Ein Weinabend mit Freunden / Schäfer-Fröhlich, Deiss, Stodden, Le Cedre und Vin Santo von Felsina

Nachdem ich die 400km von Düsseldorf nach Hamburg einmal mehr "gefressen" habe, kamen meine Freunde Andreas und Mathias zum "Männerabend" vorbei. Mit Brot. Käse und ein paar Flaschen Wein machten wir uns einen netten Abend.

Der Startschuss fiel und ein 2005 Schäfer-Fröhlich, Felseneck Großes Gewächs – Nahe (89 Punkte) kam ins Glas. In der Nase ein recht deutlicher Schwefelböchser, dahinter viel Mineralik und eine frühe (zu frühe) Petrolnase, die (noch dezent) zum Vorschein kam. Am Gaumen dicht, fest gewoben, straffer Zug, kräutrige Mineralik. Wenig Frucht, dafür viel Mineralik, fest, ein Wein zum Beißen. Schöne, tragende Säure, mittlere Länge. Wenn man den Schwefelböchser zu Beginn (wird mit viel Luft etwas schwächer) ein wenig ausblendet, hat er momentan die 89 Punkte verdient; künftiges Entwicklungspotential hat er meiner Meinung nach nicht.

Ein ganz anderer Stil war der nun folgende 2001 Grünspiel, Marcel Deiss – Elsass (92 Punkte). Ein gemischter Satz  von Gewürztraminer, Riesling und Pinot Noir – goldgelb im Glas, mit opulenter Nase von kandierten (exotischen) Früchten, Orangenzesten, aber auch blütigen Noten; dahinter ein Hauch grüne Walnuss. Ein dichter Schmeichler mit ausladender Aromatik, aber ohne jede Gefahr zu sehr in die Breite zu gehen. In seiner Jugend wirkte er mineralischer, dafür hat er jetzt an Tiefe und Substanz zugelegt. Die schöne Säure bildet ein gutes Gegengewicht, sodass man einen intensiven, aromatischen Wein genießen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass man schon nach dem ersten Glas satt ist. Der Wein ist nicht ganz trocken, aber die Süße ist bestens integriert und der Grünspiel 2001 hat Potential für viele Jahre.

Weiter ging es mit dem ersten Rotwein, einem 2003 Recher Herrenberg Auslese JS ***, Stodden – Ahr (88 Punkte). In der Nase kräutrig, holzgeprägt, mit leicht gemüsigen Anklängen. Am Gaumen kühl, recht fest, mit roter Beerenfrucht, leider etwas säuerlich und hinten heraus stören etwas die grünen Holztöne. Die 88 Punkte bewerten insbesondere das Potential, vorausgesetzt der Wein verliert noch die grünen Holznoten. Da die Frucht ausreichend kräftig ist und der Wein auch an diesem Abend mit zunehmender Luftzufuhr die Holznoten etwas verliert, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen leider weitere 3-4 Punkte abgezogen werden. Positiv ist der schöne Biss und die durchaus feine Mineralik, die die Recher Herrenberger Auslese *** erkennen lässt.

Der zweite Rotwein kam aus Frankreich: 1998 Le Cedre, Chateau du Cedre – Cahors (92 Punkte). Diese reinsortige Malbec ist schon etwas Besonderes. Inzwischen hat er zehn Jahre auf dem Buckel und er befindet sich wohl in seiner ersten Reifephase. Im Glas ein komplexer Aromenstrauss mit vielen Früchten und einem Hauch von Nelken, dabei erstaunlich kühl und harmonisch. Mittlerer Körper, kein Alkoholmonster, sondern enorm trinkig und mit schöner Länge am Gaumen.

Den Abschluss dieses Weinabends zu dritt, bildete einer meiner liebsten Weine überhaupt, der 1988 Vin Santo von Fattoria di Felsina – Toscana (98 Punkte)  – Die Notiz aus dem August 2005 stimmt noch zu 100% – http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=46

2002 Marcel Deiss – Schoenenbourg

94 Punkte – (Riesling; aus der Grand Cru Lage Schoenenbourg, die seit dem Mittelalter bekannt ist, südliche Exposition, starke Hangneigung mit Regenbogen und Gipsmergel des Keuper, teilweise überlagert von Sandstein, also eine Kombination aus lockeren Böden auf einem fruchtbaren Lehm-Unterboden mit guter Wasserspeicherung). Zum Wein:

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2001 Marcel Deiss – Altenberg

93 Punkte – (alle traditionelle Rebsorten des Elsass zzgl.Chasselas rose; Grand Cru Lage inmitten eines Feldes von geologischen Verwerfungen, wo harte Böden des Jura und Mergelböden des Lias aufeinandertreffen. Die Reben stehen so auf einem roten, eisenhaltigen Ton-Kalkboden, der sie zwingt tief zu wurzeln. Der Altenberg zeigt eine absolut südliche Ausrichtung und ist äußerst warm und trocken. Die häufig durch Edelfäule verstärkte Reife der Trauben ist außergewöhnlich, wobei die Lage hier klar die gemischt angebauten Rebsorten in ihrem Charakter dominiert.) Zum Wein:

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2001 Marcel Deiss – Gruenspiel

92+ Punkte – (Mischpflanzung aus Riesling, Pinot Noir und Gewurztraminer; eine nach Süden ausgerichtetes Amphietheater, oberhalb der Grand-Cru-Lagen von Riebeauvillé – an der Oberfläche Sandstein und der für das Elsass so typische Granit, darunter Keuper-Mergel)

Komplexe Nase, nicht ganz so dicht und "schwer" wie der Burg, dafür glockenklar – schon jetzt

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2001 Marcel Deiss – Burg

92 Punkte – (Mischpflanzung aller traditionellen Elsässischen Rebsorten; Tonmergelschichten mit stellenweise kalkhaltigen und fossilienreichen Knollen bilden hier einen eher tiefgründigen Lehmboden; südliche Exposition mit mittlerer Hangneigung)

Ausladende Nase, fett, fast parfümig, trotzdem

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2002 Marcel Deiss – Grasberg

90 Punkte – (Riesling, Pinot Gris, Gewürztraminer; "dieses nach  Nord-Osten ausgerichtete Terroir befindet sich in ca. 340 Metern Höhe auf dem Gipfel des Grand Cru  Altenberg und ist geprägt von dem mageren Kalkboden des ‚Großen Oolith‘." – aus der Originalweinbeschreibung des Weingutes) Man erklärt uns, dass trotz der Nord-Ost-Ausrichtung es genügend Wärme und Sonnenstrahlung gibt, es handelt sich um das trockenste und nährstoffärmste Mircoklima unter allen Cru-Lagen, sodass die Wurzeln hier besonders tief nach Nahrung und Wasser suchen. Zum Wein:

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Domaine Marcel Deiss – ein paar Worte zur Domaine

Jean-Michel Deiss geht seinen persönlichen (=einen uralten, aber fast vergessenen elsässischen) Weg, d.h. nahezu alle  Premier und Grand Crus stehen als Mischsatz im Weinberg. Das Ziel dabei ist, nicht die Aromen der  Rebsorten sollen die Typizität des Weines prägen, sondern das spezifische und großartige Terroir der einzelnen Cru-Lagen  soll den Ausdruck jedes einzelnen Weines bestimmen. Dazu verzichtet Jean-Michel Deiss auch auf die "Segnungen" der modernen Weinindustrie, d.h.  Pestizide im Weinberg  oder  Enzymzugaben bei der Weinbereitung sind ebenso verpönt wie das Chaptalisieren, man setzt vielmehr auf natürliche Hefen und biodynamischen Anbau.

Das Ergebnis sind großartige Weine, mit Eigenschaften wie:  Extraktreichtum, Terroircharakter, Mineralität, Langlebig-keit, Noblesse und Eleganz. Das Wort "Kultwein" geht mir persönlich äußerst schwer über die Lippen, aber trinkt man die Weine von Jean-Michel Deiss kommt es einem fast zwangsläufig in den Sinn. Unsere Verksotung wurde von einem charmanten, wie kompetenten Mitartbeiter der Domaine begleitet und wir hatten Gelegenheit alle aktuellen Wein zu verkosten. (12.09.2005)