1997 Le Stanze, Poliziano – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.5)

92 Punkte – Die Familie Carletti startete mit dem Weinbau auf 22ha im Jahr 1961, heute besitzt man in der Gegend um Montepulciano 120 ha und ein weiteres Weingut in den Maremmen. Der Name Poliziano ist ein hommage an den humanistischen Dichter Angelo Ambrogini, der in Montepulciano geboren und als „Il Poliziano“ bekannt wurde.

 

 

Der Supertoscan „Le Stanze“ (benannt nach einem Gedicht von Il Poliziano) wurde erstmal im schwierigen Jahrgang 1987 gekeltert und auf den Markt gebracht. Mit diesem Wein versuchte man international bekannt zu werden, ohne den toskanischen Ursprung aufzugeben. Dass dieser Balanceakt im Hause Poliziano stets gelingt, konnte ich schon bei mehreren verkosteten Jahrgängen feststellen – an diesem Abend hatten wir die 97er Ausgabe im Glas.  Bereits das Bukett wies uns den Weg in die Toskana: viel Eisen (Blut), darunter verbarg sich zu Beginn eine etwas überreife Frucht von Pflaumen und Waldbeeren; hinzu kamen erdig-würzige Noten sowie Anklänge an Graphit. Mit zunehmender Luft baute die Frucht deutlich aus; ein Hauch von Maggikraut/Liebstöckel wies uns den Weg zum Alter des Weines. Am Gaumen brauchte er ein wenig Anlauf, nahm dann – mit der Luft im Glas – aber an Fahrt auf und entwickelte eine schöne Fülle. Die Reife war etwas deutlicher zu erkennen als beim zuvor verkosteten Desiderio von Avignonesi, dafür punktete der Le Stanze aber mit seiner komplexen Art am Gaumen, wenngleich der Desiderio in Punkto Eleganz leicht die Nase vorne hatte. Insgesamt ein immer noch Wein mit einer guten Struktur, Kraft und Fülle, der sicherlich noch die nächsten 2,3,4 Jahre schön zu trinken sein wird, wenngleich am Tisch auch deutlich gereifteren uns schwächeren Flaschen berichtet wurde.

1995, 1999, 2000, 2001 Asinone, Poliziano – Toskana

Der 1985 erstmals gefüllte Einzellagenwein von Federico Carletti, Chef der Az.Agr. Poliziano  ist für mich seit vielen Jahren der Referenzwein in Sachen Vino Nobile di Montepulciano. Zwar gibt es jedes Jahr Weine von anderen Winzern, die noch eine Nuance besser sind, aber über die Jahre hinweg gibt es keinen zweiten Erzeuger, der Jahr für Jahr eine solche Klasse auf die Flasche bringt. Der Wein besteht – wie alle Vino Nobile di Montepulciano – vorwiegend aus Prugnolo Gentile Trauben (besonderer Sangiovese-Klon) und geringen, schwankenden Anteilen von Canaiolo und Mammolo.

1999 – 88 Punkte; In diesem Vierer-Flight für mich der schwächste Jahrgang. Die Nase präsentiert sich fest, mit dunklen, fast herben Fruchtnoten, am Gaumen fest, deutliche Adstringenz, Leder, ebenfalls dunkel und die für den Asinone so typische Graphit- oder Bleistiftnote. Mittlerer Körper und schöne Säure; die Tannine wirken immer noch sehr fest, aber der Wein wird sich nicht mehr verbessern; sollte in den nächsten 1-2 Jahren ausgetrunken werden.

1995 – 90 Punkte;  Hier zeigt sich mal wieder, dass der 95er Jahrgang in der Toskana ein Strukturjahrgang war. Der Wein überzeugt mit seiner festen Art, die Tannine sind immer noch deutlich, aber inzwischen gut integriert. In der Nase dunkel, feuchtes Herbstlaub, Waldboden und dunkle Frucht, etwas etherisch. Am Gaumen viel Struktur, aber auch eine recht komplexe, dunkle Aromatik, Graphit, wirkt durchaus mineralisch, mit noch immer schöner Frische. Angenehme Länge. Keine weiteren Reserven, aber sicherlich noch sehr gut in den nächsten 2-4 Jahren auf diesem Niveau zu trinken.

2000 – 92 Punkte;  Hervorragender Stoff und jetzt perfekt (!!) zu trinken. Eigentlich gilt das Milleniumjahr in der Toskana nicht als wirklich großes Jahr, doch – wie viele seiner Brüder – zeigt sich auch der Asinone gerade jetzt von seiner schönsten Seite. In der Nase etwas stoffiger und weicher als die beiden Jahrgänge zuvor. Glockenklarer Vino Nobile und als Sangiovese in bestechender Form – klassisch, strukturbetont, mit schönem Säuregerüst und lebendiger Frucht. Die Frucht ist geprägt von dunklen Noten, Leder, Gewürzen, Graphit  und einer wirklich schönen Tiefe. Die Tannine sind etwas weicher als beim 95er und 99er, aber trotzdem strukturgebend; befindet sich in einem sehr gutem Gleichgewicht, wirkt äußerst harmonisch.  Jetzt – wie bereits gesagt – in bester Verfasung, aber sicherlich sehr gut auch in den nächsten 2-3 Jahren,  danach wird es spannend.

2001 – 92 Punkte; Ebenfalls ein wirklich gelungener Vino Nobile, auch wenn ich aktuell den 2000er auf Grund seines Charmes einen Tick vorziehe. Beeindruckend ist Jahr für Jahr der Charakter und die Typizität dieses Weines – da gibt es keinen größeren Stilbruch, keine Anbiederung an den mainstream-Geschmack. Der 2001er Jahrgang vom Asinone ist ziemlich komplett, d.h. er hat eine ansprechende Fruchttiefe; eine gute Struktur; ausgereifte, aber deutliche Tannine,eine kräftige, aber sehr gut eingebaute Säure und somit eine innere Stimmigkeit, die ihn genußreich die Kehle runter laufen läßt. Wie in jedem Jahrgang findet sich auch in diesem die Bleistiftnote und das obligatorische Leder wieder. Zusammenfassend möchte ich noch anmerken, dass der Asinoe für mich ein perfekter Essensbegleiter ist, der zwar auch allein getrunken werden kann, aber seine volle Schönheit beim Essen zeigt, denn ich kann mir vorstellen, dass dem Einen oder Anderen die Tannine und die Säure sonst zu sehr zu schaffen machen.

Wer etwas Zeit und Muße mitbringt, wird diesen Wein stets belüften. Wenn es etwas schneller gehen soll, kann man ihn auch sehr gut in die Karaffe (ca. 1 Std.) geben. Allerdings empfehle ich, schon nach dem Öffnen direkt mal einen Schluck zu nehmen…. große Unterschiede gibt es vor allem in der Wahrnehmung der Tannine….. Selbstversuch lohnt… :-))