1990 Desiderio – Avignonesi – Toscana

89-91 Punkte: Der "Toro chiannino DESIDERIO" ist immer noch gut im Saft und erfreut sich bester Statur. Auffallend bei diesem Merlot ist sein kraftvoller, saftiger Stil; er ist körperreich und hat immer noch stramme Tannine. Die Frucht ist schön, man schmatzt ein wenig, wenn man auf ihr kaut und die freigesetzten Aromen von Kirschen und Pflaumen sind umwoben von einer angenhemen, Merlot-typischen Würze.

Die saftige Aromatik im Mund  erlebt man um so überraschter, als die Nase zunächst eher schon auf das Alter hinweist; "erinnert ein wenig an gereiften Barolo" steht da in meiner kleinen Gladde zu diesem Wein geschrieben ; auch nasse Pappe, erdige Töne, Kartoffelkraut. Zu jeder Zeit ein Italiener !! Gute Länge, die leider etwas austrocknend auf dem Tannin endet. Wenn dieser Wein etwas differenzierter und komplexer wäre, würde eine deutlich höhere Punktzahl zu Buche stehen, denn die Anlagen (Struktur und Körper) sind sehr gut.

Drei Tage später eine weitere Flasche geöffnet und siehe da, diese Flasche ist etwas besser –  der Wein ist  ein wenig druckvoller und komplexer. Die sehr gute Saftigkeit und die immer noch strammen Tannine zeichnen auch diesen Desiderio aus. Auf Grund der erhöhten Komplexität und Finesse zaubere ich diesmal 2 Punke mehr aus dem Hut.  — Für mich eine interessante Erfahrung — ein Wein mittleren Alters innerhalb von drei Tagen zweimal getrunken und mit leicht unterschiedlichen Wertungen, da die Flaschen eine ähnliche, aber nicht die gleiche Qualität zeigten

2000 Brenneis-Koch – Nemesis

86 Punkte – Was für eine wilde Cuvee für deutschen Rotwein: Nebbiolo, Merlot und Syrah und doch ist der Nemesis 2000 vom Weingut Brenneis-Koch aus der Pfalz eine Bereicherung für den interessierten Weintrinker. Die Nebbiolofrucht ist deutlich erkennbar: verwelkte Rosenblätter, rote Beeren, etwas Unterholz; dazu ein feine Würze vom Syrah und  aus dem Holz sowie eine dezente Geschmeidigkeit vom Merlot (?). Das ist kein wirklich grosser Wein, aber ein Wein, der die Hand zum Glas gehen lässt und der aufgrund seiner Eigenart und vorhandenen Vielschichtigkeit Gesprächsstoff bietet. Einige werden sagen, dass er zuviel Säure besitzt oder unharmonisch in seinen Aromen ist – dem kann ich nicht 100%ig widersprechen, trotzdem bekommt er von mir 86 Punkte, weil er wirklich vielschichtig und animierend ist.

Reise nach Südtirol und Piemont – Tag 3

Sonntag 11.11.2006

Der nächste Tag ist etwas hart, frühes Aufstehen, dafür sind deutlich weniger Leute auf dem Weinsalon und man endlich wieder ausreichend Gelegenheit die Weine in Ruhe zu verkosten und ein paar Worte mit den Winzern zu wechseln. Abends sind wir im Hidalgo – für uns immer soooo schön bequem, weil wir nach einem schönen Abend nur die 50 Meter zu Fuss zu unserer Pension laufen müssen, um mit wohl gefülltem Bauch ins Bett zu fallen. Getrunken haben wir einen wunderbar dichten und kraftvollen Sylvaner ?Alte Reben? von Andreas Huber aus dem Eisacktal (89 Punkte) zur Einstimmung und der Vorspeise. Dieser Wein ist nach österreichischem Vorbild gemacht: stoffig und kraftvoll; mit Substanz, viel Extrakt und Zug am Gaumen, gleichzeitig tief, mineralisch und mit hervorragender Frucht (Birne, weißgelbe Früchte, Apfel, Kamille) – ein F.X. Pichler würde sein wahre Freude haben und ihn wahrscheinlich auch nicht viel anders vinifizieren. Anschließend gibt es einen 96er Bruno Giacosa Barbaresco Asili Riserva (93 Punkte), Frucht von roten Beeren (in der Nase auch Kirschwasser), zu Beginn etwas Kleber, ein Hauch von Rosen und Waldboden sind Assoziationen, die diesen Wein mit festem Körper, aber inzwischen relativ geschmeidigen Tanninen beschreiben.  

Nach einem als Abschluß gedachten Glas Rum, möchte mein lieber Freund Bernd noch einen 86 Vega Sicilia trinken, nachdem Carlos, der Sommerlier ihm den Mund wässrig gemacht hat, aber aufgrund der forgeschrittenen Zeit einigen wir uns auf die zweite Empfehlung und bereuen es nicht, ein 97er Rosso Venezia Giulia (Merlot) von Gravner (91 Punkte) aus dem Friaul, diesem ?bekloppten? Winzer, der auch mal seine Weine in Amphoren verbuddelt und in der 2007er Ausgabe des Gambero Rosso Winzer des Jahres geworden ist ? passt so schön zur ?Rückkehr zu alten Traditionen und dem terroir?. Dieser damals mir ?nur? 12% vol. Alkohol ausgestattete Wein bereitet jetzt so viel Trinkvergnügen, weil er tänzelt und Eleganz ausstrahlt. Sehr kühle, feine Aromatik, geschliffene Tannine, ein schönes, zartes Fruchtspiel mit Nuancen von reifen Kirschen, Cassis und einer feiner Kräuterwürze. Lang im Abgang, ebenfalls zart und elegant.

1999 Eugenio Collavini – Merlot dal Pic

88 Punkte – Dieser Wein ist ein Hammer …. zumindest in der Ausstattung, wohl die schwerste 0,75er Flasche, die ich jemals in der Hand gehalten habe. Aber es passt zu diesem modernen Betrieb, der auch unverblümt moderne Kellertechnik wie Vakuum-verdampfer einsetzt. Das Ergebnis scheint hier zumindest die Anwendung zu rechtfertigen.

Der Wein stammt von den Hügel-/Bergspitzen der eigenen Weinberge;  es handelt sich dabei um überwiegend 25-30 Jahre alte  Rebstöcke. Erstaunlich ist der lt. Weingut angegebene Verschnitt aus teiweise französischen Merlot-Klonen und dem im Friaul bekannten Merlot dal Peduncolo Rosso. Ich kenne zwar nur die Rebsorte Refosco dal Peduncolo, aber grundsätzlich soll man dem Winzer glauben … zum Wein:

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