Mövenpick Verkostung – Österreich 2006

Leider mit nur noch wenig Zeit bin ich gestern bei Mövenpick in Düsseldorf "eingekehrt". Zur Verkostung standen die 2006er aus Österreich an. Im Schnelldurchlauf habe ich mich auf die weißen Spitzen konzentriert – and here are the results of the German jury: Austria – two points ;-))) Nein,  so schlecht waren sie nicht, eher das Gegenteil. Der Eindruck, dass 2006 ein sehr gutes Jahr bei unseren Nachbarn war, bestätigt sich mehr und mehr. Negativ fällt mir auf, dass der Konzentrations- und Reifewahn immer stärker wird. Ein Smaragd muss 12,5% Mindestalkohol haben, aber unter 14,5% scheint fast nichts mehr zu gehen. Bei F.X. Pichler muss man allerdings sagen, dass hier das Alkohol-Versteckspiel perfektioniert worden ist. Wie ich bereits in meiner Verkostungsnotiz zum 06er Unendlich geschrieben habe, ist dieser große Wein – trotz seiner 15% Alc. – enorm trinkanimierend und elegant. Leider das Gegenteil war bei Jamek festzustellen, schon beim Ried Klaus Riesling Smaragd aber insbesondere Achleiten GV Smaragd schlägt der Alkohol durch und man bekommt gleich mit dem ersten Schluck eine volle Breitseite.

    • 2006 Bründlmayer, Kamptaler Terrassen GV: 86 Punkte – schöne, klare Frucht, geradlinig mit animierender Frische, sehr sauber, zarte Apfelfrucht, dezent kräutrig, schöner Essensbegleiter, angenehme 12,5% Alc.
        
    • 2006 Jamek, Ried Klaus Riesling Smaragd: 92 Punkte; mir ist ja bekannt, dass in Österreich für "trocken" bis zu 9 Gramm Restzucker zugelassen sind, aber dieser Wein hat schon kein Zuchkerschwänzchen mehr, das ist ein ausgewachsener Schwanz! Im Mund enorm extraktreich, kraftvoll , dicht und voluminös; ausladende, reiche Frucht, Waldhonig, reife exotische Früchte; aber auch ein recht deutlicher Alkohol. Wirkt zunächst sehr kompakt und auch schwer, mit zunehmend Luft und etwas Kauen gewinnt er hinten heraus deutlich an Komplexität. Da ausreichend Säure vorhanden ist, meine ich, dass dieser "süße Muskelprotz" eine gute Entwicklung vor sich hat, zur Zeit würde ich ihn jedoch meiden und frühestens in 4 oder 5 Jahren mal wieder eine Flasche aufmachen. Wahrscheinlich großes Potential.

    • 2006 Jamek, Achleiten Grüner Veltliner Smaragd: 91 Punkte – Der haut mich um !! Total sortentypische Aromatik in Mund und Nase, aber mit welcher Wucht wird dem Trinker hier klar gemacht, wo der Hammer hängt. Großer, schwerer Wein, gelbe Frucht, enormer Körper, fester Biß und trotzdem sehr schmelzig, fast ölig (durch den Alkohol), tolle Kräutermineralik, betont fruchtig, etwas breit – Entschuldigung für den nachfolgenden Ausdruck: "eine fette Sau". Von diesem Wein möchte ich  1(!!) Glas (dieses aber mit praller Lust) trinken und dann seelig einschlummern. Bin sehr gespannt, ob die Frucht im Kampf mit dem Alkohol in den nächsten Jahren Stand halten kann.
    • 2006 Prager, Wachstum Bodenstein Riesling Smaragd: 94 Punkte – Herrlich dichte und feste Nase, Steinobst, gelbfruchtig, Am Gaumen ebenfalls sehr kompakt, schreit nach Luft, um sich entfalten zu können. Kraftvoll, mit gutem Druck am Gaumen, sehr schöne Extraktion und perfekte Säure, die sich – wie ein Kometenschweif – von vorn bis hinten klar und brilliant durch den Wein zieht. Hervorragend strukturierter Wein, der Zeit benötigt und sicher erst in drei bis vier Jahren seine wahre Größe und Eleganz komplett offerieren wird. Großes Potential !!
       
    • 2006 Prager, Zweritaler Grüner Veltliner Smaragd: 92 Punkte – Für mich nicht der ganz, ganz große GV, aber ungemein animierend und sexy. Schöne, frische, aber etwas zurückhaltende Nase mit der leichten Brise einer Sommerwiese und Anklängen von frischen Äpfeln und Wachs. Am Gaumen frisch und betont kühl, in der Mitte ein schöner, betont mineralischer und würziger Komplex, nicht zu fett (13,5%Alc); hinten heraus frisch, aber vielleicht etwas kurz. Trotzdem glaube ich, dass dieser Wein sich gut entwickeln wird und auch in ein paar Jahren viel Genuss bietet.

    • 2006 Hirtzberger, Honivogl Grüner Veltliner Smaragd: 95 Punkte – Opulenz kann auch schön sein; wieder 15% Alc, aber hier nicht vordergründig, aber auch nicht versteckt. Ein Wein mit unglaublich schönem Schmelz, einer herrlichen Stoffigkeit, einem großen Körper und einer Lust, die ansteckt. Die Zunge wird von einem  breiten Teppich voller Aromen von gelbem Steinobst, warmen Kräuternoten und einer tabakigen Mineralität belegt, der sich bis in den tiefen Rachen hinein ausbreitet. Dieser Wein hat von allem viel: Viel Schmelz, viel Alkohol, viel Säure, viel Extraktsüße, viel Frucht, viel Länge, viel Komplexität, viel Wollust.

2004 Klaus Keller – Dalsheimer Hubacker Riesling Auslese *** / lange Goldkapsel

2004 Klaus Keller – Dalsheimer Hubacker Riesling Auslese *** / lange Goldkapsel

 

97 Punkte – Wow, was für ein Teil, kann eine Auslese noch besser sein als dieser Stoff. Über diese Frage würde ich gerne Stunden diskutieren ? vorausgesetzt, ich habe genug im Glas davon. Eine unglaublich (!) komplexe und reintönige Nase, da sind z.B. Noten von Honigmelonen, Flugananas, Grapefruit, Akazienhonig, Pfirsich und Aprikosen, dazu paart sich ein Eindruck von Sommerwiese mit Blumen und Kräutern. Dieser Stoff ist so unglaublich tief, dazu fein und geschmeidig, komplex und nachhaltig. Mit perfektem Süse-Säure-Spiel und einer herrlichen Mineralität ist diese Auslese für mich  ganz nahe an der Perfektion  – oder einfach: ?die  Leichtigkeit des Weins?

2000 Prinz von Hessen – Johannisberger Klaus Riesling Spätlese trocken

86 Punkte – (Ap. 260 23 012 01) Reintönige Nase, nahezu ohne jede Spur von Alterung, frische Noten von Steinobst, Äpfeln und  Citrusfrüchten sowie einem Hauch von Lindenblüten. Am Gaumen  frisch, klar, bissfest und mit eleganter Säure ausgestattet; animierende Art (12% Alkohol), die durch eine schöne Mineralik unterstrichen wird. Die Hand geht zum Glas –  der Wein überzeugt durch eine geradlinige Frucht (Apfel und Citrusfrüchte),  seine Frische, die Harmonie und einem guten, von Säure und Mineralik getragenen Abgang. Jetzt und die nächsten 1-2 Jahre auf dem Höhepunkt