1988 Chardonnay, Bründlmayer – Kamptal


87 Punkte – „Der Chardonnay hat den internationalen Erfolg von Willi Bründlmayer jun. eingeleitet. In den 80-er Jahren gewann Bründlmayer Chardonnay auf der Weinmesse Vinitaly eine Verkostung der „besten Chardonnays der Welt“(Veronelli), obwohl er eigentlich von einem deutschen Journalisten nur als „Pirat“ eingeschleust worden war. Der internationale Ausbaustil hat seither zu einer individuellen Ausprägung gefunden mit fester Struktur und charmanter „österreichischer“ Frucht.“ (vgl. http://www.bruendlmayer.at/weine/weisswein/chardonnay_2002.php) Unglaubliche 21 Jahre hat dieser Chardonnay auf dem Buckel und er stand wunderbar im Glas. Der Wein verströhmte einen vielfältigen Duft, der mich an Waldhonig, Quitten, Äpfel und Crème Brûlée erinnerte. Die Nase ist finessenreich, am Gaumen konnte er das Niveau nicht ganz halten. Dennoch zeigt sich auch hier der Wein eher von der eleganten, filigranen Seite; sehr klar, mit feinem Schmelz – wirklich schön gereift. Heute arbeitet Willi Bründlmayer bei seinem Chardonnay mit Eiche aus der Region. Leider konnte ich noch nicht herausfinden, ob dies damals auch schon der Fall war, denn irgendwie hatte der Weine deutlich etwas burgundisches, aber auch wieder nicht – vielleicht bringt hier auch das Holz eine deutlich lokale Note mit ein.

1999 Grüner Veltliner Ried Lamm, Bründlmayer – Kamptal

95 Punkte- Wow, was für eine elegante Weinbombe – dieser Satz ist ein Widerspruch in sich, aber passend für diesen Wein. Inzwischen 9 Jahre alt, aber immer noch eine GV-Referenz. Im Jahrgang 1999 hat Willi Bründlmayer einen Wein erschaffen, der unglaubliche Power mit einer hedonistischen Trinkfreude kombinert, die nur unfassbares Erstaunen hinterläßt.

Die Nase ist geprägt von einem "schmerzhaften" Duft von Pfefferkuchen, Salz, Marillen, weißem Pfeffer und einer Aromendichte, die stets dazu verleitet die Nase immer und immer wieder in Glas zu halten. Für den Gaumen der ultimative Härtetest; ein Wein der die Geschmacksknospen zum Explodieren bringt (oder wie es Stuart Pigott in seiner ihm eigenen Spache zum Ausdruck gebracht hat: "Ein Neutronenstern von ungeheurer Dichte, der mit ungewöhnlich intensiver Leuchtkraft pulsiert". Wenn man dies weniger prosarisch ausdrückt, bewegt den Gaumen eine nicht endend wollende Mineralik, die sich in einer extrem spürbaren Salzigkeit ausdrückt. Paralell dazu pruduziert ein Alkoholgehalt von 15% einen wunderbaren Schmelz, der hervorragend die Aromen trägt. Da sind z.B. Marillen, Tabak, Vanille, weißer Pfeffer (kein Pfefferl, sondern ein ausgewachsener weißer Pfeffer), exotische Fruchtanklänge, Waldhonig, (…). Bei aller Kraft und Dichte ist dieser GV auf höchstem Niveau (vorausgesetzt man gibt ihm etwas Luft) ausgewogen und trinkig, die Länge ist atemberaubend und ich freue mich sehr, sehr auf die 4 Flaschen, die ich noch im Keller habe.

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1997 Hiedler – Maximum Chardonnay halbtrocken / Kamptal (=Weinrätsel in Frankfurt)

Ein normaler Donnerstag in Frankfurt/Main – ich hatte hier beruflich zu tun und da man liebe Freunde grundsätzlich viel zu selten sieht, nutzte ich die gute Gelegenheit bei Birgit und Bernd zu nächtigen. Kaum angekommen hatte ich ein Glas in der Hand und wunderbaren Speck aus Südtirol auf dem Teller. Bernd sagte nur kurz: „Wir verzichten heute auf das Vorgeplänkel“ und tauchten ein in die Tiefen des Weingenusses. Grundsätzlich waren wir uns aber einig, dass Vorgeplänkel (in Form von guten, aber nicht herausragenden Weinen) wichtig ist, um überhaupt die späteren Top-Weine in ihrer Qualität, ihre Komplexität und den durch sie erlebten Genuss richtig einordnen zu können.

 

Los ging es mit einem Wein der besonderen Art, ich war aufgrund der Aromatik recht verunsichert, was ich da im Glas hatte und versuchte mich über das Land zu nähern. Frankreich war mein erster Versuch und ich war mir eigentlich sicher, dass ich Recht haben würde, aber mir schallte nur ein „No“ entgegen. Ich wurde vorsichtiger, aber mit „Wein aus der Alten Welt“ lag ich zumindest richtig. Aber woher ? Ich erinnerte mich, dass die beiden kürzlich Portugal bereist hatten und erklärte Bernd, dass ich von portugisischen Weißweinen überhaupt keine Ahnung habe, aber man sollte weniger denken und auf seine Sensorik vertrauen. Ok !! Ich konzentrierte mich wieder auf den Wein – aufgrund der Cremigkeit, der Aromatik am Gaumen wurde ich mir hinsichtlich der Rebsorte etwas sicherer und ergatterte   mit „Burgunderrebsorte“ und „Chardonnay“ ein zweimaliges Kopfnicken. Aber dann verließ es mich auch schon wieder, meine gesamte Trinkerfahrung brachte mich nicht weiter, so einen Wein hatte ich bislang noch nicht im Glas:

 

In der Nase eine dichte Frucht, die insbesondere durch zwei Aromen getragen wurde, durch Mandarinen und einem herrlich würzigen, dunklen Waldhonig. Beides konnte man auch am Gaumen wieder finden, aber da war nicht nur die Würze des Kräuterhonigs, da war gleichzeitig auch die dazu passende Honigsüße, dieser Wein hatte einen deutlichen Zuckerschwanz. Aber ein wirklich restsüßer Wein war es nicht. Der Wein wirkte auf der anderen Seite erstaunlich frisch, hatte eine tiefe Mineralik, die den Eindruck von Frische weiter untermauerte, aber gleichzeitig waren da auch Aromen, die mir klarmachten, dass ich keinen ganz junger Wein vor mir hatte. Auffallend schön seine Dichte, seine saftige, extraktreiche Art und die Cremigkeit, mit der dieser Wein über die Zunge zu gleiten vermochte. Die gute Länge und Aromen von Karamell und Sahne rundeten das Bild ab. „Bild“ ein gutes Stichwort – denn inzwischen war ich mir sicher, dass ich dieses Bild noch nie in meinem Leben gesehen hatte und so musste ich die Segel streichen, um nicht endgültig in willkürliches Rätselraten zu verfallen.  90 Punkte

 

Lösung: Hiedler, Chardonnay 1997 Maximum halbtrocken  – Kamptal / Österreich