1999 La Porte du Ciel, Chateau de la Negly – Coteaux du Languedoc / „Ma(n)ifest Nr.13“

 

94 Punkte – ich war und bin ein großer Freund des La Falaise, diesem preis-WERTEN Wein von Jean Rosset, dem Eigentümer von Chateau de la Negly. Seine „Himmelspforte“ spielt deutlich eine Liga höher, aber der Top-Zuschlag für das Trinkvergnügen in der Champions League ist doch erheblich.

Tief und fast schwarz steht der Wein im Glas. Immer wieder fasziniert mich bei dieses Weinen aus dem Süden Frankreichs (La Clape) die Kombination aus hohem Alkohol und der eher kühlen Stilistik am Gaumen und in der Nase. Auch die 99er Himmelspforte hat laut Etikett 14,5% Alkohol (tatsächlich wohl eher noch einen Schnaps mehr), verführt aber gleichzeitig mit ihrer kühlen Art. Die Aromatik ist geprägt durch eine tiefe, saftige Frucht mit viel Lakritz- und Kräuternoten, dazu etwas Schokolade und Kokos (wohl vom Fassausbau), Brombeeren, Minze und Menthol. Der Wein besitzt eine dezente Bitternote, die jedoch nicht aus unreifen Tanninen oder dem Holz kommt, sondern wohl eher dem Boden zuzuschreiben ist. Die Tannine sind herrlich weich und feinkörnig und der Wein hinterlässt einen langen, samtigen Eindruck am Gaumen.

2001 Hardiesse Pic Saint-Loup, Chateau Valflaunès – Coteaux du Languedoc (Ski 2)


92 Punkte – Was für ein Paukenschlag, wenn man die Nase in ein mit Hardiesse 2001 gefülltes Weinglas hält. Eine so intensive Kräuteraromatik kenne ich ansonsten nur von Kräuterlikören, aber hier entfaltet sich im Wein ein Aromenstrauß von Garrigue, Thymian, Rosmarin, Chinarinde und süßer Lakritze – erinnert mich insgesamt ein wenig an Barolo Chinato, diesen mit bis zu 70 Kräutern „veredelten“ Wein aus dem Piemont. Die Kombination aus Süße, Kräutern und Gewürzen wirkt fast berauschend, man möchte die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen.  Am Gaumen wirkt der Wein einerseits kühl (Noten von Eukalyptus und Menthol), anderseits zeigt er eine explosive, sehr extraktsüße Beerenfrucht, vermählt mit Noten von Chilischokolade und weißem Pfeffer. Durch die geschmeidigen Tannine und die ausreichende Säure ist dieser saftige, körperreiche Wein so strukturiert, dass das Extraktionsmonster ausreichend Frische und sogar ein wenig Eleganz entwickeln kann. Fazit: „sex in a bottle“ – für einst Euro 14,90.

2000 Les Rocailles, Chateau de Capitoul – Languedoc / La Clape (Celerina 1)

87 Punkte: nich ganz klar (aber hat auch 1000 km Fahrt hinter sich); in der Nase etwas laktisch, Wacholderbeere, reifste Himbeeren, Himbeergeist, frische Zigarre. Am Gaumen angenehme Frucht, Waldkirsch, reife Himbeere, schwarzer Pfeffer, würzig; recht saftig; kräftiger Körper; vom Mundgefühl eher samtig, doch hinten heraus leider recht scharf.

2000 Le Mas au Schiste, Domaine Rimbert, Coteaux du Languedoc / Montepeyroux (Wein 8)

87+ – Die Weine dieser Domaine werden naturnah erzeugt und der Le Mas au Schiste ist mit einem Preis von ca. Euro 10-12 (z.B. bei www.weinpalais.de) für eine Flasche des aktuellen Jahrgang als eher preiswert zu bezeichnen. Der 2000er Jahrgang fiel durch seine etwas dropsige, süßliche Frucht nach Cassis und roten Beeren und die eher süßlich-würzigen Aromen (Früchtebrot, Majoran) auf. Er wirkt noch erstaunlich frisch und jung; für eine höhere Bepunktung mangelt es aber an Tiefe und Länge.

2000 Héméra, Domaine des Grecaux – Coteaux du Languedoc / Montpeyroux (Wein 7)

84 Punkte – Héméra, die griechische Göttin des Tages, konnte mich bei aller Weiblichkeit nicht überzeugen. Héméra ist mit ihrer eher rotbeerigen Frucht zwar angenehm im Mund und auch recht saftig, aber letztlich einfach und auffallend unkompliziert. Tannine sind ordentlich, die leichte Schärfe am Gaumen und die etwas stalligen Noten lassen beim Trinken jedoch keine große Freude aufkommen und so ordne ich diesen Wein klar in das letzte Viertel der zur Verkostung angestellten Probanten ein. Die Cuvee besteht aus Syrah und Grenache, im bei  Kössler & Ulbricht (www.weinhalle.de für Euro 17,80) angebotenen Jahrgang 2004 sind die Anteile 40/60, wobei der Syrah im Barrique lag und der Grenache im Tank der Assemblage entgegensah.

2000 Chateau de Jonquières – Coteaux du Languedoc (Wein 6)

89 Punkte – Dem überraschten Auge des Besuchers von Château de Jonquières bietet sich ein völlig unerwarteter, überwältigender Anblick in Frankreichs ehemals vergessenem Armenhaus, so dass man fast glaubt, sich auf einem berühmten Anwesen inmitten des Bordelais zu befinden statt im Herzen des Languedoc. Denn Winzer François Cabissole lebt mit seiner Frau Isabelle in einem wunderschönen, sehr alten, denkmalgeschützten Schloss, dessen Zauber man schnell erlegen ist. Doch wer jetzt glaubt, dass das adlige Ehepaar, finanziell ausgesorgt, dem Weinanbau aus Liebhaberei fröne, der irrt gewaltig. Die Erhaltung des Anwesens verschlingt große Summen und die von Anfang an auf rein biologischen Anbau ausgerichtete Produktion von Trauben, die zu Beginn ihrer Winzerkarriere, seit der Übernahme der Familiendomaine 1983, an die lokale Genossenschaft abgeliefert wurden, erbrachte zu wenig Geld zum Leben, aber zuviel zum Sterben. Mitte der 90er Jahre begann man einen lang gehegten Träume zu realisieren: die Weine wurden fortan mit zunehmendem Erfolg unter ihrem Domainenamen selbst vermarktet. (vgl. www.pinard.de) Seinerzeit hat Pinard diesen Wein für Euro 17,50 verkauft und wir überprüften in unserer kleine Blindverkostung was daraus geworden ist: Differenzierte Nase, die anders als die bis dato verkosteten 2000er Languedoc keine Sekundäraromen aufweist, sondern eher kühl und animierend rüberkommt. Da finden sich eher rauchige Specknoten, Erdbeer-, Himbeer- und Cassisaromen sowie Anklänge an Schokolade und grüne Banane. Die Tannine in dem Wein mit mittelgewichtigem Köper sind ausgesprochen schön, fest und passen sehr gut zur eher dunklen Frucht. Der Hauch Minze, die Tabak- und Röstaromen runden einen insgesamt positiven Eindruck ab und der ebenfalls kühl wirkende Abgang und die Brombeerfrucht hinten heraus, lassen diesen Coteaux du Languedoc auch angenehm nachklingen.

2000 Roc d’ Anglade, Pédréno & Roasting – Coteaux du Languedoc (Wein 5)

86 + Punkte – Der nachfolgende Wein und sein Erzeuger waren für mich Neuland, weder gehört, noch verkostet hatte ich die Weine eines Mannes, der genau das gelebt hat, was ich nur allzu gerne nachahmen würde: Ausstieg aus dem Job, um auf der eigenen Scholle mit dem Weinbau zu beginnen. Norbert Ehret von Vinisüd schreibt in seinem Kellerkurier Juni 2003:

„Bereits seit einigen Jahren kennen und beobachten wir das Schaffen von Rémy Pedreno, schließlich war sein „Clos de la Belle“, mit dem er vor vier Jahren als Hobbywinzer begann, bereits eine kleine Offenbarung. In René Rostaing (Côte-Rôtie-Winzer) fand er damals den passenden Partner, der neben finanziellen Mitteln auch weiteres Know How einbringen konnte, um dem frisch gegründeten Weingut „Roc d’Anglade (benannt nach dem Ort Anglade) eine verheißungsvolle Zukunft zu garantieren.“

Aber in seiner Beschreibung setzt sich Ehret auch durchaus kritisch mit den Weinen von Rémy auseinander und erläutert, warum er die Weine erst mit dem 2001er Jahrgang (von diesem Jahrgang war er dann überzeugt) ins Programm genommen hat. Dies liefert auch eine mögliche Erklärung, warum der Wein bei unserer Verkostung keine höhere Punktezahl bekam: „Anglade, geographisch nahe Nimes gelegen, zählt zu den wärmsten Gegenden des Languedoc. Geologisch gesehen einer der hochwertigsten Terroirs, musste Rémy Pedremo aber lernen, dass die feine, elegante Syrah-Aromatik, die er in seinen Weinen suchte, zwar in der Jugend wunderschön präsent war, aber bereits nach ein bis zwei Jahren Flaschenreife an Frische und Finesse verlor und schnell vegetable und tertiäre Aromen entwickelte.“

Zum Wein: Im Glas nicht ganz klar; leichte Gemüsenote zu Beginn, etwas laktisch, Himbeere – insgesamt ein ungewöhnlicher, eigenständiger und insgesamt positiver Eindruck in der Nase. Am Gaumen eher ungewöhnliche Aromen, Kaffee- und Röstaromen, Karamell, Currywurst (!), Tomatenmark, erkennbare Mineralik; vom Mundgefühl kühl wirkend, mit guten, feinkörnigen Tanninen. Leider im Abgang recht kurz.

2000 Domaine Moncalmes – Coteaux du Languedoc (Wein 3)

85 Punkte – „Frédéric Poutalié, heute gerade mal 31 Jahre alt, hat die hohen Erwartungen, die man schon bald nach Erscheinen des ersten Jahrgangs, seines 99er Côteaux du Languedoc, in ihn setzte, inzwischen mehrfach erfüllt und steigert die Qualität seiner Weine von Jahr zu Jahr. In Frankreich Kult, sind doch die wenigen Flaschen seiner knapp 3 ha Weinberge schnell vergriffen. Seine Rotweincuvée besteht zu 2/3 aus Syrah, der auf einem Hochplateau in Puéchabon steht, das extrem karg und kalkhaltig ist und das, verbunden mit der Nordausrichtung, die kühle Stilistik des Weins prägt. Der gepflanzte Syrahklon kommt von der nördlichen Rhône und verleiht dem Wein eine Côte rotie-ähnliche Finesse und dessen charakteristisches Aromenspiel. Das letzte Drittel besteht aus Mourvèdre und Grenache, von einem Boden ähnlich dem in Châteauneuf-du-Pape. Ausgebaut wird der Wein in bestem 1jährigem Holz der Domaine Romanée Conti.“ (Quelle: N+M-Weine, www.nm-weine.de) So oder ähnlich schreibt jeder Weinhändler seine Elogen über den jungen Weinmacher, der vorher in die Rhone-Welt ausgezogen war, um sein Handwerk bei den besten Erzeugern zu erlernen. Soweit die Theorie – und wie steht es mit der Praxis?

Nein, nicht schon wieder Schmorbratensoße – der dritte Wein und die dritte Soße (ich machte mir langsam Sorgen, um meinen Geruchssinn), doch parallel zeigte sich eine recht frischer, fruchtbetonter Wein, dessen Frucht zwar ein wenig dropsig war, der aber locker und leicht die Kehle hinab floss. Positiv am Gaumen fiel mir auch hier die schöne Frische auf, die Noten von Himbeeren und Schwarzwälderkirsch waren auch nicht schlecht; insgesamt ein unkomplizierter, mittelgewichtiger,  und leckerer Tropfen oder wie jemand in der Runde sagte: „ansprechende leichte Unterhaltung“. Für eine höhere Bewertung mangelte es ihm an Struktur und Charakter. Vielleicht täuscht auch die erlebte Frische ein wenig darüber hinweg, dass der Wein letztlich schon auf dem absteigenden Ast ist.

2000 Côte Dorée, Domaine l’ Aiguelière – Côteaux du Languedoc, Mointepeyroux (Wein 1)

79 Punkte – Das Positive am Einstieg in die Languedoc-Probe des Jahrgangs 2000 war, dass es nur besser werden konnte. Eigentlich ist dieser aus 100% Syrah bestehende Wein das Aushängeschild der Domaine, er stammt von einer Einzellage und wird regelmäßig hoch bewertet, dem 99er hat Bettane Sterne gegeben, aber was soll ich sagen: probieren geht über studieren. Im ersten Monet dachte ich der Duft kam aus der Küche, aber es sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend der Fall sein, dass der Wein einen Geruch von Rinderschmor- oder Wildschmorbratensoße (enorm reduziert und eigentlich richtig lecker) offerierte. Dazu passten die Anklänge von Zimt, Nelken, Lorbeer und die feine Süße, die man schon in der Nase verspürte. Leider kam die ganz große Ernüchterung am Gaumen: grüne Tannine, hart, wenig Frucht, um nicht zu sagen fast leer und hohl, sehr austrocknend. Irgendwie wollte ich an diesen Wein glauben und stellte ihn weg, um über den gesamten Abend immer mal wieder einen Schluck nach zu verkosten, aber dieses Mal gab es kein happy end.

Für ca. Euro 20,- bis 25,- hoffe ich für diesen Wein auf einen Flaschenfehler, denn 8 Jahre sind eigentlich kein Alter für einen reinen Syrah

2000 Jahrgangsverkostung Languedoc bei Ole

Es ist schon wieder ein paar Tage her, dass Freund Ole zur Verkostung bat und die Weinfreunde pilgerten nach Othmarschen. Thema dieses Abends war der sehr gute Jahrgang 2000 im Languedoc. Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Weine mich nicht begeistert, sondern eher ein wenig enttäuscht haben. Dies gilt um so mehr, als sich beim Aufdecken dieser Blindverkostung herausstellte, dass die Weine ausnahmslos von den neu gekrönten "Kult-Erzeugern" stammten, die seitens der Händler Ende der 90er Jahre – mit der Entdeckung dieses Gebietes auf dem Papier – geschaffen worden sind. Sicherlich gibt es außerordentlich gute Erzeuger, die auch mal einen wirklich großen Wein hervorbringen können, aber der so häufige Vergleich mit den großen Stars von der nördlichen und südlichen Rhone muss als herbeigeredet oder geschrieben bezeichnet werden:

Nach nur 7 Jahren waren viele Weine schon recht angegriffen in der Frucht, die Spannung lies nach und die aufkommenden Tertiäraromen (z.B. Schmorbratensoße in der Nase) können nicht gerade als angenehm oder gar schön bezeichnet werden. In der Jugend/ den ersten Jahren sind die guten Languedoc-Weine häufig durch eine dichte und kompakte Frucht überzeugend, doch büßen die meisten Weine an Gleichgewicht und Tiefe mit zunehmendem Alter ein. Aunahmen bestätigen sicherlich die Regel, aber wer schon einmal einen 10, 15 oder 20 Jahre alten LaLa von Guigal getrunken hat, weiß, wie Syrah-Eleganz riechen und schmecken kann….

Ole versorgte uns nicht nur mit gutem Essen, sondern es kamen 12 Weine zum Aufruf, von denen zehn nicht korkig waren, einer im Zweifel durch Kork beeinflusst und einer durch Kork entstellt war. Die Weine (11 Flaschen) habe ich nachfolgend einzeln beschrieben und mit ein paar Infos zu den Erzeugern versehen.