2011 Kanzel, Henrik Möbitz – Baden

91 Punkte – früher hätte man wohl gesagt, Henrik Möbitz ist Nebenerwerbswinzer, aber „brrr“, dieses Wort klingt so provinziell, angestaubt, eher unprofessionell und nach „ich habe noch nie über meinen Tellerand hinausgeschaut“ – da ist Garagenwinzer zwar schon besser, aber es trifft die Sache auch nicht, denn Henrik Möbitz sitzt weder in Bordeaux, noch verkauft er seine Weine zu unerschwinglichen Preisen. Stattdessen ist Henrik Möbitz promovierter Chemiker und ganz nebenbei ein „Wein-Vollblut“, der modern interpretierte Traditionsweine in Kleinstserie produziert und deren Flaschenzahl stets auf dem Etikett angegeben ist. Die heute Abend vor mir stehende Flache Weißburgunder „Kanzel“ trägt die Zahl 196 – von 300 Stück Gesamtauflage. Vom Pinot Noir aus gleicher Lage gibt es in 2011 immerhin schon 800 Flaschen. Trotzdem kann man die Zahl der Händler, die seine Weine vertreiben, an einer Hand abzählen (u.a. in Hamburg bei Rebsaal am Eppendorfer Baum 44 und bei Kösslers Weinhalle in Nürnberg). Im Glas glänzt ein schöne – wenn auch nicht vollkommen klare – strohgelbe Farbe(wahrscheinlich unfiltriert abgefüllt). Tiefe, vielschichtige und fruchtbetonte Nase mit schöner Exotik: grüne Banane, frische Birnenfrucht, Wacholderbeeren, Limette, ätherische Noten. Am Gaumen klar, frisch und fokussiert, gleichzeitig saftig und vielschichtig. Sehr animierende Art, mit frischer Säure. Am Gaumen folgt die Aromatik den Eindrücken der Nase: gelbe, exotische Früchte, junge Birnen, Wacholderbeeren, grüne Banane, etwas Lakritz! – Assoziationen mit Monkey 47 – diesem unglaublich guten Gin – werden wach; der seine Heimat ebenfalls in der Region,im nahegelegenen Schwarzwald, hat. Aktuell wunderbar zu trinken, mit herrlicher Präsenz und schöner Länge.