2010 Les Terrasses, Alvaro Palacios – Priorat

89 Punkte – Dunkles, kräftiges Kirschrot mit violetten Reflexen. In der Nase ein Korb von Pflaumen, Blaubeeren,  Kirschen und Graphit; dazu ein Touch Kakao aus dem Holz. Am Gaumen kräftige Tannine, eine schöne Frucht nach dunklen Beeren, Cassis, Schwarzkirschen und kühler Mineralik. Auch hier ein Touch ganz dunkle Schokolade (staubige 80% Kakao und mehr). Im Abgang kommen auch ein paar herbe Kräuter durch, kompakter, maskuliner Stoff, mit schönem Saft; voller Körper und gute Länge. Die Cuvee besteht gemäß der Angabe von Neil Martin aus 40% Garnacha, 45% Samso (das ist der lokale Kon von Carignan), sowie 10% Cabernet Sauvignon und 5% Syrah. Die meisten Rebstöcke sind alt, zwischen 60 und 90 Jahren. Der Ausbau erfolgte zu 20% in neuen Barriques, der Rest stammt aus einer Zweit- und Drittbelegung. Wie alle Rotweine nicht zu warm trinken und etwas Luft geben. Sicherlich mit schöner Zukunft. Für 23 Euro im Flughafen Frankfurt gekauft, eine solide und leckere Geschichte.  Die Hand geht zum Glas, nicht zuletzt   auf Grund der schönen, gut balancierten Säure.

2000 Cims de Porrera Classic, Cims de Porrera – Priorat

92 Punkte – Mit dem ersten Jahrgang 1996 erzeugte dieser Wein in Deutschland großes Aufsehen und seitdem taucht er mit beständiger Regelmäßigkeit in diversen Weinforen immer wieder auf. Da ich ein großer Freund von vertikalen Verkostungen (ein Wein über diverse Jahrgänge) bin, muss ich zugeben, dass ich den Tropfen "blind" über mehrere Jahre gekauft und eingelagert habe. Nach und nach öffne ich nun die Flaschen und versuche nachzuvollziehen, warum dieser Wein ein solche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Da über das "Projekt" Cims de Porrera genug geschrieben wurde, erspare ich mir hier Details und empfehle dem interessierten Leser den Wein zu googlen. Reduziert auf meine Verkostungseindrücke läßt sich zur 2000er Ausgabe folgendes sagen: Mit einer dichten, rubinroten Farbe und offensichtlich unfiltriert fliesst er ins Glas. Die Nase ist geprägt von eingekochten roten Früchten, primär Kirschkonfitüre. Frisch geöffnet ist er irgendwie schwierig (max. 89 Punkte), aber mit etwas Luft wird er deutlich klarer in der Aromatik, auch am Gaumen wird er nach 1-2 Stunden immer schöner (aber bitte nicht dekantieren). Zunächst erinnert mich das noch etwas diffuse Aroma stark an eingekochte Früchte und ich bin nicht sonderlich begeistert, doch mit zunehmender Luft gewinnt er deutlich an Kontur und nach 1-2 Stunden ist er geprägt von einer klaren, schönen Kirschfrucht, die mit ausgereiften Tanninen und einer sehr schönen Säure unterlegt, daher kommt. Der Wein ist dann schön saftig und entfaltet sein gesamtes Potential. "Schmatzig" habe ich mir notiert, der Speichelfluß im Mund nimmt deutlich zu und ich kaue immer länger auf diesem, inzwischen herrlichen Stoff. Der Abgang wird immer länger und alle 15 Minuten ziehe ich meine Punkte nach – waren da zu Beginn maximal 89 Punkte im Glas, so komme ich nach ca. 2 Stunden schon auf 92, auch die 93 sind nicht abwegig. Ich habe in der letzten Zeit selten einen Wein aus diesem Jahrtausend erlebt, der innerhalb von 2 Stunden so zugelegt hat. Einen letzten Schluck, einen "Zungenschnalzer" und 92 Punkte als mein Bekenntnis für die Trinkfreude, die er mir bereitet hat sowie einen letzten Rest in der Flasche für die morgige Nachverkostung und die Welt ist trotz Flugverbot und kurz bevorstehendem Urlaub in Paris (wie komme ich nur dahin?) in Ordnung.

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2001 Tirant, Rottlan Torra – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 4)

94 Punkte – Rottlan Torra ist ein Familienbetrieb im Herzen des Priorat. Man hat bereits 1984 begonnen selbst erzeugte Wein zu vermarkten, noch bevor die „große“ Entdeckung der brach liegenden Rebschätze in der Region einsetzte. Doch richtig losgelegt im Qualitätsweinbau in der heutigen Ausprägung hat man erst 11 Jahre später, im Jahr 1995. Für mich haben die Weine von Rottlan Torra immer etwas sehr ursprüngliches, ja bisweilen auch wildes – ohne jedoch auf eine gewisse Eleganz und Trinkigkeit zu verzichten. Da passt die Geschichte hinter dem Namen „Tirant“ ganz gut : Tirant lo Blanc war ein heroischer Ritter im Mittelalter, der für seine Heldentaten weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt war. Dieser kräftige, stämmige, intelligente, oft auch raffinierte und stets elegante Ritter steht heute als Symbol für die Eigenschaften des Weines, der nach ihm benannt ist. So zumindest lautet die schöne Geschichte, die man seitens des Weingutes erzählt.

 

Bei uns im Glas steht ein überaus animierender Wein, der einerseits eine tiefe Aromatik zeigt, die an rote Beerenfrüchte und roten Tee erinnert, andererseits aber eine gewisse Leichtigkeit des Seins besitzt, die von einer wunderbaren Mineralität getragen wird. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelt diese Cuvee aus jeweils 25% Grenache, Carignan (von 90-100 Jahre alten Rebstöcken) und Cabernet Sauvignon sowie 15% Syrah und 10% Merlot eine feine Süße, die mir sehr gut gefällt und die u.a. dafür sorgt, dass meine Hand freudig zum Glas geht. Mit jetzt gut 8 Jahren Reife ist der Wein herrlich zu trinken, der Babyspeck ist nun abgelegt und ein mittlelschwerer, schön definierter Körper bildet die Basis für ein ziemlich elegantes und komplexes Aromenspektrum. Die schöne Länge im Abgang rundet das Bild dann nur noch ab.

2001 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 4)

95 Punkte – Sicherlich einer der größten Jahrgänge des Clos Mogador: kraftvoll, saftig, dicht und wunderbar vielschichtig – so präsentiert sich dieser Wein Nase und Gaumen. Die vielfältigen Fruchtaromen (Knubberkirschen, Blaubeeren, Brombeeren) sind unterlegt mit einem feinen Schokoladen-und Kaffeearoma; dazu gesellt sich eine feine Fruchtsüße, die sich bis in den langen Abgang durchzieht. Die dichten und herrlich körnigen Tannine sowie die hervorragende Mineralik geben dem Wein Struktur und erstere sorgen sicherlich noch für ein langes, genussfreudiges Leben. Dieser Wein ist Hedonismus pur. Hmm, sooo lecker und doch auch intellektuell.

1996 Finca Dofi, Alvaro Palacios – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

90 Punkte – Dieser Wein zeigt eine „herbe“ Frucht und ist überaus kräutrig in seiner Aromatik. Am Gaumen mit noch reichlich Tannin beladen, zeigt sich auch hier eine dichte Kräutrigkeit, die viele orientalische Anklänge hat (z.B. Kardamon). Kombiniert mit einer interessanten Fruchtaromatik (Mischung aus Kiwi und Kirschen) hatten wir einen interessanten Wein im Glas, den man aber nicht weiter lagern muss.

1996 Clos Erasmus, Clos i Terrasses (Daphne Glorian) – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

92 Punkte –Daphne Glorians (mittlerweile die Frau des US-Weinimporteurs Eric Salomon) Clos Erasmus gehört mit zu den meist gesuchten und teuersten Weinen Spaniens. Er hat gezeigt, dass er in sehr guten Jahrgängen das Potential hat, bei Parker und Co. Höchstpunktzahlen abzuräumen und so gehört er heute zu den Wein-Kultobjekten der iberischen Halbinsel. Förderlich für die Preisgestaltung ist sicherlich auch die winzige Menge (zwischen 300 und 500 Kisten p.a.), die von diesem Wein nur erzeugt wird.

Der Clos Erasmus aus dem Jahrgang 1996 ist ein sehr gut strukturierter Wein mit einer feinen Süße und runden, feinkörnigen Tanninen. Am Gaumen ist er mit einer schönen aromatischen Dichte ausgestattet; die vielen kräutrigen Aromen (z.B. weißer Pfeffer) wirken animierend; durch den leichten Hauch von Liebstöckel wirkt er jedoch schon deutlich entwickelt. Insgesamt ist der 96er Clos Erasmus aber ein eleganter Wein von mittlerer Statur, den man jetzt trinken sollte.

 

1996 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

93 Punkte – Einen ausführlichen Bericht zu den Weinen von Rene Barbier habe ich anlässlich seines Besuchs in Düsseldorf geschrieben (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=431). Die 96er Ausgabe seines Clos Mogador zeichnet sich durch eine intensive, dichte Frucht mit vielen Anklängen an Zwetschgen- und Pflaumenmarmelade aus, ein Hauch Zimt und andere feine Gewürzaromen runden das Bild ab. Der Wein hat eine sehr schöne aromatische Tiefe, ist dicht und die Tannine sind reif und rund; er endet auf der Frucht und haftet wirklich lange am Gaumen.

15. Mai – Rene Barbier von Clos Mogador (Priorat) in Düsseldorf

Am 15.Mai gibt es die hervorragende Chance einen der ganz großen Weinmacher Spaniens persönlich kennenzulernen. René Barbier kommt nach Düsseldorf, um im Weinland Mövenpick (Herzogstrasse 29-31, 19.30 Uhr; Tel. 0211- 9944877) seine großen Weine Clos Nelin, Manyetes und CLOS MOGADOR vorzustellen. Darüber hinaus hat er seine Olivenöle im Gepäck, die man getrost zu den besten Ölen Spaniens zählen darf.

 

René Barbier gehört zu den Pionieren des PRIORAT. Er und eine kleine Gruppe von „Sehenden“ haben Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre das Potential dieser in Vergessenheit geraten Region, mit teilweise uralten Rebanlagen wieder entdeckt. Bis zu dieser Zeit fristete die Region, mit ihren kargen, felsigen Böden ein karges Dasein; viele der jungen Leute wandten sich ab und verließen die Heimat, um das Glück in Barcelona und anderen Städten zu suchen. Doch mit dem kometenhaften Aufstieg von Weinen (der Jahrgang 1989 zählt dabei als Geburtsstunde), die heute zu den weltweit gesuchten Pretiosen gehören, haben René Barbier, Josep Lluis Pérez und eine Handvoll anderer Weinmacher es geschafft, das Priorat in die Gruppe der bekanntesten und berühmtesten Weinanbauregionen Spanien zu führen. Das Priorat ist heute ein Synonym für (Rot-)Weine, die für Individualität und Größe und Eleganz stehen. Wer etwas mehr über Land, Leute und die Geschichte erfahren möchte, dem empfehle ich die folgende Seite: http://www.gratallops.com

 

Doch das Leben von René Barbier verlief nicht immer einfach. So darf er bis heute nicht unter seinem Name die Firma führen, mit der er seine Weine vermarktet. Während der Rumasa-Zeit (vgl. http://www.zeit.de/1983/10/Enteignung-kurz-vor-Zwoelf) starb Renés Vater. Durch eine Kette widriger Umstände gelangte die vor über 100 Jahren von seiner Familie gegründete Firma "René Barbier" und der Privatbesitz der Familie in das Eigentum von Segura Viudas und später von Freixenet. Zu dieser Zeit studierte René gerade in Frankreich und konnte René nach seiner Rückkehr nicht in das Familienunternehmen zurück, sondern er arbeite bis zur Gründung seiner Bodega bei Palacios in der Rioja, wo er auch den jungen Alvaro Palacios kennen lernte, den er ebenfalls für das Priorat begeisterte und der heute ebenfalls zu den erfolgreichen Erneuerern des Priorat zählt.

 

Die Bodega von René Barbier firmiert heute unter "Clos Mogador S.C.C.I." und die Jahresproduktion liegt bei ca. 20.000 Flaschen.

 

Der Clos Nelin ist ein Weißwein, der aus den Rebsorten Garnacha Blanca (Grenache blanc), Viognier, Marsanne, Macabeo und weiß gekeltertem Pinot Noir gekeltert wird. Bis dato habe ich den Wein noch nicht verkostet, aber irgendwo einmal gelesen, dass er wie eine Kreuzung aus weißem Chateauneuf du Pape und weißem Hermitage schmecken soll.

 

Der Manyetes ist ein Cuvee, die überwiegend aus Carinena (ca. 65%) und einen größeren Anteil Garnacha (ca. 25%) sowie kleineren Mengen von Cabernet Sauvignon und Syrah (zusammen ca. 10%) besteht. Der überwiegende Anteil im  Flagschiff CLOS MOGADOR  entstammt von alten Garnacha-Reben, die mit einem größeren Anteil Carinena und kleineren Mengen Syrah und Cabernet Sauvignon vermählt werden.

 

Meine Notizen dieses sicherlich spannenden Weinevents folgen……

2005 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

95 Punkte – Der Gründer dieser Bodega, Rene Barbier gehört zu den Pionieren des Priorat. Da die Wurzeln der Familie an der Rhone in Frankreich liegen, verwundert es wenig, dass ihn die alten Reben (heute über 80 Jahre alt) in der „verlassenen“ Landschaft des Priorat faszinierten. Die verstreut liegenden Parzellen bilden heute die Grundlage für einen Wein, der maßgeblich dazu beitrug, den über Jahre währenden Niedergang und die Entvölkerung dieser Region zu stoppen und umzukehren.

 

In der Farbe sehr dicht und dunkel, mit deutlich purpurnen Reflexen. Die leichte Stallnote zu Beginn erinnerte schon ein wenig an CdP-Weine, auch die maßgebliche Rebsorte Garnacha (=Grenache) dieser Cuvee (Garnacha, Carinena, Cabernet Sauvignon und Syrah) dominiert heute fast alle CdP-Weine. Diese Nase ist kühl, mineralisch, duftet nach Knubber-Kirschen und Apfelmus. Am Gaumen herrlich konzentriert, fest und mit einer herrlichen Frucht und ausgestattet. Die Holznoten (franz. Eiche) ist bereits heute sehr gut integriert, aber die einzelnen Aromen (rote und schwarze Beerenfrüchte, Tabak, deutlich erkennbare Mineralik) haben sich noch nicht perfekt miteinander vermählt. Dafür besitzt dieser Weine eine wirklich tolle Struktur, die perfekten Tannine und die animierende Säure versprechen einen wirklich langen Genuss. Großes Potential (2010-2025)!!

 

Das Herz und die Zunge wichtiger Weinjournalisten/Weinführer  hat er ebenfalls schon erobert, so gibt der von mir sehr geschätzte und „Punktesparer“ Guia Penin 95 Punkte, der für Robert Parker arbeitende Jay Miller ruft ganze 98 Punkte auf und der Guia Proensa zückt sogar die Höchstnote – 100 Punkte. Letztere sind es auf keinen Fall, aber alles andere lässt sich argumentieren.

1991 Mas de Masos, Cellers Capafons-Ossó – Priorat


80 Punkte – 

Dieser gereifte Priorat-Wein war eine ziemliche Pleite, denn der  hatte seine besten Zeiten eindeutig hinter sich. In der Nase erinnerte er ein wenig an Barolo, etwas Sauerkirschen, recht kühl und schlank. Schlank ist dann vornehm ausgedrückt für das, was der Wein am Gaumen darbot. Die Säure steht heraus und Trinkfreude konnte da nicht mehr aufkommen.

Auf der aktuellen Webseite ist über den Wein folgendes zu erfahren, wobei ich nicht recherchieren konnte, ob diese Infos auch schon weitgehend für den 91er Jahrgang galten: „Aus Grenache poilue, Grenache Pays, Cabernet Sauvignon und Carignan hergestellt, langer Einweichung und 12-monatiger Alterung des Weines im französischen Eichenfass. aus Grenache poilue, Grenache Pays, Cabernet Sauvignon und Carignan hergestellt, langer Einweichung und 12-monatiger Alterung des Weines im französischen Eichenfass. Der Wein MAS DE MASOS gärt in kleinen französischen Eichenfässern und altert dann auch in denselben. Letzten Endes wird der Wein in die Flasche gefüllt und im Weinkeller bei einer konstanten Temperatur zur Alterung gelagert. Die Trauben, die benutzt werden um den MAS DE MASOS herzustellen, kommen aus ca. sechs tausend sehr alten, 1852 gepflanzten Rebstöcken, mit einer Produktivität je nach Jahr von 600 bis 900 Gramm per Rebstock.