1947 + 1943 Gröver Engelberg Riesling naturrein, Drei Giebelhaus Kellerei – Mosel (Top of the Pops)

90 Punkte ?? – Auch der 2. Weißweinflight  war ein Knaller, denn als Roman Niewodniczanski von Van Volxem uns fragte, was wir von den beiden vor uns liegenden Weinen halten würden und was wir glaubten, wie alte diese Weine sind, griffen wir schon alle in die etwas älteren „Kisten“, aber dass wir hier einen „gewöhnlichen“ 1943er und 1947er Moselriesling vor uns hatten, auf diese Idee konnte keiner kommen. Aber um diese beiden Weine rankte sich noch eine weitere schöne Geschichte, denn Roman erzählte, dass ein ehemaliger polnischer Mitarbeiter, der jetzt bei einer Baufirma arbeitete eines Tages anrief und berichtete, dass man beim Erdaushub eines bereits vor vielen, vielen  Jahren abgebrochenen Hauses auf alte Flaschen gestoßen war. Die Weine der heute  nicht mehr existierenden „Drei Giebelhaus Kellerei“ wurden so aus ihrem „Gefängnis“ gerettet, in dem sie über Jahre, Jahrzehnte unter einem absoluten Vakuum und ohne jeden Lichtstrahl zugebracht hatten. Auch wenn diese idealen Bedingungen sicherlich besonders günstig waren, ist es dennoch faszinierend, dass ein naturreiner Riesling, der in diesen Kriegs-bzw. Nachkriegsjahren garantiert ohne besondere Technikausstattung absolut natürlich vergoren wurde, heute noch eine solche Performance hinlegt.

 

Die 43er Ausgabe des Trabener Geispfad (so hieß zumindest damals das Teilstück der heute leider flurbereinigten und somit namentlich nicht mehr existierenden Lage) war zu Beginn etwas rauchig in der Nase, auch etwas medizinal, mit leichten Noten von Nagellack, was jedoch mit der Zeit verflog. Am Gaumen hat mich die glockenklare (kühl und klar wie ein Gletschersee) Art begeistert. Der Wein hat immer noch eine tolle Struktur, ist mineralisch und etwas sehnig, so wie der Marathonläufer, der einmal um den Gletschersee läuft. Gut zu Gesicht standen dem Wein auch die feinen, sehr dezenten Citrusnoten.

 

Die 47er Ausgabe war etwas barocker, in der Nase zu Beginn ein Mix aus Misthaufen und Pfefferminz – klingt lustig, aber manchmal ist es wirklich schwer die erlebten Eindrücke zu assoziieren. Beim Trinkgenuss kamen dann Eindrücke von frischer Maracuja und einer gewissen Kräutrigkeit (frische Bergkräuter) hinzu. Stämmiger Stoff, der leider im Abgang dann etwas kurz ist.

 

Mit der Bepunktung der beiden Weine ist das so eine Sache – absolut gesehen liegt so ein Wein knapp unter 90 Punkten,  betrachtet man jedoch z.B. die Relation aus Alter und Frische, dann strebt das Ganze  in Richtung Höchstmarke. Letztlich habe ich versucht alle Aspekte in die Bewertung einzubeziehen, auch die Freude beim Trinken … und diese alte Knochen „liefen“ unglaublich gut, wobei mich die Leichtigkeit und Frische des 43er (bei 10,5% Alc.) etwas mehr begeistert hat, als die aromatische Fülle des 47er (11,0% Alc.).

1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg, Karthäuserhof – Mosel (Top of the Pops)

92 Punkte – Sozusagen  zur Einstimmung gab es den einzig „offen“ ausgeschenkten Wein an diesem Abend. Aus der Magnum kam ein prachtvoller 1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese Goldkapsel ins Glas. Mich faszinierte insbesondere sein glockenklarer Ausdruck. Am Gaumen immer noch unglaublich saftig, dicht und jung, mit viel gelben (kandierten) Früchten und deutlichen Ananasanklängen. Neben einem wirklich schönen Spiel zwischen Süße und Säure, zeigt dieser immerhin schon 17 Jahre alte Riesling eine Mineralität, die vom Feinsten ist, und da er erst am Beginn seiner Reife ist, dürfte man noch viele, viele Jahre ganz viel Freude an diesem Musterexemplar haben.

1971 Bernkasteler Badstube Riesling Eiswein Auslese, Weingutes der Pfarrkirche Bernkastel – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.4“

 

92 Punkte – Überraschende Farbe: Kupferfarben mit bernsteinfarbenen Reflexen, strahlend, klar. Aufregende Nase mit Noten von Orangeat, Aprikosen und Nussecken. Am Gaumen glockenklare Frucht, mit tollem Süße-Säure-Spiel, schöner Frische und Noten von Apfelkompott; Crême Brulee und Orangenmarmelade. Baut im Glas aus; mit langem Nachhall im Abgang. Eine sehr interessante Erfahrung !

1989 Meringer Zellerberg Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.2“

Hier zeigt sich der Unterschied der Lage, vom gleichen Winzer und aus gleichem Jahrgang, aber nicht von gleicher Güte wie die Auslese aus der Trittenheimer Apotheke. Gelbe Früchte, aber etwas undifferenziert.

84 Punkte 

1989 Trittenheimer Apotheke Goldkapsel Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.1“

 

88 Punkte – Diese oberleckere Auslese Goldkapsel aus einer richtig berühmten und wunderschönen Lage (einen Besuch von Trittenheim und der Moselschleife kann ich jedem Naturliebhaber und Genussmenschen nur empfehlen) gehört in die Kategorie Einstiegsdroge. Sollte es wirklich noch jemand da draußen geben, der für kleines Geld (€12,- im Restaurant Schorn käuflich zu erwerben) mal wissen möchte, wie ein klassischer Moselriesling reift, der sollte hier zugreifen. Und wer sich etwas mehr Mühe machen möchte geht selbst auf die Pirsch nach solchen Goldschätzen, denn es gibt immer noch eine Vielzahl kleiner Winzerbetriebe, die in keinem Weinführer gelistet sind, die eine Vielzahl von Flaschen aus sehr guten Jahren im Keller liegen haben, die es zu entdecken gilt. Hinfahren, Probieren und die schönsten Wein mit nach Hause nehmen.

 

Diese Goldkapsel war im besten Sinne „trinkig“, ganz zarter Petrolton, Citrusaromen, gelbe Früchte, ein bisschen exotische Frucht, schönes Säure-Süße-Spiel, straff und immer noch herrlich frisch; dabei recht differenziert und klar in der Aromatik.

 

1966 Wehlener Sonnenuhr Feine Auslese „Wachstum“, S.A. Prüm – Mosel

91 Punkte – Ein wunderbar gereifter Tropfen! In der Nase ein feines Parfüm aus mürben Äpfeln, Quitten und reifen Feigen. Im Mund begeistert mich die cremige Textur des Weins, der keinesfalls einen müden Eindruck macht, sondern den gesamten Mund geschmeidig auskleidet  und aromatisch einen schönen Bogen zwischen Noten von Mürbeteig einerseits und schieferwürzigen Anklängen anderseits  spannt. Interessant fand ich die Ergänzung „Wachstum“ auf dem Flaschenetikett, dies bedeutet – so die Aussage eines Weinfreundes-  dass das Traubenmaterial für diesen Wein aus den eigenen Parzellen stammte. Stellt sich für mich die Frage, ob man damals auf dem Weingut schon mit zugekauftem Traubenmaterial gearbeitet hat? Wer weiß eine Antwort? 

1979 Zeltinger Sonnenuhr Auslese trocken, Leo Kappes – Mosel Saar Ruwer

 

Ohne Wertung – Leo Kappes ist ein recht unbekanntes Weingut in Zeltingen-Rachtig. Im Freundeskreis gilt es jedoch als Geheimtipp für klassische Moselrieslinge zu sehr günstigen Preisen. Doch dieser Kupfer-farbene Riesling hat seine besten Tage schon lange hinter sich. In der Nase bestenfalls als traubig zu bezeichnen, ist er am Gaumen schon recht sauer und die Säure kommt ziemlich krass rüber. Die Noten von Orangenzesten können es dann auch nicht mehr reißen und so wird dieser Wein als Erfahrung bildend eingestuft, bleibt aber ohne Wertung.

 

2006 Röttgen 1.Lage, Heymann-Löwenstein – Mosel

92 Punkte – Gerade sitze ich mit meinem Freund Ole über 2 Gläsern Riesling 2006 aus der Lage Röttgen von Heymann-Löwenstein und wir sind überrascht, wie trinkig, animierend und ausgewogen dieser Tropfen schon ist. Das Lesegut scheint – trotz des Jahrgangs kerngesund gewesen zu sein.

Sattes goldgellb – direkt nach dem Öffnen benötigt er Luft, am besten dekantieren und große Bordeauxgläser nehmen. In der Nase viel kräutrige (Wiesenkräuter) Kraft, etwas tabakig, andeutungsweise spontane Gärungsaromen, reife gelbe Früchte, etwas Honig. Am Gaumen lebendig mit erkennbarer Restsüße, schmelzig und reife gelbe Früchte einerseits, auf der anderen Seite deutliche Mineralik und wunderbare, reife Säure, insgesamt jetzt schon ausgewogen und mit viel Genuss zu trinken, langer Abgang. Das leere Glas riecht einfach wunderbar und der Wein zeigt hier, welche Differenziertheit sich hier noch entwickeln wird. Kleiner Haken, der recht kurze Korken suppte schon ein Jahr nach der Abfüllung. Leider triftt dies auf 30% meiner Flaschen zu. Dies ist leider auch bei anderen Jahrgängen zu beobachten.

2003 Bremmer Calmont Riesling Auslese, Weingut Franzen – Mosel (Celerina 11)

88 Punkte – Einer meiner liebsten Erzeuger hier mit der 2003er Auslese aus dem steilsten Weinberg Deutschlands. Die Nase ist vielschichtig: Blütige Noten, Flieder, Pistazien sowie eine schöne schieferbetonte, würzige Mineralität sind animierend. Doch am Gaumen kann er sein Versprechen nicht einlösen, die Frucht (Fliederbeeren und Waldmeister) ist eher einfach; der etwas klebrig wirkenden Süße steht zwar eine ordentliche Säure entgegen, aber ganz zu „Mehr“ reicht es halt nicht. Vom Mundgefühl zeigt er eine schöne Cremigkeit, die mich an einen Frankfurter Kranz denken lässt. Mit 88 Punkten ist er gut bedient und ein würdiger Vertreter seines Jahrgangs

„2003 Bremmer Calmont Riesling Auslese, Weingut Franzen – Mosel (Celerina 11)“ weiterlesen

2004 Abtsberg Riesling Auslese, Maximin Grünhäuser (AP.Nr. 35360141905), Mosel (Celerina 10)

82-90(??) Punkte; Kandierte Frucht, Apfel, Birnenkompott, Citrusaromen – schönes Spiel in der Nase, sehr frisch. Am Gaumen spiegelt sich die Nase aromatisch im ersten Moment wieder, doch dann kommt die „Eiserne Faust“ und schlägt zu – bumm, bumm !!  Da helfen keine Aprikosen und auch  die ansprechende Mineralik ist nur Randerscheinung; in dieser Momentaufnahme des Weins tut die Säure einfach nur weh. Der Wein wirkt dadurch ultrafrisch, aber diese Säure kann man nicht verkraften. Weder die Frucht, noch die 8% Alkohol können da irgendetwas abpuffern.

Eigentlich liebe ich süße Auslese – Weine, die einerseits richtig Struktur und Rückgrad haben, andererseits auch der Süße eine ordentliche Säure entgegensetzen und so ein richtig tolles, vibrierendes Trinkerlebnis schaffen, but that’s to much, my dear. Auf der anderen Seite, möchte ich diesen Wein noch nicht komplett abschreiben (auch wenn sich Säure im Wein nicht abbaut) – ist aber nur so ein vages Bauchgefühl.