2006 Hermann Dönnhoff, Niederhäuser Hermannshöhle GG – Nahe (für mich die Rettung)

95 Punkte – Nach dieser total bescheidenen Woche, in der man mir erst die Scheibe am Auto eingeschlagen hat, um das Handy zu klauen und mir am nächsten Tag (mit reparierter Scheibe) die Polizei selbiges Auto abschleppt , weil – aus welchen Gründen auch immer – nachts auf einmal alle 4 Fenster offen gestanden haben. Gestern hat mich dann die Polizei angehalten, um meinen Alkoholpegel genauer unter die Lupe zu nehmen (Gott sein Dank hatte ich abends zum Essen nur ein Glas (0,15) Wein getrunken); und so bin ich heute total gefrustet in den Keller gegangen, um mir auf diesen ganzen Sche… mal richtig was zu gönnen. Eigentlich denkbar ungünstige Voraussetzungen, für den Wein, der dran glauben musste. Denn die Erfahrung zeigt, wenn man selbst schlecht "drauf" ist, ist es der Wein meist auch (oder wie erklärt sich diese häufig festgestellte Korrelation). Doch diesmal war alles anders:

Die Hermannshöhle von Dönnhoff stand noch am Kellereingang (und wartete eigentlich darauf inventarisiert zu werden) und strahlte mich an und sagte: Nimm mich, nimm mich, ich bringe Dich auf andere Gedanken, ich habe alles, was Du brauchst. Naja, dachte ich, trockener Riesling des Jahres im Gault Millau – we will see…….

…… 95 Punkte, ein unglaublicher Stoff, geradezu elektrisierend.Was ich nicht verstehen kann, wie so ein junger Riesling, der vor Kraft und Tiefe nur so strotzt, trotzdem schon eine solche  Harmonie sein Eigen nennen kann.

Die Nase ist geprägt von kräuterwürzigen, etwas heuig-strohigen und tief mineralischen Noten. Die Frucht ist steinobstig und gelb. Am Gaumen tief wie ein Bass, dicht, extraktreich, mit geilem Biß, der Dich – ja Dich geneigter Leser und potentieller Käufer dieses Weines – packen wird und in seinen Bann zieht. Man schnallst unweigerlich mit der Zunge, die Aromenschwaden ziehen durch den Rachen und schlagen in immer neuen Wellen an den Gaumen. Saftig, hervorragendes Spiel zwischen den eher weiss-gelbfruchtigen Fruchtaromen und der feinen, auch etwas salzigen Bitternote einer grandiosen Mineralik; tabakig, Sauerampfer. WOW packt der zu. Grandiose Länge. Bitte, bitte nicht alle Flaschen für die perfekte Trinkreife aufbewahren, so etwas MUSS man in seinem jugendlichen Überschwang erleben. Und wenn ich das mal mit dem 06er UNENDLICH von F.X. Pichler vergleiche, gehen für mich die 12 Punkte an Deutschland und "nur" 10 Punkte an Österreich, weil – trotz allen Drucks und der Kraft, die ihn auszeichnet – dieser Riesling aus der Hermannshöhle  eine Ebene besitzt, die zeigt, dass auch ganz kleine, klitze-kleine Nuancen, gewisse Verspieltheiten sozusagen, beim genauen "Hinhören" zum Vorschein kommen, die ungeheuer animierend und Gesprächs-anregend sind. RIESIGES Potential !!

P.S. Ich bin mit der Welt wieder im Reinen . und das nach einer halben Flasche !!!