2005 Grüner Veltliner „M“, F.X. Pichler – Wachau (Best Bottle Nr. 5)

95 Punkte – Diesen Wein gab es aus der Magnum zum Essen und ich was soll ich sagen: „Saustark“!! Was für ein kompaktes Paket! Ich mag nicht viel Worte machen, sondern einfach meine Verkostungsfetzen niederschreiben:

 

Dichte und kompakte Nase! Weißer Pfeffer, würzige Kräuterwiese; mit Energie geladen; sehr stoffig und dicht am Gaumen, Hammer-Extrakt, wieder weißer Pfeffer; Mineralik ohne Ende; viel Schmelz, salzige Mineralität, platzt fast vor Spannung und Kraft, trotzdem ungemein trinkig. Klasse Länge!!

 

Fazit: Für mich ein "Bilderbuch-GV" und ein GV, wie ich ihn liebe! Jetzt und in den nächsten drei, vier Jahren sicherlich ein perfekter Rausch für die Sinne.

1990 Grüner Veltliner Ried Loibner Berg 19 Terrassen Smaragd, F.X. Pichler – Wachau (Best Bottle Nr.3)

87 Punkte – Heute gehören die Weine, insbesondere die Smaragde von F.X. Pichler zu den besten Weinen Österreichs und die internationale Presse kennt in ihrem Lob kaum Grenzen. Doch 1990 hatte man in Österreich immer noch mit den Folgen des Weinskandals von 1985 zu kämpfen und der Export war schwierig. Doch gerade darin lag wohl auch die Chance alles besser zu machen und ein Beitrag war das Klassifizierungssystem (Steinfeder, Federspiel und Smaragd)der Wachau, das 1986 eingeführt wurde, um die Einzigartigkeit der Weine der Wachau zu betonen. Doch Weinskandal hin oder her, im Hause F.X. Pichler setzte man schon seit vielen Jahrzehnten auf Qualität und die Selektion des besten Rebmaterials (ein eindrucksvolles Zeugnis dafür ist die alte Gladde des Großvaters, heute der Rahmen für den Internetauftritt: vgl. www.fx-pichler.at)

 

Nun hatten wir einen 20-jährigen Wein im Glas, der aus einem TOP-Jahrgang und aus einer Lage stammte, die zu den besten GV-Lagen Österreichs gehört – beste Voraussetzungen für ein schönes Weinerlebnis also. In der Nase kräutrig, etwas käsig (ein Eindruck, den ich bei gereiften GVs durchaus typisch finde), jedoch nicht mehr so intensiv wie es für junge Smaragde typisch ist. Man musste sich schon ein wenig einlassen auf diesen Stoff, um die Nuancen zu erfassen, doch der kräutrige/pflanzliche Einschlag war auch am Gaumen zu erkennen und der für die Rebsorte typisch weiße Pfeffer war ebenfalls noch  vorhanden. Insgesamt hat der Wein seine besten Tage schon gesehen, denn im Abgang mangelte es ihm etwas an Komplexität und Länge – doch interessant und schön war dieses Trinkereignis immer noch.

Wachau Probe 2006 & 2007

Am vergangenen Samstag fand bei einem Weinfreund eine wunderbare Wachauprobe statt, die einen schönen Überblick über die Jahrgänge 2006 und 2007 gab. Neben den Weinen der Altmeister F.X. Pichler und Emi Knoll gab es auch phantastische Neuentdeckungen zu machen, so z.B. ein 2007 Neuburger vom Weingut Schneeweis oder einen 2007 Grünen Veltliner Smaragd vom Zornberg (toller Lagenname!) von Sighardt Donaubaum. Auch nicht zu vergessen der 2006 GV Smaragd "Von der Schön" aus dem Winzerthaus Graben-Gritsch. Die Krone des Abends ging dann doch an einen altbekannten Starwinzer der Wachau: Emi Knoll hat mit seiner Riesling Vinothekfüllung 2006 wohl einen der besten Weine überhaupt in Österreich in 2006 erzeugt.

 

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BBP – Best Bottle Party – Ein Weinfest im März

Zur Best Bottle Party (BBP) trafen sich am 20.März dieses Jahres 10 Weinfreunde im Düsseldorfer Restaurant „Schorn“, um den besten Flaschen aus den Kellern der Teilnehmer zu huldigen. Vielleicht waren es nicht die allergrößten Flaschen, aber alle Teilnehmer hatten echte „Herzblut-Flaschen“ mitgebracht. Die Probe wurde bereits vor einiger Zeit vom weinterminator ausführlich beschrieben; da ich jedoch meine eigenen Eindrücke grundsätzlich in den Computer hacke, um sie für eigene Zwecke zu dokumentieren, dachte ich, dass einige Weinfreaks und Leser meines kleinen Blogs Spaß an einer „zweiten Meinung“ haben……..

Als die Tafel voll besetzt war, starteten wir in einen Abend, der 25 (!!) außergewöhnliche Momente bescheren sollte. Wie in jedem großen Film oder Theaterstück lagen jedoch Freund und Leid eng beieinander. Mindestens genauso weit auseinander lagen allerdings auch die Geburtsjahre der Dasteller – zwischen 1910 und 1995!!

 

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2001 F.X. Pichler, Grüner Veltliner Dürnsteiner Kellerberg / Wachau

99+ Punkte (lach)- Frankfurt, Klappe die Zweite: Nochmals eine ganz andere Liga war der nächste Wein – um es vorwegzunehmen, es war wohl der beste Grüne Veltliner, den ich bislang im Glas hatte. Ein Ausnahmewein von vorne bis hinten – eine bench mark für alle Weine, die Attribute wie Kraft, Intensität,  Tiefe und Komplexität für sich beanspruchen. Selbst im komplett leer getrunkenen Glas offenbart der 2001er Kellerberg  immer noch eine Duftintensität, an der man sich berauschen kann. Das leere Glas hatte sogar den Vorteil, dass man die einzelnen Aromen etwas besser zuordnen konnte. Wer immer das Pfefferl im GV gesucht hat, wird hier definitiv fündig, nur ist es kein „Pfefferl“ sondern weißer Pfeffer pur. Die Mineralik springt einem förmlich an und ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen zweiten Wein gibt, der  eine solche abgrundtiefe Mineralik bereits in der Nase erkennen lässt. Die Kräuteraromatik ist überwältigend, dieser GV nimmt einen gefangen, er reißt einen mit und man fühlt sich schnell als Entdecker in bislang nicht gekannten Galaxien. Am Gaumen – wow !!! Anfangs noch etwas skeptisch, ob – wie so oft – der Gaumen das hält, was die Nase verspricht, aber das ist für mich Wein in Perfektion. Kann man so etwas noch steigern, ich meine nicht.  Dieser Wein hat alles: Kraft, Dichte, Frische, Mineralität, Komplexität, Länge und vor allem animiert er ständig mehr davon haben zu wollen. Ich saß wie elektrisiert vor diesem Wein und habe auch nach diversen nachfolgenden Rotweinen immer wieder mal an meinem Glas genippt, um festzustellen dass er  jedes Essen, jeden Rotwein, einfach in die Tasche steckt und nur ein winziger Schluck reichte aus, um dieses Feuer in mir wieder zu entfachen. Selbst bei Zimmertemperatur und mit viel Luft, die er über den gesamten Abend im großen Glas gezogen hatte, war er zu jeder Zeit komplett frisch und voll überzeugend. Ein grandioses Meisterwerk.

2006 F.X. Pichler – Riesling Unendlich / Wachau

95 Punkte – Endlich dieses Phantom ergattert (möglich geworden im Sternerestaurant "Magazin" in Salzburg. Moderne, regional angehauchte Küche in außergewöhnlichem Ambiente; man sitzt an einer langen Tafel im Tunnel und man ist schnell im Gespräch mit seinen Tischnachbarn. Für konservative "Sterne-Esser" sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber mir hat es "supergut" gefallen.

 

 

Beim Wein werden wohl viele „Babymord“ schreien, aber ich denke ein wirklich großer Wein zeigt in jedem Stadium seine außergewöhnliche Klasse – und so war es auch hier!!

Mittleres Grüngelb; die Nase ist unerwartet fein, nicht jugendliche "Kräfteprahlerei", sondern kraftvolle Differenziertheit mit mineralisch, würzigen Noten sowie einer herrlichen Frucht von Pfirsich, Blüten, Passionsfrucht und einer exotischen Note. Am Gaumen passierte dann etwas völlig Unerwartetes. Wo verdammt sind die 15% Alkohol, die das Etikett zieren?  Zwar ist dieser 06er Riesling kraftvoll und spannungsgeladen auf der einen Seite, aber auf der anderen schon so schön, fein und balanciert, dass ich es nicht fassen kann. Hier spielen Kraft und Struktur mit Finesse und Eleganz; die herrlich frische Säure und die lebendige, leicht rauchige Mineralik machen das Bild rund und das Kunstwerk perfekt. Zum Abschluss macht der Wein seinem Namen alle Ehre und bleibt ca. 30-40 Sekunden nahezu unverändert am Gaumen haften. Wahrlich großer Stoff, der sich über die nächsten Jahre perfekt entwickeln wird und wahrscheinlich zeit seines langen Lebens seine Trinker begeistern wird. In vier oder fünf Jahre wird es spannend sein, diesen "Unendlich" gegen die großen Rieslinge aus Deutschland (z.B. Kellers Kirschspiel, Schönlebers Halenberg, Künstlers Hölle oder Mosbachers Ungeheuer) zu trinken.

Weinprobe Riesling Deutschland vs. Österreich – Trinkgenuss, Wucht und Finesse……Kork und andere Fehler

Ein feucht-fröhlicher Weinabend mit altbekannten Weinfreunden aus Hamburg, einem Berliner Wein-Plusler der ersten Stunde und einem überaus netten und kompetenten Neuzugang aus der „Berliner Küche“ nahm in Hamburg seinen Lauf….

 

Wegen entstellender (Kork)-Fehler leider unverkostet das zeitliche gesegnet:

 

1999 Knoll, Ried Schütt – Riesling Smaragd, Wachau

1988 Karthäuserhof, Kathäuserhofberg Riesling Spätlese Versteigerungswein

1986 Ducru-Beaucaillou

Die Weine nachfolgend als Einzeleintrag:

2001 F.X. Pichler, Riesling Reserve M / Wachau

96 Punkte – Auch wenn es schwer fällt, der Sieg ging diese Abend knapp, aber verdient an Österreich. Zwar hat dieser Wein wohl den höchsten Restzuckergehalt von seinem Macher mit auf den Weg bekommen, aber ich will nicht lamentieren, der Sieg geht in Ordnung.

 

Barocker Stoff, dicht, unglaublich dicht und fleischig, riesige, urgewaltige Nase von gelben Früchte, Milchbrötchen, Brioche, ein Hauch von Botrytis lässt sich auch nicht verleugnen. Am Gaumen spielt sich das gleiche Szenario ab: überwältigende Fülle, die aber durch eine ebenso kräftige und feste Säurestruktur hervorragend begleitet wird und so diesem Wein die nötige Balance und Komplexität verleiht. Saftig, füllig, ja fett im Sinne des Schönheitsbildes des Barock, schon jetzt sehr harmonisch und doch mit einem riesigen Potential für die Zukunft. Jemand am Tisch sprach von „Gesamtkunstwerk“, dem kann man schwerlich widersprechen, auch wenn es mir schwer fällt, dies einem Österreicher zuzugestehen ;-)))

Reise nach Südtirol und Piemont – Tag 1

Eine Weinreise nach Südtirol und ins Piemont ? mit einem Ausflug an die Rhone 😉

Freitag 09.11.2006: Fahrt bei bestem Wetter von Frankfurt nach Sterzing, die Autobahn ist ungewöhnlich leer, dass Fahren entspannt und mit einem 150er Schnitt bis zur Grenze nach Österreich bin ich wohl manchmal schneller gewesen, als die Polizei erlaubt. Nur die Öschis mit ihrem 100er Tempolimit auf nahezu der gesamten Strecke bis nach Insbruck sind eine echte Spassbremse. Trotzdem pünktlich um 13.00 Uhr auf dem Pretzhof. Da meine Frankfurter Freunde mit dem eigenen Wagen gefahren sind und keinen Tankstop eingelegt haben, sind sie ein paar Minuten vor mir angekommen und so erwartet mich dann auch gleich der leckere Speckteller, dazu passend ein 2005er Alzinger Grüner Veltliner Reserve (93 Punkte) ? schöne, sehr klare Nase, kräuterwürzig, dicht und komplex, am Gaumen mit der Spannung eines Pflitzebogens, sehr mineralisch, kompakt und druckvoll.

Danach das Weinglück in Dosen, ein 2002er GV Kellerberg von F.X. Pichler (98 Punkte) ist ganz großes Kino und eigentlich perfekt; unglaublich dicht, kräuterwürzige Mineralität schon in der Nase spürbar, pure Extraktion, belegt und beschäftigt jeden Zentimeter auf der Zunge; Kraft und Finesse perfekt vereint, auch hier unglaublich mineralisch, wenn man die Aromen beschreiben möchte, assoziiere ich am ehesten mit Quitten, Sternfrucht und purer Mineralik, sensationell stoffig, trotzdem lang und elegant. Dazu eine gemischte Vorspeisenplatte (Hirschschinken, Hirschcarpaccio und Graukaas frisch aus dem Käsekeller von Karl) sind nicht minder lecker, gleiches gilt für das sensationelle Souffle vom Sauerkraut und Selchfleisch (geräuchertes und dann gekochtes Schweinefleisch). Es folgen resch gebratene Spanferkelrippchen und einer meiner Lieblingsweine aus Südtirol: 2004 Erbhof Unterganzner (Josephus Meyer) Lamarein (91 Punkte) ? sehr jung, die Nase ist durch die junge Frucht geprägt, gleiches gilt für den Gaumen. Trotzdem macht mir der Wein schon Freude, da er einfach eine unglaubliche Fruchtfülle besitzt und trotz seiner 15% Alkohol überhaupt nicht marmeladig wirkt, sondern durch seine unglaubliche Frucht, Kraft und Aromatik aus den getrockneten Lagrein-Trauben überzeugt; am Gaumen sehr weich, extraktreich und saftig; mit einer schönen Länge ausgestattet. Wird sich in den nächsten 2-3 Jahren sicherlich sehr positiv entwickeln, wenngleich er nicht die Tanninstruktur der Jahrgänge zu Beginn der 2000er Jahre aufweist. Nach einem kleinen Plausch mit Uli und Karl geht es dann weiter nach Burgstall bei Meran.

Am Abend ist an weiteres Essen nicht zu denken, aber da das Hidalgo mit seinem Keller (ca. 20.000 Flaschen) direkt neben unserer Pension liegt, schlagen Bernd und ich uns durch und werden von Traute und Renato gewohnt freundschaftlich begrüßt. Es ist der Vorabend des Weinfestivals und der normale Wahnsinn nimmt seinen Lauf, das Restaurant ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die üblichen Verdächtigen sind anwesend, einige Winzer mit Freunden, Weinfreaks, die man zwar nicht kennt, aber jedes Jahr wiedersieht. Unser Plan einen kleinen Schluck an der Bar zu nehmen, nimmt ein jähes Ende, als wir uns die Weinkarte geben lassen. Nach langem studieren, kommen wir überein, dass sich aufgrund der Preise Bordeaux lohnt und bestellen eine 1989er Pichon Longueville Comtesse de Lalande (94 Punkte): Kaminrot mit erkennbarem Wasserrand; schöne, sehr feine und offene Nase, erdig, etwas kräutrig, feine Frucht, an den guten alten Vanillepudding mit Erdbeeren von Muttern erinnernd (nicht zu verwechseln mit der Aromenpampe von heute, die zwar 10 mal intensiver duftet, aber mit der feinen, echten Vanille nichts mehr gemein hat), etwas kalkig, Noten von leichtem, sehr feinen Zigarrentabak, Zedernholz, herrliche Nase. Am Gaumen ebenfalls sehr elegant, herrlich gereift und gut balanciert, in gewisser Weise: die Leichtigkeit des Seins, spielerisch und trotzdem mit Tiefgang; mittlerer Körper, seidig, ganz klar und fein bis in den schönen, langen Abgang. Danach entdecken wir ein paar Münchener Freunde von der Toskana-Fraktion und trinken noch ein paar gemeinsame Schlücke Luce, Guado al Tasso und Siepi, ohne Notizen, aber mit der überrraschenden Erkenntnis, dass LUCE – ein Wein, um den ich bislang als Designerwein immer ein Bogen gemacht habe – diesmal viel Toscana und viel Sangiovese ohne speckigen Mantel ins Glas bringt.