr.