Burgundmarathon 2.Tag / 1.flight

 

 

40er (?) Moulin a Vent, Eugène Loran & fils  Beaujolais (Füllhöhe 4,0 cm)

 

91 Punkte – Was für eine Überraschung – ein sensationell gereifter Beaujolais. In Deutschland weiß nahezu niemand, dass im Beaujolais auch noch etwas anderes erzeugt wird, als diese Primeur-Plörre, die jedes Jahr den Markt flutet. Doch wer neugierig ist, und sich mal mit den Details dieses Weinbaugebietes auseinander setzen mag, der wird früher oder später auf die Crus-Gebiete im Herzen (Norden) des Beaujolais stoßen und feststellen, dass hier auch charaktervolle Weine erzeugt werden. Moulin a Vent gilt als primus inter pares und hier gedeihen wohl die lagerfähigsten Beaujolaisweine. In ihrer Jungend sind sie recht unnahbar und hart, aber mit nach 3,4,5 Jahren Lagerung blühen sie langsam auf und zeigen regelmäßig, dass auch aus Gamaytrauben richtig schöner Wein erzeugt werden kann.

 

Dass wir nun einen Wein im glas hatten, der schon 60 Jahre oder mehr auf dem Buckel hatte und immer noch im Glas unglaublich ausbaute, war auch für mich eine große Überraschung. Informationen zum Erzeuger konnte ich leider keine finden, aber die Quelle aus der der Wein stammt ist zuverlässig und wir tranken so einen Stück Geschichte ohne genau zu wissen, wer uns das „eingeschenkt“ hatte.

 

Zu Beginn ein Anflug von Champions in der Nase, aber mit etwas Luft verzog sich dieser Eindruck schnell und eine zarte und feine Nase mit Anklängen an rote Beeren offenbarte sich. Auch am Gaumen ein Wein, der durchaus noch Struktur vorweisen kann und in seinen Aromen noch erstaunlich frisch wirkte, aber dann eher zart und verspielt war. Insgesamt aufregend differenziert und fein am Gaumen, auch hier wieder zarte, rote Früchte (Erdbeeren, Himbeeren) mit einer wunderbaren, feinen Süße, die lange den Gaumen umschmeichelt.  

 

Bei der späteren Rückverkostung hat er noch einen Happen zugelegt und die Frucht und die Süße sind noch schöner geworden (92 Punkte).

 

 

 

1949 Chambolle Musigny, Ph. Vinzent – Burgund (Füllhöhe 5,3 cm)

 

89 Punkte – Für 60 Jahre zeigt dieser „einfache“ Chambolle Musigny eine erstaunlich dunkle Farbe. In der Nase ein recht edler Ansatz, Kakao- und Mokkanoten, Karamell und ein Hauch von Steinpilzen; kraftvoll. Im Mund kann er jedoch das Versprechen des Buketts nicht halten: leichte Sherrynoten, wirkt recht gereift, aber auch recht dicht. Leider drängt sich die Säure immer stärker in den Vordergrund und ich habe das Gefühl, dass er im Glas recht schnell verliert. Doch hier habe ich mich getäuscht, denn bei der Rückverkostung später wirkt er klarer und gewinnt nochmals etwas an Tiefe (ich hatte ihn dann bei 90 Punkten).

 

 

1959 Vosne Romanée, Bouchard Père & fils (Füllhöhe 5,8cm) 

 

85 Punkte – Ich habe lange gebraucht, um hier das Wirrwarr an Namen mit dem Bestandteil „Romanée“ zu begreifen, denn die Gemeinde Vosne-Romanée ist so etwas wie die Schatzkammer der Côte de Nuits und bei dem Namensbestandteil „Romanée“ denkt man unwillkürlich an die großen und nahezu unbezahlbaren Weine der Domaine Romanée-Conti.

 

Aber vielleicht der Reihe nach: Die Gemeinde Vosne Romanée verfügt über sieben GRAND-CRU-Lagen: La Romanée Conti, Le Richebourg, La Tâche, La Romanée-Saint-Vivent, La Romanée, Les Grand Echézeaux und Les Echezeaux. Von diesen sieben GRAND-CRU-Lagen sind zwei sogenannte Monopol-Lagen, d.h. sie sind im Alleinbesitz eines Erzeugers, hier der Domaine Romanée-Conti.  Darüber hinaus gibt es auch noch einige Premier-Cru-Lagen, wie z.B. Les Petits-Monts oder Les Suchots. Doch steht – wie in unserem Fall – auf dem Etikett „nur“ Vosne-Romanée, so stammt dieser Wein aus den Weinbergen der Gemeinde Vosne-Romanée, aber es ist weder ein Grand-Cru, noch ein Premier Cru und schon gar kein Wein der Domaine Romanée-Conti.

 

Frisch im Glas roch unser Kandidat aus einer Flasche mit relativ schlechtem Füllstand zunächst nach „nassem Lappen“ – und zwar so einem, den man in der Küche schon viel zu lange liegen hatte (ihhhh). Auch der zweite Eindruck kann nicht wirklich überzeugen, denn das Aroma von Liebstöckel bzw. das Maggikraut hat schon ziemlich stark Besitz von diesem Wein ergriffen; hinzu kommt ein Eindruck von Aceton.  Auch am Gaumen ist der Wein nicht wirklich eine Offenbarung, auch wenn zunächst etwas Kaffeearomen sowie eine malzige Süße erkennbar sind, doch dann bricht auch hier der Eindruck von Maggikraut durch und der Wein entwickelt zudem eine leichte Bitterkeit. Bei der Rückverkostung hat die Süße noch etwas gewonnen, aber letztlich bleibt er seinem Aromenbild treu und ich werte den Wein nochmals einen Punkt ab (84 Punkte)

2001 Deutsche Spätburgunder – Kleine Horizontalverkostung

10 Weine waren angestellt, 5 Personen nahmen teil und 3 Piraten waren mit von der Part(y)ie. Jeder bekam jeden Wein in kleiner Menge zur Verkostung und Beurteilung, danach wurde aufgedeckt und offen weiter getrunken. Am Ende wollte ich sehen, wie viel von jedem Wein übrig bleibt – also JLF nach Andreas März von der Zeitschrift MERUM. Die Flaschen wurden willkürlich ausgewählt und selbst ich wursste nicht, welcher Wein wo in der Reihenfolge angestellt war.

Los gings mit dem ersten Piraten, wie sich am Ende herausstellte.

2001 Kloster am Spitz, Pinot Noir – Burgenland / Österreich:

84 Punkte – etwas überreife Frucht, Johannisbeer-Drops (oder schwarze Campinos aus meiner Kindheit – gibts aber immer noch), Himbeeren; parfümiert. Auch am Gaumen sehr aufgesetzt von der Frucht, Holunder und schwarze Campinos, saftig, weisser Pfeffer, samtig, süsser Extrakt, ein Kollege sprach von einer "Weinqualle" – mir gefiel dieser Begriff für einen Wein, der tierisch aufgebläht war, dem aber das Rückgrad fehlte. (2/3 der Flasche blieben übrig).

2001 Schnaitmann, Spätburgunder Simonroth "R" –  Württemberg / Deutschland

93 Punkte (?) – Beim Aufdecken kommt der Ärger in mir hoch, zweite und letzte Flasche von diesem Wein. Nachdem die erste leider voll korkte, ist diese auch nicht ganz sauber. Damals war der Wein ab Gut superschnell ausverkauft, habe dann noch zwei Flaschen im Bremer Ratskeller für noch teuereres Geld nachgekauft und dann das….!!! Trotzdem war die Klasse dieses Stoffs klar erkennbar. Die Nase wird verwöhnt von einem tiefen und komplexen Spiel Schwarzer Kirschen, Veilchen, rauchigem Speck und feinen Kräutern. Am Gaumen klasse strukturiert – mit ausgereiften und guten Tanninen. Das Holz ist inzwischen perfekt integriert, der Wein ist gut balanciert. Die schöne Mineralität und die dunkle, stoffige Tiefe bereiten echtes Trinkvergnügen, wenn da nicht…. ja, wenn sich da nicht immer wieder ein Kork in die Nase schleichen würde. Am Tisch wird kontrovers diskutiert, kann man einen solchen Wein überhaupt angemessen beurteilen, ich meine  ´"JA",  denn ein solch (eher leicht) beeinflusster Wein kann durchaus noch in seiner Vielschichtigkeit wahrgenommen werden. Druckvoll, mit unglaublich guter Struktur und einer angenehm maskulinen Art ist diese Flasche durchaus ein Genuss – wenn auch etwas vernebelt, kommt die Güte dieses Weins zum Ausdruck. (Rest in Flasche: 5cm)

2001 Gernot Heinrich – Pinot Noir – Burgenland / Österreich

92 Punkte – Auffallend schöner Glanz; tiefe Frucht,   kräuterwürzig (aus dem Holz, das sehr gut integriert ist), Eisen (Blut), tiefe und aromatische Nase. Am Gaumen eine delikate Süsse, ein Hauch von Schokolade und feinsaftig. Wirkt sehr frisch, die komplexe Frucht sowie polierten Tannine – kombiniert mit der schön eingebundenen Säure – lassen Trinkfreude aufkommen. Grundsätzlich auch mit schöner Länge ausgestattet, jedoch baut er nach einiger Zeit im Glas recht schnell und kräftig ab – die Börsianer würden wohl sagen: die Bären gewinnen die Überhand. (Rest in Flasche: halbvoll)

2000 Dichon, Moulin-a-Vent – Beaujolais / Frankreich

76 Punkte – Blumenerde, ein Hauch von Pflaume, Säure schon in der Nase. Am Gaumen erstaunlich dünn (für mich waren die Moulin-a-Vent-Wein stets die dichtesten Beaujolais), etwas stumpf, abgefahrenes Gummi, die Tannine wirken ungehobelt, klotzig, unharmonisch. Auch wenn die Frucht über den Abend mal mehr, mal weniger ein wenig ausblitzt, bleibt es doch insgesamt ein unerfreulicher Tropfen, der (in diesem Fall positiv) mit dem Schlucken sofort verschwunden ist. (2/3 der Flasche bleiben übrig)

2001 Haidle, Spätburgunder – Württemberg / Deutschland

92 Punkte – Außergewöhnlich kräutriger Eindruck in der Nase, Gewürznelken, Pflaumen, rauchig. Auch am Gaumen frisch, tief und kräutrig, dunkle Frucht; hat Saft und Biß, erzeugt aber eher ein schlankes Mundgefühl, dafür komplex, mineralisch (kalkig) und mit jedem Schluck interessant. Frische, gut integrierte Säure; sehr gute Länge, die überraschend ein wenig auf Kamilletee-Aromen endet. (Rest in Flasche: 4cm)

2001 Duijn, Spätburgunder SD – Baden / Deutschland

91+ Punkte – Bei mir geht die Hand zum Glas. Der SD belegt mit einer kühl wirkenden Aromatik Nase und Gaumen. Die Frucht ist dicht, aber nicht überladen; die Aromen sind würzig, dezent rauchig und mineralisch und die noblen Tannine geben dem Wein eine hervorragende Struktur und einen Hauch von Noblesse. Insgesamt äußerst harmonisch, von den Aromen eher auf der maskulinen Seite, hallt sehr schön nach ! Ein (Wein-)Freund sieht den starken Fassbrand etwas kritisch. (Rest im Glas: 1,5 cm)

2001 Duijn, Spätburgunder  – Baden / Deutschland

Die kleine Schwester (in jüngeren Jahrgängen heißt dieser Wein "Jannin") steht dem großen Bruder in nichts nach – ist ihm sehr ähnlich. Am Gaumen besticht die Mineralität, schöne aromatische Tiefe, etwas runder und gefälliger als der SD; das Holz scheint etwas weniger stark getoastet, die Frucht kommt noch besser heraus, trotzdem ein substanzieller Wein mit Komplexität. (rest in Flasche: 4cm)

2001 Stodden, Next Generation – Ahr / Deutschland

86 Punkte – Fast auf den Tag genau vor drei Jahren getrunken und im Fazit fast identisch bewertet (87 Punkte) und beuteilt. Die Nase ist eher dunkelbeerig und insgesamt sehr eigenwillig, denn Aromen von Camembert, verbranntem Gummi und angebranntem Sauerkraut mischen in der Nase kräftig mit. Am Gaumen kann man eine gewisse aromatische Tiefe, Rauchnoten und eine tiefe Mineralik auf der Haben-Seite des Weines verbuchen. Auch eine gewisse Extraktsüße steht dem Wein gut, denn über eine ebenfalls kräftige ausreichend Säure, die dagegen steht, verfügt the "Next Generation". Da aber das Holz bis heute nicht harmonisch eingebunden ist, die Röstaromen schwarz wirken (was die Eiche heavy toasted?), der Wein insgesamt eine fast aggresive Kräuteraromatik aufweist und eine gewisse Schärfe nicht von der Hand zu weisen ist, bin ich der Meinung, das er mit meinen 86 Punkten noch gut bedient ist. (Rest in der Flasche: 8cm).
Hier wollte der Sohn des Hauses (nach diversen Winzerstationen im In-und Ausland) wohl zeigen, was er gelernt hat – leider ist die Sache nicht ganz so gelungen, wie der Preis es damals suggeriert hat. Mit ca. Euro 40,00 war man in Deutschland zumindest preislich ganz vorne dabei.

2001 Knipser, Im großen Garten – Pfalz / Deutschland

90 Punkte – Das vierte Mal getrunken – guckst Du:
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=158,
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=140,

diesmal wieder recht schön, sodass ich vermute, dass bei Oles Probe eine nicht perfekte Flasche Grund für meine Beschwerde war. Die eher rotbeerige Frucht ist immer noch angenehm saftig. Der Eindruck am Gaumen ist eher kühl, delikat und von einer erkennbaren Mineralik begleitet. Die feine Rauchigkeit verleiht ihm Spiel. Insgesamt zeigt er  eine nicht ganz harmonische Aromatik, denn die Säure steht ein wenig aussen vor und er wirkt; ein Mittelgewicht im Körper und von der Länge im Abgang eher Kurz-bis Mittelstreckenläufer. (Rest in Flasche: 2,5 cm)

2001 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder JS Auslese *** – Ahr / Deutschland

90 Punkte – Insgesamt ein immer noch kompakter Wein. Komplexe Nase mit rotbeerigen und kirschigen Anklängen; schöne Saftigkeit, dabei stets frisch und mit lebendiger Säure ausgestattet. Am Gaumen ein strukturbetonter Pinot Noir mit feinen Tannien und gut integriertem Holz. Die eher starke Kräutrigkeit jüngerer Jahre hat sich zu Gunsten der eher pinot-typischen Frucht etwas zurückgezogen, sodass der Wein einen insgesamt harmonischen, aber keinen total zwingenden Eindruck hinterlässt. (Rest in Flasche: 3cm)

Guigal-Probe im November 2006 / 5 Jahrgänge La Mouline, La Landonne und La Turque

Ein unglaublicher Abend !

 

Nach einem langen Wochenende auf dem Meraner Weinfestival und viele, viele  Weine später (die auch in 2006 wieder jede Aufmerksamkeit wert waren) erwartete mich am Montag, den 12.11.06 auf dem Pretzhof ein Highlight der besonderen Art. Ein Weinfreund aus Bottrop hatte seine Schatzkammer geöffnet und gemeinsam mit Karl und Ulli Mair vom Pretzhof, die für das leibliche Wohl und einen perfekten Rahmen gesorgt haben, eine Probe der Superlative organisiert. So nahm ein wunderbarer Abend seinen Lauf. Begleitet von – hervorragend mit den Weinen abgestimmten – Südtiroler Spezialitäten haben wir an diesem Abend folgende Guigal-Weine verkostet ? Halt!! Nein!! Ich habe nicht verkostet, sondern mit unglaublich viel Genuss jeden einzelnen Wein Schluck für Schluck getrunken:

 

1982 La Mouline

1982 La Landonne

1987 La Mouline

1987 La Landonne

1987 La Turque

1993 La Mouline

1993 La Landonne

1993 La Turque

1997 La Mouline

1997 La Landonne

1997 La Turque

1999 La Mouline

1999 La Landonne

1999 La Turque

1999 Rene Rostaing ? La Landonne

1999 J.M. Gerin ? La Landonne

 

Doch der Reihe nach! Gestartet wurde mit den beiden 82ern, La Turque gab es damals noch nicht, er erblickte erst 1985 das Licht der Welt. Um es vorweg zu nehmen, für mich die hedonistischsten Weine an diesem Abend. Zwar nicht mit der höchsten Punktzahl, aber so unglaublich vielschichtig, komplex, filigran und elegant, dass keine Wünsche offen blieben. Diese unglaubliche Finesse und Leichtigkeit ? ja fast schon ?Schwerelosigkeit? dieser Weine haben mich restlos begeistert. 1982 La Mouline (97 Punkte) ? wie öfters noch ? eine Nasenspitze vorne, feinste Noten von Speck, Rauch, verbrannter Erde, Eisen (wie in einer Schlosserei), kombiniert mit immer noch vorhandenen Fruchtnoten, unglaublich tief und komplex, Rosen, ein Wein, der alle paar Minuten neue Aromen offenbart, dabei die Leichtigkeit des Seins besitzt und mit unglaublicher Eleganz daherkommt, aber im Hintergrund Rückgrad zeigt und Struktur offenbart. Was für eine Länge, Hedonismus pur !! Der 1982er La Landonne (96 Punkte) zeigt noch eine Spur mehr Frucht, feinste rote Beeren, an Malven und Hagebuttentee erinnernd, auch ein Spaziergang durch den frühlingshaften Laubwald kommt mir in den Sinn; dicht, unglaublich tief und finessenreich, mineralische (kalkige) Noten, weich am Gaumen, für mich auf dem Höhepunkt des Trinkgenusses, unglaublich lang.

 

Der nächste Flight bestand aus der 87er Dreierbande. Der 1987er La Mouline (97+ Punkte) für mich auf Rang Eins ? sowohl von der Trinkreihenfolge als auch vom Genuss. Die kraftvolle Nase ist überwältigend, wirkt noch sehr jung kurz vor dem 20. Geburtstag des Weins. Deutlich dunkler und mit weniger Farbaufhellungen als der 5 Jahre ältere Bruder. Dieses Bild spiegelt sich auch am Gaumen wieder – man fragt sich, wo diese Kraft bei einem 87er herkommt?  Ein herrlicher Syrah: komplex, kraftvoll, voller Geheimnisse, die er nur nach und nach beim Trinken offenbart. Auch im 1987er La Landonne (96 Punkte) findet man diese Kraft wieder, die Tannine sind immer noch fest, das perfekte Säurespiel unterstreicht die Frucht und lässt sie voll erblühen. Gigantische Länge. Hier könnte ich mir vorstellen, dass der 87er La Landonne in ein paar Jahren noch besser ist. Zwischen beiden siedelt sich der 1987 La Turque (97 Punkte) an. Die Spur Pfefferminz hat mir bei dieser vielschichtigen und ätherischen Kräuternase besonders gut gefallen. Die feine Süße am Gaumen spielt hervorragend mit ihren Kollegen Säure, Tannin und Frucht, sodass dieser kraftvolle Wein  – bis in sein langes Finale ? das hält, was die Nase schon verspricht.

 

Der dritte Flight war sicherlich in dieser Runde ? relativ gesehen ? der schwächste, doch wirklich schwach war keiner dieser Weine. Mit Punkten zwischen 90 und 93 befindet sich Guigal mit seinen Paradepferden selbst in einem nicht starken Jahrgang auf einem Niveau, wo sich andere freuen würden  in Top-Jahren zu landen. La Mouline ist für mich – schon fast selbstredend – der primus inter pares. Der 1993er La Mouline (93 Punkte) offenbart zu Beginn etwas Kleber-Noten, dann eine sehr schöne und dichte Nase nach dunklen Früchten, gefolgt von einem eher runden und weichen Ansatz, am Gaumen Noten von Rauch und Speck, tiefe Frucht, schlanker und nicht ganz so tief wie die Vorgänger; dennoch gute Länge. Der 93er La Landonne (90 Punkte) hat zu Beginn ebenfalls eine leichte ?Klebernase?, ist leider nicht ganz so ausgewogen wie seine Vorgänger, im Körper eher mittelgewichtig. Die kräftige Säure zehrt an Balance und Finesse und mit ?nur? 90 Punkten bekommt dieser Weine die Schlusslaterne an diesem Abend. Eine sehr würdige Figur machte der 93er La Turque (91+ Punkte) ? so wie  La Mouline mit runder, recht dichter und angenehm süßer Frucht, eine schöne Saftigkeit offenbart er ebenfalls; am Gaumen auch etwas animalische Anklänge, leider ein wenig spitz der Alkohol; kraftvoll bis in den mittellangen Abgang.

 

Flight Nummer 4 war dann schon wieder großes Kino. Der 97er La Mouline (94 Punkte) diesmal nicht an vorderster Front ? wirkte noch unglaublich jung. In der Nase offenbarte sich eine üppige, herrliche Frucht; diverse Kräuter, aber auch Blut und Eisen waren mit im Spiel. Ein dichter, fast süßer Extrakt, auffallend die Cremigkeit und die milde Säure in diesem Jahrgang.  Der 97er La Landonne (95 Punkte) ist da anders, die Frucht ist deutlich eingepackt in ein kraftvolles Tannin, das aktuell etwas spröde wirkt. Am Gaumen ist er unglaublich tief, neben der wunderbaren Beerenfrucht ist er etwas stärker beeinflusst durch das Holz: Teer- und Mokkanoten weisen den Weg, aber auch Anklänge an grüne Tomaten und Sauerkraut mischen sich dazwischen.  Auffällig im Vergleich zu den Vorgänger-Jahrgängen ist die milde Säure. Trotzdem wirkt er vielschichtig und sehr klar, gute Länge. Last but not least der 97er La Turque (96 Punkte) ? zeigt eine 97er typische Frucht: sehr dicht und extraktsüß, Anklänge von Rumtopf, süßer Lakritz und Süßholz. Mit den 96 Punkten möchte ich aber nicht selbiges für diesen Wein raspeln, sondern mir gefällt das Spiel, die dieser Wein trotz aller Üppigkeit besitzt. Im Vergleich zu den beiden Jahrgangsbrüdern hat er die stärkste Säure, sodass er mir noch etwas mehr Trinkfreude bereitet. Langes, sehr fruchtbetontes Finale.

 

Nun der Hammer des Abends! Noch einmal werden alle Sinne wach und trotz des etwas fortgeschrittenen Alkoholeinflusses bin ich auf einmal wieder voll bei der Sache und kann gar nicht genug bekommen von dem Duft, der jetzt aus dem Glas strömt. Der 99er La Mouline (99 Punkte) hat alle Anlagen, die ein perfekter Wein benötigt ? eine überaus verschwenderische Aromenfülle eines Korbes voller reifer Früchte (besonders intensiv: reife Kirschen).  Die aromatische Komplexität und intensive Mineralität sind beeindruckend, dabei extrem klar und überaus präzise definiert. Säure, Tannin und Frucht sind perfekt aufeinander abgestimmt; wunderbarer, dichter, süßer Extrakt, dabei verspielt und gleichzeitig druckvoll ? nein, das ist kein Widerspruch, das ist groß! Die mineralische Frische trägt bis in den unglaublich langen Abgang. Noch vom La Mouline völlig eingenebelt und high, habe ich beim 99er La Landonne (98 Punkte) leider vergessen mir die Punkte zu notieren, aber im Nachhinein sind es mindestens gefühlte 98! Meine Notizen lauten: Grandiose Frucht, sehr viel Extrakt(süße), dabei sehr rauchig und speckig, ?Pah, packt der zu?, höre ich neben mir Karl Mair sagen und denke nur, wie recht er hat. Die sandigen Tannine, die herrliche Würzigkeit, Aromen von Speck, Teer und der Eindruck von Sandelholz  und einem Hauch Vanille sind nur ein paar Eindrücke, die dieser Wein in seiner Entwicklung an diesem wundervollen Abend offeriert. Wahre Begeisterung ruft die perfekte Balance aller Bestandteile bei mir hervor. Den Abschluß dieser denkwürdigen Reihe bildet der 99er La Turque (98 Punkte) ? Von den Anlagen ähnlich wie seine Brüder aus dem Jahrgang: überaus groß, kraftvoll, tief, nachhaltig und allerbestens strukturiert; dabei perfekt balanciert und mit eindrucksvoller Finesse ausgestattet. Trotzdem ist dieser Wein ein wenig anders. Die Frucht erinnert eher an süße, exotische Früchte, ein Hauch von Banane und viel Kaffee. Am Gaumen auch deutliche Anklänge an Marzipan und reife, schwarze Kirschen (oder vielleicht doch eher Schwarzwälderkirsch); sehr saftig und mit herrlichen, dichten und körnigen Tanninen ausgestattet. Von den dreien aus 1999 zur Zeit sicherlich am Besten zu trinken, trotzdem hat er ? wie die beiden anderen auch ? noch eine grandiose Zukunft vor sich.

 

Es folgten zwei weitere Weine aus der Lage La Landonne: 99er Rene Rostaing ? La Landonne (96 Punkte) und ein etwas enttäuschender J.M. Gerin ? La Landonne (88 Punkte).