1979 Barolo Bussia di Monforte Riserva Speziale, Bruno Giacosa – Piemont


96 Punkte – Der krönende Abschluss der Rotweinrunde an diesem Abend. Dieser herrliche Stoff ist nur in wenigen Jahren (1974, 1975, 1978 und 1979, jeweils rotes label) in kleiner Auflage erzeugt worden. Für die Optik gewinnt dieser Barolo keine Preise; mit unglaublich viel Depot strömt der Wein ins Glas, in der Farbe ansonsten eher blass und hell. Dafür hat es der Rest umso mehr in sich. Die Nase zeigt mit etwas Luft herrliche Trüffelaromen und feuchtes Unterholz, dazu Malven, etwas Liebstöckel und zwischendrin auch mal ein Hauch von verwässerter Coca Cola, aber das Aroma verändert sich, zeigt auch Anklänge von rotem Tee. Am Gaumen ebenfalls mit fortgeschrittener Reife, deutliche Tertiäraromatik (aber die von ihrer schönsten Seite), dazu etwas Tee von roten Früchten, eine feine und recht intensive Süße (Karamell). Insgesamt ein wunderbar reifer Barolo, mit sehr viel Spiel, Komplexität und Finesse. Ich liebe diese Art von klassischem Nebbiolo; für mich ist das großes Kino und unglaublich genussvoll.

1989 Barolo La Villa Fratelli Seghesio Piemont


94 Puntke – Der ein Jahr ältere La Villa aus dem Jahrgang 1989 unterscheidet sich von seinem Bruder aus 1990 im Stil; er wirkt etwas klassischer, aber nicht minder attraktiv. Im Ergebnis ist er etwas filigraner und eleganter; aber auch der 89er zeigt eine wunderbare aromatische Tiefe mit runden, körnigen Tanninen. Die Aromatik ist ebenfalls dunkel, mit einer tollen Frucht (Kirschen, Brombeeren und Waldboden) sowie einer ansprechenden Fruchtsüße. Dies alles wird eingerahmt und durchzogen von malzigen Aromen, Zedernholz und einem Hauch Trüffel. Beeindruckend die aromatische Länge mit der er Mund und Rachen auskleidet. Auch hier ist keine Eile geboten, der Wein wird auf diesem Niveau noch etliche Jahre zu trinken sein.

1990 Barolo La Villa, Fratelli Seghesio – Piemont


93 Punkte – Die Brüder Aldo und Riccardo Seghesio haben erst Ende der 80er Jahre damit begonnen eigenen Wein abzufüllen. Vorher wurden die Trauben oder auch der Jungwein an Handelsbetriebe verkauft. Doch dann begannen sie den Wein selbst zu füllen und auf hohe Qualität zu setzen. So wurden nicht nur die alten Fässer zersägt und auf französische Eiche (600-700 Liter Fässer) gesetzt, sondern man reduzierte auch die Erntemenge erheblich (grüne Lese mit teilweise 50% Ertragsreduzierung und letztendlich nie mehr als 40hl Wein pro Hektar. Die internationale Weinszene entdeckte die Weine sehr schnell – auch dank der internationalen Weinjournalisten; Parker hat z.B. den Barolo La Villa in 14 Jahrgängen bewertet und nie mit wenige als 90 Punkten bewertet. Auch der Gambero Rosso ist stets voll des Lobes über die Weine der Gebrüder Seghesio. 

 

Noch mit dichter Farbe strömt der Wein in die Gläser und ein Duft aus Lakritz, Tabak, Waldbeeren und Kirschen umschmeichelt die Nase. Im Mund präsentiert er sich saftig und mit einer schönen Fruchtsüße; der recht hohe Speichelfluss deutet auf eine knackige Säure hin, die trotzdem gut eingebunden wirkt. Das gleiche gilt für die kräftigen Tannine. Der Körper ist kräftig, aber auf Grund seiner Anlagen ist der Wein in sich harmonisch und so dürfte der Barolo La Villa 1990 noch einen erhebliches Lagerpotential besitzen.

1989 Barbaresco Selezione Christa Klauke, Produttori del Barbaresco – Piemont


90 Punkte – Spannend war die  für die Buchautorin und (ehemalige) Weinhändlerin Christa Klauke gemachte Spezial-Abfüllung. Diese Flasche entstammte einem Fass (No.137), das ausschließlich für sie abgefüllt worden war. Wie ich gehört habe, gehörte sie einmal zu den recht bedeutenden Händlern in Deutschland und ihre Liebe galt dem italienischen Wein.

Die Nase zeugt von einem gereiften Nebbiolo klassischer Art, Anklänge an Trüffel, Liebstöckel, rote Beeren und Trockenblumen. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild; ein wirklich schön geschliffenes Tannin sowie die gut eingepasste Säure sorgen für ein harmonisches Gesamtbild; die gute Länge rundet dieses erfreulichen Weingenuss ab. Man darf davon ausgehen, dass für diese Spezialabfüllung ein wirklich gutes Fass gewählt worden ist. Allerdings war es im Jahrgang 1989 auch schwierig keinen guten Nebbiolo zu erzeugen. Wir haben noch länger darüber diskutiert, ob 1989 oder 1990 der bessere Jahrgang ist. Wenngleich in der Literatur 1990 die Nase leicht vorne hat, so waren wir uns am Tisch auf Grund eigener Erlebnisse einig, dass 1989 im Durchschnitt der etwas bessere dieser beiden großen Jahrgänge in der Langhe ist.

 

1990 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA – Piemont

93-95 Punkte: im Vergleich zum 90er der bessere Jahrgang. Was für ein dunkler, tiefer und immer noch juegendlicher Barbaresco!! Die Nase wirkt frisch, mit tiefer, dunkler Frucht, Kirsche und Holunder. Einmal im Mund kann man das Alter dieses Nebbiolos kaum glauben; er ist so frisch und jung in seiner Aromatik; die noblen Tannine sind kraftvoll und strukturgebend. Am Gaumen überzeugt mich die Frucht und die Struktur dieses Weines zu 100%; so tief, rein und klar ist dieser Wein. Aber auch der 2.Gaja stand an diesem Barolo-/Barbarescoabend im Kontext mit anderen großen Weinen der Region und so fiel es mir auch beim 90er schwer, diesen Wein klar als Barbaresco zu identifizieren. Ich weiß nicht so genau, ob es die Röstaromen aus dem Holz waren, die dem Wein zwar perfekt zu Gesicht standen und die sich hervorragend in das Gesamtbild einfügten, oder ob es vielleicht die hohen Extraktwerte/Extraktsüße waren, aber so ein richtiges Bild eines Barbaresco wollten meine Sinne mir bei diesem Wein nicht malen. Trotzdem richtig genialer, kraftvoller und komplexer Stoff, der gleichzeitig sehr harmonisch und sinnlich wirkt. An dieser Stelle auch der Hinweis, dass ich den Wein deutlich über 92 Punkte erlebt habe, nur die mir etwas fehlende (oder anders ausgedrückt, die vielleicht von mir nicht wahrgenommene) Typizität eines Barbaresco gab Abzüge in der "B"-Note.  

1989 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA – Piemont

90-93 Punkte – GAJA, der große Name des Barbaresco, der Langhe, Italiens, ja eines der berühmtesten Weingüter weltweit. So einen Wein im Glas zu haben ist allein schon aus pekuniären Gründen etwas Besonderes. Aber auch die Geschichte der Familie ist so spannend wie abwechslungsreich und nicht immer war sie von dem Reichtum geprägt, zu dem es  heute Angelo Gaja, der "Unternehmer mit der Weltkarte in der Hand"  mit viel Herz, Verstand, unternehmerischem Geschick und Visionen gebracht hat. In dem vom Hallwag-Verlag und Slow food publizierten Buch (Hrsg: Carlo Petrini) "Barolo Barbaresco" kann man z.B. lesen:

"Entstanden war die Firma 1859, als es dem Urgroßvater Giovanni, einem wohlhabenden Fuhrunternehmer, gelungen war, durch seine Hände Arbeit den fünf Söhnen und zwei Töchtern je ein Bauernhof zu vererben. Drei seiner Söhne verloren, wie es in der Langhe fast schon Tradition hatte, den Hof auch gleich wieder beim Glücksspiel. Barba Cit, also "kleiner Onkel", wie der jüngste genannt wurde (er war fast zwei Meter groß), schaffte es sogar, die beiden Bauernhöfe, die seine reiche Frau mit in die Ehe gebracht hatte, gleich mitzuverspielen. Der zweitjüngste, unser Angelo (Anmerkung: der Großvater des heutigen Angelo Gaja) mit dem Maultier (Anmerkung: bezieht sich auf die frühere Ausführungen in diesem Artikel), war von ganz anderem Charakter, "der läuft mit dem Rosenkranz in der Hand rum", sagten die Leute. Er heiratete Clotilde Rey, eine strenge, unnachgiebige Frau, die in Chambéry den Beruf der Volksschullehrerin erlernt hatte. In Barbaresco wurde sie nur Madame genannt – allein den engsten Verwandten war die Koseform Tildin bekannt. Sie wusste genau, was gute Qualität und gute Arbeit bedeuteten und übernahm sogleich im familieneigenen Gasthaus Osteria del Valpore und im Weinkeller das Regiment. (…) Als Angelo Gaja 1961 seine Arbeit in dem Betrieb aufnahm, war er in der beneidenswerten Situation, bereits über einen in Italien berühmten Namen und 33 Hektar ausgezeichneter Barbaresco-Weingärten zu verfügen. (…)"

Noch detailliertere Informationen findet man im Buch "Sori San Lorenzo – Die Entstehung eines großen Weins" von Edward Steinberg, das 1996 von Slow Food herausgebracht wurde.

  

Der Barbaresco Sorì San Lorenzo ist regelmäßig geprägt von Kraft, Muskeln und Potential. Dies gilt auch für den 89er !! Ein unglaublich junger Wein, mit dunklem Kern steht er im Glas. Die tiefe Frucht ist geprägt von sehr dunklen Fruchtaromen, Wacholderbeeren und grüner Banane. Auch am Gaumen ist er kraftvoll, mit schönem, runden Mundgefühl, eher dunkler Frucht, guter Säure und schöner Tanninstruktur; gute Länge. Im Vergleich zu allen anderen Nicht-Gaja-Barolo/Barbarescoweinen an diesem Abend wirkte er sehr sooo jung, aber auch ein wenig zu glatt. Aber ich möchte dem Wein nicht Unrecht tun, daher die weit gefaßte (90-93 Punkte) Bewertung, obwohl ich glaube, dass man Schwierigkeiten haben wird – ihn blind verkostet – klar dem Piemont zuzuordnen. Muss nachverkostet werden.  

1988 Barolo Falletto di Serralunga, Bruno Giacosa – Piemont

91 Punkte – Zu Beginn etwas stallige Noten in der Nase, dann ins kräutrige  wechselnd. Am Gaumen recht schlank; eher burgundischer Stil. Positiv ausgedrückt ein "Leise-Treter", der durchaus über eine komplexe Aromenstruktur und eine subtile Art verfügt. Angenehme Länge im Abgang. Sollte jetzt oder in den nächsten 2-4 Jahren getrunken werden.

1989 Barolo Cicala, Aldo Conterno – Piemont

94 Punkte – Die Lage Bricco Cicala ist eine muldenförmige, windgeschützte Lage im oberen Teil des Tals von Bussia Soprana. Dieser Wein wird nur in guten Jahren erzeugt, ansonsten sind auch diese Trauben Bestandteil des "Standardbarolos" Bussia Soprana. Die Böden sind karg und der hier erzeugte Barollo gilt als besonders langlebig.

Der 89er Cicala strömt dunkel ins Glas – wirkt dicht und jung. Aufregend frisch betört er die Nasenschleimhäute. Am Gaumen sehr klar, tief und aromatisch. Auffallend schön sind die reichlich vorhandenen, ausgereiften Tannine, die dem Wein ein hervorragende Struktur geben. Feine Fruchtsüße, gepaart mit einer perfekt balancierten Säure; viel innere Harmonie und Eleganz lassen diesen Barolo zu einem Trinkerlebnis werden. Wie schon beim "einfachen" Barolo Bussia Soprana überzeugt auch hier die für den Erzeuger so typische Klarheit und Reinheit dieses Barolos. Fazit: pure Barolo!!

1989 Barolo, Bartolo Mascarello – Piemont

93 Punkte – Im direkten Vergleich zum 88er getrunken – es zeigt sich einmal mehr, welchen Einfluß die Jahrgänge haben können. War der 88er eher ein wenig vorzeitig gealtert, so zeigt der 89er Barolo, was es heißt ein stolzer Nebbiolo zu sein:

In der Nase betörend reife rote Früchte, Teer und Anklänge an getrockente Kräuter und Blüten; am Gaumen frisch, präsent, mit schönem Schmelz und kräftigen, aber reifen und recht runden Tanninen. Schöner Grip am Gaumen, reichlich Frucht mit eher dunklen Fruchtaromen, etwas Kohle und dunkler, herber Kakao. Das ganze ist unterlegt mit einer ausgewogenen Säure und einer feinen Fruchtsüße, sodass sich ein sehr harmonischer und sehr ausgewogener Gesamteindruck entwickelt.

1988 Barolo, Bartolo Mascarello – Piemont

85 Punkte – Der leider inzwischen verstorbene Bartolo Mascarello war ein politischer Mensch, nicht zuletzt seine offen artikulierte Abneigung gegen Berlusconi weit und breit bekannt. So klar wie seine politische Meinung waren auch seine Barolos. Gewinnmaximierung mit dem Ausbau von einzelen Cru-Lagen hat er genauso abgelehnt, wie den Einsatz von barriques. Er erzeugte stets nur einen Barolo, eine Assemblage von Trauben vier verschiedener Parzellen, drei davon stammen aus der großen Lage Cannubi. In der Regel kam sein Barolo ungefiltert auf die Flasche und bei der Füllung richtete er sich nach dem Mondkalender. Bei Barolotrinkern und -sammlern sind bis heute seine handgemalten, "naiven" Etiketten besonders beliebt.

Auch wenn ich seine Barolos sehr mag, muss man beim 88er ehrlich zugeben, dass er ein wenig vorschnell gealtert ist. In der Nase Maggi (Liebstöckel) satt, Anklänge an Fleischbrühe und Teer; am Gaumen wieder jünger wirkend, mit noch erkennbarer Frucht, aber die Tannine wirken etwas unruhig und dem Wein fehlt es an Harmonie.