2002 Riesling Deutschland Große Gewächse

2002 ist ein Jahrgang in dem zahlreiche große Gewächse Ihr Adjektiv „groß“ auch verdienen. Aber ich denke, es sind nicht nur die Bedingungen des Jahrgangs, die dafür gesorgt haben, dass unsere Verkostungsrunde so viel Spaß an diesem Abend hatte – vielmehr war auffallend, dass die Alkohol-Gradiationen sich noch in einem erfreulichen Mittelmaß bewegten und die Winzer Ihre Boliden nicht „überzüchtet“ haben.

Riesling Große Gewächse Deutschland 2002 – mein Fazit: Toller Jahrgang, der große Rieslinge hervorgebracht hat, die jetzt  – nach 10 Jahren Reife – als Persönlichkeiten mit ausgebildetem Charakter, Stil und Eleganz (zumindest gilt dies für einige) aufwarten. Meine Einschätzung zum Jahrgang 2002 nach einer Probe im Jahr 2005 hat sich bestätigt:  „Imho sind alle Weine unter ihren Möglichkeiten geblieben. Gerade die mineralischen Weine sind so etwas von zu, dass man wenig Freude hat;  die eher fruchtbetonten besitzen noch Charme und konnten entsprechend etwas höher punkten, trotzdem auch sie unter ihren Möglichkeiten – Gleiche Probe in 3 Jahren und wir werden deutlich höher punkten“ (http://weinwelt.blogg.de/2005/05/28/riesling-2002-at-its-best-jahrgangsprobe-bei-ole/). – Anmerkung der Redaktion: Hier zeigt sich der Nutzen eines Weinblogs deutlich 🙂

Lieber Ole, herzlichen Dank fürs Sammeln, die tolle Gastlichkeit und Deine Großzügigkeit nach so vielen Jahren wieder eine 2002er Probe auszurichten.

Exkurs: Ein anderes Phänomen war an diesem Abend noch zu beachten: wenn sich mehr oder weniger alle Verkoster von Anbeginn über die sehr gute Qualität der Weine einig sind, kommt ein gruppendynamischer Prozess in Gang, der letztlich zu einer gewissen Überhöhung bei der Bepunktung führen kann, denn keiner will bei solchen Qualitäten gerne das Haar in der Suppe finden bzw. sein.

2002 Riesling Forster Ungeheuer GG, Weingut Mosbacher – Pfalz

93 Punkte – Über die Jahre mehrfach getrunken, immer wieder mit konsistent hohen Punkten (http://weinwelt.blogg.de/2005/05/06/2002-geoerg-mosbacher-riesling-spatlese-ungeheuer-forst-groses-gewachs/). Auffallend seine goldgelbe Farbe und sein klarer, opulenter Duft nach gelben Früchten.    Auch exotische Fruchtanklänge, dann viel Aprikose und Pfirsich; die Reife steht ihm gut. Die kräftige Säure ist perfekt integriert und ein wichtiger Baustein im gelungenen Spiel dieses Weins. Der 2002 Ungeheuer erzeugt heute ein weiches Mundgefühl, besitzt aber viel innere Spannung, ist feinwürzig und die Mineralik spielt im Hintergrund ein perfektes Spiel. Vor Jahren war diese noch deutlich vordergründiger und tonangebend. Eines war dieser Wein immer – ein richtig großes Gewächs und für mich der Quell meiner Entscheidung, mir jedes Jahr ein paar Mosbacher Weine hinzulegen, auch wenn in nachfolgenden Jahrgängen meine Entscheidung ein paar Mal erschüttert wurde.

2002 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken, Koehler-Ruprecht – Pfalz

90 Punkte – Goldgelbe Farbe; zu Beginn ein Hauch Petrol und Tapetenkleister, dann eher blumig und kräutrig, getrocknete Früchte. Am Gaumen ein etwas ungewohntes Aromenbild: grüner und schwarzer Tee, herbe Kräuter, Kirschkerne, getrocknete helle Früchte, keine Süße, Tanninunterstützung (von längerer Maischestandzeit?) ist erkennbar. Typisch gerader Philippi-Ansatz (der bitte!! nicht mit dünn zu verwechseln ist), braucht Luft zum Atmen und Entfalten, ggf. dekantieren (2005 hatte ich ihn bei 88 Punkten, was auch die Konsenspunkte an diesem Abend war).

2002 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätlese trocken, Leitz – Rheingau

92 Punkte – Helles Goldgelb mit noch dezent grünlichen Reflexen. Nase: Feine Pfirsich- und Aprikosenaromen, dazu ein Hauch von Anis und anderen Kräutern.  Am Gaumen erste elegante Reifetöne, für sein Alter aber noch sehr frisch. Vom Mundgefühl her weich, tief und kühl; insgesamt geschmeidig und elegant. Dieser 2002er Riesling ist  ausgewogen und die schöne, frische Säure ist hervorragend eingebunden und animiert zu nächsten Schluck. Die roten Schiefer- und Quarzitböden im Rüdesheimer Berg Schlossberg sind der Quell für die mineralische Ader in diesem Riesling und verleihen ihm eine schöne Komplexität.

2002 Forster Pechstein, Bürklin Wolf – Pfalz

92 Punkte – Tiefes goldgelb, wirkt bereits in der Nase extraktreich, kraftvoll und dicht. Satte gelbe Frucht, Kräuter, ein Touch Botrytis vielleicht, edel gereift. Am Gaumen ebenfalls dicht und satt; aromatische Tiefe; sehr schöner Schmelz. Ein ungemein dicht gewobener Stoff, der auch nach 10 Jahren Zeit und Luft braucht, um sich zu entfalten. Das Aromenrad geht auf wie ein Pfauenrad und beeindruckt mit seinen schillernden Farben (ein Potpourrie an allen erdenklichen gelben Früchten; Waldhonig). Auch insgesamt wirkt der 2002 Pechstein pfauenhaft: stolz, bunt und auch ein wenig angeberisch. Der Wein nimmt den Raum voll für sich ein – und trotz aller Dichte und Üppigkeit ist er klar und mit ausreichend Säure ausgestattet, sodass er nicht überladen oder gar mastig wirkt. Dieser Riesling weiß wirklich zu beeindrucken – nicht zuletzt mit seiner Länge. Trotz allen Lobes hat er mich irgendwie nicht berührt und die 92 Punkte sind vielleicht ein wenig ungerecht.

2002 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer

94+ Punkte – Farbe mitteldichtes Zitronengelb mit grünlichen Reflexen.  Eines deutet sich schon in der Nase an – dieser Wein ist glockenklar, pur und rein! In der Nase wirkt der Wein erstaunlich jung und frisch, schöne ätherische Noten, dazu Orangenschalen; frische, (vielleicht noch etwas unreife) gelbe Früchte. Auch am Gaumen erfrischend jung – wo sind die 10 Jahre? Innere Kraft, feinstes Ballett – hohe Kunst sieht immer perfekt und leicht aus, die ungemeine Anstrengung bleibt verborgen – so auch bei dieser fantastischen, trockenen Riesling Auslese. Diese Ballerina tanzt klar und höchst präzise, trotzdem oder gerade deswegen mit höchstem künstlerischem Ausdruck; hohe Mineralik; perfekte Säure; tief, sehr tief und klar in der Aromatik. Ein Weinfreund drückte es so aus: „der Gegenentwurf zu Bürklin-Wulf“. Großer Stoff, mit viel Eleganz und hervorragender Länge.

2002 Königsbacher IDIG Riesling GG, Weingut A.Chrsitann – Pfalz

93 Punkte – Tiefes Goldgelb, reife Noten von gelben Früchten aus aller Welt, Ananas, Mango, Pfirsich; erinnert mich etwas an beste Wachauer Smaragde. Am Gaumen bestätigt sich dieser Eindruck, viel Stoff, kraftvoll und dicht – dabei straff und mit deutlich mineralischer Note. Dieser tolle IDIG ist jetzt in einem perfekten Trinkfenster – er zeigt seine Muskeln (viel Extrakt); die satte gelbe Frucht passt gut zur zupackenden Säure und salzigen Mineralität. Im Abgang Anklänge an Karamell und Minze sowie ein zartes „Bitterle“, gute Länge.

2002 Monzinger Halenberg Riesling Auslese trocken, Emrich-Schönleber – Nahe

94 Punkte – sehr viel frische Kräuter, helle Früchte, etwas Limette, wirkt animierend. Am Gaumen packt er zu und lässt nicht mehr los, der Wein ist straff und fordernd. Kraftvolle, fast beißende Mineralik, viel Kräuter, Limette, sehr komplex. An der Säure schieden sich unter den Verkostern an diesem Abend die Geister. Ich empfand sie als pikant, aber perfekt eingebunden zu diesem Wein. Das GG aus dem Halenberg von Emrich-Schönleber ist für mich ein Paradebeispiel, wenn es um Lagentypizität  und einer Jahr für Jahr wiederkehrenden Aromatik geht. Tolle Länge – einfach großer, trockener Riesling.

2002 Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken – Weingut Künstler- Rheingau

50 bzw. 93 Punkte (für die Goldkapsel) – Was für ein Desaster!! Dieser Wein diente einst als „Versuchskaninchen“ für alternative Verschlüsse. Fazit: Total unbrauchbar. Der Wein war superreif in der Farbe, am Gaumen und in der Nase mehr Möbelpolitur als Riesling. Ein paar Tage später habe ich zu einer Weinprobe bei meinem lieben Freund Helmut eine Flasche 2002 Hochheimer Hölle Riesling Goldkapsel trocken mit Naturkork geöffnet, was war das für ein Paradewein: fester, dichter zupackender Riesling mit viel Format und Körper, einer superschönen und bestens integrierten Säure sowie einer massiven Mineralik. Ein Wein zum „Ablutschen“, richtig schöne Länge, viel Genuss.

2002 Dalsheimer Hubacker Riesling GG, Weingut Keller Rheinhessen

95 Punkte – Frische mittelgelbe Farbe. In der Nase überraschend jung, straff und sehr klar. Vor etwas über einem halben Jahr „nur“ mit 92 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/2011/12/04/2001-2010-hubacker-groses-gewachs-vertikalverkostung-weingut-keller-rheinhessen/ ). Bei dieser Verkostung stand er in einem anderen Kontext und seine Stärken konnte er voll ausspielen. Tiefe Aromatik bereits in der Nase animierend und noch jung wirkend. Am Gaumen wunderbar tief, straff und mit tollem Spannungsbogen, stets druck- und kraftvoll, mit Zug und herrlicher Mineralik. Entscheidend für die Größe dieses Weines dabei ist, dass er zu jeder Zeit nicht nur mit seinem vielschichtigen Ausdruck überzeugt, sondern stets Noblesse und Eleganz zeigt. Bleibt lange, ganz lange am Gaumen. Der Wein wird sich auf diesem Niveau noch für lange Zeit etablieren.

2002 Kiedricher Gräfenberg Riesling Spätlese trocken, Robert Weil – Rheingau

 88 Punkte – Für mich ist Weil bei den Ersten Gewächsen erst Mitte der 2000er aus dem Knick gekommen. Auch dieses Mal blind verkostet und für nett empfunden, aber eben nicht zwingend. Die Nase wirkt immer noch spontan vergoren (?? Wie soll das gehen?? ), Anklänge an Apfelmus, Steinmehl und Schießpulver, aber auch wenig stichig (Erbrochenes). Insgesamt sehr jung, frisch und würzig; weiches Mundgefühl, noch recht deutliches Zuckerschwänzchen, hinten heraus  bricht die kräftige Säure durch, insgesamt etwas zu brausig (Limonade) und mir nicht harmonisch genug für ein Erstes Gewächs einer solch großen Lage.

2002 Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling Spätlese trocken, Dönnhoff – Nahe

86 Punkte – in 2002 noch als Spätlese trocken abgefüllt, in nachfolgenden Jahrgängen als Grosses Gewächs auf die Flasche gekommen. In der Nase eher verhalten, aber sehr klar, mit Reifenoten.  Am Gaumen ein Spiel von Citrusaromen; englische Zitronenmarmelade; wirkt sehr kühl und klar, aber mit der Harmonie ist es nicht (mehr?) weit her, denn der Wein hat eine „pikante“ Säure (am Tisch wurden deutlichere Worte dafür gefunden). Insgesamt schlank, klar und von der Mineralik getrieben. Sollte ausgetrunken dringend ausgetrunken werden.

2002 Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling QbA (!?) trocken, Dr. Crusius Nahe

79 Punkte – Eigentlich sind die Crusiusweine für mich jedes Jahr eine Bank. Aber genauso wie Dönnhoff in 2002 hat auch bei Crusius dieser Riesling ein Säurethema.- auch hier steht sie spitz außen vor. Dazu kommt die Aromatik, die zu Beginn etwas an jodhaltigen Tang erinnert und recht medizinal wirkt. Dazu kommen Anklänge an Weihrauch und Puder. Am Gaumen einfach kein Vergnügen, auf Grund der Säure fast ein Angriff auf die Gesundheit. Wie sich dann allerdings beim „Öffnen“ der Blindprobe herausstellte, war’s nur der „einfache“ QBA – der sollte in jungen Jahren getrunken werden und war hier einfach alt und verloren.

2002 Großkarlbacher Burgweg Riesling Spätlese trocken, Knipser – Pfalz

87 Punkte – zu Beginn recht verhaltene Nase, leichte Wachsnoten, später auch Kräuter. Am Gaumen zeigt er eine ordentliche gelbe Frucht, Apfel, Heu und Citrusfrüchte. Überraschend weich am Gaumen, hinten heraus leider etwas zu kurz. Sollte dringend ausgetrunken werden.

2002 Bremmer Calmont Riesling Calidus Mons, Weingut Franzen Mosel

93 Punkte – Eine wahre Freude dann noch mal zum Abschluss der Verkostung; der Calidus war in Form und schmeckte mir überaus gut. In der Farbe eher hellgelb – ohne Spuren von Alter. Komplexe, anspruchsvolle, aber auch verspielte Nase mit Noten von Weihrauch, einer feinen kräutrigen Würze und dezenten Wachsnoten.  Ein Steinwein kündigt sich an. Im Mund wunderbar frisch, klar und reintönig, druckvoll und mit ausgezeichneter Mineralität sowie einer feinen Würze (Muskatnuss), dabei sehr ausgewogen. Die tolle Länge rundet diesen ausgewogenen Riesling herrlich ab. Ein würdiges Denkmal für den tödlich im Weinberg verunglückten Reinhold Franzen.

2003 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Alte Reben Spätlese trocken, Weingut Leitz – Rheingau (Ski 1)


88 Punkte – Läuft bereits mit hoher Viskosität ins Glas; die Nase ist dominiert von gelben und exotischen Früchten; aber auch Anklänge an Nüsse und Pfeffer sind zu finden. Am Gaumen spiegelt sich die hohe Viskosität wider, der Wein wirkt weich und seidig, fast ölig. In der Aromatik erinnert er mich an eine schöne Obsttorte, die einen (vielleicht zu) kräftigen Gelatineüberzug mit auf den Weg bekommen hat. Am Tisch fiel die Aussage: „ Ein Riesling im Gewand eines Weißburgunders“ – ein gutes Fazit für diesen Riesling, der jahrgangsbedingt „anders“ als in sonstigen Jahrgängen ausgefallen ist. Für mich stellt sich am Ende die Frage (analog zu vielen 2006er Weißweinen aus Österreich): Kann dieser Wein noch Altersschönheit entwickeln oder wird er in 2,3 oder 4 Jahren einfach durch sein.  

Wenn man Leitzweine kaufen möchte, sollte man beachten, dass weder eine Weingutsbesichtigung noch ein Ab-Hof-Einkauf möglich sind. Da Josi (Josef) Leitz große Teile seiner Produktion ins Ausland verkauft, kann man diese Politik unter Effizienzgesichtspunkten verstehen, andererseits empfinde ich diese Methode als arrogant gegenüber den Weinliebhabern und Konsumenten, die letztlich seine Existenz sichern.  Aber letztlich sind die Menschen frei und das Urteil fällt der Markt. 

Mövenpick Jubiläumsverkostung – Teil 1 – Deutschland 2007

Anlässlich des 60. Geburtstages von Mövenpick war die monatliche Verkostung in der Düsseldorfer Filiale gleich doppelt besetzt. Einerseits konnte die Neuzugänge aus Deutschland verkostet werden, andererseits kam im Rahmen der eigentlichen Jubiläumsverkostung   der High-End-Bereich des Sortiments ins Glas. Die schöne Sache bei Mövenpick finde ich nach wie vor, dass man für jedes Glas einzeln bezahlt und so am Ende nicht in der misslichen Lage ist, kaufen zu müssen, um auch beim nächsten Besuch noch den Verkäufern in die Augen schauen zu können.

Da ich Teile der Jubiläumsverkostung schon bei den Themenproben kennen gelernt hatte, habe ich mich auf Deutschland 2007 konzentriert. Leider habe ich nicht das volle Programm geschafft, da ich nur einen Abend dabei sein konnte. Die angegebenen Preise sind Mövenpick-Preise.

Richtig gut ging es los mit dem 2007 Blauschiefer QbA trocken von Dr. Loosen (85 Punkte) – Mosel – das ist ein Zechwein der allerbesten Sorte, frisch, geradlinig, mit mineralischen Anklängen, dabei in sich stimmig und unglaublich lecker. Für Euro 8,90 der ideale Begleiter durch diesen Sommer.

Einen Euro teurer, aber nicht besser der 2007 Saar Riesling, Fuder 13 von Van Volxem (83 Punkte) – Saar – zwar etwas dichter als der Blauschiefer von Dr. Loosen, aber zur Zeit sehr unruhig, alles steht irgendwie nebeneinander, Süße und Säure scheinen sich überhaupt nicht miteinander zu vertragen und die Saar-typische Mineralik kommt gar nicht erst zum Vorschein; ich glaube, das geht besser.

Ein anderes Kaliber ist die 2007 Niederberg Helden Riesling Spätlese trocken von Wilhelm Haag (88 Punkte)- Mosel. Das ist Moselriesling pur, verspielt, ein wenig tänzelnd, aber doch ernst zu nehmen, schönes Säure-Süße-Spiel; zur Zeit mit Aromen von Äpfeln und Weinbergspfirsich am Gaumen; dazu eine schöne Mineralik, die etwas kräutrige Aromen versprüht – und fertig ist ein schöner Riesling. Von dieser Sorte Wein trinkt man gerne ein zweites oder drittes Glas, da er eine Leichtigkeit besitzt, die beschwingt und trotzdem bietet er Stoff für den regen Meinungsaustausch. Auch der Preis verleitet den Spaß nicht, denn mit Euro 12,80 ist er angemessen bezahlt.

Die 2007 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken vom Weingut Fritz Haag (89 Punkte)- Mosel – legte dann noch eine kleine Schippe oben drauf und fand großen Anklang in der Runde. Zur Zeit steckt der Wein noch komplett in den Kinderschuhen, die Frucht ist ein wenig pausbäckig und erinnert eher an Limonade/Fanta, aber das Potential dieses Weines kann man schon riechen und schmecken. Ein paar Monate noch und der Wein wird aufblühen, sich ausdifferenzieren und so die nötige Eleganz entwickeln. Die Anlagen sind hervorragend, einerseits stoffig, dicht, andererseits nicht zu schwer und die schön eingebundene Säure puffert schon heute das kleine Zuckerschwänzchen hervorragend ab. Euro 17,90

Eigentlich mit drei Weinen vertreten, von denen ich aber nur zwei verkostet habe, war Emrich-Schönleber. Der erste hat mich ein wenig erschreckt, denn der 2007 Riesling "Mineral" QbA trocken vom Weingut  Emrich-Schönleber (85 Punkte) – Nahe –  kommt zwar mit seiner kräutrigen Mineralik gut vom Startblock weg, die Citrusaromen verleihen ihm eine schöne Frische, er ist sehr klar und zupackend, aber Abzüge in der B-Note versagen ihm bei mir eine höhere Bewertung: die Säure packt nicht nur zu, sie greift an! Euro 13,50

Das 2007 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese trocken vom Weingut Emrich-Schönleber (87-91?? Punkte) – Nahe – ist aktuell eigentlich nicht zu bewerten, denn ich habe selten einen so jungen Wein erlebt, der so wenig von sich preisgeben wollte. Auffällig ist auch hier, die etwas spitze Säure. Ansonsten habe ich den Wein beatmet, gelutscht und ihm so den einen oder anderen Laut abgerungen, aber außer von einer kräuterwürzigen Mineralik kann ich nicht ernsthaft berichten. Ich glaube, der Wein hat viel Potential, aber man wird sehen…….

Nun gab es ein kleines Intermezzo, der 2006 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling trocken von Josef Leitz (92 Punkte) – Rheingau –  kam ins Glas und der erforderte die volle Aufmerksamkeit und das nicht nur, weil er mit Euro 65 pro Flasche der teuerste deutsche Wein des Abends war.  Dieser Riesling  hat  mich  mit seiner Kraft und Wucht "gekriegt" – das ist ein Riesling Wachauer Prägung: Kraft und Saft, viel Schmelz, schöne gelbe Steinobstfrucht, Kräuter, aber auch etwas tabakige Noten, die den Abgang fordernd gestalten. Auffällig an diesem Wein ist das "Fett", dass er mit sich rumschleppt, dass aber aufgrund der Säure nicht anstrengend, gar plump oder überladen wirkt; letztlich trägt es diesen Wein bis in sein langes Finale. Schwierig ist, hier das Alterungspotential richtig einzuschätzen; wer genug Flaschen hat, bitte ausprobieren und berichten ;-)) Ansonsten eher in den nächsten 4-5 Jahren trinken. 

Es ging zurück zum aktuellen Jahrgang 2007. Der 2007 Riesling QbA vom Weingut Wittmann (82 Punkte) – Rheinhessen –bietet für seine Euro 9,80 mir deutlich zu wenig: er wirkt recht dünn, dadurch macht ihm die straffe Säure arg zu schaffen und die paar Citrusnoten hauen es dann auch nicht mehr raus. Eigentlich für einen Basiswein eines solchen Hauses zu wenig.

Hallo !! Ein ganz anderes Kaliber ist die 2007 Scheurebe QbA trocken vom Weingut Wittmann (87+ Punkte) – Rheinhessen. Schön trocken ausgebaut, mit viel Frische, nicht zu laut von den Aromen, sondern zartduftig, mit frischen, feinen Fruchtaromen (Johannisbeeren, Kiwi, etwas Minze). Recht fest im Biss und mit der Frische ihrer Jugend ist das ein geiler Wein für den lauen Sommerabend auf der Terrasse mit Freunden bei viel Spiel, Spaß und Spannung (für alles sorgt dieser Wein). Da die Scheurebe zum gleichen Preis (Euro 9,80) wie der Riesling QbA zu haben ist, gibt es keinen Zweifel, was man kaufen sollte. Jung trinken !!!

Nun ging es in die Pfalz. Der 2007 Forster Musenhang Spätlese trocken aus dem Hause Mosbacher (87 Punkte)- Pfalz. Dieser Riesling macht seinem Namen durchaus Ehre, denn er ist zartduftig, weiblich und ein wenig verspielt, aber auch eine Muse benötigt Durchsetzungskraft und so ist dieser Wein recht dicht und besitzt einen mineralischen Nachhall. Euro 14,90

Ab ging die Luzi !! Der 2007 Sauvignon Blanc vom Weingut Mosbacher (88+ Punkte) – Pfalz –  ist ein geradliniger, spritziger (im Stahl ausgebauter), unglaublich klarer und sauberer Sauvignon Blanc. Ich mag diesen frischen, knackigen, etwas grasigen  Stil mit Aromen von Pampelmusen, Johannisbeeren und Tannennadeln. Klar, straff, harmonisch und animierend – jung trinken!! Euro 11,90

Der dritte Wein aus gleichem Weingut war der 2006 Forster Ungeheuer Riesling GG vom Weingut Mosbacher (89 Punkte) – Pfalz. Etwas erschrocken war ich auf Grund der fortgeschrittenen Entwicklung dieses 2006er Großen Gewächses. Zu Beginn ganz leichter (Petrol-)Stinker, dann kandierte Früchte. Am Gaumen mit großer, saftiger Dichte; die von mir so geliebte Ungeheuer-Mineralik kommt beim 06er Jahrgang momentan leider nicht richtig zur Geltung. Stoffig, mit guter Säure, schönem Schmelz und einer eher gelbfruchtigen Steinobstfrucht ist das Ungeheuer vom Weingut Mosbacher sicherlich ein sehr guter Wein, aber die herausragende Größe anderer  Jahrgänge, die ich bei diesem Wein aus dem Hause Mosbacher schon erleben durfte (z.B. 2001), hat er nicht. Endet recht lang auf etwas tabakigen, leicht bitteren (aber nicht störenden) Noten. Kein Lagerjahrgang, in den nächsten 1-2  Jahren austrinken.

 

Nun folgten zwei Chardonnay, zunächst der 2007 Chardonnay Spätlese trocken vom Weingut Pfeffingen (87 Punkte) – Pfalz. Dieser sehr klare und frisch daher kommende Chardonnay ist für den baldigen Genuss hervorragend geeignet. Sehr sortentypisch, etwas blumig, ein Hauch von Nussigkeit, aber auch etwas würzige Anklänge, gelbe Frucht, klar und frisch. Ein schönes Ergebnis, oder sollte ich besser sagen Erlebnis, dass mit Euro 10,40 sehr fair bepreist ist.

Vom Stil ganz anders, da im Barrique ausgebaut, der 2006 Chardonnay „R“ Spätlese trocken von Hansjörg Rebholz (89 Punkte) – Pfalz. Sehr gut definierter Holz-Chardonnay, bei dem die Aromen aus dem Holz und Fruchtnoten sehr, sehr gut harmonieren und der Wein an Komplexität gewinnt. Insgesamt recht kühl, klar und sehr gut definiert. Ein breites Aromenspektrum  zeichnet dieses Chardonnay aus: Sahne; Vanille; gelbe Früchte; feine, nussige Würze. Ein sehr stimmiger, harmonischer Barrique- Chardonnay, der zum kräftigen Schweinebraten oder würzigen Hühnchen sicherlich hervorragend passt.

„Mövenpick Jubiläumsverkostung – Teil 1 – Deutschland 2007“ weiterlesen

Riesling 2002 at it’s best !? – Jahrgangsprobe bei Ole –

Mega-interessante Probe gestern bei Ole – Danke Ole !!
15 deutsche Top-Rieslinge des Jahrgangs 2002 standen an zum Verkosten. Imho sind alle Weine unter ihren Möglichkeiten geblieben. Gerade die mineralischen Weine sind so etwas von zu, dass man wenig Freude hat;  die eher fruchtbetonten besitzen noch Charme und konnten entsprechend etwas höher punkten, trotzdem auch sie unter ihren Möglichkeiten. Für mich aktuell ohne Wertung blieb der Schlossberg von Breuer, der Wein ist so etwas von zu, dass man glaubt, er existiert gar nicht, ich würde ihn vor 3-4 Jahren nicht wieder anfassen. Letztlich ging es uns allen ähnlich, man sucht, ahnt, schmeckt die mineralischen Ansätze – auch die große Klasse dieser Weine, aber sprechen – wirklich sprechen, sich offenbaren, das wollen sie  nicht. Besonders schwer hatte es auch der barrique-Riesling von Molitor, hier ist echte Klasse im Glas, aber das Holz ist aktuell so unbarmherzig, dass in diesem Wein alles nebeneinander zu stehen scheint. Große Anlagen! Bin gespannt, wie sich dieser barrique-Riesling in 5-6 Jahren präsentiert. Mein Fazit: Gleiche Probe in 3 Jahren und wir werden deutlich höher punkten. 2002 bringt wirklich große, sehr langlebige Weine hervor, die aber noch Zeit zur Reife benötigen.

1) 2002 Schloß Neuweier: Neuw. Mauerberg Goldenes Loch Spätl. tr. 12,5%
2) 2002 Horst Sauer: Escherndorfer Lump Auslese tr.  13,5%
3) 2002 Christmann: Mandelgarten Gimmeldingen Spätlese tr. GG 13%
4) 2002 Josef Leitz: Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätlese tr. 12%
5) 2002 Georg Breuer: Rüdesheimer Berg Schlossberg tr. 12,5%
6) 2002 Peter Jakob Kühn: Oestrich Doosberg  Erstes Gewächs 12,5%
7) 2002 Koehler-Ruprecht: Kallstadter Saumagen Auslese tr. 13%
8) 2002 Heymann-Löwenstein: Winniger Uhlen Blauflüsser Lay (1.Lage) 13%
9) 2002 Van Volxem: Wiltinger Braunfels Vols 12,5%
10) 2002 Wittmann: Westhofen Morstein Großes Gewächs 13%
11) 2002 von Othegraven: Kanzemer Altenberg Erste Lage 11%
12) 2002 Markus Molitor: Zeltinger Sonnenuhr ** Auslese tr. 12,5%
13) 2002 Andreas Laible: Durbacher Plauelrain "Achat" Stätlese tr. 13%
14) 2002 Rebholz: Birkweiler Kastanienbusch Spätlese tr. 12,5%
15) 2002 Emrich-Schönleber: Monzinger Halenberg Auslese tr. 12,5%

„Riesling 2002 at it’s best !? – Jahrgangsprobe bei Ole –“ weiterlesen