1975 Viña Real Reserva – CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 1)

90 Punkte – Der Viña Real ist da schon etwas burschikoser als der Imperial aus gleichem Jahrgang. Auffallend schön auch hier die feine Fruchtsüße, die sehr gut die recht kräftige Säure abpuffert, aber zu den (ebenfalls) roten Fruchtnoten gesellen sich auch dunkle Anklänge, die an geröstete Erde erinnern. Besitzt nicht die gleiche Eleganz und die Leichtigkeit des Imperial und deshalb auch 2 Punkte Abstand in der Bewertung.

1975 Imperial Reserva, CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 1)


92 Punkte – 1975 gilt im Rioja als sehr gutes Jahr und entsprechend spannend war dann auch die (zunächst verdeckte) Gegenüberstellung der beiden CVNE-Weine. Der Imperial kommt von einem CVNE-Weingut mit Weinbergen im Gebiet der Rioja Alta;  der „Bruder“ stammt dagegen von einer anderen CVNE-Bodega mit dem Namen „Viña Real“, die dazu gehörigen Weinberge stehen im Gebiet Rioja Alavesa.

 

Dieser Rioja-Wein offeriert eine herrliche „Burgundernase“ und ich dachte auch zunächst, dass wir den nächsten „französischen Piraten“ in unserer Spanien-Weinprobe gefunden hatten. Auch die ausgewogene, filigrane und finessenreiche Art am Gaumen sprach dafür, aber die deutliche Jodhaltigkeit konnte ich dagegen nicht recht einordnen. Die Frucht ist sehr fein und eher rotbeerig mit schönen Anklängen an Hagebutten. Besonders feminin und mit tragender Rolle in dieser „Mozart-Weinoper“ umschmeichelt die feine Süße den Gaumen. Feiner Stoff!!

2005 Norte, Bodegas Pujanza – Rioja

96 Punkte – Es ist schwer, sich der Klarheit und Reinheit dieses Rioja zu entziehen. Dies ist keine getunte Schönheit a la Aalto PS, dies ist Natürlichkeit und Eleganz aufs Feinste miteinander vermählt. Die Frucht ist sehr dunkel, tief und kühl. Da der Wein in französischer Eiche ausgebaut wurde, fehlt es ihm an der sonst fürs Rioja so typischen Vanillenote (aus den grobporigeren amerikanischen Fässern), was mir sehr gut gefällt. Die festen, aber sehr noblen Tannine sowie eine kräftige Säure geben ihm Struktur und die balsamischen und mineralischen Noten verleihen ihm zusätzliche Komplexität. Kurzum ein edler Tropfen, den man den alten, über 80-jährigen Reben mit sehr niedrigen Erträgen, abgetrotzt hat. Der Wein endet lang und mit großer Finesse. Ich gehe davon aus, dass dieser Wein lange, sehr lange liegen und reifen kann; einzigen Problem: man muss es schaffen, die Finger von ihm zu lassen. Unbedingt 3,4 Stunden vorher dekantieren.

 

Bodegas Pujanza gelten seit wenigen Jahren als neuer Star am Sternenhimmel des Rioja. Neben dem Norte, gibt es noch den Cisma, das sehr teure und  in homöopatischen Mengen erzeugte Flaggschiff der Kellerei sowie einen „normalen“ Pujanza.  Die spanischen Weinführer haben die 05er Ausgabe ebenfalls in den Weinolymp gewählt, Penin gibt 95 Punkte (ein extrem hoher Wert für diesen Weinführer), der Guia Proensa verleiht ihm sogar die Höchstnote von 100 Punkten (in der 08er Ausgabe haben diese Note nur 4 Weine bekommen), Parkers Mitarbeiter (Jay Miller) vergibt 94 Punkte, nur der Kollege vom Winespectator hat den Wein wohl nicht verstanden oder er traut sich nicht einem immer noch jungen Weingut/Weinmacher (Gründungsjahr der Bodega: 1998) volle Punkte für die vorgelegte Qualität zu verleihen, denn wie sollen dann 100 Punkte sein, wenn er hier nur 91 vergibt?