1975 Pichon Longueville Comtesse de Lalande – Pauillac

88 Punkte – recht hell in der Farbe, wirkt augenblicklich reif und rund; insgesamt recht weit in ihrer Entwicklung, mittlerer Körper; feines Leder und balsamisch; wirkt frisch, was aber primär durch die leicht spitze Säure bewirkt wird, auch in Sachen Komplexität nicht allererste Wahl. Sollte jetzt wohl endgültig ausgetrunken werden.

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1989 Pichon Longueville Baron – Pauillac

94 Punkte – der 89er Pichon Baron wirkt immer noch sehr jugendlich; zu Beginn ein ganz kleiner Pferdestall in der Nase, doch dann öffnete sich dieser dicht, dunkel und kompakt wirkende, klassische Pauillac mit nahezu perfekter Struktur. Dunkle Cassis- und Heidelbeeraromen, mit  herrlichen Röstaromen veredelt, dezent Mokka und Minze. Am Gaumen straff, fest  und edel gebaut, läßt kaum Wünsche offen und wird sicherlich auf diesem hohen Niveau die nächsten Jahre sich weiter entwickeln und vielleicht noch eine Spur an Komplexität drauf legen. Ein edler Herrenwein.

Frühlingserwachen II – Eine Bordeauxprobe in Engelskirchen – Teil 1

 

Erwacht war ich schon vorher – nämlich durch die Einladung von Klaus Nehr alias freak zur Frühlingserwachen II – Probe, die mich am vergangenen Freitag nach Engelskirchen (nomen est omen) geführt hat. Wer jetzt wen wach geküsst hat, ob der Wein uns – oder wir den Wein – hat sich an diesem Abend nicht klären können;  aber meine heimliche Hoffnung, dass die vielen attraktiven Damen aus der Xing-Gruppe, die von Klaus co-moderiert wird, diese durchaus ehrenwerte Übung übernehmen, hat sich leider nicht erfüllt. Doch spätestens beim dritten Wein habe ich mich in mein Schicksal gefügt und mich liebend gerne vom Wein beseelen lassen.

 

Leider mit kleiner Verspätung angekommen (aber das alltäglich Verkehrschaos in und um Köln ist einfach unberechenbar) und trotzdem herzlich aufgenommen, fühlte ich mich schnell sehr wohl in dieser Runde von langjährig erfahrenen Bordeauxtrinkern und solchen (wie mir), die es werden wollen. Die Weine waren bestens vorbereitet (schon am Nachmittag geprüft und dekantiert), der Service der beiden Damen und des Patrons der Alten Schlosserei funktionierte auf herrlich unkomplizierte Art und Weise perfekt, und die Küche tat das Übrige zu einem richtig schönen und gelungenen Genusserlebnis.

Angestellt waren:

1988 La Mission Haut Brion

1988 Cos d‘ Estournel

1989 Chateau Leoville Las Cases

1989 Chateau Lafite Rothschild

1989 Chateau Montrose

1989 Chateau Pavie

1990 Chateau Malescot St.Exupery

1990 Chateau Pape Clement

1990 Chateau Rausan-Segla

1990 Chateau Calon Segur

1990 Chateau Chateau Pichon-Longueville-Baron

1990 Chateau Haut Marbuzet

1990 Chateau  Clerc Milon

1991 Chateau Latour

1991 Chateau Palmer

1989 Grange, Penfolds (Pirat)

Nur der Form halber: es wurde blind in 2er flights getrunken und unmittelbar nach jedem flight aufgedeckt. Die Liste der Weine war bekannt (bis auf den zusätzlichen Piraten). Doch nun zu den einzelnen Weinen und Notizen: 

 

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Reise nach Südtirol und Piemont – Tag 1

Eine Weinreise nach Südtirol und ins Piemont ? mit einem Ausflug an die Rhone 😉

Freitag 09.11.2006: Fahrt bei bestem Wetter von Frankfurt nach Sterzing, die Autobahn ist ungewöhnlich leer, dass Fahren entspannt und mit einem 150er Schnitt bis zur Grenze nach Österreich bin ich wohl manchmal schneller gewesen, als die Polizei erlaubt. Nur die Öschis mit ihrem 100er Tempolimit auf nahezu der gesamten Strecke bis nach Insbruck sind eine echte Spassbremse. Trotzdem pünktlich um 13.00 Uhr auf dem Pretzhof. Da meine Frankfurter Freunde mit dem eigenen Wagen gefahren sind und keinen Tankstop eingelegt haben, sind sie ein paar Minuten vor mir angekommen und so erwartet mich dann auch gleich der leckere Speckteller, dazu passend ein 2005er Alzinger Grüner Veltliner Reserve (93 Punkte) ? schöne, sehr klare Nase, kräuterwürzig, dicht und komplex, am Gaumen mit der Spannung eines Pflitzebogens, sehr mineralisch, kompakt und druckvoll.

Danach das Weinglück in Dosen, ein 2002er GV Kellerberg von F.X. Pichler (98 Punkte) ist ganz großes Kino und eigentlich perfekt; unglaublich dicht, kräuterwürzige Mineralität schon in der Nase spürbar, pure Extraktion, belegt und beschäftigt jeden Zentimeter auf der Zunge; Kraft und Finesse perfekt vereint, auch hier unglaublich mineralisch, wenn man die Aromen beschreiben möchte, assoziiere ich am ehesten mit Quitten, Sternfrucht und purer Mineralik, sensationell stoffig, trotzdem lang und elegant. Dazu eine gemischte Vorspeisenplatte (Hirschschinken, Hirschcarpaccio und Graukaas frisch aus dem Käsekeller von Karl) sind nicht minder lecker, gleiches gilt für das sensationelle Souffle vom Sauerkraut und Selchfleisch (geräuchertes und dann gekochtes Schweinefleisch). Es folgen resch gebratene Spanferkelrippchen und einer meiner Lieblingsweine aus Südtirol: 2004 Erbhof Unterganzner (Josephus Meyer) Lamarein (91 Punkte) ? sehr jung, die Nase ist durch die junge Frucht geprägt, gleiches gilt für den Gaumen. Trotzdem macht mir der Wein schon Freude, da er einfach eine unglaubliche Fruchtfülle besitzt und trotz seiner 15% Alkohol überhaupt nicht marmeladig wirkt, sondern durch seine unglaubliche Frucht, Kraft und Aromatik aus den getrockneten Lagrein-Trauben überzeugt; am Gaumen sehr weich, extraktreich und saftig; mit einer schönen Länge ausgestattet. Wird sich in den nächsten 2-3 Jahren sicherlich sehr positiv entwickeln, wenngleich er nicht die Tanninstruktur der Jahrgänge zu Beginn der 2000er Jahre aufweist. Nach einem kleinen Plausch mit Uli und Karl geht es dann weiter nach Burgstall bei Meran.

Am Abend ist an weiteres Essen nicht zu denken, aber da das Hidalgo mit seinem Keller (ca. 20.000 Flaschen) direkt neben unserer Pension liegt, schlagen Bernd und ich uns durch und werden von Traute und Renato gewohnt freundschaftlich begrüßt. Es ist der Vorabend des Weinfestivals und der normale Wahnsinn nimmt seinen Lauf, das Restaurant ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die üblichen Verdächtigen sind anwesend, einige Winzer mit Freunden, Weinfreaks, die man zwar nicht kennt, aber jedes Jahr wiedersieht. Unser Plan einen kleinen Schluck an der Bar zu nehmen, nimmt ein jähes Ende, als wir uns die Weinkarte geben lassen. Nach langem studieren, kommen wir überein, dass sich aufgrund der Preise Bordeaux lohnt und bestellen eine 1989er Pichon Longueville Comtesse de Lalande (94 Punkte): Kaminrot mit erkennbarem Wasserrand; schöne, sehr feine und offene Nase, erdig, etwas kräutrig, feine Frucht, an den guten alten Vanillepudding mit Erdbeeren von Muttern erinnernd (nicht zu verwechseln mit der Aromenpampe von heute, die zwar 10 mal intensiver duftet, aber mit der feinen, echten Vanille nichts mehr gemein hat), etwas kalkig, Noten von leichtem, sehr feinen Zigarrentabak, Zedernholz, herrliche Nase. Am Gaumen ebenfalls sehr elegant, herrlich gereift und gut balanciert, in gewisser Weise: die Leichtigkeit des Seins, spielerisch und trotzdem mit Tiefgang; mittlerer Körper, seidig, ganz klar und fein bis in den schönen, langen Abgang. Danach entdecken wir ein paar Münchener Freunde von der Toskana-Fraktion und trinken noch ein paar gemeinsame Schlücke Luce, Guado al Tasso und Siepi, ohne Notizen, aber mit der überrraschenden Erkenntnis, dass LUCE – ein Wein, um den ich bislang als Designerwein immer ein Bogen gemacht habe – diesmal viel Toscana und viel Sangiovese ohne speckigen Mantel ins Glas bringt.