1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne

94 Punkte – Dieser Blanc de Blanc (=reiner Chardonnay) Champagner ist für mich mit das Beste, was ich bislang an Champagner getrunken habe. Die champagnertypischen brotigen Anklänge sind wunderschön ausgeprägt, die Aromen reichen von exotischen Früchten wie Ananas und Papaja, über frisch aufgeschnittene Äpfel bis hin zu ganz zarten Noten von frischem Sauerkraut.  Im Mund ist er sehr frisch und trocken mit weichem, zartem Schmelz. Sehr feine, gleichmäßige Perlage und tolle Länge. Die Champagner von Pierre Moncuit werden auf Grund ihrer Qualität Jahr für Jahr bekannter und so ist dieser Champagner ab Hof bereits ausverkauft. Der aktuell im Verkauf befindliche 2002er Jahrgangschampagner ist ebenfalls eine besondere Empfehlung, denn der ab Hof Preis (etwas über Euro 30,-) ist leicht gesunken.  Auch wenn die Preise des 96er etwas höher lag (knapp Euro 40,-), so ist er doch weit, weit entfernt davon, was vergleichbare Qualitäten (z.B. Dom Perignon in sehr guten Jahren) der  großen Champagnerhäuser  kosten.

 

2004 Domaine Laffont – Hecate / Madiran

91 Punkte – Die dichte, schwarz-purpurne Farbe dieses 100%-igen Tannats aus dem Madiran ist unglaublich. Am ersten Tag – aufgrund der Tannine – eingentlich nicht trinkbar, offenbart er am zweiten Tag erste Eindrücke, in welche Richtung sich der Wein in den nächsten Jahren entwickeln wird: 

Eine dichte und komplexe Nase mit Noten von gerade reifen Waldfrüchten, Heidelbeeren sowie eine kühle Kräutrigkeit strömen einem entgegen; Anklänge an Tinte und Schlammkreide erinnern ein wenig an die Schulzeit. Am Gaumen kämpft die satte Frucht (ähnlich der der Nase) mit dem genauso satten Tannin. Die Säure kann sich nicht entscheiden und unterstützt beide. Trotzdem kriecht der Wein mit einer gewissen Seidigkeit über die Zunge – schon beeindruckend, was der aus Belgien stammende Pierre Speyer Jahr für Jahr aus dieser Rebsorte zaubert. Entwerder man trinkt den Hecate 2004  jetzt zu gegrilltem Fleisch oder man läßt ihn mindestens 2, oder besser 3 Jahre liegen, damit sich die Tannine etwas abrunden können. Ich gehe davon aus, dass der Wein dann zu großer Form auflaufen wird; in der darauf folgenden Dekade wird er voll überzeugen und seine Geniesser sicherlich begeistern.

2000 Domaine Clavel – Copa Santa

92 Punkte – Was habe ich heute Abend für eine Freude mit diesem Wein. Er ist ein perfekte Mischung aus Kraft, Struktur, Würze und einer dezent süßen Frucht – Hedonismus pur. Auf Grund der Würze und der "Fettleibigkeit" könnte man von einer bäuerlichen Schönheit sprechen, aber für mich ist das bourgeoise Kunst auf höchstem Niveau. Ein Wein, der meine Hand permanent zum Glas gehen läßt – und wenn ich mich nicht ein wenig selbst beschränken würde – dann wäre ich in "Null Komma Nichts" total berauscht. Aber gibt es eine schönere Art und Weise sich der Wollüstigkeit (mit drei "l" oder nur mit zwei -jetzt egal)  zu ergeben und sich zu betrinken. 14,5% Alkohol sind eine Hausnummer, aber der Wein ist nie klotzig oder alkoholisch, sondern eine dralle Schönheit, mit den "richtigen" Pölsterchen, einfach nur sexy (die Damen mögen es mir vergeben). Etwas formaler ausgedrückt: dunklelbeerig, mit einer dichten, süßen Würze (einerseits süß nach Zimt und dunkler Schokolade, andererseits eher kräutrig nach Garrigue und Wacholder), die enorm breit gefächert ist und die mich bis in der langen Abgang begeistert.

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