Berlin SPÄTBURGUNDER Cup 2015

2013_Fürst_Hundsrück (1)Genussmensch und Veranstalter Martin Zwick hat einmal mehr die besten deutschen Spätburgunder des neuen Jahrgangs zusammengetragen, um sie einem Verkostungsteam aus Weinschreibern, Weinhändlern, Sommeliers und Weinliebhabern zu präsentieren. Als Vertreter für den WEINWISSER (www.weinwisser.de) habe ich dieses Jahr auch den dritten Berlin Cup absolviert.

Das Jahr 2013 war für viele Winzer kein einfacher Jahrgang. Zur Ernte gab es eine feuchte und regnerische Periode, die schnell hohen Fäulnisdruck erzeugte. Mit einer „rapido“ Lese (teilweise mit verdoppelter Lesemannschaft) und penibler Traubenselektion konnte Mutter Natur vielfach ein Schnippchen geschlagen werden. Auch der Umstand, dass der Spätburgunder – anders als es der Name es vermuten lässt – eine eher früh reifende Rebsorte ist, war in manchen Regionen von Vorteil. Aus den bisherigen Erfahrungen kann ich zusammenfassend sagen:

  1. Der Jahrgang 2013 ist ein sehr schönes Burgunderjahr. Ein guter und präziser Säurebiss in Verbindung mit einer subtilen Burgunderfrucht bringen viele Wein weit nach vorne. Die Tannine sind meist fein und ausgereift, sodass grüne Noten kaum zu finden sind. Ein Terroirjahrgang, in dem man vieles über die Charakteristiken einzelner Lagen lernen kann.
  2. Der Umgang mit dem Holz hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, die meisten Winzer spielen inzwischen technisch perfekt auf dieser Klaviatur, einige beherrschen das Instrument inzwischen geradezu virtuos. Holzexzesse bzw. ein allzu ungeschickter Einsatz von neuem Holz scheint weitgehend der Vergangenheit anzugehören – wie schön!!
  3. Die Spitzengruppe der Erzeuger von guten und sehr guten Spätburgundern ist in den letzten Jahren – ähnlich wie beim Riesling – merklich breiter geworden. Eine für den Weingenießer in jeder Hinsicht erfreuliche Entwicklung.
  4. Ein wenig überraschend war, dass viele Weine jetzt schon – in ihrer Jugend – bereits sehr harmonisch sind und einen hohen Trinkfluss besitzen. Trotzdem sollte die ganz große Mehrzahl der Weine eine ordentliche Lagefähigkeit (mindestens 7 bis 10 Jahre) aufweisen. Die absoluten Topweine sind in den nächsten 15-20 Jahren gerne gesehene Kellerkinder, um dann mit viel Genuss perfekt gereift getrunken zu werden.

2013_Huber_Wildenstein

Referenzweine, die international keinen Vergleich zu scheuen brauchen und für mich global zu den großen Grand Crus gezählt werden können sind: Fürsts 2013 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder GG und Hubers 2013 Bienenberger Wildenstein GG Spätburgunder R. Großer Stoff, der jetzt eher am 2. und 3. Tag nach dem Öffnen genossen werden sollte, als am Tag des Öffnens.

Ganz knapp dahinter und unter Preis-/ Leistungsgesichtspunkten so attraktiv, dass man an ihnen nur schwerlich vorbeikommt (ich habe nicht widerstanden und bestellt): der 2013er Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG von Schnaitmann und der 2012 Pinot Noir Reserve; Auslese trocken von Koehler-Ruprecht (der genaue Preis kommt jedoch erst zur Freigabe des Weins Mitte 2016)

Siegerwein des Berlin Spätburgunder Cups ist der 2013 Kallstadter Saumagen Spätburgunder der Brüder Rings aus Freinsheim in der Pfalz. Die fabelhaften Baker Boys bedurften einer Susie Diamond alias Michelle Pfeiffer um ihr Talent in bare Münze umzuwandeln. Die Brüder Rings schaffen das auch ohne weibliche Unterstützung. Sie besitzen das richtige Gespür für ihre Lagen, den Wein, das Holz, die Balance und den Markt. Ihre Spätburgunder sind zwar nicht die ganz große, intellektuelle besonders wertvolle Weinoper, aber es sind Spätburgunder, die ein geiles Niveau haben und die gleichermaßen Freaks, Kritiker oder einfach „normale“ Weintrinker in großer Zahl begeistern. Pavarotti & Friends lässt grüßen.

2013 Pinot Noir Kalkstein – Frank John, Pfalz (€45,-)

Dunkles Rubinrot mit deutlicher Transparenz, fruchtig-süßer Ansatz, Walderdbeeren, Himbeeren, etwas Sauerkirsch; klare Frucht und schöne Säure; mittelgewichtig mit guter Struktur; dezent medizinale Note im Abgang. 86-88 Punkte

2013 Lorcher Kapellenberg Pinot Noir, QbA trocken – Chat Sauvage, Rheingau (€45,-)

Recht dunkles Rubinrot; dunkle, leicht vom Alkohol getragene Nase, etwas rauchig, geschnittenes Holz, saftiger Ansatz, schöne aromatische Tiefe mit festem Kern, gutes Tannin, klare Frucht; fest gewirkte, gute Struktur; Holz ist sehr gut eingebunden; druckvoll, mit guter Länge. 89-90 Punkte

2013 Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder, QbA trocken – Zelt, Pfalz (€25,-)

Mittleres Rubinrot mit leicht purpurnen Reflexen, viel Himbeeren und Kirschen, saftiger Ansatz, gute Säure, trinkig, etwas vordergründig und leicht dropsig, geht in Richtung easy drinking, ordentliche Länge; 86-87 Punkte

2013 Birkweiler Kastanienbusch Köppel Spätburgunder, QbA trocken – Siener, Pfalz (€17,50)

Dunkles Rubinrot, die Nase noch leicht vom Holz dominiert, dahinter dunkle Waldbeeren, leicht mineralische Komponente, mittlerer Körper, zugreifende Tannine, sehr ausgewogen und mit guter Struktur, hat schönen Widerstand. Insgesamt sehr stimmiges Bild. Bereits jetzt mit großer Freude zutrinken, aber auch mit gutem Potential. Geht in die burgundische Richtung. 90-92 Punkte

2013 Blauer Spätburgunder, QbA trocken – Karl H. Johner, Baden (€23,90)

Deutlich vom Holz geprägte Nase, viel Toasting, Rauch, Röstaromen, Zigarrenkiste. Dahinter dunkle Frucht, Zwetschge, Schwarze Kirsche, Tabakblätter. Am Gaumen überraschend fruchtig, mit guter Säure, aber auch leicht laktischen Noten, kraftvoll mit deutlichem Alkohol. Gut gemacht, Biber-Wein. 88-89 Punkte

2013 Spätburgunder Rhini, Landwein trocken – Ziereisen, Baden (€34,-)

Kühler, geschliffener Duft, dezent nach Beeren, Tomaten, leicht kräutrige Anklänge, zeigt Tannin und Struktur (aktuell aber noch leicht trocknend), kühl-herbe Ausrichtung mit deutlich mineralischem Nachhall. Balanciert, schöne Säure, insgesamt eher wenig Frucht, kräutrig, zart tabakig, hier steht Mineralik und Terroir im Vordergrund. 89-91 Punkte

2013 Ihringer Winklerberg Häusleboden Spätburgunder GG – Dr. Heger, Baden (€71,40)

Mittleres, ziemlich transparentes Runbinrot, sehr schöner Glanz, wunderbar balancierte, ruhige Art, feine Textur, eleganter Stil. Die Komponenten Frucht (rot- und dunkelbeerig, subtile Kirschfrucht), Tannin und Säure sind perfekt aufeinander abgestimmt; schöne Struktur; sehr klare und reintönige Art, richtig guter Stoff, feinsandiges Tannin, nachhaltig und subtil zugleich, erstaunlich früh zu trinken, aber mit gutem Lagerpotential 92-94 Punkte

2013 Freinsheimer Musikatenbuckel Spätburgunder, QbA trocken – Krebs, Pfalz (€28,-)

Geschliffene Frucht mit dezent holzwürziger Noten in der Nase, am Gaumen deutlicher von der Frucht geprägter Wein, Waldbeeren, Erdbeeren, rote Johannisbeeren, recht deutliches, noch etwas rauhes Tannin, dunkle Mineralik, pikante Säure, wirkt noch! nicht komplett harmonisch; trägt aber nachhaltig, kühl und lange am Gaumen. 89-90 Punkte

2013 Alsheim Spätburgunder, QbA trocken – Juwel Juliane Eller, Rheinhessen (€12,-)

Sehr helle, transparente rubinrote Farbe, noch ganz leichte Gärkohlensäure; leichte, rotbeerige Frucht, feinduftig, Schattenmorellen. Am Gaumen aber ein etwas saurer Geselle, dezent rauchige Noten, die eher transparente Frucht ist rotbeerig, schlank, letztlich ein wenig zu dünn. Wenig Tannin. 85-86 Punkte

2013 Avantgarde / Hölle Spätburgunder QbA trocken – Bergdolt-Reif & Nett, Pfalz (€16,-)

Frischer, feinsaftiger Ansatz, zeigt klare Frucht, wunderbar reintönig, es fehlt ihm etwas an Tiefe und Komplexität, feines Tannin, sehr stimmig. Trinkanimierend, sauber und gut! Schöne feinfruchtige Länge. 86-88 Punkte

2013 Marienglas – Untertürkheimer Gips Spätburgunder GG – Aldinger, Württemberg

Sehr kräutrig-erdige Geschichte, dezent rot-schwarzbeerige Fruchtnoten. Am Gaumen aromatisch tiefer Ansatz, feinsaftig; dezente, recht feine Tannine, mittelgewichtig, guter Saft, dunkle Beerenfrucht, etwas Kirsche, macht Freude. 88-89 Punkte

2013 Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG, – Heid, Württemberg (€25,-)

Bordeauxrot mit mittlerer Transparenz, tiefer Ansatz, feinsaftig, ernst, eher dunkelbeerig, Schattenmorellen; kühle Stilistik. Am Gaumen mit herrlicher Struktur und geschliffener Textur, feinsaftig, perfekte Tannine, großartige Tiefe, dunkler Ansatz, dunkle Kirschen, ein Hauch schwarze Oliven, Kräuter, Mineralik – hier ist alles an seinem Platz! 91-93 Punkte

2013 Spätburgunder Terra 1261, QbA trocken – Weingut Stadt Klingenberg / Benedikt Baltes, Franken (ca. €100 – als Teil einer Lagenkiste)

Helles Rubinrot mit mittlerer Transparenz. Feine, dezent rotbeerige Frucht, etwas roh-fleischige Noten, Nuancen von Kirschen und getrockneten Kräutern, filigran gewirkte Nase. Am Gaumen hochelegant, perfekte Balance, mit sehr schöner aromatischer Tiefe, verspielt, feine und noble Tannine, mineralische Anklänge, mit ganz vielen Facetten, besitzt eine wunderbare Leichtigkeit des Seins. Aristokratisch und subtil bis lange Finale. 93-94 Punkte

2013 Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG – Schnaitmann, Württemberg (€42,-)

Herrlich intensives und nachhaltiges Parfum; dicht und gleichzeitig vielschichtig und facettenreich – so schön! Am Gaumen ein wunderbare Aromen-Melange. Feinsaftig und eher kühl in der Aromatik, kein bisschen vordergründige Frucht, sondern eher vegetabil-kräutrige Noten, Kirschkerne, erdig und mineralisch; wunderbares Säurespiel, viel Substanz, noch recht fest gewirkt, aber mit sehr feinen Anlagen, nachhaltig und mit formidabler Länge. 93-95 Punkte

2013 Melandor Pinot Noir, QbA trocken – Metzger, Pfalz (€48,-)

Sehr klare und reintönige Burgunderfrucht mit herrlicher Fruchtsüsse, ziemlich dicht, saftig, hohe Frische, rote Frucht mit einem Hauch dunklem Holz. Feinsaftig und reintönig, geschliffene Tannine und eine wunderbar frische und perfekt integrierte Säure, animierend, das macht müde Seelen munter. Sehr stimmig und mit schöner Länge. 90-91 Punkte

2013 Pinot Noir, QbA trocken – Jülg, Pfalz (€36,-)

Sehr substanzgetriebener Wein mit viel Anspruch, eher dunkle Beerenfrüchte, tabakige Holznoten. Am Gaumen dicht gewirkte Frucht, die sich aktuell mit dem deutlichen Holz noch nicht richtig vermählt hat. Dunkle Beerenfrucht, rauchig erdige Noten, ganz schön dunkel ;-). Kraftvolle Tannine, strukturgetriebener Pinot. Wirkt ein bisschen gewollt, es bleibt abzuwarten, ob alle Komponenten mit ein, zwei Jahren Flaschenreife noch richtig zueinander finden. Jetzt 86-87 Punkte

2013 Kalkmergel Spätburgunder, QbA trocken – Wageck, Pfalz (€15,80)

Klare, transparente und etwas parfümiert wirkende rote Beerenfrucht. Am Gaumen mit frischer Saftigkeit, zeigt viel rotbeerige, süßlich wirkende Frucht, Erdbeeren, Himbeeren; wenig Tannin, etwas laktische Anmutung, eher leichtgewichtig. 85-86 Punkte

2013 Birkweiler Kastanienbusch Pinot Noir, QbA trocken – Siener, Pfalz (€32,-)

Ausdrucksvolle Frucht, dunkelbeerig, Kirsche, balsamische Anklänge, ein Hauch von dunkler Fleischsoße. Am Gaumen mit tiefer Aromatik, hat gute Substanz, feinsaftig mit schöner, dunkler Pinot-Frucht; feine Extraktsüsse; ein Hauch von Schokolade und balsamische Anklänge. Mittelgewichtig, mit sanfter Oberfläche und einem schönen, runden und mürben Tannin. Gute Verbindung von Holz und Frucht. Substanzreicher und hedonistischer Tropfen. 91-93 Punkte

2013 Probstey Spätburgunder QbA trocken – Thörle, Rheinhessen (€26,-)

Fruchtig holzduftige Nase mit Waldbeeren- und Cassisarmoatik. Am Gaumen ebenfalls eine Aromatik von reifen Waldbeeren, kombiniert mit Tabak-und Kakaotönen aus dem Holz, angenehme Saftigkeit, dezent mineralische Anklänge. Ordentlich gebaut; mittleres Tannin. Man wünscht sich etwas mehr aromatischen Ausdruck und Komplexität. 86-87 Punkte

2013 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG – Allendorf, Rheingau (€25,-)

Luftiger Ansatz, ein Spiel von Erdbeeren, roten Beeren und Rhabarber mit einem Hauch von Vanille. Insgesamt ein eher leichtfüßiger, subtiler Spätburgunder mit einer luftig-lockeren Frucht, dahinter auch mineralische Anklänge. Die Tannine passen in ihrer eher zarten Art zu diesem fruchtbetonten, mit guter Säure ausgestatteten Spätburgunder. Hatte es im in diesem Umfeld etwas schwer. 86-88 Punkte

2013 Hochheimer Stein Spätburgunder GG – Künstler, Rheingau (€ 24,90)

Im Kern rubinrot, am Rand jugendlich purpur. Das Bouquet verströmt eine Duft von Kirschen und reichlich Kräutern. Am Gaumen schlanker Ansatz mit festem Kern und herrlichem Widerstand. Die dunkle Seite der Macht bestimmt das Fruchtbild. Kirschkerne, erdig-würzige Anklänge und ein Hauch von Malz. Gut definierter, schlanker Körper, herrlich frische, mineralische Art, das Holz ist perfekt eingebunden. Im langen Finale eher leise und subtil. 91-92 Punkte.

2013 Muschelkalk Spätburgunder, Landwein – Enderle & Moll, Baden (€32,50,-)

Zu Beginn mit luftiger und ausdrucksvoller Frucht, noch etwas vordergründig, rote Beerenfrucht, Hagebutten, ein Hauch Cassis, auch getrocknete Kräuter und florale Anklänge. Am Gaumen mit aromatischer Tiefe und sehr klaren, reintönigen Aromen. Auch wenn noch nicht alles perfekt zueinander gefunden hat, überzeugt die aromatische Vielfalt. Feinsaftig, feiner Säurebiss. Klare Art und Frische; moderate und feine Tannine; ein schöner Luftikus/Seiltänzer mit Nachhall und der Leichtigkeit des Seins. 90-92 Punkte

2013 Niersteiner Paterberg Sptätburgunder GG – St. Antony, Rheinhessen (€32,90)

Tiefes Rubinrot mit noch dezent violetten Randreflexen. Ausdrucksvolle und tiefe Burgunderfrucht, vielschichtig, dunkel, Kirschkerne. Am Gaumen ebenfalls dunkle Beeren, verwoben mit einer komplexen Kräutrigkeit (getrocknete Kräuter). Viel Substanz und überaus strukturiert, es passt alles zusammen: die für einen Burgunder recht nachhaltigen Tannine, die trotzdem weiche Oberfläche, die schöne Säure, die sehr reintönige Frucht von dunklen Beeren und Kirschen, die aromatische Tiefe und der gute Extrakt. Herrlich zupackender Wein. Er gibt ein Versprechen für lang anhaltenden Genuss. 92-94 Punkte

2013 Saulheimer Hölle Spätburgunder, QbA trocken – Thörle, Rheinhessen (€29,-)

Dunkle Spätburgunderfrucht, noch von Holz und Toasting geprägte holzwürzige Nase. Am Gaumen mit guter aromatischer Tiefe und Substanz. Klar und mit dunkler Frucht, packt zu, hat Kraft und Tannin, eher kühl gewirkt mit erkennbarer Extraktsüße. Dezent kräuterwürzig, eher maskuliner Spätburgunder. 88-90 Punkte

2013 Dernauer Pfarrwingert Spätburgunder GG – Meyer-Näkel, Ahr (€48,-)

Dichtes Rubinrot. Dichte Waldbeerenfrucht, Erdbeeren, dezente Kräutrigkeit. Am Gaumen schöner Extrakt. Dunkle Waldbeeren, Kirschfrucht und Erdbeeren, dahinter dezent kräutrige Noten. Etwas Extraktsüße – abgepuffert mit schöner Säure. Insgesamt mittelgewichtig mit guter Frische und fein eingepassten Gerbstoffen. Ausgewogener und harmonischer Spätburgunder, der bereits jetzt gut zu trinken ist. 89-91 Punkte

2013 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder GG – Fürst, Franken (€94,-)

Rubinrot mit mittlerer Transparenz und schönem Glanz. In der Nase feiner, tiefer und kühl-mineralischer Ansatz, überaus reintönige Aromen, eher dunkelbeerig und kräutrig. Am Gaumen die gleiche reintönige und transparente Art. Baut viel Zug und Druck auf, viel innere Stärke, dabei nie schwer. Packt zu, feinwürzig, mit herrlichem Säurebiss und subtiler Extraktsüße; feinsaftig und überaus klar. Hedonistischer Wein mit riesigem Potential und tollem Harmonie-Versprechen. Großartig; feistes Teil! 94-96 Punkte

2013 Bienenberger Wildenstein Spätburgunder R / GG – Huber, Baden (€120,-)

Von Anbeginn eine ungeheuer subtile und vielschichtige Aromatik. Betörende Nase mit ätherisch/balsamischen Anklängen, feinen Kirsch- und dunklen Beerennoten, auch würzige Aromen. Am Gaumen eine vergleichbar komplexes Aromenspiel zwischen Frucht, Gewürzen (z.B. roter Pfeffer) und erdig, mineralischen Anklängen. Kühle, sehr geschliffene Art. Hier ist alles bestens definiert, passend dimensioniert und auf eine lange Zukunft hin strukturiert. Frucht, frische Säure, feingliedrige Tannine und ein wunderschönes, langes und elegantes Finale. Groß!  94-95 Punkte

2013 Berntaler Felsenberg Spätburgunder – Rings Pfalz (€?)

Subtanzreicher und reintöniger Duft, dunkle Beerenfrucht, viel Kirsche und eine schöne Röstaromatik. Am Gaumen ebenfalls viel Substanz, viel innere Spannung, eher dunkle Aromatik mit erkennbar mineralischen Anklängen. Gute Tannine, die Struktur bringen; schöne, feinsaftige dunkle Kirsch(kern)frucht, gute Frische & ein gut eingebundenes Holz. (Anmerkung: Weinberg in 2010 restauriert, in Naturschutzgebiet gelegen, mit Kalksteinmauern umgeben – quasi ein Clos. Jungfernjahrgang, sehr kalkige Böden mit etwas Eisen; nur 2 Barriques, bislang noch ohne Preis) 90-92 Punkte

2013 Kallstadter Saumagen Spätburgunder, QbA trocken – Rings, Pfalz (€38,-)

Kühler, intensiver Duft von rotschwarzen Beeren und Kirschen, durchzogen mit einem wunderbaren Potpourrie von getrockneten Kräutern und Gewürzen. Am Gaumen geil-saftig (sorry des Ausdrucks), tief und nachhaltig. Der Wein hat Power und Frische, ist klar, kühl und substanzgeladen. Insgesamt fest gewirkt, mit ein paar schönen Pölsterchen an den richtigen Stellen und runden, weichen, aber nachhaltigen Tanninen. Irgendwie ein crowdpleaser, aber aktuell passt hier einfach alles. Alles ist richtig dimensioniert, dicht und very sexy! Frisch & jung, mit schönem Schmelz und herrlicher Frucht. Es gibt viel zu entdecken in den Ecken und Winkeln dieses Weins. Vielleicht nicht der nobelste aller Spätburgunder, aber selbst ein Weinintellektueller wird sich dem Charme des Saumagens nicht entziehen können. Eine perfekte Spätburgunder-Praline, die irre lang am Gaumen haftet. Jetzt schon super zu trinken. 93-95 Punkte

2013 Teufelspfad Spätburgunder, QbA trocken – Braunewell, Rheinhessen (€22,50)

Schöner Spätburgunder mit fruchtig floraler Art, reintönige Art. Am Gaumen schöne Saftigkeit, viel Kirschfrucht sowie rote und schwarze Beeren, mittelgewichtig, recht konzentriert und mit passendem Holz abgerundet. Die ziemlich feinen Tannine sind gut eingepasst, die Säure ist stimmig und die mineralische Note im Hintergrund gibt ihm eine kühle Note. Insgesamt ein sehr schöner und stimmiger Wein, der gute Anlagen mitbringt und gut ausbalanciert ist. 89-91 Punkte

2013 Koepfle Spätburgunder; QbA trocken – Henrik Möbitz, Baden (€39,-)

Dunkles Rubinrot mit mittlerer Transparenz und schönem Glanz. Tiefe aromatische Art, subtil und kraftvoll zugleich, eine gewisse Form von Kargheit, dafür herrlich mineralisch und mit herben Zug, feine Tannine, insgesamt vielschichtig, aktuell noch sehr jung und mit starkem Terroirausdruck. Richtig guter Stoff! 91-92 Punkte

2012 Pinot Noir; Auslese trocken – Koehler-Ruprecht, Pfalz (ca.€20,-)

Klare, dunkle Beerenfrucht mit deutlichen Kirschnoten, aber auch etwas medizinale Anklänge. Am Gaumen kraftvolle Art mit guter innerer Spannung; vielschichtige, eher herbe Frucht. Mittleres Tannin, packt trotzdem zu, gute Säure. Animierend. Schöne Länge. 89-91 Punkte

2012 Pinot Noir Reserve; Auslese trocken – Koehler-Ruprecht, Pfalz (k.A. erscheint Mitte 2016)

Tief und vielschichtig, mit sehr schöner Dichte und viel innerer Spannung, feinsaftig mit schönem Spiel und superber Frische Die Tannine sind feinkörnig. Viel innere Spannung und doch ungemein variabel und komplex. Das neue Holz ist bestens integriert und die leichte nussig-schokoladige Röstaromatik fügt sich perfekt ein. Zupackend und gleichzeitig hedonistisch. Dann bleibt der Zettel leer und die Deklination einzelner Aromen fehlt – habe einfach gedankenverloren genossen! Für eine Zahl auf dem Papier hat es nach der Träumerei dann doch gereicht: 93-94 Punkte

2012 Brauneberger Klostergarten Spätburgunder** – Molitor, Mosel (ca.€45,-)

Feiner und frischer Duft von dunklen Kirschen, rotbeerige Noten zusammen mit kühlen erdigen und mineralischen Anklängen. Am Gaumen ebenfalls sehr klar, kühl und reintönig. Wieder eine schöne Melange aus dunkler Sauerkirschfrucht und kühlen mineralisch-würzigen Anklängen, schwarzer Pfeffer, auch etwas kalter Rauch. Insgesamt mit schöner innerer Spannung, gutem Säurebiß und klarem Ausdruck. Viel Potential, wirkt sehr burgindisch. 90-92 Punkte

2012 Brauneberger Klostergarten Spätburgunder*** – Molitor, Mosel (ca.€80,-)

Sehr tiefe Burgundernase, unglaublich klar und reintönig, gerade aus und doch äußerst vielschichtig, es benötigt viel Zeit im Glas, damit der Wein sich zu offenbaren beginnt. Es deutet sich erst langsam an, was in dem Wein steckt. Dieser Stoff ist für ein langes, genussvolles Leben bereitet und stellt die hohe Winzerskunst dar. Sehr pur und rein, mit viel innerer Vibration und sehr fein definierten Aromen, dunkelfruchtig, dunkle Sauerkirschen, blütige Anklänge. Die Tannine bilden Struktur, sind in ihrer Wahrnehmung aber sehr feinkörnig und weich. Wunderbarer Tropfen mit riesigem Zukunftsversprechen. 91-94 Punkte

2012 Westhofener Morstein Spätburgunder GG – Gutzler, Rheinhessen (€31,-)

Recht dunkle rote und schwarze Frucht, deutlich vegetabile, herbe und erdig-mineralische Anklänge im Duft und am Gaumen; am Gaumen auch tabakig-kräutrige Anklänge. Insgesamt ein sehr individueller Spätburgunder, der einen etwas herberen Stil charakterisiert. Die für einen Spätburgunder straffen Tannine sind ebenso gut eingebunden wie das moderate Holz. Erkennbar strukturierter und nicht auf vordergründiger Frucht aufbauender Charakter. Gute Länge. Lagerpotential. 88-90 Punkte

2012 Großkarlbacher Burgweg Spätburgunder, QbA trocken – Wageck, Pfalz (€28,90)

Interessanter Stoff, in der Nase mit kühler Frucht, herbe rote Beerenfrucht, durchzogen mit ein paar kräutrigen Noten. Am Gaumen extraktreicher Stoff, mit feinsaftiger Frucht und schönem Schmelz, der insbesondere auch aus dem deutlichen, aber sehr gut integrierten, Fassausbau stammen dürfte. Erkennbare Extrakt- und Holzsüße, aber am Gaumen auch dunkle Früchte wie Pflaumen, kombiniert mit Kirschen, ein bisschen Schwarzwälder Kirsch. Schöner Zug und ordentliche Länge. 86-88

2012 Pinot Noir Reserve – Koch, Baden (€48,-)

Hellrot, transparent mit schönem Glanz. Herrlich reintönige Nase, vielschichtig, mit einer wunderschönen roten Beerenfrucht, feine Fruchtsüße, rote Johannisbeeren, Schattenmorellen. Am Gaumen eher zart, mit seiner eher kühlen roten Beerenfrucht tanzt er auf der Zunge, ist verspielt, aber nicht kitschig, die gute Struktur bleibt im Hintergrund. Der schöne Säurebiss passt sehr gut zu seiner feinsaftigen Frucht. Mit macht dieser reintönige und sehr klare Spätburgunder sehr viel Spaß. Gerade als letzter Wein in einer 41 Spätburgunder umfassenden Probe, überzeugt mich die 2012er Ausgabe von Holger Kochs Pinot Reserve sehr. Ich werde wieder munter! 91-93 Punkte

Spätburgunder vs. Pinot Noir

Die oft beschäftigte, aber nie gelöste Frage: kann deutscher Spätburgunder gegenüber den Brüdern und Schwestern aus Burgund bestehen, stand im Mittelpunkt der Verkostung an diesem Abends.

Einmal mehr hat der liebe Stephan – vielen auch als octopussy im Weinforum (www.dasweinforum.de)  bekannt – in Hamburg zu einer spannenden Probe geladen. Die Probannten der Verkostung waren ideal gewählt  – weder trat David gegen Goliath an, noch wurde jugendliche Ungestümtheit auf honorige Altersweisheit losgelassen. Auch ein DFB-Pokal ähnliches Spiel, bei dem ein Kreisliga-Verein (Village) auf Champions League Teilnehmer (Grand Cru) trifft und alle auf ein Wunder hoffen,  war von Anbeginn in diesem Wettbewerb ausgeschlossen. Lediglich bei der regionalen Immatrikulation zur Probe war Stephan bei den französischen Pinots etwas großzügiger, als bei den deutschen Spätburgundern –  letztere bekamen nur eine Zulassung zum Spielbetrieb, wenn sie aus Baden stammten. Preislich lagen die Weine des Panels pro Flasche zwischen Euro 20 und Euro 45. Da in der Runde der Verkoster das Thema Transparenz als Qualitätsmerkmal  an diesem Abend eine Rolle spielen sollte, wäre ein Vertreter des deutschen Meisters in Sachen Transparenz (R.Fürst aus Franken) ein wünschenswerter  Sparringspartner gewesen, denn die Badener  Winzer setzen  fast schon traditionell  mehr auf Struktur und Tannin.

Alle Weine entstammten dem Jahrgang 2007 und wurden paarweise blind serviert. Neben der Frage der Qualität stand die Frage der Herkunft (Deutschland oder Frankreich) im Fokus. Darüber hinaus gab es von jedem Winzer 2 Weine an diesem Abend zu verkosten und im Ablauf der Probe sollte man matchen, welche Weine vom gleichen Winzer stammten. Letztere Fragestellung ist insbesondere vor dem Hintergrund einer erkennbaren(?) Handschrift des Winzers – unabhängig von der genauen Lage – interessant.

Mehr Details zum Probenablauf und weitere Verkostungseindrücke findet Ihr unter: http://www.dasweinforum.de/viewtopic.php?f=29&t=3324

2007 Spätburgunder Schlatter SW, Weingut Martin Waßmer – Baden

87 Punkte – kühle Nase, deutliche Erdbeerfrucht, dunkel, klarer Holzeinsatz, rauchig, speckig, Holzkohle, maskulin, Kräuter, stemmiger Spätburgunder, der in dieser Art nur aus Deutschland kommt. Am Gaumen vergleichbares Aromenbild – recht knackig, gute Säure, dezente Extraktsüße, viel Tannin, dass etwas sperrig wirkt und die Vermutung nahe legt, dass hier mit den Stengeln vergoren wurde. Frucht von Erdbeeren, Himbeeren kombiniert mit Speck und Kohle, letztlich ein Wein, der wie aus dem Baukasten zusammengesetzt erscheint. Die 87 Punkte sind schon ein Anleihe auf eine weitere Flaschenreife, die die Komponenten etwas mehr vermählt.

2007 Morey St. Denis 1er Cru „Charmes“ Pinot Noir, Lignier-Michelot – Burgund

89 Punkte – in diesem Flight war klar, dass dies der Franzose sein muss. Etwas unauffällige Nase – tut weder weh, noch zeigen sich besonders komplexe Charaktereigenschaften; die zarte, klare  Burgunderfrucht ist jedoch positiv zu vermerken. Am Gaumen hat er es nach dem Waßmer recht leicht, denn sowohl in der A-, wie auch der B-Note liegt er klar vorne. Technisch  ein einwandfreier Pinot, da passen Frucht, Säure und die zarten Tannine zueinander. Aber 3- oder gar 4-fach Sprünge sowie besondere Pirouetten – lässt er sicherheitshalber aus. Auch im künstlerischen Ausdruck bleibt er mir zu unbestimmt. Positiv hervorzuheben ist, dass er mit einer schönen Leichtigkeit über das Eis schwebt und gröbere Fehler einfach vermeidet. Leichtfüßig; ordentlich strukturierte, hellrote Frucht; ein wenig Süßholz und Kirsch. Positiv: schöne Mineralität; präziser Wein mit guter Länge.

2007 Nuits St. Georges 1er Cru „Perrières“ Pinot Noir, Regis Forey – Burgund

91 Punkte – kräftig in der Farbe. Frisch im Glas eine recht animalisch transpirierende Nase, mit Luft wird er immer klarer und baut im Glas herrlich aus. Dunkle, kühle Aromatik, mit Noten von Cassisgelee, Kirschkuchen mit Streuseln, auch ein Touch Menthol. Am Gaumen ein klares, substanzvolles Bild. Knackige Beerenfrucht im Morgentau, klar definiert, schöne Substanz und Frische! – große Freude, die Hand geht zum Glas. Hat noch viel Potential!

2007 Spätburgunder Schulen, Weingut Ziereisen – Baden

85 Punkte – In der Nase eine kräftige, aber wenig schmeichelnde Frucht, Holzkohle und angebranntes Gummi. Am Gaumen durchaus mit fruchtigen Anlagen, die aber gegen die sperrigen und leider etwas grün wirkenden „Holzsaftnoten“ nicht ankommen, Cassis, Erdbeeren, insgesamt aber zu klotzig und sperrig, wirkt im Abgang auch etwas bitter. Aktuelle gewinnt man den Eindruck, dass das Holz die Frucht absorbiert und auffrisst. Aber Wunder geschehen beim Wein immer wieder…

2007 Savigny-lès-Beaune 1er Cru „Aux Guettes“ Pinot Noir, Jean Marc & Hugues Pavelot – Burgund

85 Punkte – triple „k“ – kalkig, konsequent, karg  & furztrocken – ein Kollege am Tisch formulierte es bildlicher und traf den Nagel auf den Kopf: „ein humorbefreiter Karatekämpfer, der den Tisch zerlegt“. Sehr geradeaus, wenig Spiel, viel Tannin für einen Pinot; deutlich von der Struktur geprägt; positiv auch hier die Mineralik. Ein idealer Stoff für Wein-Masochisten oder wie Carsten Klemann einmal sagte: „Frucht ist deutlich überbewertet“ – <lach> Den Spruch im Zusammenhang mit Wein finde ich – selbst nach Jahren – immer noch grandios!

2007 Spätburgunder Bombacher Sommerhalde GG, Weingut Bernhard Huber – Baden

89 Punkte – Zu Beginn etwas irritierende Reste von Kohlensäure, die sich im Glas verlieren. Stoffiger Spätburgunder mit rotbeerigen Fruchtnoten; fruchtig-beerige Süße. Baut im Glas aus und gewinnt an Kontur, dann auch dezent würzige Noten – Sanddorn, ein Touch von Kreuzkümmel.  Zum Sprung über die 90er Punktegrenze müsste er an Länge zulegen – die wollte oder konnte er an diesem Abend nicht zeigen.

2007 Chambolle Musigny 1er Cru Les Charmes Pinot Noir, Domaine Ponsot – Burgund

93 Punkte – Diese Flasche war ein „Mitbringsel“ eines Weinfreundes an diesem Abend und stand eigentlich als Essenbegleiter außerhalb des panels, aber für mich entpuppte sich dieser Chambolle Musigny 1er Cru als benchmark, an der sich alle anderen Vertreter an diesem Abend messen lassen mussten.

Zu Beginn dezent animalische Nase, die schnell verfliegt – dann ausgesprochen duftige, feinfruchtige und spielerische Nase. Am Gaumen mit feiner Säure, weichen Tanninen und einer feingliedrigen, transparenten Aromatik. Rote Beeren, feine Marzipansüße; erweckt die Aufmerksamkeit und zeigt Präsenz ohne jeden „lauten“ Ton.  Einziges Manko an der Geschichte – das Glas war zu schnell leer.

2007 Spätburgunder „Rhini“, Weingut Ziereisen – Baden

89 Punkte – Kräftiges und ausdrucksvolles Bukett mit Noten Von reifen Erdbeeren, Kirschen und kräutrigen Anklängen; deutlicher Holzeinsatz, aber deutlich besser gemanagt als beim „Schulen“. Am Gaumen kühl, mit guter Struktur und Substanz; deutliche Mineralik – kalkig. Der Wein zeigt Druck und Frische, ein guter Spätburgunder, auch wenn seine Persönlichkeit nicht durch Frucht und Süße geprägt ist.

2007 Pernard-Vergelesses 1er Cru Les Vergelesses Pinot Noir, Jean Marc & Hugues Pavelot – Burgund

88 Punkte – glockenklarer, kühler und dunkelfruchtiger Pinot, Noten von Brombeeren und Cassis. Am Gaumen Typ Ausdauerläufer: sehnig und etwas verbissen, dafür mineralisch und klar. Gewinnt mit Luft etwas an Süße und baut aus, aber insgesamt – auch auf Grund seiner etwas stumpfen Tannine – eher ein akademischer, verkopfter Pinot, dem die „Freude am Sein“ etwas abgeht.

2007 Morey St.Denis 1er Cru Les Chenevery Pinot Noir, Lignier-Michelot – Burgund

88 Punkte – Würzig-süße Nase, zugänglich und reif, ein kleiner Schmeichler. Kann sein Versprechen am Gaumen nicht ganz einlösen. Fruchtig, mit orientalisch-würzigem Einschlag; angenehm saftig mit verspielter Süße, Süßholz, mit etwas Luft entwickelt er auch erdige Noten; ordentliche Säure. Im Gesamteindruck wirkt er jedoch eher wie ein vollgesogener Stoff, dem es an Leichtigkeit mangelt – dieser Teppich fliegt nicht. Die mangelnde Länge im Abgang bestätigt für mich diesen Eindruck.

2007 Pinot Noir GC, Weingut Martin Waßmer – Baden

90 Punkte – Tiefe Nase, substanzreich.  Teer, Speck und Rauch sind interessant verwoben mit einer kräftigen Kirsch- und Cassisfrucht. Am Gaumen ein ebenso körper-  und substanzreicher Pinot mit kühlem Ansatz; neben den kräftigen Fruchtnoten offenbart er auch Anklänge von Waldboden, Menthol und edlen Hölzern. Opulenter, in sich schlüssiger Pinot mit guter Länge.

2007 Nuits St. Georges 1er Cru Les St. Georges, Regis Forey – Burgund

91 Punkte – Kühle, etwas reduktive Nase. Sehr klar – in der Frucht mit deutlichen Cassisnoten – etwas ungewöhnlich für Pinot Noir. Am Gaumen mit Druck und Struktur, zeigt eine schöne Mineralik, gepaart mit einer herrlichen Kirschfrucht. Hat noch ein gutes Potential .

 2007 Hecklinger Schlossberg Spätburgunder GG, Bernhard Huber – Baden

93 Punkte – Helltönige Farbe. Helle, frische und verspielte Frucht (rote Beerenfrüchte; Himbeeren, Erdbeeren)– fein und aromatisch zugleich. Kein Schwergewicht, sondern der Wein wirkt straff und gleichzeitig beschwingt; moderate Säure. Die Frucht zeigt ebenfalls helltönige Aromen von nicht komplett ausgereiften Pfirsichen, Pflaumen, Himbeeren und Kirschen. Ein Wein mit schöner  Struktur und gutem Alterungspotential – hier ist nichts gewollt, hier darf alles so sein, wie es ist. Macht viel Freude!!

Das FAZIT der Probe: Ich weiß nur, dass ich nichts weiß. Tendenziell fiel die Länderzuordnung (Deutschland oder Frankreich) richtig aus, trotzdem kann man nicht von einer klaren Stereotypizität eines französischen Pinots oder deutschen Spätburgunders sprechen. Hinsichtlich der Qualität im Glas, erst recht nicht. Was bleibt? Die Qual der Wahl. Das Angebot ist breit und es hilft nur eines: Selbst verkosten, trinken und eigene Vorlieben entdecken –   grundsätzliche Qualitätsunterschiede zwischen Pinot und Spätburgunder gibt es nicht.