1945 Chateauneuf du Pape, Dufouleur Pere & Fils – Rhone (FFM Weinrunde)

87 Punkte – Dufouleur Pere & Fils ist eine Familie, die seit dem 17. Jahrhundert Weinbau betreibt und seit dem 18. Jahrhundert auch als Handelshaus Wein abfüllt und verkauft. Beheimatet ist man im Burgund, in Nuits-Saint-Georges.

 

Die Flasche aus diesem Jahrhundertjahrgang hatte einen sehr schlechten Füllstand, dennoch hatten wir einen interessanten Wein im Glas. Die Nase war dicht und ein wenig mastig für dieses Alter – mit Noten von frischem Malz, Rosinen und Wermuth. Ein ähnliches Bild am Gaumen: malzige Anklänge, etwas rauchig-speckig, aber auch Spuren von Dörrpflaumen und Sauerkirschen. Deutliche Süße im Abgang; ordentliche Länge, jedoch insgesamt fehlte es dem Wein etwas an Struktur und Tiefe, um die 90-Punkte-Marke zu knacken.

1969 Chateauneuf du Pape, Domaine de Bois Dauphin – Rhone (FFM Weinrunde)

91(-) Punkte – Die heutigen Eigentümer der Domaine, die Familie Marchand, sind Weinbauern seit der französischen Revolution. Joseph Marchand, der Vater des heutigen Besitzers Jean Marchand, gehörte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu den Pionieren um Baron Le Roy von Chateau Fortia, die mit ihren freiwilligen Richtlinien die Grundlagen für das spätere System der „Appellation contrôlée“ legten, das bis für den gesamten französischen Weinbau maßgeblich ist. Um die Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen, mussten schon damals folgende Kriterien erfüllt werden:

 

1)      Der Wein musste von Reben stammen, die nur an genau definierten Standorten stehen durften;

2)      An diesen Standorten durften nur bestimmte, zugelassene Rebsorten stehen;

3)      Die Erziehung der Reben wurde überwacht;

4)      Der produzierte Wein musste einen natürlichen Alkoholgehalt von 12,5% aufweisen;

5)      5% des Lesegutes durften nicht verwendet werden, was quasi einer Zwangsselektion gleichkam;

6)      Rosewein durfte in diesen Lagen nicht produziert werden und alle Weine mussten einer Prüfkommission vorgelegt werden, um die erwünschte Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen.

 

Notwendig geworden war dies durch den enormen Imageverlust der durch die Reblausplage und die Vernichtung der Weinberge zum Ende des 19. Jahrhunderts eingetreten war. Durch die Folgen des 1.Weltkrieges war eine ganze Generation an jungen Männern gefallen, sodass auch nach dem Ende des Krieges über die Hälfte der Weinberge noch nicht wieder bestockt war. (vgl. R.Parker: Rhone, Hallwag Verlag, S.381)

 

 

Der Jahrgang 1969 war an der südlichen Rhone gut bis sehr gut, an der nördlichen Rhone jedoch besser, Broadbent vergibt für die Rhone 3-4 Sterne (von 5). Auch wenn der Wein nicht aus einem großen Jahr stammte, hat er mir sehr gut gefallen; zu Beginn speckig, räuchrige Aromatik mit deutlich Kräuternoten, garrique; hinzu kommen Anklänge an Holzkohle und verbrannte Erde. Für mich ein klassischer Chateauneuf, der seine wilde, urwüchsige Aromatik  mit einer gewissen Eleganz zu verbinden mag. Später kommen am Gaumen Noten von Leder und Rosinen hinzu. Alle aromatischen Eindrücke verbinden sich mit einem dezent morbiden Charme und einer erfreulichen Länge. Zu Beginn bereitet der Wein deutlich Genuss, verliert jedoch mit zunehmender Luft im Glas seine elegante Art. 

Frankfurter Weinrunde verkostet Weine der südlichen Rhone

Die Frankfurter Weinrunde (FFM Weinrunde) traf sich dieses Mal zum Thema „Südliche Rhone“ in der Wiesenstrasse 33. Hier wird unser Weinfreund Helgo Karrer in ca. 14 Tagen einen wunderschönen Weinladen eröffnen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Adresse zu merken, um einfach mal vorbeizuschauen. Neben jeder Menge toll ausgewählter Weine wird es eine Reihe von kulinarischen Köstlichkeiten geben.

 

Erstaunlicher Weise reduzierte sich das bewusst etwas breiter gewählte Thema Südliche Rhone von selbst auf eine reine Chateauneuf du Pape (CdP) & Piraten Verkostung, denn jeder der Teilnehmer brachte ausschließlich  ebensolche Weine mit. Nicht, dass aus Regionen wie dem Gigondas, Cornas oder Vacqueyras keine tollen Weine kommen, aber man greift doch immer wieder zu den Klassikern und da gehören nun mal die Weine aus dem Chateauneuf dazu. Besonders interessant war dann die große Spanne an Jahrgängen, die wir auf den Tisch bekamen, der älteste Wein war von 1945 und der jüngste war gerade vor drei Jahren (Jahrgang 2006) geerntet worden.

Die Weine werden einzeln nachfolgend vorgestellt:

2003 Chateauneuf du Pape, Domaine Charvin – Rhone

95 Punkte: was für eine herrlicher (trotz des extrem sonnigen und heissen Jahrgangs), typischer und eher klassischer CdP. Die Nase so unglaublich schön und betörend, alles andere als schwer, komplex, ja fast verspielt. Gegrillte Kräuter; rote Früchte (perfekt ausgereifte  Himbeeren), etwas abefahrene Gummireifen, Tee. Am Gaumen sehr tief, strukturiert, aber mit verspielter Finesse; ein emotianaler Wein! Die feine Fruchtsüße ist das Bindeglied zwischen Frucht, Tannin und einer reifen Säure; voller Körper; schwarze Kirschen, schwarzer Pfeffer, ein Hauch von frischem Tabak, erstaunlich kühl wirkend. Eine CdP-Referenz. Das alles ist immer noch zu bekommen für ca. 30 Euro – Weltklasse auf noch bezahlbarem Niveau.

Frühlingserwachen II – Eine Bordeauxprobe in Engelskirchen – Teil 1

 

Erwacht war ich schon vorher – nämlich durch die Einladung von Klaus Nehr alias freak zur Frühlingserwachen II – Probe, die mich am vergangenen Freitag nach Engelskirchen (nomen est omen) geführt hat. Wer jetzt wen wach geküsst hat, ob der Wein uns – oder wir den Wein – hat sich an diesem Abend nicht klären können;  aber meine heimliche Hoffnung, dass die vielen attraktiven Damen aus der Xing-Gruppe, die von Klaus co-moderiert wird, diese durchaus ehrenwerte Übung übernehmen, hat sich leider nicht erfüllt. Doch spätestens beim dritten Wein habe ich mich in mein Schicksal gefügt und mich liebend gerne vom Wein beseelen lassen.

 

Leider mit kleiner Verspätung angekommen (aber das alltäglich Verkehrschaos in und um Köln ist einfach unberechenbar) und trotzdem herzlich aufgenommen, fühlte ich mich schnell sehr wohl in dieser Runde von langjährig erfahrenen Bordeauxtrinkern und solchen (wie mir), die es werden wollen. Die Weine waren bestens vorbereitet (schon am Nachmittag geprüft und dekantiert), der Service der beiden Damen und des Patrons der Alten Schlosserei funktionierte auf herrlich unkomplizierte Art und Weise perfekt, und die Küche tat das Übrige zu einem richtig schönen und gelungenen Genusserlebnis.

Angestellt waren:

1988 La Mission Haut Brion

1988 Cos d‘ Estournel

1989 Chateau Leoville Las Cases

1989 Chateau Lafite Rothschild

1989 Chateau Montrose

1989 Chateau Pavie

1990 Chateau Malescot St.Exupery

1990 Chateau Pape Clement

1990 Chateau Rausan-Segla

1990 Chateau Calon Segur

1990 Chateau Chateau Pichon-Longueville-Baron

1990 Chateau Haut Marbuzet

1990 Chateau  Clerc Milon

1991 Chateau Latour

1991 Chateau Palmer

1989 Grange, Penfolds (Pirat)

Nur der Form halber: es wurde blind in 2er flights getrunken und unmittelbar nach jedem flight aufgedeckt. Die Liste der Weine war bekannt (bis auf den zusätzlichen Piraten). Doch nun zu den einzelnen Weinen und Notizen: 

 

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2004 Cuvee Reservee, Domaine du Pegau – Rhone

95 Punkte – Es ist jedes Mal eine besondere Freude , wenn ich mir selbst genehmige, eine Flasche Pegau aus dem Keller zu holen. Anlass dieses Mal war das bevorstehende autorische „coming out“ eines Freundes, der die schöne Aufgabe übernommen hat, ein paar Zeilen (ca. 13 DIN A4-Seiten) rund um das Thema „Weine von der Rhone“ für die ZEIT zu schreiben. Da man Theorie und Praxis stets verbinden sollte, machte ich mich also auf den Weg mit einer Flasche 2004er Cuvee Reservée unterm Arm. Wir sprachen über diese und jene Formulierungen, über Inhalte und Ereignisse, über Dies und Das, über Sachen die man unbedingt bringen muss und anderes, das man  vernachlässigen kann. Jedenfalls redeten wir so viel, dass die Flasche (zu) schnell getrunken war.

 

Was mir an den CdPs von Pegau immer wieder auffällt, ist die außergewöhnliche Komplexität, Finesse und Harmonie der Weine. Sie sind nie fett und überladen, sondern stets differenziert, aromatisch äußerst komplex und lassen den Genießer (zumindest mich) regelmäßig in Verzückung geraten. Wenn doch nur mehr Weine so wären….ja dann….ja dann, dann wäre wohl Jahrmarkt im Himmel.

 

Zum Wein: Die Nase ist tief und aromatisch, aber irgendwie auch leichtfüßig. Noten von verwelkten Kräutern, Kornblumen, Teer, Tabak und Leder vermischen sich mir fruchtigen Eindrücken von Wald- und Heidelbeeren (oder: Heidelbeer-Muffins). Am Gaumen ebenfalls tief, komplex und mit herrlicher, aromatischer  Konzentration, jedoch ohne fett zu sein.  Schönes Mundgefühl – kühl, dicht und kalkig-mineralisch. Diese Cuvee aus 80% Grenache, 9% Syrah, 6% Mouvedre sowie 5% anderen Rebsorten, ist für mich nahezu in jedem Jahrgang eine Referenz beim CdP. Der 2004er ist wahrscheinlich besonders gut gelungen, da das beste Lesegut –  aus dem man eigentlich wieder eine Cuvee da Capo produzieren wollte –  letztlich doch deklassiert wurde und so in die „normale“ Cuvee Reservée eingegangen ist. Gleiches gilt – so berichtet zumindest Parker – auch für den 05er Jahrgang, der gerade auf den Markt gekommen ist. Der 04er hat jedenfalls riesiges Potential und ist sicherlich bis 2020 eine große Freude, die 05er Notiz folgt bald.

(Bildquelle: www.pinard.de / Preis pro Flasche  2005: 45,-)

1994 Domaine Pégau, Cuvée Laurence / Rhône, Châteauneuf du Pape

92 Punkte – Das Bukett ist recht ursprünglich und wild, man könnte auch bäuerlich sagen: animalische Noten, Stall und garrique (Thymian und Muskatnuss) kommen genauso vor wie rote Früchte. Am Gaumen wirkt Laurence recht heiß und wild, urwüchsig, mit guter Säure und einer erstaunlich feinen Süße. Insgesamt ist der Wein harmonisch und überzeugt mit seinem selbständigen Charakter, auch wenn er in der Mitte am Gaumen einen kleinen Hänger zeigt. Eine schöne Länge rundet den positiven Eindruck ab.

 

1995 Domaine Pégau, Cuvée Laurence / Rhône, Châteauneuf du Pape

95 Punkte – „Nach die Reifung von 4 Jahren in grossen Holzfässen wurde der Wein im November 1999 abgefüllt. Dieser grosse Jahrgang beginnt gerade jetzt sein volles Potential zu zeigen. Ein reicher, strukturierter und komplexer Wein, der im langen Ausbau in den Fässern eine beschleunigte Entwicklung hatte. Er zeigt Aromen von überreifen Früchten, die sich in Gewürze und Kaffee verändern. Er wird noch in den nächsten 10-15 jahren Vergnügen bereiten.“, so die Ausführungen auf der homepage der Domaine. Zum Wein:

Gegenüber dem 94er Jahrgang ist dieser Wein für mich deutlich aristokratischer und deutlich kühler, er wirkt fasst wie ein Côte Rôtie. Ja, ja werden jetzt wieder einige sagen, wie kann man einen solchen Wein mit einem Syrah vergleichen, aber die Laurence aus ´95 ist von kühlem Ansatz, mit feiner dunkler Frucht (Heidelbeeren) hat Anklänge an Kaffee und edle Schokolade und besticht mit ihrer weichen und eleganten Art. Am Gaumen durchaus dicht gewoben, feine Saftigkeit und edle Tannine; weicher, runder Ansatz, der sich auf eine wunderbare Säure stützt und einen komplexen sowie kompletten Eindruck am Gaumen hinterlässt.