1967 Martha’s Vineyards, Heitz Cellars – Kalifornien (Top of the Pops)

97 Punkte – Unglaublich „LECKER“ habe ich mir bei diesem 67er Martha’s Vineyards notiert, aber das ist nicht dieses „lecker“, das man häufig aus lauter Verlegenheit benutzt, wenn einem nichts anderes einfällt und man seinen Gastgeber nicht brüskieren möchte. Dieses „LECKER“ steht für mich für die wahre Freude und den großen Genuss. Dies ist ein Stoff von klassischer Schönheit, der mich durch seine wunderbare aromatische Tiefe und Struktur sowie sein hohes Maß an Komplexität und Länge total begeistert hat. Mit Momentaufnahmen wie: feine Pfefferwürze, dezente Malzsüße oder elegante Minzaromatik kann man diesem Wein nicht gerecht werden, aber es sind kleine Hinweise auf die Schönheit der Reise, auf die man bei diesem Wein mitgenommen wird. Ich glaube zwar kaum, dass es nochmals einen Leser geben wird, der diese Eindrücke nachvollziehen kann, denn so rar sind alte Matha’s Vineyards, aber umso mehr möchte ich unserem Weinfreund danken, der diese Flasche angestellt hat!

2000 bis 2004 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 4)

2000 / 92 Punkte – Im Stil etwas verändert, da ohne Petit Verdot – 75% CS, 23% Merlot und 2% Cabernet Franc. Kraftvoll, dicht und sehr dunkel, ja fast schwarz wirkt die Milleniums – Ausgabe von Ridge’s Monte Bello. Aromen von Teer, Lakritze dominieren, aber auch Anklänge an Granatapfel und Grenadine assoziiere ich. Erstaunlich tief und kraftvoll, „Ente süßsauer schießt mir so als Bild durch den Kopf“, aromenintensiv; gute Würzaromen aus dem Holz, kombiniert mit einer schönen Fruchtsüße und einer gut verpackten Säure ergeben ein intensives, aber stimmiges Bild. Toller Wein in einem ansonsten schwierigen Jahrgang in Kalifornien.

 

2001 / 96 Punkte – Die „1er“ Jahre scheinen für außerordentliche Qualität zu stehen. Nachdem der 91er schon alles platt gemacht hat, dürfte auch der 01er die Krone im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends für sich beanspruchen.

 

……so dicht

……so kraftvoll

……so kompakt

……so saftig

……so druckvoll

……so komplex

……so fein

 

Die Tannine sind sehr reif, kraftvoll, aber weich; die Frucht ist sehr dunkelbeerig, süß und saftig. Noten von Tabak, Mokka und eine feine Bitterkeit bilden das aromatische Gerüst für einen gigantischen Wein, der alles hat. Rene Gabriel verglich ihn mit einem großen Richebourg – leider fehlt mir die Richebourg-Erfahrung, um dies zu verifizieren.

 

2002 / 91 Punkte – ein wahnsinnig kompakter Jahrgang, dicht und mit sehr viel Schmelz ausgestattet; hat ordentlich fett auf den Rippen, aber bei weitem nicht die Klasse des Vorgängerjahrgangs. Dazu fehlt es ihm etwas an Tiefe, Druck und Komplexität. Die Konturen sind nicht so klar, die Frucht ist eher rotbeerig und man kann ihm auch eine gewisse Quarkigkeit attestieren. Trotzdem sehr guter Stoff, da er eine gute Trinkigkeit besitzt und Potential für viele Jahre hat.

 

2003 / 92 Punkte – ja mein Gott, was hat dieser Wein für eine Extraktsüße; Noten von Dörrobst, Rumtopf – ein Früchteallerlei, dazu kandierter Zucker, Marzipan, aber auch malzige Anklänge. Da er anscheinend ausreichend Säure besitzt, kann ich mich trotz der extrem hohen Konzentration für diesen Wein erwärmen. Sicherlich wird man da nicht eine ganze Flasche von trinken, aber nach dem Skifahren auf der Hütte so einen Schluck abends beim Spiele-Abend und es kommt Stimmung auf – darauf gebe ich mein Wort !

2004 / 94 Punkte  – Ein blitzsauberer Jahrgang, sehr modern gemacht; viel, aber elegantes Holz. Sehr, sehr primärfruchtig, hat alles, was man von einem kalifornischen Wein erwartet. Für mich bleibt die Frage, ob er nicht ein wenig beliebiger von seinem Charakter geworden ist, aber es ist deutlich zu früh, um dies abschließend zu beurteilen. Technisch ein großer Wein mit perfekten Anlagen.

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1990 bis 1999 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)

1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.

1980 bis 1989 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 2)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

1980 / 84 Punkte – Die 80er Ausgabe fällt gegen den Vorgängerjahrgang recht deutlich ab; die verschiedenen Komponenten des Weins korrespondieren nicht richtig miteinander, der Wein hat eine gewisse Ruppigkeit und zeigt dadurch wenig Eleganz. Frucht ist zwar da, aber aufgrund mangelnder Harmonie und Finesse sind es nur 84 Punkte geworden. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure induziert ist.

 

1981 /  88 Punkte – In der Nase eher verhalten, dafür aber frisch und mit ätherischen Anklängen  guckt dieser 81er Monte Bello aus der Wäsche. Ein jetzt gut zu trinkender Wein; recht saftig, noch frisch und mit guten Tanninen ausgestattet; die Hand geht zum Glas – auch wenn dies keine große intellektuelle Herausforderung ist.

 

1982 /  60 Punkte – „ugly“ sagte mein Tischnachbar (gebürtiger Amerikaner und Wahlschweizer) und dem kann ich nur zustimmen. Man kann diesen Wein auch für korkig halten; aber dieser Muffton, diese extrem krautige Note kommt aus der Verarbeitung von unreifem Lesegut.

 

1983 / 88 Punkte – Da ist zumindest wieder Wein im Glas  – nach dem 82er eine echte Wohltat, wenn auch kein  „Kracher“. Eher von der Struktur getrieben und mit festen Tanninen ausgestattet macht dieser Jahrgang nicht den ganz großen Spaß. Wenig Fleisch auf den Rippen, eher sehnig. Die Aromen von Milchschokolade und Toffee im Abgang versöhnen etwas.

 

1984 / 84 Punkte – Die 80er Jahre sind bislang keine Offenbarung. In der Nase etwas krautig, erkennbare Reife, Liebstöckel. Dann erstaunlich reduktiv, auch ein wenig laktisch; letztendlich mangelt es ihm an Harmonie. Rene Gabriel meint: „schöne Blechbüchse zum Ende“ – ein Grund, warum ich Konserven grundsätzlich nach dem Öffnen sofort entleere, wenn es denn schon nicht ohne sie geht.

 

1985 / 90 Punkte – Geht doch !  Ein wenig Maggikraut zu Beginn, ein wenig Überreife in der Frucht, letztlich aber schöne Beerenfrucht in der Nase – erster Jahrgang in der 80er Jahren mit einer Bewertung >= 90 Punkte. Am Gaumen gut und fest gebaut, feine Extraktsüße; schöne, recht saftige Frucht mit Anklängen an Sattelleder, Malz und süßem Lakritz. 

 

1986 / 85 Punkte – Und schon wieder geht es den Berg hinunter. Assoziationen mit Pferdehaaren und Mottenkugeln kommen mir in den Sinn. Am Gaumen wirkt dieser Jahrgang recht spröde, die etwas spitze Säure trägt ihren Anteil dazu bei. Hinten heraus eher rauchig und mineralisch im Abgang.

 

1987 / 94 Punkte – In Europa war 1987 ein schwieriger Jahrgang und ich hätte keinen Wein gewusst, den ich dieses Jahr zum zwanzig-jährigen Jubiläum des Jahrgangs empfohlen hätte. Hier die Übersee-Antwort: Monte Bello 1987 (!) Mag man den Ausführungen von Robert Parker folgen, war dies einst ein sehr robuster Wein, der Geduld erforderte. Alle Anwesenden freuten sich der Geduld, die Nils mit dieser Flasche an den Tag gelegt hatte und so konnten wir ein „American Beauty“ genießen. Schon tief und substanziell in der Nase, am Gaumen ebenso weich wie tief in der Aromatik, viel Substanz, geschmeidig. Feinster Kakao und Minze sind die Begleiter eines wunderbar harmonisierten Weines, der eine aufregende Eleganz und Finesse zeigt. Einziger Wehmutstropfen, schon die produzierte Menge dieses Tropfens fiel weit unterdurchschnittlich aus, sodass es in Europa nahezu unmöglich sein wird, auch nur eine Flasche davon aufzutreiben.

 

1988 / 84 Punkte – Da war sie wieder, die herausstehende Säure, die einige Jahrgänge des Monte Bello „auszeichnet“. Meine Notizen sind so kurz ausgefallen – genauso unaufregend ist der Wein: kantig, etwas Bitterschokolade, eher bittere Orangenzesten, unangenehmer Kuhstall in der Nase, spitze Säure, recht angenehme Kühle, ein Hauch von Lakritz. Bestanfalls als harmlos zu bezeichnen.

 

1989 / 85 Punkte – So schlimm wie ihn einst Parker beschrieben hat (75 Punkte) ist er nicht, aber als „Bringer“ kann man ihn auch nicht bezeichnen. In der Nase auffallend viel Liebstöckel/Maggikraut, am Gaumen immer noch feste Tannine, recht grob geschnitzt, aber auch eine erkennbare Extraktsüße, leicht malzig, ein Wein eher zum unkomplizierten „Saufen“; zur Brotzeit (dafür natürlich viel zu teuer) geeignet.

1972 bis 1978 Ridge – Monte Bello, Kalifornien (Teil 1)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

 

Im Mövenpick Beef Club zu Zürich traf sich eine illustre Runde von Weinliebhabern, um – unter der Moderation von Rene Gabriel – 32 Jahrgänge „Ridge – Monte Bello“ zu verkosten. Initiiert und zusammengetragen hatte diese besondere Probe Nils Frei, ein  überaus angenehmer, bescheidener und liebenswerter Weinfreak aus der Schweiz. Seinen Faible zum kalifornischen Wein im Allgemeinen und zum Monte Bello im Speziellen hat er während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Dallas entdeckt. Lieber Nils, nochmals vielen Dank für diese außerordentlich schöne und interessante Verkostung !

 

Wer Infos zum Weingut, zur Philosophie des Hauses (oder Ähnliches) benötigt, dem empfehle ich die attraktiv und interessant gestaltete homepage von Ridge Vineyards: www.ridgewine.com .

 

Wenn man einen Wein über so viele Jahrgänge verkostet, zeigt sich häufig, ob es Stilbrüche oder größere Umstellungen in der „Methodik“ gegeben hat. Einen solchen Bruch konnte ich diesmal nicht ausmachen; der „Monte Bello“ zeigt die gleiche Kontinuität, wie sein Schöpfer Paul Draper, der schon seit 1969 auf dem Weingut für’s  winemaking zuständig ist.

 

Zum Wein – Gestartet wurde mit einem 2er flight aus den frühen 70er Jahren:

 

1972 / 88 Punkte  – Die erste Nase ist viel versprechend – Vorfreude kommt auf: Süßer Duft von Dörrobst und Feigen, gepaart mit einer feinen balsamischen Note. Am Gaumen konnte dieser Nasenbär-Wein leider nicht das vollumfänglich bestätigen, was die Nase versprochen hat – etwas trocknende Tannine und eine nicht harmonische Säure führen dazu, dass ich unter  90 Punkten bleibe; die Nase war deutlich drüber.

 

1973 / 85 Punkte – Der nachfolgende 73er war noch etwas schwächer, in der Nase offeriert er Anklänge an Waldboden, Erdbeeren und ein Hauch von Maggi. Eher leicht bis mittelgewichtig am Gaumen, immer noch etwas rote Frucht, ein wenig malzige Süße, aber die Tannine wirken metallisch und die Säure kommt noch etwas spitzer heraus als beim 72er; insgesamt auch ein wenig kurz im Abgang.

 

1974 / 93 Punkte – Ein ganz anderes Kaliber ist der erste Wein des nachfolgenden 6er flights. Wow, was ist das? Zu Beginn in der Nase noch etwas verschlossen, aber mit Luftzufuhr entwickelt sich ein tiefes und komplexes Bukett. Am Gaumen wie ein klassischer Bordeaux, der trotz seines Alters immer noch sehr fest und straff rüberkommt; runde Tannine, Noten von Teer, Lakritz und etwas Minze paaren sich zu der ansonsten eher rot wirkenden Frucht; leicht rauchige Noten und eine erkennbare Mineralik runden das Bild ab; die bei den beiden Vorgängerjahren so kräftige Säure ist auch hier im Ansatz vorhanden, aber der Wein hat genug Speck, um dies auszugleichen.

 

1975 / ohne Bewertung – leider korkig.

 

1976 / 90 Punkte – fette Nase, Noten von Überreife. Extrakt- und Fruchtsüße, Aromen von Karamell, Orangeat und mit dunkler Schokolade überzogenes Kirschmarzipan. Vom Körper eher mittelgewichtig, mit viel Extraktsüße ausgestattet, insgesamt aber erstaunlich fest und jung. Wie Parker hier auf 69 Punkte kommt, ist mir ein Rätsel!? Vielleicht ist es ein Übertragungsfehler von der Print-Ausgabe  in die Online-Version (und es waren einmal 89 Punkte). Wer die gedruckte Ausgabe (WA Nr. 89 / Oktober 1993) vorliegen hat, möge dies bitte kontrollieren.

 

1977 / 92 Punkte –  Die Frucht wirkt deutlich dunkler als bei den Jahrgängen zuvor, Anklänge an Waldkräuter, Hirschleder  und Pilze. Insgesamt sehr schön saftig, aber auch mit viel Tannin und Säure ausgestattet.  Gute Länge.

 

1978 / 92 Punkte – Im ersten Moment erschlagen mich die Maggikrautnoten, die aber mit zunehmender Luftzufuhr abflauen und einen gut gereiften Wein zu Wort kommen lassen. Ansprechende Tiefe im Bukett und am Gaumen – ein hedonistischer Wein ! Aromen von Rosinen, Süßlakritz und eher dunklen Früchten, buttrige Anklänge. Aber auch deutlich Liebstöckel am Gaumen und eine Säure, die mir etwas zu schaffen macht. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure vorgegaukelt wird.

1979 nicht produziert