1994 bis 2004 Chateau La Tour de By – Medoc

10 Jahre Chateau La Tour de By

 

Vorab: Dies ist ein Bordeaux für Einsteiger mit einem sehr guten PLV (ca. € 13,-)

 

Abseits der üblichen Touristenwege liegt dieses Chateau im kleinen Ort Bégadan. Der Name des Weingutes leitet sich vom ehemaligen Leuchtturm von By ab, der 1825 aus den Mauerresten einer Getreidemühle errichtet wurde und fortan der Schiffen auf der Gironde den richtigen Weg wies.  Unweit davon, direkt am Flussufer, auf einer Kieskuppe liegt das Herrenhaus und Weingut Chateau La Tour de By. Man schaut auf eine bewegte Vergangenheit. 1599 gehörte das Lehen „de By“ noch Pierre Tizon; es blieb im Familienbesitz bis 1725 als es an den Grafen Louis de Gramont verkauft wurde. Die nachfolgenden Besitzer waren die Herrn de Lignac. Im Jahr 1860 wurde es schließlich von Alfred Rubichon erworben, der 1876 das heutige der Gironde zugewandte Château La Tour de By errichten ließ. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß das Weingut noch „La Roque de By“ – unter diesem Namen wird heute der zweite Wein des Hauses vermarktet.

 

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts erwarb Julien Damoy das Weingut. Die nötigen finanziellen Mittel hatte er im Lebensmittelhandel in Paris verdient. Seine Nachfolge trat sein Schwiegersohn Chaumont aus Burgund an, der das Weingut auch bis 1961 – als es an den Abgeordneten Kaskoreff verkauft wurde – geführt hatte. Nur vier Jahre später wurde es erneut verkauft. Ein paar Nordafrikaheimkehrer waren auf der Suche nach preislich und qualitätsmäßig interessantem Terroir und wurden hier fündig. Die Herren Lapalu, Cailloux und Pages sorgten für die Wiedergeburt dieser Lage im nördlichen Medoc. Seit 1999 sind Marc Pages und seine Kinder die alleinigen Besitzer von Chateau La Tour de By. In vier Jahrzehnten hat es Marc (als ehemaliger Absolvent der landwirtschaftlichen Hochschule in Tunis) und seine Familie verstanden, das Cru Bourggeois Weingut auf den Level eines Grands Crus zu hieven.

 

Heute bewirtschaftet man 74 ha Rebland, wovon ca. 65% mit Cabernet Sauvignon, 30% mit Merlot, 3% mit Cabernet Franc und 2% mit Petit Verdot bestockt sind. Der Ausbau der Weine erfolgt in Eichenholzfässern, wovon ca. 30% pro Jahrgang neu angeschafft werden. Aus der Not machte Marc eine Tugend. Als zu Beginn der 70er Jahre die Weine schwer verkäuflich waren und die Bordelaiser negociants die Weine nicht abnehmen wollten, brach er mit dem für Bordeaux typischen Handelssystem und baute seine eigene Vertriebsstruktur auf. So werden heute über 1.000 Restaurants in Frankreich direkt beliefert und über 5.000 private Weinliebhaber sorgen dafür, dass die ca. 40.000 produzierten Kisten auch ihre Abnehmer finden.

 

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1996 Sociando Mallet, Haut Medoc

92 Punkte – Wow – was für eine schöne klassische Ausgabe eines Bordeaux. In dieser Qualität für mich schon ein wenig überraschend, eine hervorragende Konzentration, dicht, mit Druck, ausdrucksvolle Frucht (Cassis, Walfdrucht, mit Mineralik, einem Hauch Bitterschokolade und vielem mehr), dunkel, das Holz sehr gut integriert, herrlicher Körper, kompakt und bei aller Kraft sehr schön balanciert – Frucht, Tannin und  Säure harmonieren sehr gut, klasse Länge.  Für dieses Geld einen solchen Bordeaux, da ist die (Preis-) Welt noch in Ordnung.