1996 Oberhäuser Brücke Riesling Eiswein, Hermann Dönnhoff – Nahe / „Ma(n)ifest Nr.12“

 

95 Punkte – Dieser Wein sieht aus wie eine mit Wasser verdünnte Coca Cola; bernsteinfarben. Auch wenn man wegen der Farbe schon mal die Stirn runzeln kann, so ist man nach der ersten Annäherung an das Glas doch vollkommen geläutert. Schon in der Nase bekommt man einen Eindruck von der Urgewalt und Komplexität dieses Weines. Einmal im Mund entfaltet sich ein Aromenfeuerwerk, wie ich es bislang selten erlebt habe. Die süße Frucht (exotische Früchte, Zwetschgenröster, Kirschen) ist unterlegt mit einer glockenklaren und intensiven Säure, die jedoch – dank der herrlichen Fruchtsüße – ein frappierendes Spiel entwickelt, dass in einem furiosen, lange am Gaumen anhaltenden Finale endet.

 

Laut der Info edlen Spenders hat Hermann Dönnhoff mehrere Eisweine in diesem Jahrgang seiner Lager Oberhäuser Brücke abgerungen; Nr. 28 hatte mit 250° Öchsle nicht nur den höchsten Zuckergehalt, sondern war auch mit 99 Punkten Siegerwein im Gault Millau 1998 im Bereich der edelsüßen Gewächse. Der Traumstoff bei uns im Glas wurde wohl ein paar Nächte früher geerntet und hatte ursprünglich ein Mostgewicht von 210° Öchsle.

2002 Traiser Bastei Riesling Spätlese trocken, Dr. Crusius – Nahe

89 Punkte – Feine,  frische Nase, Anklänge an Blütenhonig; am Gaumen schlanke, frische Art; feingliedrige Säure; recht tiefe, reintönige  Mineralik; Heu- und Citrusaromen, angenehme Reife. Animierend, mit guter Länge im Abgang. Jetzt oder in den nächsten 1,2 Jahren trinken.

Für ca. Euro 10 ist das schon ein Wein, den man in vollen Zügen geniessen kann, die Hand geht kräftig zum Glas, gerne öffnet man da auch eine zweite oder dritte Flasche.  Das Weingut Dr. Crusius ist für mich stets eine sichere Bank in Sachen Qualität und die Preise sind noch nicht so abgehoben wie bei einigen anderen Spitzenweingütern an der Nahe.

www.weingut-crusius.de

2006 Hermann Dönnhoff, Niederhäuser Hermannshöhle GG – Nahe (für mich die Rettung)

95 Punkte – Nach dieser total bescheidenen Woche, in der man mir erst die Scheibe am Auto eingeschlagen hat, um das Handy zu klauen und mir am nächsten Tag (mit reparierter Scheibe) die Polizei selbiges Auto abschleppt , weil – aus welchen Gründen auch immer – nachts auf einmal alle 4 Fenster offen gestanden haben. Gestern hat mich dann die Polizei angehalten, um meinen Alkoholpegel genauer unter die Lupe zu nehmen (Gott sein Dank hatte ich abends zum Essen nur ein Glas (0,15) Wein getrunken); und so bin ich heute total gefrustet in den Keller gegangen, um mir auf diesen ganzen Sche… mal richtig was zu gönnen. Eigentlich denkbar ungünstige Voraussetzungen, für den Wein, der dran glauben musste. Denn die Erfahrung zeigt, wenn man selbst schlecht "drauf" ist, ist es der Wein meist auch (oder wie erklärt sich diese häufig festgestellte Korrelation). Doch diesmal war alles anders:

Die Hermannshöhle von Dönnhoff stand noch am Kellereingang (und wartete eigentlich darauf inventarisiert zu werden) und strahlte mich an und sagte: Nimm mich, nimm mich, ich bringe Dich auf andere Gedanken, ich habe alles, was Du brauchst. Naja, dachte ich, trockener Riesling des Jahres im Gault Millau – we will see…….

…… 95 Punkte, ein unglaublicher Stoff, geradezu elektrisierend.Was ich nicht verstehen kann, wie so ein junger Riesling, der vor Kraft und Tiefe nur so strotzt, trotzdem schon eine solche  Harmonie sein Eigen nennen kann.

Die Nase ist geprägt von kräuterwürzigen, etwas heuig-strohigen und tief mineralischen Noten. Die Frucht ist steinobstig und gelb. Am Gaumen tief wie ein Bass, dicht, extraktreich, mit geilem Biß, der Dich – ja Dich geneigter Leser und potentieller Käufer dieses Weines – packen wird und in seinen Bann zieht. Man schnallst unweigerlich mit der Zunge, die Aromenschwaden ziehen durch den Rachen und schlagen in immer neuen Wellen an den Gaumen. Saftig, hervorragendes Spiel zwischen den eher weiss-gelbfruchtigen Fruchtaromen und der feinen, auch etwas salzigen Bitternote einer grandiosen Mineralik; tabakig, Sauerampfer. WOW packt der zu. Grandiose Länge. Bitte, bitte nicht alle Flaschen für die perfekte Trinkreife aufbewahren, so etwas MUSS man in seinem jugendlichen Überschwang erleben. Und wenn ich das mal mit dem 06er UNENDLICH von F.X. Pichler vergleiche, gehen für mich die 12 Punkte an Deutschland und "nur" 10 Punkte an Österreich, weil – trotz allen Drucks und der Kraft, die ihn auszeichnet – dieser Riesling aus der Hermannshöhle  eine Ebene besitzt, die zeigt, dass auch ganz kleine, klitze-kleine Nuancen, gewisse Verspieltheiten sozusagen, beim genauen "Hinhören" zum Vorschein kommen, die ungeheuer animierend und Gesprächs-anregend sind. RIESIGES Potential !!

P.S. Ich bin mit der Welt wieder im Reinen . und das nach einer halben Flasche !!!

2002 Emrich-Schönleber, Monzinger Halenberg Riesling Spätlese trocken / Nahe

93 Punkte – Selten hat eine meiner Wein-Notizen auch 4 Jahre später noch so einen Bestand, wie bei diesem Wein. Die kräutrige, frische Mineralik in diesem saftigen Wein brilliert derart, dass man selbst nur jubilieren kann. Der Wein ist jetzt in Topform, er hat noch ein wenig zugelegt, er ist noch geschliffener und eleganter als vor 4 Jahren. Dieser Riesling ist so klar und saftig, man kaut und lutscht auf ihm rum – Schlucken möchte man ihn eigentlich gar nicht, doch selbst wenn man sich dazu hinreißen lässt, wirkt er lange nach. Großes Kino !!

2004 Emrich-Schönleber / Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese trocken

91 Punkte – Glockenklar in allen Belangen präsentiert sich dieser Riesling für den anspruchsvollen Genießer. Blumige bzw. übermäßig fruchtbetonte, trockene Rieslinge waren noch die Handschrift von Emrich-Schönleber. So zeigt auch die 04er Ausgabe aus dem Frühlingsplätzchen ihre Größe

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