1999 Crozes Hermitage La Guiraude, Alain Graillot – Nördliche Rhone

87 Punkte – Kein ganz einfacher Tropfen: zu Beginn dominiert die Säure recht deutlich. Mit etwas Luft kommt die Frucht etwas stärker durch. In der Nase Noten von verbranntem Gummi, Lavendel und Cassis. Am Gaumen springt einen die straffe Säure an; erst langsam offenbart er die Noten herber Lakritze, schwarzer Johannisbeere, Lavendel und feuchtem Unterholz; dennoch herkunfts- und rebsortentypisch. Vom Körper eher mittelgewichtig, gestützt von seinen Tanninen ist der Wein noch gut trinkbar; aber eine weitere Lagerung dürfte ihm mehr schaden als nutzen – austrinken!! Heute Abend zum Gegrilltem passte er nicht schlecht.

1986 Hermitage – Jean Louis Chave – nördliche Rhone / „Ma(n)ifest Nr.6“


91 Punkte – Jean-Louis Chave und vor allem sein Vater Gérard gehören zu den großen Weinmachern Frankreichs, Robert Parker zählt sie gar zu den besten Weinmachern weltweit. Bislang hatte ich weder das Vergnügen sie zu treffen, noch habe ich die Region je bereist. Dies steht jedoch ganz weit oben auf meiner Prioritätenliste. Darin liegt auch der Grund, warum ich hier nicht viel über das Weingut und die Weinbereitung schreiben kann. Details gibt es z.B. in  Robert Parkers Buch „Rhone“ zu lesen. Einen kleinen Hinweis möchte ich jedoch geben, der für das Verständnis der Weine von Chave nicht ganz unwichtig ist. Vater und Sohn halten sehr viel von der traditionellen Weinbereitung – Technik spielt in ihrem Keller eine sehr untergeordnete Rolle.

Da der Jahrgang 1986 an der nördlichen Rhone nicht gerade zu den Glanzpunkten zählt, war ich umso mehr gespannt, was man hier dem Jahrgang abgerungen hat. Auch diesen haben wir blind getrunken und es lagen so ziemlich alle „Mittrinker“ am Tisch (incl. Meiner Wenigkeit, der diesen Wein zur Verkostung angestellt hatte) daneben, als es um die Bestimmung der Provenienz ging. Zu Beginn zeigten sich viele Kaffee- und Kräuteraromen und die meisten waren im Bordeaux unterwegs. Am Gaumen ebenfalls viele, eher dunkel anmutende Kräuter, das Wort „Ricolasüße“ fiel, was als Ausdruck dieser Kräutrigkeit in Verbindung mit einer eher feinen, delikaten Süße eigentlich ganz gut passte, wenn auch die Bonbons deutlich süßer sind. Dieser Wein ist kein Schwergewicht, am Gaumen recht weich und entwickelt, dennoch zeigte er – trotz des rech kleinen Jahrgangs – eine gewisse Eleganz. Wer noch Restbestände hat, sollte sie jetzt trinken.