1998 Chablis Mont de Milieu 1er Cru, Albert Pic – Burgund („kleine“ Weinprobe Nr.3)

86 Punkte – Für mich der erste Wein von diesem Erzeuger, der vermutlich zu den ältesten Chablis-Häusern (1755) gehört. Seit 1985 im Besitz des Baron Patrick de Ladoucette, der fleißig in die Kellertechnik investierte.

 

Die Nase ist sehr ungewöhnlich: deutlich wachsige Noten, riecht nach Mahagoniholz und Möbelpolitur. Dazu gesellen sich Noten von Akazienhonig. Im Mund erstaunlich wenig Säure, etwas nussig, aber auch Zitronenfrische. Insgesamt sehr klar und mineralisch-kalkig (und somit Chablis-typisch) mit noch schöner Festigkeit; recht trinkig.

2001 Hardiesse Pic Saint-Loup, Chateau Valflaunès – Coteaux du Languedoc (Ski 2)


92 Punkte – Was für ein Paukenschlag, wenn man die Nase in ein mit Hardiesse 2001 gefülltes Weinglas hält. Eine so intensive Kräuteraromatik kenne ich ansonsten nur von Kräuterlikören, aber hier entfaltet sich im Wein ein Aromenstrauß von Garrigue, Thymian, Rosmarin, Chinarinde und süßer Lakritze – erinnert mich insgesamt ein wenig an Barolo Chinato, diesen mit bis zu 70 Kräutern „veredelten“ Wein aus dem Piemont. Die Kombination aus Süße, Kräutern und Gewürzen wirkt fast berauschend, man möchte die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen.  Am Gaumen wirkt der Wein einerseits kühl (Noten von Eukalyptus und Menthol), anderseits zeigt er eine explosive, sehr extraktsüße Beerenfrucht, vermählt mit Noten von Chilischokolade und weißem Pfeffer. Durch die geschmeidigen Tannine und die ausreichende Säure ist dieser saftige, körperreiche Wein so strukturiert, dass das Extraktionsmonster ausreichend Frische und sogar ein wenig Eleganz entwickeln kann. Fazit: „sex in a bottle“ – für einst Euro 14,90.

2000 Chateau Lavabre, Chateau Lavabre – Pic St. Loup (Wein 10)

92+ Punkte Der Sieger des Abends!!! Von 9 Verkostern gab es für Château Lavabre (2/3 Syrah und 1/3 Grenache) 8 mal den ersten Rang und 1 mal Platz 2 – und dies bei ansonsten eher heterogenen Bewertungen an diesem Abend. Olivier Bridel produziert inzwischen drei Weine, wovon der hier verkostete, die Spitze des Weingutes darstellt; daneben gibt es Domaine de Lavabre , Les Demoiselles de Lavabre.

Tino Seiwert von Pinard-de-Picard (www.pinard.de) beschreibt in seiner ihm so eignen, blumigen und mit Superlativen gespickten Art über das Weingut folgendes: „Die Weine von Château Lavabre, im nördlichsten, sehr waldreichen Teil des mythischen Bergmassivs des Pic St. Loup im wildromantischen Hinterland von Montpellier gelegen, gehören mit zum besten, was Sie im gesamten französischen Süden finden können. Olivier Bridel, ein etwas eigenbrötlerischer, aber sehr sympathischer Winzer, der früher in der Normandie mit großem Erfolg eine Firma für Elektrotechnik betrieben hatte, kaufte Anfang der 90er Jahre ein verwahrlostes Gut, das unmittelbar unterhalb der riesigen Felsenwand, die diese Region wie ein unüberwindlicher Wächter nach Norden begrenzt, abgeschieden in die paradiesisch schöne Landschaft gebaut worden war. Das großartige Terroir, eines der besten der gesamten Appellation, und die alten Rebstöcke (Syrahreben von 1961!, hier eine Rarität) boten ideale Voraussetzungen, Oliviers Lebenstraum zu erfüllen, große, autochthone Rotweine des französischen Südens zu vinifizieren. Doch zunächst mussten die erstmals im 18. Jahrhundert angelegten, aber mittlerweile heruntergekommenen Weinberge und alten Rebstöcke liebevoll restauriert, teilweise auch neu bepflanzt und die Gebäudeteile des Hofes mitsamt den Kellern von Grund auf renoviert werden. Ende der 90er Jahre gelangen dann nach aufwendigen Laubarbeiten an den Reben und infolge sehr geringer Erträge die ersten viel versprechenden Weine (…)“‘

Was hatten wir diesen Abend im Glas? Einen Wein mit einer tiefen und reichhaltig wirkenden Nase, eingepackt in schöne Röstaromen aus dem Holz. Am Gaumen nicht weniger komplex, herrliche Würzigkeit, reich an Kaffee- und Schokoladearomen, fleischig und herrlich saftig. Einerseits urwüchsige Würzaromen, andererseits eine eher elegante Kühle, kräftige Tannine, etwas ungewöhnlich: Anklänge von Lavendel. Richtig schönes Kino!!

2000 Sortilège, Domaine Saint Daumary – Pic St. Loup (Wein 9)

92 Punkte – Julien Chapel produziert drei Weine, wovon der Sortilège, eine Cuvee aus Syrah und Grenache, die Spitze darstellt. Bei mir landete dieser Wein auf Platz 2 in der Verkostung. Tiefrot im Glas und mit seiner recht eleganten und kühlen Art umschmeichelt er die Nase. Die Aromen von Lakritz, Süßholz  und die angenehmen Röstaromen bilden einen Eindruck, der sich am Gaumen manifestiert. War die Nase schon schön, so lebt dieser Wein jedoch von der Güte, die er am Gaumen entfaltet: komplex, tief, dicht und eher kühl in seiner Art.  Sehr gekonnt wurde hier das Holz eingesetzt; die schöne Extraktsüße und der feine Schmelz verbinden sich mit den feinen Tanninen. Der  Wein endet mit einer guten Länge und einem Aroma von feiner Milchschokolade.

1999 Eugenio Collavini – Merlot dal Pic

88 Punkte – Dieser Wein ist ein Hammer …. zumindest in der Ausstattung, wohl die schwerste 0,75er Flasche, die ich jemals in der Hand gehalten habe. Aber es passt zu diesem modernen Betrieb, der auch unverblümt moderne Kellertechnik wie Vakuum-verdampfer einsetzt. Das Ergebnis scheint hier zumindest die Anwendung zu rechtfertigen.

Der Wein stammt von den Hügel-/Bergspitzen der eigenen Weinberge;  es handelt sich dabei um überwiegend 25-30 Jahre alte  Rebstöcke. Erstaunlich ist der lt. Weingut angegebene Verschnitt aus teiweise französischen Merlot-Klonen und dem im Friaul bekannten Merlot dal Peduncolo Rosso. Ich kenne zwar nur die Rebsorte Refosco dal Peduncolo, aber grundsätzlich soll man dem Winzer glauben … zum Wein:

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