Berlin Riesling Cup 2015 – Große Gewächse

 

 Berlin Riesling Cup 2015 (2)

 

Bereits zum 7. Mal rief Martin Zwick zum Berlin Riesling Cup. Auf Basis reichlich eigener Erfahrungen und einer Auswertung der Berichte befreundeter Verkoster von der Wiesbadener VDP – Vorpremiere „Große Gewächse 2014“ hat er einmal mehr eine formidable Vorauswahl an Großen Gewächsen für seinen Berlin Riesling Cup getroffen.

 

Fazit: Deutlich verbreiterte Spitzengruppe mit sehr guten Weinen. Keine Jahrhundertweine.

 

Der Griff nach den Sternen, das(!) Weinunikat im Sinne vollkommener Perfektion oder eines „once in a lifetime Weins“ gab es in 2014 bei den trockenen Rieslingen nicht. Kein Großes Gewächs hat nach meinem Empfinden mit 96,97 oder 98 Punkten (19 Punkte WEINWISSER) reüssiert. Die „1“ mit Sternchen in Form von 99 oder 100 Punkten (20/20 beim WEINWISSER) bleibt anderen Jahrgängen vorbehalten. ABER……..

Die Spitze bei den Großen Gewächsen wird immer breiter. Immer mehr Weine schaffen den Sprung auf das Podest mit mindestens 18/20 bzw. 93-95/100 Punkten. Die Leistungsdicht hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Es ist wunderbar zu sehen, dass in allen Regionen eine faszinierende Dynamik in Sachen Qualitätsstreben zu beobachten ist. Neben den meisten Top-Winzer-Betrieben, die sich stets zu hinterfragen scheinen und immer weiter an der Schraube ihres Stils und der Qualität drehen, gibt es zwei Gründe für die erfreuliche Verbreiterung der Spitzengruppe: Einerseits sind es Traditionsbetriebe, die teilweise bis zum Ende des letzten Jahrzehnts – also viel zu lange – auf ihren großen Namen, ihre Geschichte und eine bis dato sehr solide, aber nicht konsequent an der Spitze ausgerichtete Qualität gesetzt haben. Nach Jahren des „Bewahrens“ scheinen die Verantwortlichen nun (aus Angst davor den Zug endgültig zu verpassen?) die Weichen endlich richtig zu stellen. Noch viel dynamischer und voll auf dem Gaspedal steht jedoch eine junge Generation Rebflüsterer. Zwischen Mitte 20 und Mitte 30 sind diese jungen Winzerinnen(!) und Winzer alt und geben mal so richtig Gas. Mit reichlich Geschick, häufig internationalen Erfahrungen im Gepäck und einer gesunden Portion Ehrgeiz treiben sie die Leistungen im Wingert und im Keller immer mehr in Richtig Spitze.

Nur konsequent ist daher die jährlich wiederkehrende Entscheidung von Martin Zwick 2,3 oder 4 wenig bekannte, junge Winzer mit ihren besten trockenen Rieslingen in das Verkostungspanel aufzunehmen – auch wenn sie (noch) ohne VDP-Mitgliedschaft sind und bis dato kein Großen Gewächs auf die Flasche gebracht haben. Voll das „Bull-Eye“ – das Epi-Zentrum des Rieslings getroffen haben dieses Jahr die beiden Brüder Stephan & Georg Schwedhelm. Gemeinsam verantworten sie das Weingut Schwedhelm-Zellertal (www.schwedhelm-zellertal.de) und mit 92 Punkten für ihren Schwarzen Herrgott haben sich die beiden Nordpfälzer Mitten in das Feld der besten Großen Gewächse des Jahrgangs 2014 katapultiert. Die ca. 60 ha große Lage gehört einerseits zur Pfalz, anderseits zu Rheinhessen, wo man die Lage meist mit Namen Battenfeld-Spanier verbindet.

Über die nicht einfachen Bedingungen des Jahrgangs – im Generellen – und die Besonderheiten beim Einbringen der Großen Gewächse – im Einzelnen – wurde schon viel berichtet. Kurz zusammengefasst: Geduld, Risikobereitschaft, ein eingespieltes Leseteam und viel, viel Selektion waren die Voraussetzungen, um echte Qualität auf die Flasche zu bringen. In der Spitzengruppe der Großen Gewächse war Botrytis kein wirkliches Thema. Die Arbeiten im Wingert übers Jahr wurden belohnt und bei der Selektion der Träubchen waren alle Betriebe konsequent genug, um die Voraussetzungen für sehr gute Qualitäten zu schaffen.

Die SIEGER des BERLIN RIESLING CUPS sind:

  • 2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz
  • 2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau
  • 2014 Riesling Ungeheuer GG, von Winning – Pfalz

 

 

Meine persönlichen TOP-5 mit jeweils 95 Punkten (in zufälliger Reihenfolge) sind:

  • 2014 Riesling Brunnenhäuschen „Abtserde“ GG, Keller – Rheinhessen
  • 2014 Riesling Morstein GG, Wittmann – Rheinhessen
  • 2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz
  • 2014 Riesling Halenberg GG, Schäfer-Fröhlich –Nahe
  • 2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau

 

2014 Riesling Gau-Odernheimer Herrgottspfad, Winzerfamilie Flick Rheinhessen: Reintönige, dezent kräuterwürzige Nase, leicht wachsige Nase, Akazienblüten, dicht, mit gutem Druck, dürfte vom kalkbetonten Böden kommen, leichte Kräutrigkeit, zarte gelbe Früchte, dezente Citrusnote im Abgang. Schön gebaut, schlank, aber mit sauber definierten Muskeln. 88 Punkte

2014 Riesling Frühmesse, Juliane Eller, Rheinhessen: mittleres bis tiefes Goldgelb, dunkelblumige Nase, Sumpfdotterblumen; schlanke, etwas spitze Nase, weißgelbe Früchte. Am Gaumen ziemlich runder Ansatz, mittlerer Saft, moderate Säure, weißgelbe Frucht. Bleibt am Ende überraschend lange am Gaumen haften. Runde Sache! 87 Punkte

2014 Riesling Hattenheimer Wisselbrunnen, Hans Lang – Rheingau: Duftige Nase, Orangenblüten, gelbes Obst, Brioche mit gelber Konfitüre. Am Gaumen körperreich, weiche Oberfläche, rund und etwas füllig, gelbe Frucht, dezente Bitterorange, aber irgendwie fehlt es mir letztlich an Definition. Ordentliche Länge im Abgang; aus dem leeren Glas sehr duftig. 87 Punkte

2014 Riesling Gräfenberg GG, Robert Weil – Rheingau: Strahlendes weißgelb, im ersten Moment noch etwas unruhige, leicht dropsige Nase, die er mit zunehmender Luft verliert, dann blütig-kräutrig, sehr reintönige Aromenkomposition. Am Gaumen zeigt er eine klare und sehr gut strukturierte Art, eher schlanker Ansatz, aber nachhaltig. Feine Säure und bereits jetzt mit guter Balance. (Anm. die erst kürzlich durchgeführte Vertikale hat gezeigt, dass die GG aus dem Gräfenberg besonders viel Zeit zur Entwicklung des aromatischen Potentials benötigen) 91++ Punkte

2014 Riesling Beutelsbacher Altenberg, Leon Gold – Württemberg: Noch deutlich vom Holz (neues Fass?) geprägte Nase, wirkt dadurch noch etwas holprig und verschlossen in der Nase. Dahinter eine feinduftige, gelbe Frucht; baut mit Luft deutlich aus. Fest gewirkter Stoff, hat Kraft, besitzt hinter der auch am Gaumen noch etwas vordergründigen Holznote eine feste, feinsaftige Frucht mit mineralischen Anklängen und einem leichten Gerbstoff. Eher moderat in der Säure. Erkennbare Tiefe. Auf Grund des Holzes (Anm.: Ausbau erfolgte im Halbstückfass) noch etwas schwierig zu beurteilen; bin fest davon überzeugt, dass er mit zusätzlicher Flaschenreife deutlich zulegt. 87++ Punkte

2014 Riesling Steingrüben GG, Weingut Dautel – Württemberg: Sehr kräuterwürziger Auftakt, tiefer und klarer Ansatz. Am Gaumen sehr sauber und reintönig, mit schöner Konzentration und feinem Druck. Kräutrige, salzige und mineralische Art, klarer Saft, hat leichte Ecken und Kanten, sehr schöne Säure. Gute Länge, mit innerer Stärke und Komplexität, schöne Balance. 93 Punkte

2014 Riesling Am Lumpen 1655 GG, Horst Sauer – Franken: Frischer und sehr klarer Ansatz, viel frische, fruchtige Noten: Maracuja, grüne (damit ist nicht unreif gemeint) Früchte und Aromen einer frisch geschnittenen Waldwiese. Trinkanimierende, klare und reine Stilistik, deutlich! mineralische Art, sehr schöner Riesling mit gut balancierter Säure. Insgesamt ein komplexer, eleganter und sehr guter Riesling! Besonders gefällt mir, dass die Frucht mal nicht über gelbes Steinobst kommt. Gute Länge! 92 Punkte

2014 Riesling Centgrafenberg GG, Fürst – Franken: reintönige, duftige Nase mit schöner, frischer traubiger und gelbfleischiger Frucht; saftiger Typ, konzentriert, aber nicht zu kompliziert, gute Struktur, noch etwas mehr Zug und Druck würde den Wein richtig groß rauskommen lassen, im Hintergrund entwickelt sich etwas, zeigt eine leicht salzige Mineralität, könnte noch deutlich aus dem Knick kommen. Aktuell 91 Punkte

2014 Riesling Niederberg Helden GG,  Schloss Lieser – Mosel: phenolische Art mit dichter Frucht, Orangensaft, wachsige Noten, etwas aufgewühlte Säure. Wirkt insgesamt nicht fertig, hat seine Balance (noch) nicht gefunden. Kann schon in ein paar Monaten viel besser sein – oder auch nicht 😉 Aktuell schwer zu bewerten. In dieser Tagesform 89 Punkte

2014 Riesling Ayler Kupp GG, Peter Lauer – Mosel: unruhige Spontinase, klare Stilistik, typische MSR Aromatik, schöne mineralisch, klare Art; sehr feine Würzigkeit, hat viel Zug und Druck im Hintergrund, Tabak, Zitrusnoten, sehr gute Balance, ein Spieler, ein Tänzer, so vital und ausdrucksvoll. Die Leichtigkeit des Seins, großer Wein mit toller Länge! 94 Punkte

2014 Riesling Aulerde GG, Groebe – Rheinhessen: Zum Auftakt Honignoten und viel gelbe Frucht, wachsige Noten, deutet etwas Botrytis im Lesegut an. Zeigt am Gaumen viel Frucht und auch Spiel, allerdings fehlt ihm etwas die Frische und eine – für sein Alter – notwendige jugendliche Spritzigkeit; runde Frucht, geschmeidige Oberfläche, viel Samt und Seide, im Hintergrund erkennbare Mineralik. Hat vieles, begeistert mich aber nicht. 88 Punkte

2014 Riesling Ben, Katharina Wechsler – Rheinhessen: Ausgewogene Art in der Nase, leise aber mit Balance und jetzt schon angenehmer und unaufgeregter Trinkigkeit; mineralische Züge, zarte Fruchtnoten, irgendwie eine Riesling auf einem Flokati gebettet, mir macht das Freude, da die Anlagen stimmen und der Wein mich gefangen nimmt. 89 Punkte

2014 Riesling Morstein GG, Wittmann – Rheinhessen: Klare Art, zeigt die Morstein-typische dunkle Mineralik, würzige Kräutrigkeit, sehr stimmig, sehr sauber und reineintönig, guter Stoff, etwas Minze und Zitronenmelisse, großartig, viel mineralisches Spiel, weiße Noten, viel Zug und Definiertheit. Soooo viel Spiel, großartig! 95 Punkte

2014 Riesling Heerkretz GG, Wagner-Stempel – Rheinhessen: Sehr klar und definiert in Nase und Gaumen, gute Saftigkeit und Konzentration, schöne Balance zwischen Mineralik, Frucht und Säure, jetzt schon sehr zugänglich und balanciert. Minze, feiner Tabak, weiße Frucht, Kräuter, nachhaltig, sehr schöner Wein mit guter Länge. 93 Punkte

2014 Riesling Brunnenhäuschen GG, Wittmann – Rheinhessen: Groß gewachsener, nordisch-karger Typ mit irrer Präsenz. Rauchig, mineralisch, tiefer Ansatz, hier ist Kraft und Spiel im Glas, hier passiert was, Kräutermineralik – von der Sorte Gebirgsregen auf Fels im Sommer, packt zu, superb, leichte Adstringenz, Salzigkeit, Zitrone in Salz, endet mineralisch lang. 94 Punkte

2014 Riesling Brunnenhäuschen „Abtserde“ GG, Keller – Rheinhessen: Jetzt wird’s schmutzig! Hier spricht das Terroir– komplexe mineralisch vegetative Nase; Spontinoten mit noch leicht kohligen Gäraromen (die mit Luft oder Zeit in der Flasche verschwinden), Tabak, salzig-kräuterwürzig; im Hintergrund ein Hauch von Citrus, grünem Apfel und Cassis. Am Gaumen mächtig viel Zug, wirkt aktuell wie eine in der Werdung befindliche Skulptur. Vielschichtig, komplex, eröffnet ständig neue Einblicke und Ansichten; harmonische Säure. Der Wein trägt, ist dicht und erdig-mineralisch; trotz aller Komplexität ein sehr klarer und irgendwie auch puristischer Stoff, der beschäftigt. Einer der wenigen Weine, der definitiv noch Flaschenreife benötigt. Großer Wein! 95 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Gunderloch – Rheinhessen: Feinfruchtige Nase, Cassis, Steinobst und Holunderblüten, schlanker Ansatz, im Hintergrund etwas Tannin. Aktuell fest und schlank; sehr klare und saubere Frucht, hochgradig reintönig, gelbe Frucht, mineralisch präzise und definiert, Nicht laut, dafür nachhaltig und noch etwas eng, zupackend, mit superber Länge. Well done! 94 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Keller – Rheinhessen: Noch deutliche Spontinase. Fülliger Stoff, zu Beginn noch etwas unruhig, baut mit Luft im Glas richtig aus, dann viel Druck und Kraft, etwas Tabak, und ein Hauch Currykraut. Herrlicher Zug, gute Säure, salzige Art, lebt aktuell von seiner mineralischen Ader. Die Frucht braucht noch Zeit – wartet aktuell im Hintergrund ihren Auftritt noch etwas ab; schöner Körper mit sehr gut balancierter Säure. (Anm.: Etwas fülliger und aktuell eine Spur breiter angelegt als Gunderlochs Pettenthal). 94 Punkte

2014 Riesling Rothenberg GG, Gunderloch – Rheinhessen: Sehr klare Aromatik, da werden keine Gefangenen gemacht, wenig beerige Frucht, noch etwas hefig, dahinter ein kräutrig mineralischer Kern, der noch wenig von sich preisgibt. Am Gaumen ebenfalls ziemlich eng und dicht, lässt wenig zu, Gerbstoff, wirkt aktuell etwas steinig, monolithisch ungelenk, hat aber tolle Anlagen, die sich hoffentlich so entwickeln, Anis und Lakritze, viel Phenolik. Bleibt abzuwarten, ob er das Potential im Alter voll umsetzten kann. Der 2013 war in der Jungend ähnlich straff und Sieger des letztjährigen Berlin Riesling Cups. Mit zunehmender Reife über das letzte Jahr hinweg, konnte er sein Versprechen bislang leider nicht voll einlösen. 93 Punkte

2014 Riesling Zehnmorgen GG, St. Antony – Rheinhessen: Diese Lage gehörte früher zum bekannten Weinbaubetrieb von Franz Karl Schmitt. Während Hipping & Pettenthal heute die Etiketten von Klaus Peter Keller zieren, kaufte St. Antony diese alte, aber aktuell etwas unbekanntere Lage. Im April 2015 stellte man dem GG Komitee eine kleine Vertikale der Jahrgänge 2012-2014 vor. Die potentiellen Großen Gewächse mussten sich anschließend in einer Blindverkostung im Feld der anderen GG zu beweisen und schwupp die wupp, mit dem 2014er Jahrgang steht nun das erste offizielle Große Gewächs aus der Lage Niersteiner Zehnmorgen im Glas. Noch mit dezenter Spontinote, im ersten Moment denke ich Orbel? Greift zu, ist mineralisch, zeigt viel vom Boden, hat Grip, macht Spass, mit guter Defintion, die Säure ist harmonisch eingepasst, insgesamt jetzt schon überraschend zugänglich. 90 Punkte

2014 Riesling Mandelgarten, Christmann – Pfalz: Kühle Art, noch unruhige, hefige Spontinase, sehr kräutrig, dezente Zitrusnoten im Hintergrund. Sehr fest im Hintergrund, ein Wein zum Beißen, packt zu, purer Fels –was für eine Mineralik aktuell, großartig, ordentliche Säure, griffig, insgesamt in der Aromatik mit viel pflanzlich kräutrigen und erdigen Aromen, sehr tief und nachhaltig, wenn auch aktuell noch ein klein wenig verwaschen und unruhig, aber das wird! Da könnte eine Weinriese heranwachsen – mehr groß als artig (großartig)!!! 94 Punkte

2014 Riesling Hohenmorgen GG, Bassermann Jordan – Pfalz: Duftige Nase Viel Frucht, deutliche Bitternoten, ziemlich unruhig im Moment, mineralische Ader, aber auch reichlich Phenole, noch sehr hefig, vegetabile Noten, Wildgräser, straffe Mineralik, aktuell noch etwas anstrengend, aber mit sehr guten Anlagen. Braucht Zeit. 90 Punkte

2014 Riesling IDIG, Christmann – Pfalz: Viel gelbe Frucht, klare Frucht, eher fruchtbetont, schöne Pfirsichfrucht, trinkig, geschmeidig, im besten Sinne unkompliziert zu verstehen, schöne Würze, mit super schönem, saftigen Kern, reintönige Frucht, richtig schön. 92 Punkte

2014 Kallstadter Saumangen Riesling, Rings – Pfalz: Seit dem 01.06.2015 ebenfalls ein VDP-Betrieb, die 2014 sind zwar noch keine offiziellen GG, spielen aber eindeutig in dieser Liga. Herrlich klare und reintönige Frucht, gelbfleischig mit kalkigen Parfum. Am Gaumen saftig, lebendig und belebend, wiederum gelbfruchtig, mit würzigem Spiel, überaus lebendig, spielerisch, belebend, Nussigkeit, Mandeln – alles durchzogen mit einer schönen, mineralischen Ader. Alles da, wo es hingehört – jetzt schon erstaunlich runde Sache, trinkiger Stoff mit schöner Länge. 91 Punkte

2014 Riesling Ungeheuer GG, von Buhl – Pfalz: Ungeheuer viel Cassis und Minze, Stachelbeeren, kühl, komplexer Stoff, zu Beginn in Richtung kräutrig, dann Rosa Grapefruit, Nadelholz, Citrusnoten, irgendwie im sau-positiven Sinne karg, trocken, aber mit glockenklarer Art. Auf den zweiten Schluck wird dieser Riesling immer erdiger und die Vermählung mit dieser wahnsinnig inspirierenden Frucht ist einfach perfekt. Ein Rieslingkonzert bei dem ich nur eins möchte: Tanzen. Die Hand geht sowas von zum Glas, höchst animierend. 93+ Punkte  

2014 Riesling Ungeheuer GG, Bürklin-Wolf – Pfalz: Runde, weiche und sehr geschmeidige, im wahrsten Sinne des Wortes runde Art. Weiß-gelbe Frucht, verhaltene Säure, feine saftige Frucht, geschmeidig, gefällig im positiven Sinne, aber irgendwie ohne den Funken, der überspringt. Auf Grund des Verdachts eines leichten Flaschenfehlers ohne Wertung

2014 Riesling Ungeheuer GG, von Winning – Pfalz: Ungeheuer schöne Kombination aus feinen Gerbstoffen, nassen Kräutern und vielschichtiger Frucht; fester Kern, mit irrer Energie ausgestattet – da geht die Luzi ab: Kräuter, Frucht und Mineralik, dichter Kern, fokussiert, präzise. Riesling Vibrations – 94 Punkte

2014 Riesling Ungeheuer GG, Bassermann Jordan – Pfalz: Kräuterwürzige Art, recht karge Frucht, erdige Noten, viel Fokus, mustergültig definiert und präzise; harte stahlige Kanten, brutale Mineralik, ein Wein wie eine Laser, ist das gut oder schon too much? Nein, davon kann ich nicht genug bekommen. Sehnig, klar und irre gerade durch. Bin sehr gespannt, was daraus wird!! 94+

Punkte 2014 Riesling Pechstein GG, von Buhl – Pfalz: Wow, was für eine kräutrige und vor allem würzige Naase, alles ziemlich gelb. Eher exotische Gewürze: Curry und Kukuma, sehr eigenständig, viel Holz, trotz allem passt da alles zusammen und es entwickelt sich jetzt schon Harmonie. Großes Festival- oder Programmkino! 93 Punkte

2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz: Feinsaftige Art, pur und reintönig, im besten aller Sinne unkompliziert, weil perfekt proportioniert. Perfektion wirkt immer leicht und spielrisch unkompliziert. Das ist zwar alles noch tierisch unentwickelt, aber es hat den goldenen Schnitt – einfach erstklassig. Aber je perfekter ein Wein, umso schwieriger läßt er sich in Worte fassen.Viel Zug, klar, reinönig, irre präzise; mineralischer, felsiger Kern, Kräuter auf Eis, hintergründig eine feine Frucht (very british mit understatement) – großartig. 95 Punkte

2014 Riesling Schwarzer Herrgott, Weingut Schwedhelm-Zellertal – Pfalz: noch etwas Kohlensäure, dann ziemlich klare und mineralische Nase mit viel Frische und einer dezenten, von Kernobstaromen geprägten Frucht. Der Gaumen hat von allem viel, präsentiert sich mit einer schönen, schon erstaunlich ausgewogenen Art; feinsaftig; von einer deutlich mineralisch, kalk-kräutrigen Ader durchzogen ist. Gute Länge. (Nach dem Aufdecken: Sehr, sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis; die Lage Schwarzer Herrgott ist ca. 60 ha groß und gehört einerseits zur Pfalz und andererseits zu Rheinhessen) – 92 Punkte

2014 Riesling Schwarze Herrgott GG, Battenfeld-Spanier – Rheinhessen: Subtile Nase mit vegetabilen und floralen Noten, Orangenblüten. Überaus geschmeidiger Riesling, ohne echte Ecken und Kanten, aber mit nobler Kühle und sehr schönem inneren Zug. Leichte Gerbstoffe, wenig Frucht, dicht gewirkt, Stoff zum Kauen, erkennbare erdige und dunkle Mineralik; sehr sauber definiert, aber irgendwie kommt er noch nicht aus sich heraus. In dieser Form wirkt er weniger inspiriert als andere. Ein bekannter Wein-Advokat schrieb früher dann immer: sleeper oft he vintage. 91++ Punkte

2014 Riesling Grainhübel GG, von Winning – Pfalz: Sehr geschmeidige, feine ziselierte Frucht, feinsaftig, mal ein Großes Gewächs, dass nicht so sehr von der mineralischen Seite kommt, sondern hier steht die Frucht klar im Vordergrund, das mag ich trinken, das ist nicht kompliziert, aber trotzdem vielschichtig und vor allem auch jetzt schon zugänglich und animierend. Feiner Saft. 91 Punkte

2014 Riesling Felsenberg GG, Schäfer Fröhlich – Nahe: Tiefe, noch deutlich von Spontanaromen (Kohl; Bier, Hefe und wenig Frucht) geprägte Nase. Am Gaumen dann ein Feuerwerk mit allem was zu gehört – soo viele Ohhhh und Aaahhhs! Überaus vital, die Faust im berühmten Samthandschuh. Im ersten Moment ist man geblendet von der überraschend geschmeidigen Oberfläche, darunter brodelt jedoch ein kleiner Vulkan. Sehr viele vegetabile Noten, überaus kräutrig-mineralisch, jeden Moment wieder anders, straff gewirkt, mit lebendiger Säure, pikant-animierend, ein polarisierender Stoff, der mir überaus gut gefällt. Ein Kauf für meinen privaten Keller. 93 Punkte

2014 Riesling Halenberg GG, Emrich Schönleber – Nahe: recht kräutrig-vegetabile Nase mit schöner Frische und mittlerer, grün-gelber Frucht, kräutrig-mineralische Art, insgesamt schon ziemlich ausgewogene Stilistik. Mittelgewichtiger Körper, überraschend zugänglich und filigrane Frucht, auch blütige Noten, hat Stil und subtilen Charme, wirkt etwas leiser. Sehr schöner Wein, der auch nachhaltig und lang am Gaumen steht. (Anmerkung: dieser Wein ist seit über 10 Jahren eine Bank und einer meiner persönlichen TOP 3 Lieblings GGs. Insbesondere auf Grund seiner Jahr für Jahr sehr dunklen, kräuterwürzigen und erdigen Mineralität, die kombiniert mit viel Druck und Zug einen maskulinen Wein mit viel Ausdruck und großer klarer Präzision prägt, ist er für mich ein echter Rockstar. Doch der 2014er singt dieses Mal eher eine Balade, subtil und vielschichtig – ja! Es ist auch noch die gleiche Stimme! – Aber ich will ihn lieber rocken sehen) – 92 Punkte

2014 Riesling Halenberg GG, Schäfer-Fröhlich –Nahe: Tiefe noch sehr Spontannoten behaftete Nase, sehr fokussiert, klar, richtig gut und fordernd in der Nase. Da ist (noch) nicht viel Frucht, sondern eher eine kompakte Mischung aus feuchten Steinen, nassem Salz und vielen herben Wiesenkräutern nach ein Sommergewitter, frischer Tabak. Das ist kommt keine Frucht-Duselei, da hämmert Schweizer Präzessionsmaschine einen neuen Stollen in den Fels. Glockenklar, präzise, sehr viel Druck und Substanz, fester Kern, sooooo herrlich krass, viel Substanz, ein Bolide, der wie an der Schnur gezogen auf der Piste seine Runden dreht. Wirkt zu keinem Zeitpunkt angestrengt, sondern einfach nur schön – wie eine Uhr von Lange & Söhne aus Glashütte. – 95 Punkte

2014 Riesling Goldloch GG, Diehl – Nahe: Viel Zitrusnoten und Orangenblüten in der Nase, exotische, gelbe Früchte, deutliche Phenolik. Klar und definiert am Gaumen, zeigt schöne Frische, knackig, reine Fruchtaromen, ausdrucksvoll, erinnert mich stark an Dosenmandarinen. Ein wirklich aufmunternder, animierender Wein, der richtig gute Laune verbreitet. Mir gefällt es besonders gut, dass er nicht nur die mineralische Seite betont, sondern auch eine sehr feinsaftige und vielfältige Frucht spielen lässt. Bitte googlen: Meryl Davis und Charlie White im Glas – 92+

Punkte 2014 Riesling St. Nikolaus GG, Spreitzer – Rheingau: Sehr schöne, duftige und animierende Nase. Im Hintergrund deutlich Zitrusnoten und gelbfleischige Früchte, die aktuell noch von kräutrigen, dezent holzigen Aromen, Haselnuss und sahnigen Anklägen dominiert werden. Deutlich burgundischer Stil, eher oxidativ ausgebaut, schönes Spiel. Menschenwerk. Am Gaumen ruhig, unaufgeregt und sehr sauber; geschmeidiger Trinkfluss; feine gelbe Frucht, wieder ein wenig Holz und eine ganz denzent laktische Noten; weich und rund, aber mit toller Frische. Auch hier eher burgundische Stilistik. Sehr sauber, reintönig, mit ruhiger Eleganz. Ziemlich singuläre Interpretation, mir gefällt das sehr, sehr gut. Bleibt die Frage nach dem Reifepotential? Die nächsten 5-8 Jahre ohne Probleme, danach lasse mich ich mich gerne überraschen. Mit einem Lieblingsweinpunkt: 94 Punkte 

2014 Riesling Hohenrain GG, Jakob Jung – Rheingau: Reichlich spannende, frische Fruchtnoten, fest gewirkt. Am Gaumen klar und definiert; dabei ziemlich dunkle, saftige Frucht, deutlich tabakig, mit herrlich mineralischem Biss, zentriert und fest. In der Form kein Wein für Weicheier, aber mit etwas Reife oder reichlich Luft wird das ein ganz großer werden. Tiefer und überaus komplexer Wein, der seine Genießer voll in den Bann zieht. Zielsicher und definiert bis in die letzte Ritze des langen Abgangs. 92 Punkte

2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau: Lebendige, kraftvolle und eine überaus vielschichtig, reife Frucht (Zitrus- und gelbfleischige Kernfrüchte), sehr tief und fordernd. Am Gaumen voll da; viel Präsenz, hat Kraft, gleichzeitig aber innerlich ruhig und geordnet. Guter Saft mit viel Extrakt und einem genialen Säure-Extraktsüße-Spiel. Obendrüber ruht ein mineralischer, kühler und leicht wiesenwürziger Schleier – so wie an einem kühlen, leicht dunstigen Sommermorgen, wenn die Nacht sich gerade verabschiedet und die Sonne erste Wärmestrahlen aussendet. Perfekt gebaut, mit Struktur und Pölsterchen – genau an richtigen Stellen; da „beißt“ man gerne rein. Ein Hauch Gerbstoff stützt zusätzlich. Großartiger Rheingau-Riesling. 95 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Kühling-Gillot – Rheinhessen: Kraftvolle, dichte und noch von Spontannoten geprägte Nase. Hat Zug und Kraft, reichlich Kräuterwürze, ist saftig und mit reichlich frischer, gelber Frucht ausgestattet. Dicht und kompakt, aber auch mit Spiel; etwas adstringierend, da passt alles gut zusammen, die Säure gibt ihm eine formidable Frische und ist sehr gut eingebunden. – 93 Punkte

2014 Riesling Gips GG, Aldinger – Württemberg: klare Frucht mit Anklängen von Zitrusnoten und gelbem Steinobst, dazü eine schöne mineralisch anmutende Kräutrigkeit, leicht vegetabil. Am Gaumen dicht und mit leichtem Bitterton, sehr schön definiert und reintönig, klare Aromatik, mit Luft gewinnt er an Saft und Körper. Zunächst scheint die Mineralik im Vordergrund zu stehen, aber mit Luft kommt die Frucht in großen Schritten hinterher. Mit Reife wird die Frucht die klare Führungsrolle übernehmen, feiner Schmelz. Da passt alles, sehr ausgewogen. Ziemlich gute Länge! – 93 Punkte

2014 Riesling Goldtröpchen GG, Reinhold Haart – Mosel: Animierender, intensiver Duft von gelben und tropischen Früchten. Am Gaumen ebenfalls mit schöner und intensiver Frucht, reintönig. Sehr saftig und fruchtbetont, viel Extrakt, sehr rund und mit schönem Schmelz sowie einer guten und durchaus eleganten Säure. Die Frucht ist klar auf der gelben Seite, frisches Obst mit richtig viel Substanz, traubig, zum ganz großem Rauskommen fehlt mit ein Überraschungsmoment, die 3. Dimension. Solide 92 Punkte

2014 Riesling Röttgen, Heymann Löwenstein – Mosel: Mischung aus Apfelbrei, Hefe und Gäraromen – in dieser intensiven Form Spontinotenstinker erinnern mich das immer an Babykotze (aber das darf man ja nicht schreiben ;-)). Am Gaumen herrlich kräutrig, intensiv, packen und mit salziger Mineralität ausgestattet; ziemlich griffiges Teil, dezente Nussigkeit, ein Touch Holz, leichter Gerbstoff. Klar und Gut!! Im Moment noch etwas unruhig, aber es passiert viel im Glas. (Anmerkung: Die von mir soo ungeliebte Überreife vieler Heymann-Löwenstein-Wein scheint in den letzten Jahren etwas weniger zu werden. Das geht in die richtige Richtung!) 92+ Punkte